Martin-KoradiLebenslauf von Martin Koradi
(Kurzversion für Eilige)

Jahrgang 1957, diplomierter Drogist, 1994 – 2005 Dozent für Phytotherapie an der „Akademie für Naturheilkunde“ in Basel und seit 2001 am eigenen „Seminar für Integrative Phytotherapie“ in Winterthur.

Leitung von Heilpflanzen-Exkursionen seit 1986.
Für die Naturseminare ergänzende Weiterbildung in Vogelkunde und Insektenkunde.
Gestaltpsychotherapeutische Ausbildung (ZIST).
Philosophisches Privatstudium bei Eva Schiffer (Philosophische Praxis, Zürich).


Ausführlichere Version für diejenigen, die’s genauer wissen wollen:

Ich bin Jahrgang 1957. Durch meine vierjährige Ausbildung zum Drogisten – die ich als sehr spannend erlebt habe – kam ich in Kontakt mit den Heilpflanzen und habe mich sogleich intensiv in dieses Gebiet vertieft. Danach Arbeit in verschiedenen Heilkräuter-Drogerien. 1980/1981 Vollzeitstudium an der Höheren Drogistenschule Neuenburg mit Abschluss als diplomierter Drogist (Meistertitel). Dort holte ich mir u.a. ein solides Fundament im Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde.

Arnikawiese

Arnikawiese in Lenk

Anschliessend Leitung einer profilierten Heilkräuter-Drogerie mit ausgebauter Beratungstätigkeit. Am 1. August 1983 Beendigung der Drogerietätigkeit aus dem Wunsch heraus, mehr über die Natur, Gesundheit und Krankheit, den Menschen (und mich selbst) zu lernen, als es mir in einer Drogerie möglich war. Beginn einer freischaffenden Tätigkeit als Lehrer für Heilpflanzenkunde an Klubschulen, Volkshochschulen und Krankenpflegeschulen. Veröffentlichung des Buches „Heilpflanzen-Therapie“ (2.Auflage 1984, vergriffen) im Eigenverlag und Vertrieb dieser Publikation über Buchhandlungen, Drogerien, an Kursen und im Strassenverkauf.

Parallel dazu von 1981 – 1996 kontinuierliche Aus- und Weiterbildung im psychologischen und psychotherapeutischen Bereich, u. a. Körpertherapie (Shiatsu, Posturale Integration), NLP, Ausbildung in der Leitung von Gruppen, vierjährige Ausbildung in Gestaltpsychotherapie, wovon drei am ZIST in München bei Wendela ter Horst menschlich und fachlich sehr wertvoll waren, vierjährige Ausbildung in Beziehungstherapie (Prof. Stadter in Rosenheim, Lehrtherapie bei Cordula Falt).
Während dieser insgesamt 15 „Psycho-Jahre“ viel Wertvolles entdeckt (u. a. Martin Buber), aber auch nicht wenig „Schrott“ gesehen, viel Selbstüberschätzung, Allmachtsphantasien und fahrlässige bis gefährliche Methoden.
1987 – 1994 Leitung von Seminaren im Bereich Kommunikation, Gesprächsführung, Stressbewältigung, Selbsterfahrung in der Natur und zur psychologischen Bewältigung von Kopfschmerz und Schlafstörungen. Im selben Zeitraum Aufbau einer Praxis für Gesundheitsberatung, in welche psychologisch-beratende und phytotherapeutische Elemente einflossen.

Muerren

Heilpflanzenwanderung in Mürren

1986 erstmals Leitung einer „Heilpflanzen & Alpenblumen“–Exkursion in Lenk (Berner Oberland). In den folgenden Jahren kamen weitere Standorte dazu u.a. Vals, Feldis, Trin, die Rigi, Jeizinen, Mürren. Aus dem Wunsch heraus, mehr von der Natur zu verstehen, folgte eine Weiterbildung in Vogelkunde beim Züricher Vogelschutz (dipl. Feldornithologe). Besonders faszinieren mich aber die kleinen Tiere wie Käfer, Schmetterlinge, Libellen usw. Nimmt man sich die Zeit, sie genau zu betrachten , entdeckt man wahre Bijoux und lernt höchst staunenswerte Lebensweisen kennen. Ergiebige und die Augen öffnende Weiterbildungen in Insektenkunde verdanke ich der Entomologischen Gesellschaft Zürich, dem Entomologischen Verein Alpstein, der ETH Zürich und dem Zoologischen Institut der Universität Bern.

1994 Lehrauftrag als Dozent für Phytotherapie an der damals neu gegründeten Akademie für Naturheilkunde (ANHK) in Basel. Es folgten acht intensive Jahre zum Aufbau von Konzept und Kursunterlagen für den Unterricht. Die ANHK bildet in einem 4jährigen Vollzeitstudium angehende Naturärztinnen und Naturärzte für die kantonalen Prüfungen aus. Das verlangt Unterrichtsstoff von höchster Qualität. Das genaue und umfassende Recherchieren aller Wirkungen der Heilpflanzen nahm während dieser acht Jahre etwa den Umfang eines (unbezahlten) 50% Jobs ein. Dieses Wissen bildet den Grundstock meiner heutigen Lehrtätigkeit im Bereich Phytotherapie. Den Lehrauftrag an der ANHK kündigte ich 2005.

Iffigensee

Iffigensee in Lenk

 Ab 1999 besuchte ich über viele Jahre regelmässig philosophische Privatstunden bei Eva Schiffer (Zürich) in ihrer philosophischen Praxis. Am Ursprung dieser Arbeit stand der Wunsch, die Phytotherapie – aber auch andere naturheilkundliche Methoden – in einem grösseren Zusammenhang sehen zu können, ihre geschichtlich-philosophischen Wurzeln zu verstehen und sie wo nötig auch fundiert hinterfragen zu können. Im Zentrum dieses intensiven und immer noch andauernden Lernprozesses stehen Themen, welche für die (Natur-) Heilkunde wichtig sind, wie z. B. Naturphilosophie, Ethik, Erkenntnistheorie, Wissenschaftsgeschichte). Ergebnisse dieses Studiums fliessen in gut verständlicher Form an verschiedenen Stellen in meine Kurse ein. Auch die Broschüren zur Kulturgeschichte der Haut und zur Kulturgeschichte der Frauenheilkunde gründen auf diesem Fundament (siehe unter „Publikationen“ ). Wertvolle philosophische Anregungen bekomme ich seit über 10 Jahren auch aus der regelmässigen Teilnahme am wöchentlichen Café Philo des Philosophen Albert Hoffmann. Auf seiner Website kann mich in einem YouTube Video sehen,  wo ich ein paar Worte zum Nutzen der Philosophie für die berufliche Praxis sage.

2001 Gründung des eigenen „Seminars für Integrative Phytotherapie“ (SIP), in Winterthur. Das SIP richtet sich hauptsächlich an Berufsleute aus der Krankenpflege, nimmt aber gerne auch MedizinerInnen, Berufsleute aus der Naturheilkunde und unter bestimmten Bedingungen auch interessierte Laien auf.

Ich bin Koordinator der „Interessengemeinschaft Phytotherapie & Pflege“ ( www.ig-pp.ch ), die sich mittels Vernetzung, Erfahrungsaustausch, Öffentlichkeitsarbeit und Lobbying für professionelle Heilpflanzen-Anwendungen in der Pflege einsetzt.

Seit 2007 habe ich mich im Rahmen meines privaten Philosophiestudiums bei Eva Schiffer auch mit den fundamentalen Unterschieden zwischen chinesischem und westlichem Denken befasst. Auf der theoretischen Ebene geschieht das durch intensive Auseinandersetzung mit dem Werk von François Jullien und auf der praktischen auf bisher insgesamt 12 Reisen in verschiedenen Regionen Chinas – vom Regenwald in Yunnan bis zur tibetischen Hochebene, von der Wüste Gobi bis zu den Skipisten im eisigen Norden bei Harbin, von den abgelegensten Dörfern in der Provinz, die noch nie einen Ausländer gesehen haben, bis zu den Grossstädten wie Shanghai, Peking oder Kunming.

Seit 2014 / 2015 bin ich zunehmend besorgt über die gesellschaftspolitischen und geostrategischen Entwicklungen, die unsere liberalen, offen-demokratischen Gesellschaftsmodelle in Westeuropa gefährden. Meinem Eindruck nach ist es an der Zeit, diesen Entwicklungen sorgfältige Aufmerksamkeit zu schenken und die offen-demokratische Gesellschaft, wie sie zum Beispiel der Philosoph Karl Popper beschrieben hat, durch entsprechendes Engagement zu stärken. Ich bin auf der Suche nach Wegen, die in diese Richtung führen. Unter anderem baue ich dazu im Internet verschiedene Projekte auf, zum Beispiel den Blog Info-Selection und den Blog gegen Hasspropaganda im Internet. Neben meiner Lehrtätigkeit im Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde sind diese Themen gegenwärtig für mich am wichtigsten. Mein Kursangebot ist natürlich nicht politisch, aber ich will auch nicht eine isolierte „Heile Kräuterwelt“ anbieten. Der Blickwinkel darf und soll durchaus etwas weiter sein und auch den Kontext umfassen, in dem wir leben. Für den Umgang mit dem Thema „Gesundheit“ ist das sowieso unverzichtbar.