Erstaunlich, wie viele Menschen heute sogenannte Nahrungsergänzungsmittel schlucken. Offenbar ist die permanente Botschaft angekommen, dass uns immer etwas fehlt, dass wir ständig in einem Mangelzustand leben. Und deshalb Tabletten brauchen, damit wir ganz und heil werden. Sehr, sehr komisch dieses Mangelgefühl vor dem Hintergrund einer noch nie dagewesenen Vielfalt und eines Überschusses an Nahrungsmitteln. Doch unsere Nahrungsmittel werden systematisch schlecht geredet, damit Pillen verkauft werden können.
Noch erstaunlicher ist meines Erachtens, dass naturheilkundliche Kreise so stark auf diesen Trend aufspringen. Denn wenn es um Heilpflanzen geht, betonen VertreterInnen der Naturheilkunde jeweils, dass die ganze Pflanze viel wirksam sei als einzelne isolierte Wirkstoffe. Geht es aber um Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und andere Nahrungsergänzungsmittel, schlucken die gleichen Leute ohne mit der Wimper zu zucken isolierte Substanzen.

Früchte

Dabei wären ganze Früchte nicht nur billiger, sondern auch viel gesünder. Äpfel, Birnen und viele andere Früchte sind reich an Antioxidantien. Das sind Schutzstoffe, die schädliche, aggressive Sauerstoffradikale abfangen. Und sie bieten eine viel breitere Palette dieser Schutzstoffe als jede Burgerstein-Pille. Alles spricht dafür, dass unser Organismus von einem vielfältigen Angebot unterschiedlicher Antioxidantien in moderater Dosis mehr profitiert als von wenigen Stoffen in hoher Dosis, wie sie die Nahrungsergänzungspräparate zuführen.
Zudem haben mehrere Studien gezeigt, dass Antioxidantien in höheren Dosierungen gegenteilige, also schädliche Wirkungen haben können. Davon reden die Nahrungsergänzungs-Propagandisten nie. Auch nicht davon, dass Antioxidantien nicht nur böse, sondern in kleineren Mengen offenbar auch nötig sind.

Nahrungsergänzungsmittel

Ausserdem ist der gesundheitliche Nutzen von Nahrungsergänzungsmittel bis heute nicht einmal ansatzweise belegt. Solche Substanzen können notwendig sein, wenn ein klar diagnostizierter Mangel vorliegt. Das ist allerdings nur selten der Fall. Nahrungsergänzungsmittel aber werden überwiegendst ohne Diagnose empfohlen, verkauft und geschluckt – basierend nur auf diesem diffusen Mangelgefühl.

Wir sollten meines Erachtens mehr darauf vertrauen, dass wir uns mit einer einigermassen ausgewogenen Ernährung zuführen können, was unser Organismus benötigt. Dazu braucht man nicht zum lupenreinen Super-Gesundheitsapostel zu werden. Eine moderat vernünftige Haltung und Ernährung reicht durchaus.
In diesem Sinne: Esst Früchte und erspart eurem Organismus und eurem Geldbeutel überflüssige Nahrungsergänzungsmittel.

Weitere Informationen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel im Buch “Pillen, Pulver, Powerstoffe” von Pollmer / Warmuth, das Sie im Buchshop anschauen und bestellen können.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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