Prinz Charles (60) von England ist wegen eines Entschlackungsmittels als “Quacksalber” kritisiert worden. Eine spezielle “Entgiftungs-Tinktur” der Marke Duchy Originals des britischen Thronfolgers sei “vollkommene Quacksalberei” und “gefährliche Geldverschwendung”. So äusserte sich Edzard Ernst, Professor für Alternativmedizin an der Universität Exter.
Der Prinz ignoriere wissenschaftliche Erkenntnisse und führe die Menschen in die Irre. Es existierten keine Beweise, dass solche Entgiftungsprodukte wirkten. Die Entschlackungstinktur ist als Nahrungsmittelergänzung gedacht und enthält Artischocke und Löwenzahn. Sie kostet zehn Pfund (etwa elf Euro). Gemäss Werbung soll sie entgiften und die Verdauung fördern.

Quelle:
www.aerztezeitung.de, 10. 3. 2009

Kommentar: Prinz Charles wegen Entschlackungsmittel kritisiert

Dass Prinz Charles der Alternativmedizin nahe steht, ist schon seit längerem bekannt.

Für eine detailliertere Stellungnahme zu seinem neusten Produkt müsste man natürlich die genaue Zusammensetzung und vor allem die Herstellungsweise kennen. Genau genommen kann man nämlich nie sagen, “Heilpflanze X wirkt YZ”. Es kommt immer entscheidend darauf an, in welcher Dosierung und in welcher Zubereitungsart eine Heilpflanze angewendet wird, beispielsweise als Kräutertee, als Tinktur, Extrakt oder Frischpflanzenpresssaft.

Artischocke und Löwenzahn mit verdauungsfördernder Wirkung

Artischocke und Löwenzahn steigern beide in geeigneter Zubereitungsform die Magensaftproduktion und regen den Gallenfluss an. Insofern könnte das Heilpflanzen-Präparat von Prinz Charles wohl durchaus verdauungsfördernd wirken. Dass seine Anwendung gefährlich sein soll, ist höchst unwahrscheinlich, wenn es wirklich nur Artischocke und Löwenzahn in geeigneter Dosierung und Zubereitung enthält.
In diesen beiden Punkten scheint mir die Kritik von Professor Ernst, dessen Arbeit ich sonst sehr schätze, über das Ziel hinaus zu schiessen.

Unsinnige Entschlackungskuren

Volle Zustimmung verdient Edzard Ernst dagegen meines Erachtens bei den Kritikpunkten “Entschlackung und Entgiftung”.
Dass die ganze Welle mit Entschlackungskuren und Entgiftungsmitteln auf höchst fragwürdigem Fundament steht, habe ich schon mehrfach kritisiert. Niemand konnte nämlich bisher genau angeben, um welche Schlackenstoffe und Gifte es bei solchen Kuren denn konkret gehen soll. Es scheint sich hier um eine Art von Phantom zu handeln. Auch bleibt zumeist im Dunkeln, auf welche Weise die “Schlacken” genau ausgeschieden werden sollen. Und fundierte Belege dafür, dass mit solchen Kuren konkret identifizierbare unerwünschte Stoffe ausgeschieden werden, sind nicht einmal ansatzweise in Sicht.
Wird das Heilpflanzen-Präparat von Prinz Charles also für Entschlackungskuren propagiert und für diesen Zweck gekauft, dürfte der Kritikpunkt “Geldverschwendung” wohl zutreffen.

Allerdings trifft diese Kritik dann auch die zahlreichen “Entschlackungskuren” und “Entgiftungsmittel”, welche jahraus und jahrein, verstärkt aber im Frühling mit dem Versprechen der Gewichtsabnahme, in Apotheken und Drogerien verkauft werden.
Viele dieser Entschlackungsmittel enthalten zudem unsinnigerweise starke pflanzliche Abführmittel wie zum Beispiel Sennesblätter. In dieser Hinsicht wäre dann das Heilpflanzen-Präparat von Prinz Charles, wenn es wirklich nur Artischocke und Löwenzahn enthält, zumindestens eine sanftere, abführmittelfreie Variante.

Ich könnte mir allerdings auch vorstellen, dass man mit den finanziellen Ressourcen, die einem Prinz Charles zu Verfügung stehen, im Bereich Alternativmedizin sinnvollere Projekte aushecken könnte als die Propagierung einer Entschlackungstinktur mit fragwürdiger Wirkung.

Aber immerhin: Schön zu wissen, wofür sich ein englischer Thronfolger in chronifizierter Warteposition so alles interessiert….

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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