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Passivrauchen schädigt Gehirn

Gesundheitliches

Avatar-FotoMartin Koradi13.04.2009

Amerikanische Wissenschaftler haben erforscht, ob sich auch Passivrauchen auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns auswirkt. In einer Querschnittsuntersuchung, der Health Survey for England, wurden fast 5000 nicht rauchende Erwachsenen mit einem Alter von mindestens 50 Jahren erfasst.

Die Passivrauchexposition wurde objektiv durch die Bestimmung der Konzentration von Kotinin im Speichel festgestellt. Bei Kotinin handelt es sich um ein Abbauprodukt des Nikotins.

Die Studienteilnehmer nahmen an einer kognitiven Testserie teil, die verbales Gedächtnis, rechnerische Fähigkeiten, Zeitorientierung und Wortflüssigkeit erfasste.
Verglichen mit Personen, die in der Quartile mit der geringsten Kotininkonzentration lagen, schnitten Probanden in der zweiten, dritten und vierten Quartile in den kognitiven Tests schlechter ab. Dabei liess mit steigender Kotininkonzentration die kognitive Leistung nach. Das Viertel mit der höchsten Kotininkonzentration im Speichel zeigte ein um 44 % erhöhtes Risiko für kognitive Einbußen.

Auslöser der kognitiven Beeinträchtigung sind vermutlich die Auswirkungen von Passivrauch auf Herz und Kreislauf und daraus folgende Durchblutungsstörungen.

Quelle: Medical Tribune – 41. Jahrgang – Nr. 15/2009
Originalpublikation: DJ. Llewellyn et al., BMJ 2009; 338: b462

Kommentar: Passivrauchen schädigt Gehirn

Gesundheit lässt sich oft nicht einfach fördern oder herstellen mit Heilpflanzen, Globulis oder Medikamenten. Gesundheit hat immer auch Aspekte, die mit unserem Zusammenleben verknüpft sind, mit unserer Kultur und Gesellschaft. In diesem Sinne darf sich Naturheilkunde meines Erachtens nicht fixieren auf die isolierte Behandlung von Individuen mit Naturheilmittel. Sie muss den gesellschaftlichen Kontext mit einbeziehen.

Allerdings gibt es beim Thema “Gesundheit” auch ein Risiko sektiererischer Entgleisung. Es muss sorgfältig im Auge behalten werden, wer wem nun seine Gesundheitsvorstellungen aufdrängt oder sie für allgemein verbindlich erklärt. Augenmass ist hier gefragt. Das gilt auch beim Thema “Rauchverbote”.

Diese Studie zeigt allerdings einmal mehr, wie wichtig der Schutz von Nichtrauchern ist durch Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden, Restaurants und an Arbeitsplätzen.
Bei diesem Thema wird ja immer wieder über die Einschränkung der Freiheit der Raucherinnen und Raucher durch intolerante Nichtraucher geklagt und über eine Diskriminierung der rauchenden Bevölkerungsgruppe. Das ist aber doch gar nicht der entscheidende Punkt.

Es geht meines Erachtens nicht darum, das Rauchen zu verbieten, sondern einzig um den Schutz der Nichtraucher. Ich möchte als Nichtraucher mich frei auch in Restaurants bewegen können, ohne mit stinkenden Kleidern und brennenden Augen bestraft zu werden. Die Auswahl an rauchfreien Restaurants ist immer noch sehr beschränkt und meine Geduld in dieser Hinsicht aufgebraucht.

Die Stimmberechtigten des Kantons Zürich haben ein ziemlich restriktives Rauchverbot in Restaurants beschlossen. Dass unsere Volkswirtschaftsdirektorin Rita Furrer (SVP) diesen Volksentscheid offenbar verwässert und die Umsetzung verzögert, finde ich unakzeptabel. Die Gastro-Lobby hat dort wohl zuviel Einfluss.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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