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Phytotherapie bei Erkrankungen der Atemwege – ein Überblick

Phytotherapie

Avatar-FotoMartin Koradi04.07.2009

Phytotherapie bzw. Pflanzenheilkunde hat bei Erkrankungen der Atemwege eine große Bedeutung. Die Heilpflanzen können in diesem Bereich schleimhautschützend, reizlindernd, expektorationsfördernd, sekretolytisch, entzündungshemmend, keimhemmend und durchblutungssteigernd wirken. Die Anwendung kann oral, per inhalationem (vor allem Ätherisch-Öl-haltigen Heilpflanzen), als Einreibung oder in hydrothermotherapeutischen Massnahmen geschehen.

Hier eine überarbeitete und gekürzte Zusammenstellung aus der Universität Duisburg-Essen mit den wichtigsten Heilpflanzen für Erkrankungen der Atemwege, vor allem gegen Husten:

Viele Heilpflanzen mit ätherischen Ölen erleichtern das Durchatmen und Abhusten, sie hemmen zum Teil auch das Keimwachstum und Entzündungsvorgänge. Hierzu gehören:
– Anis-, Fenchel-, Sternanisfrüchte
– Campher
– Eukalyptus
– Fichtennadelöl und Kiefernnadelöl
– Kamille
– Lärchenterpentin, gereinigtes Terpentinöl
– Pfefferminzöl
– Thymiankraut
– Myrtol (Monoterpen-Gemisch)

Bei Säuglingen dürfen keine stark aromatischen Substanzen wie ätherische Öle im Gesicht angewandt werden (Gefahr des Bronchospasmus bzw.Glottiskrampfes). Vorsicht mit Inhalationen bei Asthma-Erkrankungen.

Schleimreiche Heilpflanzen wirken beruhigend auf die Schleimhaut und sind darum hauptsächlich bei trockenem Husten geeignet:
– Eibischwurzel und Eibischblätter
– Huflattichblätter
– Isländisch Moos
– Malvenblätter
– Spitzwegerichkraut
– Wollblumen (Königskerze), besonders für Kinder geeignet

Heilpflanzen mit Saponinen “lösen” durch ihre seifenartige Wirkung festsitzenden Schleim, reizen aber auch den Vagus, verflüssigen dadurch reflektorisch den Schleim und regen die
Ziliartätigkeit an (Aktivitätssteigerung der Flimmerhäärchen), sodass das Abhusten zähen Schleims gefördert wird.
– Efeublätter
– Primel- und Schlüsselblumenwurzel und Schlüsselblumenblüten
– Süßholzwurzel

Antimikrobielle Wirkung entfalten ganz unterschiedliche Heilpflanzen:
– Kamillenblüten
– Thymiankraut
– Brunnenkressekraut
– Kapuzinerkresse
– Rettichwurzel
– Tolubalsam

Entzündungshemmend durch Salicylsäure und damit gegen die Grippesymptome gerichtet
wirken als Heilpflanzen
– Mädesüß (Spirea, deshalb der Name Aspirin!)
– Weidenrinde (phytotherapeutische Grundform des ASS)

Schweißtreibend und damit gegen Fieber sind
– Lindenblüten
– Holunderblüten

Tendenziell immunmodulierend wirken, besonders bei prophylaktischer Anwendung:
– Sonnenhutwurzel (Echinacea pallida), Sonnenhutkraut (Echinacea purpurea)

Krampflösend in den Bronchien, zum Beispiel bei Pertussis (Keuchhusten) oder Asthma bronchiale, wirken als Heilpflanzen oder Heilpflanzen-Präparate
– Thymiankraut (Thymi herba)
– Sonnentaukraut (Droserae herba)
– Efeublätter (Hederae helicis folium)

Kommentar: Phytotherapie bei Erkrankungen der Atemwege – ein Überblick

– Huflattich enthält Pyrrolizidinalkaloide, die unter anderem für die Leber schädlich sein könnten. Es ist zwar ungeklärt, wie relevant dies vor allem bei kurzfristiger Anwendung für den Menschen ist, doch würde ich die Huflattichblätter und Huflattichblüten sicherheitshalber durch Malvenblüten ersetzen.

– Als schleimreiche Heilpflanze würde ich Malvenblüten empfehlen, nicht Malvenblätter, wie es im Überblick der Uni Duisburg-Essen steht.

– Bei der Weidenrinde steht: “Phytotherapeutische Grundform der ASS”.
Gemeint ist hier das Salicin als wichtigster Inhaltsstoff der Weidenrinde. Salicin ist tatsächlich im Aufbau und in der Wirkung ähnlich – aber nicht identisch! – mit der Acetylsalicylsäure (ASS), dem Wirkstoff im Aspirin.

– Abschliessend zu diesem Überblick der Universität Duisburg-Essen kann nicht genug betont werden, dass es nicht nur darauf ankommt, die richtige Heilpflanze für eine bestimmte Krankheit zu finden. Ebenso wichtig ist es, in welcher Form die Heilpflanze zur Anwendung kommt (z. B. Tee, verschiedene Varianten von Tinktur oder Extrakt).
Es ist nämlich eine ganze Anzahl von Heilpflanzen-Präparaten im Handel, von denen ausgesprochen fragwürdig ist, ob sie überhaupt eine Wirkung haben – neben fundierten Produkten, die es natürlich auch gibt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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