Rund um Heilpflanzen und Frischpflanzentinkturen werden auffallend viele wohl tönende und verkaufsfördernde Schlagworte verbreitet.

Wenn Ihnen zum Beispiel jemand „wesenhafte Urtinkturen“ anpreist, dann fragen Sie doch genau nach, was mit „wesenhaft“ gemeint ist. Und wie sich eine „wesenhafte Urtinktur“ von einer unwesenhaften Urtinktur genau unterscheidet. Und wie sich das feststellen lässt. Aber lassen Sie sich dabei nicht eine leere Worthülse durch weitere Nebelschwaden erklären. Kaufen Sie das Produkt nur, wenn sie den Unterschied genau und plausibel erklärt bekommen haben………

Wenn Naturheilmittel derart mit warmer Luft aufgeblasen werden, ist meines Erachtens Skepsis angezeigt. Es spricht dann viel dafür, dass Sie als Konsument oder Konsumentin über’s Ohr gehauen werden. Davor schrecken selbst viele Apotheken und Drogerien nicht zurück.

Dazu passt meines Erachtens ein Zitat des österreichischen Philosophen und Soziologen Ernst Topitsch (1919 – 2003):

„Unklare und unüberprüfbare, aber pathetisch und ‚tiefsinnig’ klingende Formulierungen treten hier mit dem Anspruch auf, höhere Wahrheiten zu sein als die kontrollierbaren Aussagen der Wissenschaft, die gern in den Orkus des ‚platten Verstandesdenkens’ verwiesen werden. Ja schon das blosse Verlangen nach genauerer Charakterisierung jener hehren Prinzipien wird nicht selten als Anmassung des banalen Hausverstandes verächtlich gemacht.“

Topitsch spricht von den „gegen alle rationale Durchleuchtung abgeschirmten Ballungen wabernder Wortnebel“.

 

Topitsch wandte sich in zahlreichen Publikationen gegen „Leerformeln“, die sich seiner Ansicht nach bestens für politische Manipulation eignen.  Natürlich enthält ein Ausdruck wie „wesenhafte Urtinkturen“ keine politische Absicht. Doch ist es nicht unproblematisch, wenn Menschen sich von solchen wohl tönenden Leerformeln unhinterfragt beeindrucken lassen. Man gewöhnt sich mit der Zeit an sie und akzeptiert sie in immer weiteren Bereichen. Und auf der politischen Ebene sind solche Leerformeln tatsächlich verheerend.

Quelle: Ernst Topitsch, Mythos – Philosophie – Politik,  Rombach Verlag 1969

Zur Fragwürdigkeit von Leerformeln wie dem „Wesen der Pflanzen“ siehe auch:

Pflanzenheilkunde: Nebulöse Aussagen vom Wesen der Pflanzen

Zum Wesen der Heilpflanzen: Storchenschnabel gegen Schock?

Bei Pflanzentinkturen gibt es grosse Qualitätsunterschiede. Meiner Ansicht nach lohnt es sich beim Kauf von Pflanzentinkturen in Apotheken und Drogerien darauf zu achten, dass solche Heilpflanzen-Produkte die Qualitätsvorschriften des staatlichen Arzneibuches erfüllen. Zurzeit gültig sind:

– In Deutschland: Deutsches Arzneibuch (DAB 2009)

Europäisches Arzneibuch (6. Ausgabe)

– In der Schweiz: Schweizerische Pharmokopöe (Ph. Helv. 10)

Europäische Pharmakopöe (Ph- Eur. 6)

– In Österreich:    Österreichisches Arzneibuch (ÖAB)

Europäisches Arzneibuch (6. Ausgabe)

Was ein Arzneibuch / eine Pharmakopöe ist, erklärt Wikipedia

http://de.wikipedia.org/wiki/Arzneibuch

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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