Das österreichische Nachrichtenmagazin „Profil“ berichtet über weit verbreitete Gesundheitsirrtümer. Hier ein Zitat zum Thema „Entschlackung“:

„Irrtum 22:

Entschlackung fördert die Gesundheit.

Unsinn. Viele Gesundheitstempel werben für Entschlackung und treffen damit werbewirksam jene Gehirnwindungen, in denen sich schlechtes Gewissen aufgestaut hat: Die Völlerei, so die Vorstellung des Publikums, habe überall im Körper Giftstoffe und Abfall angehäuft, der zu entsorgen wäre, um sich danach befreit und wieder pumperlgesund zu fühlen. Der Schönheitsfehler bei der Geschichte ist: Es gibt im Körper keine Schlacken, daher kann man sich davon nicht befreien. Der Ausdruck „Entschlackung“ kommt aus der Naturheilkunde und der alternativen Medizin. Zur Reinigung des Körpers und zum nachhaltigen Ausscheiden von Stoffwechselprodukten werden allerlei therapeutische Verfahren angeboten – Einläufe, Fastenkuren und diverse andere ableitende Verfahren. Unerwähnt bleibt dabei, dass der gesunde Körper tagtäglich Endprodukte des Stoffwechsels und Giftstoffe auch ohne besondere Unterstützung über Nieren, Darm, Lungen und Haut ausscheidet. Wenn unerwünschte Bestandteile, wie etwa Ablagerungen in den Blutgefäßen oder in den Gelenken im Körper ­zurückbleiben, dann wird man sie auch durch die angepriesenen Abführmethoden nicht los. Im Gegenteil: Die „Entschlackung“ kann zu einem Gichtanfall führen und unerträgliche Schmerzen verursachen. Unkontrolliert eingenommene Entwässerungs- und Abführmittel können den Mineralstoffhaushalt sowie die Nieren- und Darmfunktion erheblich stören.“

Quelle:

http://www.profil.at/articles/1105/560/288164/25-medizin-legenden

Kommentar & Ergänzung:

Man kann es nur immer wieder feststellen: Der Entschlackungskult ist unsinnig und unnötig. Uns wird zuerst eine Verschlackung eingeredet, die dann mit „therapeutischen“ Massnahmen scheinbar behoben wird. Das ist eine Form der Medikalisierung. Die Störung wird zuerst erfunden, und dann therapiert. Und siehe da – die Leute fühlen sich oft tatsächlich erleichtert bei der Vorstellung, nun entschlackt und quasi wieder „clean“ zu sein.

Wenn Ihnen das nächste mal jemand „Entschlackung“ empfiehlt, fragen Sie doch genau nach, was genau da als „Schlacke“ entfernt werden soll, und wie das empfohlene Entschlackungsmittel „weiss“, welche Stoffe als Schlacke entfernt und welche unbedingt im Körper bleiben müssen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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