Ein weiteres Argument, viel Obst zu essen: Man kann damit offenbar das Parkinsonrisiko reduzieren – hauptsächlich dann, wenn man rote und blaue Beeren liebt. Auch das eine oder andere Gläschen Rotwein könnte zu diesem Zweck hilfreich sein.

Warum manche Menschen an idiopathischem Morbus Parkinson erkranken und andere nicht, ist noch weitgehend ungeklärt. Doch offenbar haben Ernährungs- und Lebensgewohnheiten einen grossen Einfluss. Bekannt ist zum Beispiel, dass Kaffeetrinker und Raucher ein um 50 bis 80 Prozent vermindertes Parkinsonrisiko haben.

Jetzt haben US-Wissenschaftler aus Boston herausgefunden, dass auch viel Obst vor der neurodegenerativen Erkrankung schützen könnte. Ein Forscher-Team um Dr. Xiang Gao von der Harvard School of Public Health hat Daten von knapp 130000 Teilnehmern einer Langzeitstudie untersucht.

Diese füllten einen Fragebogen zu ihren Ernährungsgewohnheiten aus. Das Team um Gao interessierte sich dabei hauptsächlich für den Konsum von Flavonoiden. Diesen wichtigen und verbreiteten Pflanzeninhaltsstoffen werden antioxidative Eigenschaften zugeschrieben. Sie finden sich vor allem in Obst, aber auch in dunkler Schokolade und in Rotwein.

In der Studie wurde die Anzahl der Parkinson-Neuerkrankungen (Inzidenz) über 20 bis 22 Jahre dokumentiert. In diesem Zeitraum erkrankten 805 Teilnehmer (0,6 Prozent) an Parkinson. Dabei zeigte sich: Männer, die über ihre Ernährung speziell viel Flavonoide konsumierten, waren gut vor Parkinson geschützt.

Im Quintil mit der höchsten Flavonoidaufnahme war die Parkinsonrate um 40 Prozent tiefer als im Quintil mit dem niedrigsten Konsum. Allerdings schienen Frauen in dieser Studie insgesamt nicht von einem erhöhten Flavonoid-Konsum zu profitieren.

Schauten sich die Wissenschaftler jedoch eine bestimmte Gruppe von Flavonoiden an, die blauen Anthocyan-Farbstoffe, die hauptsächlich in Beeren vorkommen, so war das Parkinsonrisiko bei Männern und Frauen gleichermaßen vermindert. “Möglicherweise haben Anthocyane neuroprotektive Eigenschaften”, erklärte Gao in einer Mitteilung der American Academie of Neurology (AAN). Sollte sich dies bestätigen, so Gao, könnte man über den Konsum von solchen Flavonoiden das Parkinsonrisiko auf natürliche und gesunde Weise reduzieren.

Die Daten der Studie sollen auf dem AAN-Kongress Anfang April in Honolulu präsentiert werden.

Speziell hoch ist übrigens der Anthocyangehalt in Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen und Auberginen. Auch Weintrauben können eine sehr hohe Anthocyan-Konzentration aufweisen, was allerdings von der Traubensorte abhängt. Entsprechend hat ein sehr dunkler Wein im allgemeinen einen hohen Anthocyangehalt.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/morbus_parkinson/article/640901/antiparkinson-diaet-beeren-rotwein.html

Kommentar & Ergänzung:

Flavonoide sind in der Phytotherapie eine wichtige Wirkstoffgruppe und zählen zu den Polyphenolen. Zahlreiche Heilpflanzen basieren mit ihrer Wirkung auf dem Gehalt an Flavonoiden. Beispielsweise Weissdorn, Mariendistel, Ginkgo, Buchweizenkraut, Goldrute, Birkenblätter.

Anthocyane sind eine Untergruppe der Flavonoide und als blaue Farbstoffe vor allem aus Heidelbeeren und schwarzen Johannisbeeren (Cassis) bekannt.

Untersucht wurden in den letzten Jahren vor allem die Anthocyane aus den Heidelbeeren, unter anderem zur potenziellen Anwendung gegen chronische Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa.

Siehe:

Polyphenole aus Beeren gegen degenerative Gehirnerkrankungen

Anthocyane als Entzündungshemmer

Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

Die oben beschriebene Studie zum Einfuss von Beeren auf das Parkinsonrisiko scheint bisher noch nicht in einer Fachzeitschrift veröffentlicht worden zu sein. Das lässt Fragen offen zu ihrer Qualität. Aber immerhin: Die Hinweise verdichten sich, dass Beeren mit einem hohen Gehalt an Anthocyanen in verschiedener Hinsicht gesundheitlich wertvoll sind.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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