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Phytotherapie: Krampfadern und Ödeme

Phytotherapie

Avatar-FotoMartin Koradi02.05.2011

Basistherapie zur Vorbeugung und bei manifester Venenschwäche ist die Kompression. Gerade bei störenden Symptomen wie Beinschwellungen und Juckreiz können Patienten häufig auch von Venenmitteln als Begleitmaßnahme profitieren.

Im Mittelpunkt der Behandlung bei venösen Erkrankungen steht nach wie vor die konsequente Kompressionsbehandlung mittels Verbänden oder Strümpfen. Entscheidend für den Behandlungserfolg ist, dass die Kompressionsstrümpfe regelmäßig getragen werden, was allerdings nur etwa die Hälfte der Betroffenen befolgt.

Hauptsächlich Patienten in niedrigen Stadien der CVI (Chronisch-venöse Insuffizienz, Venenschwäche) mit wenig Beschwerden weisen eine geringe Compliance auf. Eine Ergänzung der Behandlung mit systemischen Venenmitteln (Ödemprotektiva), deren Wirksamkeit nachgewiesen ist, kann daher sinnvoll sein.

Anfangsstadium der CVI

Gerade im Anfangsstadium und in den CVI-Stadien I und II lassen sich oft Beschwerden wie geschwollene, schwere Beine und Juckreiz mit den zumeist pflanzlichen Präparaten bessern. Damit kann auch dem Wunsch zahlreicher Patienten, selbst noch etwas zu tun, nachgekommen werden.

Für die interne Anwendung stehen dabei grundsätzlich Substanzen zur Verfügung, welche ödemprotektive, vasoaktiv/venentonisierende, ödemausschwemmende und gerinnungshemmende Wirkungen haben. Gute Studiendaten gibt es dabei für Rosskastaniensamenextrakte (standardisiert auf Aescin), Rutoside (z.B. Oxerutin), flavonoidreiches rotes Weinlaub und saponinhaltige Mäusedornwurzelstocktrockenextrakte (standardisiert auf Gesamtruscogenine) bei CVI, wenn Beschwerden wie Schmerzen und Schwellungen in den Beinen, Juckreiz und nächtliche Wadenkrämpfe vorliegen.

Wirksamkeit

In einer aktuellen kontrollierten Multicenterstudie wurde beispielsweise die Wirksamkeit des roten Weinlaubextraktes an 248 Probanden mit CVI untersuch (Eur J Vasc & Endovasc Surg 2011, 4, 41, 540). Nach drei Monaten hatte sich mit Verum – also dem Roten Weinlaubextrakt – im Vergleich zu Placebo das Unterschenkelvolumen signifikant vermindert. Auch die Schmerzen in den Beinen gingen zurück.

Für nachweisbare Effekte ist es ratsam, orale Zubereitungen über mindestens drei Monate zu verordnen. Die Patienten sollten darüber informiert werden, dass die volle Wirkung erst nach etwa vier bis sechs Wochen eintritt. Um die Verträglichkeit steigern, hilft zudem der Tipp, die Präparate am besten vor oder zu den Mahlzeiten und bei aufrechter Körperhaltung einzunehmen.

Externa (Venensalbe, Venengel) mit den gerinnungshemmenden Substanzen Heparin und Hirudin sind nur bei oberflächlicher Venenentzündung indiziert. Sie können durch den Kühl- und Massageeffekt jedoch ebenfalls eine subjektive Linderung bewirken. Zur perkutanen Permeation (Durchdringung der Haut) und zur Wirksamkeit liegen allerdings nur ungenügende Kenntnisse vor.

Quellen:

https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gp_specials/special-otc/article/648283/krampfadern-oedemen-paroli-bieten.html?sh=310&h=-1436656583

https://www.ejves.com/article/S1078-5884(10)00755-0/abstract

Kommentar & Ergänzung: Heilpflanzen-Präparate gegen Venenleiden

Der Beitrag erwähnt und empfiehlt die wichtigsten Heilpflanzen-Präparate gegen Venenleiden:

Rosskastaniensamen-Extrakt, Mäusedorn-Extrakt, Rotes Weinlaub und Rutoside, wobei bei letzterem noch als konkretes Beispiel Buchweizenkraut aufgeführt werden könnte.

Die günstige Wirkung dieser Heilpflanzen-Präparate bei Venenschwäche ist gut dokumentiert, allerdings wie erwähnt bei längerdauernder  und peroraler Anwendung, also bei Einnahme.

Viel unklarer ist die Situation bei äusserlichen Anwendungen als  Venensalbe oder Venengel. Solche äusserlichen Anwendungen sind zwar bei Patientinnen und Patienten sehr beliebt, wobei der kühlende Effekt zumindestens bei Gelen eine Rolle spielen dürfte.

Im Beitrag wird denn auch zurecht zumindestens für Heparin und Hirudin festgestellt, dass bezüglich einer Wirksamkeit durch die Haut nur ungenügende Kenntnisse vorliegen. Das dürfte auch für pflanzliche Venensalben / Venengele gelten.

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Abschnitt aus den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie:

„3.6. Lokale medikamentöse Therapie:

Patienten mit chronischer venöser Insuffizienz sind in Abhängigkeit von der Dauer und dem Schweregrad ihrer Erkrankung in bis zu 80% gegen Bestandteile der zuvor lokal angewendeten Substanzen sensibilisiert. Das kann auch Kortikosteroide und Wundauflagen betreffen. Zusätzlich können nichtallergische Unverträglichkeitsreaktionen auftreten. Aus diesem Grund soll die Indikation zur Anwendung von Externa streng gestellt werden.“

Quelle:

https://www.phlebology.de/Deutsche-Gesellschaft-fur-Phlebologie/leitlinie-diagnostik-und-therapie-der-chronischen-venoesen-insuffizienz-cvi.html

Hier wir also empfohlen, wegen hoher Allergisierungstendenzen bei Patienten mit chronisch venöser Insuffizienz zurückhaltend zu sein mit der Anwendung von Venensalben / Venengele.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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