Das angebliche Verbot der Heilpflanzen durch die EU gibt immer noch zu reden.

„Die meisten Heilpflanzen sollen verboten werden !!!!“ – so eine dramatische Warnung, die mich heute per Rundmail erreicht hat – mit der dringenden Aufforderung, die Petition zu unterschreiben, „damit wir künftig noch Kräuter in unseren Gärten pflanzen dürfen ohne bestraft zu werden.“

Dass diese Befürchtungen völlig unsinnig sind, habe ich schon in früheren Beiträgen geschildert.

Bekannt ist dies allerdings schon lange und es wurde von Phytotherapie-Experten auch schon lange dargelegt. So beispielsweise von Univ. Doz. Reinhard Länger Ende 2010 in der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie:

„‚Die EU verbietet unsere Heilpflanzen! Meldungen dieser Art gingen in den letzten Wochen durch die Medien und sorgten für gehörigen Aufruhr. Unterschriftenaktionen wurden gestartet, in Österreich fanden sich viele Sympathisanten, die eine Petition an den Deutschen (!) Bundestag unterstützten. Der wahre Kern dahinter ist, dass gemäß einer im Jahr 2004 beschlossenen EU-Direktive Ende April 2011 für eine klar umrissene Gruppe von zugelassenen Arzneimitteln (in Österreich die Zulassungen nach dem früheren §17a) eine Übergangsfrist endet. Wenn ein Zulassungsinhaber rechtzeitig einen Neuantrag gestellt hat, kann das Produkt bis zur Entscheidung über den Neuantrag am Markt bleiben. Informationen, welche Arzneimittel betroffen sind, finden Sie auf der Webseite des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (www.basg.at). Diese Bestimmung hat daher keinen Einfluss auf Lebensmittel oder Kosmetika, auch der Arzneimittelbegriff wird nicht neu definiert. Der Kräutertee bleibt auch weiterhin bestehen. Also: große Aufregung ohne konkreten Anlass.“

Heilpflanzenspezialist

Der Heilpflanzenspezialist Länger ist in Österreich seit 2006 bei der AGES PharmMed (nationale Zulassungsstelle für Arzneimittel) unter anderem für die Zulassung und Registrierung pflanzlicher Arzneimittel mitverantwortlich.

Reinhard Länger sprach aber auch schon damals das Phänomen an, dass eine grosse Zahl von Leuten sich von solchen Falschinformationen übertölpeln lässt:

„Auch wenn der korrekte Sachverhalt nun langsam allgemein bekannt wird, bin ich erstaunt (oder bestürzt), wie rasch eine große Zahl von Menschen für eine Sache mobilisiert werden kann, obwohl die übermittelte Information überwiegend falsch war. Es ist bemerkenswert, wie unkritisch Meinungen übernommen werden, auch wenn in Zeiten von E-Mail rasch an kompetenter Stelle (Gesellschaft für Phytotherapie, Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen) korrekte Informationen eingeholt werden könnten.“

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/PHYTOTherapie_6-10_web.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Die im letzten Abschnitt geäusserte Bestürzung teile ich voll und ganz. Wenn zahlreiche Bürgerinnen und Bürger auch im Bereich der Politik reisserische und demagogische Behauptungen derart ungeprüft übernehmen, dann ist das Gift für eine demokratische Gesellschaft.

Weitere Informationen:

Eigene Beiträge:

Unsinnige Petition gegen angebliches Heilpflanzenverbot

Naturheilkunde: Irreführende Petition gegen angebliches Heilpflanzenverbot

Zur Petition gegen ein angebliches Heilpflanzenverbot in der EU 2011 – mehr Fakten. weniger Demagogie

Weitere Fakten zum angeblichen Heilpflanzenverbot in der EU

http://hoax-info.tubit.tu-berlin.de/hoax/thmpd.shtml

Stellungnahme Fachverband Deutscher Heilpraktiker e.V.

Stellungnahme Landesapothekerkammer Baden-Württemberg

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch