Unter dieser Schlagzeile berichtet die deutsche „Aerztezeitung“ über Forschungsergebnisse mit Grüntee.

Die Substanz EGCG (Epigallocatechin-3-gallate) in Grüntee kann giftige Eiweißablagerungen, wie sie bei der Alzheimer auftreten, unschädlich machen. Diese Resultate gewannen Wissenschaftler um Jan Bieschke vom Max-Delbrück-Zentrum für molekulare Medizin. Sie publizierten ihre Resultate in der Zeitschrift PNAS (doi: 10.1073/pnas.0910723107).

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die gefährlichen Eiweißablagerungen in einem mehrstufigen Vorgang durch Proteinfehlfaltung entstehen. Sie sind für die Nervenzellen giftig und leiten deren Untergang ein. Proteinfehlfaltung gilt als Auslöser für Morbus Alzheimer, Parkinson und Chorea Huntington.

In ihren Experimenten hatten die Forscher toxische Eiweißablagerungen in Zellen eingebracht, die ein Modell für molekulare Prozesse der Alzheimerschen Erkrankung bilden. Die Zellen zeigten daraufhin einen verminderten Stoffwechsel, außerdem war ihre Zellhülle weniger stabil, beides Anzeichen für eine Schädigung durch die Plaques. Diese Effekte verschwanden nach Einwirkung von EGCG und die Zellen konnten die toxischen Eiweißablagerungen abbauen.

Im Detail zeigte sich, dass die Substanz EGCG zunächst an die giftigen, faserigen Eiweißablagerungen bindet und diese dann in harmlose kugelige Eiweißaggregate umwandelt. Diese Eiweissaggregate können die Nervenzellen abbauen.

Das Spezielle bei der Inaktivierung sei, dass die giftigen Eiweißablagerungen nicht aufgelöst, sondern durch EGCG direkt in ungiftige Ablagerungen umgewandelt würden, so die Wissenschaftler. Damit können während des Vorgangs keine kleineren Bruchstücke der Eiweißablagerungen entstehen. Diese stehen im Verdacht, speziell toxisch für Nervenzellen zu sein.

Quellen:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/40921/EGCG_in_gruenem_Tee_macht_giftige_Plaques_bei_Alzheimer_unschaedlich.htm

http://www.pnas.org/content/early/2010/04/05/0910723107.abstract?sid=7efb9dff-f392-4808-9ae3-89ddc8c88383

Kommentar & Ergänzung:

Das Polyphenol EGCG aus dem Grüntee wird intensiv erforscht. Und die Ergebnisse dieser Forschung sind immer wieder interessant.

Allerdings ist dabei zu beachten, dass Laborergebnisse nicht 1 : 1 auf die Situation im menschlichen Organismus übertragen werden können.

Das ist auch so bei den oben geschilderten Untersuchungen bezüglich Grüntee / EGCG.

Im Labor kann man die Zellen und Gewebe immer mit Wirkstoff-Konzentrationen in fast unbegrenzter Höhe behandeln – was beim lebenden Körper nicht so einfach ist.

So interessant also die hier gefundene Wirkung von EGCG auf die Eiweissablagerungen auch sein mag.

Schlagzeilen wie „Grüner Tee verhindert und bekämpft Alzheimer“, wie sie basierend auf diesen Studien nun im Internet und in den Medien auftauchen, sind überzogen und unseriös. Für diese voreilige Schlussfolgerung bietet die Studie selber keine Grundlage.

Die Schlagzeile im Bericht der „Aerztezeitung“ lautet:

„EGCG in grünem Tee macht giftige Plaques bei Alzheimer unschädlich“.

Auch diese Formulierung verspricht eine konkrete Wirkung bei Alzheimer-Patienten, obwohl die Experimente nur im Labor stattfanden.

Damit will ich nichts gegen Grüntee gesagt haben – wer Grüntee gern hat, soll Grüntee trinken. Dafür, dass Grüntee gesunde Wirkungen hat – etwas pauschal gesagt – gibt es durchaus Hinweise.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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