Was für Unsinn man manchmal auf Kräuterexkursionen zu hören bekommt, davon konnte man kürzlich ein Beispiel in der Badischen Zeitung lesen. Aus dem Exkursionsbericht:
„Heilende Wirkung berge auch die Wiesenkönigin, im Volksmund als Mädesüß bekannt, insbesondere bei Schmerzen aller Art. Als Tee oder Sirup sorge sie mit ihrem Wirkstoff Acetylsalicylsäure für Schmerzfreiheit in zwei bis drei Stunden, ein gleiches Ergebnis könne auch das Holz der Weidenrinde erzielen…“
 
Quelle:
http://www.badische-zeitung.de/schuttertal/gespraeche-bei-gelee-von-maedesuess–46970786.html
 
Kommentar & Ergänzung:
Acetylsalicylsäure ist der Wirkstoff im Aspirin.
Mädesüss ( = Filipendula ulmaria, Wiesengeissbart, Spierstaude) enthält Abkömmlinge der Salicylsäure und somit Verwandte der Acetylsalicylsäure. Diese Stoffe sind aber nicht identisch.
Diese Unterscheidung ist nicht einfach spitzfindige Wortklauberei.
Acetylsalicylsäure ( = Aspirin) verbessert – wegen dem „Acetyl-Teil“ – die Blutfliesseigenschaften (Thrombozytenaggregationshemmung, Aspirin Cardio).
Diese Wirkung haben die Salicylate im Mädesüss nicht, weil sie keinen „Acetyl-Teil“ besitzen.
Diese Differenzierung sorgfältig zu machen ist wichtig für die Patientensicherheit. Wer fälschlicherweise behauptet, dass Mädesüss Acetysalicylsäure enthalte, also den gleichen Stoff wie im Aspirin, der fördert die irreführende Ansicht, dass Mädesüss auch wie Aspirin die Blutfliesseigenschaften günstig beeinflusst.
Nachvollziehbar ist die Anwendung von Mädesüssblüten als leicht fiebersenkende Heilpflanze bei Erkältungen und auch als leicht schmerzstillendes Mittel – diese Wirkungen lassen sich ableiten aus dem Gehalt an Salicylaten.
Jeder und jede kann Kräuterexkursionen anbieten. Es gibt in diesem Bereich weder Vorschriften noch Leitlinien.
Jeder und jede kann auch eine Ausbildung zur Kräuterpädägogin, zum Heilpflanzenfachmann etc. anbieten. Solche Bezeichnungen sagen nichts aus über Qualität.
Für Laien ist es daher nicht gerade leicht zu überprüfen, ob die Leiterin oder der Leiter einer Heilkräuterexkursion eine Ausbildung hat und ob diese Ausbildung etwas wert ist.
Empfehlenswert ist daher: Nicht alles glauben, kritische Fragen stellen oder zu mindestens im Kopf formulieren.
Diese Grundhaltung empfehle ich auch den Teilnehmenden auf meinen eigenen Heilkräuterexkursionen.
Nur wer fähig ist, kritische Fragen an das präsentierte Wissen zu stellen, kann sich auch eine eigene Meinung bilden. Wer fraglos alles glaubt, was ihm oder ihr erzählt wird, spart sich zwar den Aufwand des Nachdenkens. Irgendwann fällt man aber mit der „Faulheit des kritiklosen Für-wahr-Haltens“ (Ludwig Marcuse) auf die Nase. Und nicht zuletzt aus politischen Gründen ist diese blinde Gläubigkeit – wie man sie zunehmend auch im Umfeld von Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin leider antrifft,  ziemlich beunruhigend.
Hier finden Sie ein paar Kriterien, mit denen sich die Qualität von Heilpflanzenkursen prüfen lässt:
 
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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