Die Heidelbeerfrüchte (Myrtilli fructus) gehören zu den Heilpflanzen mit Tradition. Die Volksmedizin verwendet Heidelbeeren innerlich als Heidelbeertinktur oder Heidelbeergeist (zwei bis drei Handvoll Heidelbeeren mit gutem Branntwein angesetzt) gegen Enteritis, eine akute, bakteriell verursachte Darmentzündung. Hildegard von Bingen und Pfarrer Sebastian Kneipp schworen auf die speziellen Heilkräfte der Heidelbeere bei Durchfällen. Empfohlen werden getrocknete Heidelbeeren vor allem auch als mildes Mittel gegen Durchfall (Antidiarrhoikum) bei Kindern.

Das wirksamkeitsbestimmende Prinzip der Heidelbeeren sind die bis zu zehn Prozent enthaltenen Gerbstoffe vom Katechintyp und Anthocyanidine als biogene Vorstufe. Diese Inhaltsstoffe wirken adstringierend (zusammenziehend) und bilden eine Eiweissmembran an körpereigenen Darmzellen, die das Eindringen fremder Bakterien erschweren. Die Durchfallerreger werden in ihrer Wirkung gehemmt. Die Schutzschicht wirkt entzündungshemmend und reizmildernd auf Angriffe pathogener Keime und hemmend auf übermäßige Darmperistaltik. Der entzündungshemmende Effekt wurde in vitro (im Reagenzglas, im Labor) nachgewiesen.

Weitere Inhaltsstoffe der Heidelbeerfrüchte sind Flavonoide vom Quercetintyp, Anthocyane, Phenolkarbonsäuren und hohe Konzentrationen an B-Vitaminen und Vitamin C. Mehrere dieser Wirkstoffe zeigen einen positiven Effekt auf Entzündungsprozesse in Körper. Neben der innerlichen Anwendung als Antidiarrhoikum (Durchfallmittel) kann die Heidelbeere äußerlich in Form von Infus (Aufguss) oder Tinktur als Heilmittel verwendet werden. Die antientzündliche Wirkung dieser Zubereitungen ist speziell bei Akne oder Hämorrhoiden wirksam. In der Volksheilkunde werden die frisch zerquetschten Heidelbeeren direkt auf Pusteln und Abszesse aufgetragen und fördern dort örtlich die Abheilung entzündlicher Prozesse.

Weniger bekannt als Heilpflanze sind die Heidelbeerblätter. Sie sollen stoffwechselregulierend und blutreinigend wirken und tauchen als Bestandteil einiger „Antidiabetes-Tees“ auf. Eine antidiabetische Wirkung auf Grund des hohen Gehalts an Chrom, das einen wesentlichen Faktor in der Glukosetoleranz des menschlichen Organismus darstellt, ist in Diskussion. Spülungen mit Frischpflanzensaft oder Kauen der Heidelbeerblätter soll ein probates Mittel gegen Mundgeruch sein und bei Schleimhautläsionen des Zahnhalteapparats helfen. Frische oder getrocknete Heidelbeeren können ebenfalls als Schleimhautprotektivum angewendet werden. Eine Blaufärbung der Zunge soll mit Zitronensaft leicht rückgängig zu machen sein.

Quelle:

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=110299&dspaid=953758

Kommentar & Ergänzung:

Heidelbeerblätter würde ich innerlich gar nicht empfehlen, vor allem nicht als „Diabetestee“.

Getrocknete Heidelbeeren gegen Durchfall ist in der Phytotherapie ein Klassiker.

Phytotherapie: Heidelbeertee gegen Durchfall

Die Anthocyane in den Heidelbeeren ( = blaue Farbstoffe) zeigen interessante Wirkungen gegen Entzündungen.

Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Parkinson vorbeugen durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Auberginen?

Anthocyane als Entzündungshemmer

Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

Anthocyane aus Heidelbeeren sind zudem Bestandteil von Myrtaven, einem rezeptpflichtigen Arzneimittel, das zum Beispiel in der Augenheilkunde eingesetzt wird bei Netzhauterkrankung und Nachtblindheit.

Interessant im oben vorgestellten ist für mich im übrigen die Anwendung von frisch zerquetschten Heidelbeeren direkt auf Pusteln und Abszesse. Ob das auch lokal bei Akne hilft?  Ebenso interessant ist die Anwendung bei Schleimhautläsionen im Mundraum (Mundschleimhautentzündung?).

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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