So betitelt die Bild-Zeitung eine Meldung, die Chancen hätte auf einen Preis für desinformativen Gesundheitsjournalismus. Nur schon die reisserischen Schlagworte „Jungbrunnen“ und „Sexbooster“ sind völlig überzogen. Es geht weiter mit:

„Granatapfel könnte Jugend-Elixir sein“

Dieser ganze Anti-Aging-Jargon ist total unglaubwürdig. Die Hoffnung, mit irgendwelchen Mittelchen das Altern aufhalten zu können, wird von der Anti-Aging-Industrie clever ausgenutzt.

Wie geht die Meldung weiter:

„Ein tägliches Glas Granatapfelsaft (Extrakt aus Kernen, Fruchtfleisch und Schale) kann laut einer aktuellen Studie den Alterungs-Prozess der DNA verlangsamen. Ein spanisches Forscher-Team um Dr. Sergio Streitenberger entdeckte den auffälligen Rückgang eines Markers (8-Oxo-DG), der mit der Zell-Alterung in Zusammenhang steht. Konkret: Durch eine stete Granatapfel-Zufuhr wird die Oxidation der DNA verlangsamt.“

Quelle:

http://www.bild.de/ratgeber/gesund-fit/medizin/medizin-ticker-granatapfel-haelt-jung-20952164.bild.html

Kommentar:

Granatapfel ist fraglos gesund. Es gibt eine ganze Reihe von interessanten Laborexperimenten und einige Patientenstudien. Die Pflanze wird aber meines Erachtens auch hochgeschrieben. So auch in dieser Meldung.

Der Rückgang eines Markers in einem Laborexperiment sagt noch nicht viel aus darüber, was genau im lebenden Organismus geschieht.

Ob und wo diese Studie publiziert wurde ist unklar. Und von Dr. Sergio Streitenberger findet man via Google vor allem Hinweise auf ein Patent zur Herstellung von Granatapfel-Extrakt. Der untersuchende Forscher hat also ein direktes Interesse an der Propagierung des Granatapfel-Extraktes, doch wird diese Interessenbindung im Text nicht offengelegt.

Und was soll der Granatapfel-Extrakt bringen:

„Die Folge: Hautalterung wird verlangsamt, ebenso wie die Alterung anderer Organe (Leber, Gehirn, Nieren). Das berichtet ‚The Times of India’. Bisher war bekannt, dass Granatapfel vor Herzinfarkten schützt, Stress reduziert und sogar das Sexual-Leben verbessern kann.“

Quelle:

http://www.bild.de/ratgeber/gesund-fit/medizin/medizin-ticker-granatapfel-haelt-jung-20952164.bild.html

Kommentar M.K.:

Hautalterung verlangsamt? – Wie wurde das gemessen?

Alterung von Leber, Gehirn, Nieren verlangsamt? Wie misst man das Alter der Leber, des Gehirns, der Nieren?

Meines Wissens gibt es keinerlei Belege dafür, dass Granatapfel vor Herzinfarkt schützt. Plausibel belegt ist eine antioxidative Wirkung. Klinischen Studien zufolge senkt Granatapfel LDL-Cholesterin, wirkt antiarteriosklerotisch und fördert die Durchblutung des Herzmuskels.

Wikipedia schreibt zu dieser Herz-Kreislauf-Wirkung:

„In einer doppelblinden, placebo-kontrollierten Studie an 45 Patienten mit koronarer Herzkrankheit erhöhte die tägliche Gabe von 240 ml des Saftes des Granatapfels die Herzmuskeldurchblutung signifikant. Positive Effekte zeichneten sich auch bei einer Studie mit Patienten mit verengter Halsschlagader ab: Nach einem Jahr Granatapfelverzehr verminderten sich die Ablagerungen an der Halsschlagader um 35 %, während sie in der Kontrollgruppe deutlich zunahmen.“

(Quelle: Wikipedia)

Zu anderen Bereichen schreibt Wikipedia:

„ Über 250 wissenschaftliche Studien zeigen, dass der Granatapfel eine positive Wirkung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Arthritis haben könnte. Allerdings sind die meisten Studien nur auf Versuche mit Zellkulturen oder Tieren beschränkt. Die Übertragbarkeit auf den Menschen bleibt deshalb bis jetzt oft fraglich und muss in entsprechenden Studien belegt werden. Bisher wurden sieben klinische Studien (zum Teil randomisierte Doppelblind-Studien) zur Wirkung des Granatapfelsafts veröffentlicht, und eine Phase-3-Studie mit 250 Patienten mit Prostatakrebs ist noch nicht abgeschlossen.

Die gesundheitsfördenden Wirkungen des Granatapfels sind auf die Antioxidantien zurückzuführen, vor allem die Polyphenole. Zu denen zählen Phenolcarbonsäuren (Ellagsäure, Gallussäure, Kaffeesäure, Chlorogensäure), Ellagitannine (z.B. Punicalagin) und Flavonoide (z.B. Catechin, Quercetin, Rutin, Kaempferol, Luteolin sowie sechs Anthocyane). Granatapfelprodukte weisen allerdings große Unterschiede in der Qualität und im Gehalt an wirksamen Polyphenolen auf. Dies betrifft nicht nur die Säfte (897 bis 4265 mg/l Polyphenole, Median 2288 mg/l nach Folin-Ciocalteu-Methode), sondern auch Granatapfel-Extrakte.

Granatapfelsaft verfügt über besonders viele Polyphenole und übertrifft sogar herausragende Antioxidantien wie Rotwein, Blaubeersaft und Cranberrysaft bei weitem. Er hat die 3-4 fache antioxidative Kraft von Rotwein oder Grüntee. Schon nach einwöchigem Verzehr von 250 ml Granatapfelsaft verbessert sich der antioxidative Schutz um 9 %, so das Ergebnis einer wissenschaftlichen Untersuchung. Und eine andere Studie ergab, dass der antioxidative Schutz im Blut nach einem Jahr Verzehr von täglich einem Glas Granatapfelsaft um 130 % steigt.

In einer In-Vitro-Studie konnte eine Schutzwirkung durch Granatapfelsaft vor Brustkrebszellen festgestellt werden. Sie hemmen die Bildung von körpereigenen Östrogenen und führen bei östrogenrezeptor-positiven Brustkrebszellen zu einer Wachstumshemmung von 80 Prozent – ohne das Wachstum der gesunden Zellen zu beeinträchtigen. Fermentierter Granatapfelsaft ist dabei doppelt so wirksam wie frischer Saft. Auch auf Leukämiezellen wirken die Polyphenole aus fermentiertem Granatapfelsaft: Die Zellen bilden sich entweder zu gesunden Zellen zurück (Redifferenzierung) oder werden in den programmierten Zelltod (Apoptose) getrieben. Außerdem verhindern die Polyphenole, dass sich neue Blutgefäße bilden (Neoangiogenese) – das erschwert die Ausbreitung des Tumors.

Auch gegen Prostatakrebs scheinen die Polyphenole aus fermentiertem Granatapfelsaft besonders wirkungsvoll zu sein, wie eine Reihe von präklinischen Studien zeigten. In einer Studie konnten Prostatakrebs-Patienten durch den täglichen Konsum von Granatapfelsaft (570 mg Polyphenole) ihren PSA-Wert, den zentralen Biomarker bei Prostatakrebs, viermal länger konstant halten als vor der Behandlung: In der sechsjährigen Nachbeobachtungsphase stieg die PSA-Verdopplungszeit von 15,4 auf 60 Monate. Nach diesem Erfolg wird die Studie nun ausgeweitet. In einer doppelblinden und randomisierten Studie wurde 104 Prostatakrebspatienten nach erfolgloser Primärtherapie (PSA-Rezidiv) Granatapfel-Extrakt verabreicht und der PSA-Verdopplungszeitraum beobachtet. Je langsamer der PSA-Wert (Prostataspezifisches Antigen, der wichtigste Tumor- und Verlaufsmarker bei Prostatakrebs) ansteigt, desto länger ist in der Regel die Lebenserwartung. In der Studie hatten die Teilnehmer im Schnitt einen Prostatakrebs von mittlerer Aggressivität mit Gleason-Score 7. Ergebnis der Studie: Durch die tägliche Aufnahme von Granatapfel-Extrakt über sechs Monate konnte der Verdopplungszeitraum des PSA-Wertes von 11,9 auf 18,5 Monate verlängert werden. Und bei 50 % der Teilnehmer konnte diese Zeitspanne im Vergleich zum Ausgangswert zu Beginn der Studie sogar verdoppelt werden. In einer Zellkultur-Studie aus dem Jahr 2008 konnte außerdem gezeigt werden, dass auch im Spätstadium des Prostatakrebses Granatapfelsaft noch einen positiven Effekt auf die Zellstruktur haben kann – die Übertragung der Ergebnisse auf den Krankheitsverlauf eines Menschen ist allerdings ohne weitere Untersuchungen nicht möglich. Ähnliche positive Effekte mit hormonunabhängigem Prostatakrebs traten in Tierstudien auf.“

(Quelle: Wikipedia)

Dazu ist allerdings festzuhalten: Viele dieser Wirkungen tönen eindrücklich. Doch es muss immer wieder betont werden, dass eine Wirkung an isolierten Zellen oder Geweben im Reagenzglas (In-vitro) oder im Tierversuch nicht einfach 1:1 auf den lebenden Organismus eines Patienten übertragen werden kann.

Auch die Angabe, dass Granatapfel den Stress reduziert, ist in der Phytotherapie-Fachliteratur nicht  belegt und es fragt sich auch hier, wie dieser Effekt festgestellt wurde. Und die in Aussicht gestellte Verbesserung des Sexual-Lebens ist so vage, dass wohl jeder und jede davon profitieren kann. Was heisst denn das genau? Was wird konkret verbessert? – Solche Wischiwaschi-Angaben sind nichts als Werbung.

Weitere Informationen zum Granatapfel:

Pflanzenheilkunde – Granatapfel

Granatapfel-Extrakt als natürlicher Wehenförderer?

Ellagsäure aus Granatapfel hemmt Brustkrebs im Labor

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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