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Artischocken gegen Darmkeime

Phytotherapie

Avatar-FotoMartin Koradi02.05.2012

Unverdaute Fette im Darm können die Entstehung eines ungünstigen Keimspektrums in der Darmflora fördern.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Untersuchung, die einen präbiotischen Effekt von Artischockenextrakt und damit eine günstige Verschiebung der Keimbesiedlung im Darm vermuten lässt.

In der Studie wurde die Hemmwirkung eines Artischocken-Extraktes in  auf mehrere Keimarten der Darmflora untersucht. Gehemmt wurden hauptsächlich als unerwünscht betrachtete Keime wie Peptostreptococcus anaero.  Die als nützlich erachteten Milchsäurekeime Lactobacillus acidophilus und Lactobacillus plantarum wurden durch den Artischocken-Extakt hingegen nicht beeinflusst. Diese Resultate könnten deshalb bedeuten, dass die regelmäßige Einnahme von Artischocken-Extrakt zu einer Verschiebung der Darmflora hin zu einem günstigeren Keimspektrum führt.

Die Tests zum Effekt von Königsartischockenextrakt auf ausgewählte Vertreter der Darmflora geben Hinweise auf neue Erklärungsmodelle für die Wirksamkeit von Artischockenextrakt auf Verdauungsbeschwerden.

Die Wirksamkeit von Artischockenblätter-Extrakt dürfte in erster Linie auf einer Anregung des Leberstoffwechsels basieren. Durch vermehrte Bildung und Ausschüttung von Gallensäuren werden Nahrungsfette besser emulgiert, was die Fettverdauung erst ermöglicht.

Überschüssiges, unverdautes Fett wird von der Darmflora verstoffwechselt, was zur Bildung großer Mengen an Gasen und in der Folge zu schmerzhaften Oberbauchbeschwerden, Blähungen und Durchfall oder Obstipation (Verstopfung) führen kann.

Die Einnahme von Artischockenextrakt nach Mahlzeiten lindert fettbedingte Verdauungsstörungen. Das zeigt sich beispielsweise in der Praxis bei Patienten, denen operativ die Gallenblase entfernt wurde.

Quelle:

https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/article/811819/artischocken-darmkeime.html?sh=20&h=886345408

Kommentar & Ergänzung:

Der Text in der Aerztezeitung basiert auf der Pressemeldung des Herstellers eines Artischocken-Präparates. Alle Details zu dieser Untersuchung fehlen darin, so dass kaum beurteilbar ist, ob die Veränderungen relevant sind.

Bei allen Studien stellt sich die Frage, ob die gemessenen Endpunkte klinisch von Bedeutung sind. Ob Patientinnen und Patienten etwas davon haben, wenn gewisse Laborwerte verändert oder wie hier die Zusammensetzung der Darmflora beeinflusst wird, müsste jedenfalls geklärt werden.

Klinisch relevant wäre beim beschriebenen Beispiel die Besserung von Oberbauchbeschwerden, Blähungen, Völlegefühl.

Es gibt Hinweise aus kleineren placebokkontrollierten Studien, die einen solchen Effekt nahelegen.

Bei all diesen einschränkenden Bemerkungen ist aber festzuhalten, dass dieses Erklärungsmodell der Artischocken-Wirkung via Beeinflussung der Darmflora schon interessant ist.

In der Schweiz sind als Artischockenextrakt-Präparate vor allem Hepa-S und Natu-Hepa 600 im Handel.

Ausserdem gibt es noch den Artischockensaft von Schoenenberger und von actilife, sowie die Boldocynara Tropfen von Bioforce (Artischocke zusammen mit Löwenzahn, Boldo, Pfefferminze)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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