Die Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia), auch Falsche Akazie, Scheinakazie oder Silberregen genannt, ist ein sommergrüner Laubbaum. Ursprünglich aus Nordamerika stammend, wurde die Robinie überall in Europa in Parks und Gärten gepflanzt und kommt inzwischen auch verwildert vor.

Foto auf Wikipedia.

Botanik der Robinie

Botanisch ist die Gewöhnliche Robinie eine Pflanzenart aus der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae) in der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae).

Mit den zur Unterfamilie der Mimosengewächse (Mimosoideae) zählenden Akazien (Acacia) ist die Robinie, obwohl sie auch als Falsche Akazie bezeichnet wird, nicht näher verwandt, auch wenn sie äußerlich mit diesen die gefiederten Blätter sowie die Dornen gemeinsam hat

Carl von Linné, der die Gattung der Robinien (Robinia) erstmals wissenschaftlich beschrieben hat, benannte diese nach Jean Robin, dem Hofgärtner der französischen Könige Heinrich III., Heinrich IV. und Ludwig XIII.

Jean Robin brachte den Baum 1601 aus Nordamerika nach Paris.

Die natürlichen Vorkommen in Nordamerika  befinden sich im Gebiet der Appalachen sowie der US-Bundesstaaten Pennsylvania, Missouri, North Carolina, South Carolina, Georgia, Indiana und Oklahoma.

Die Robinie als Nutzpflanze

Holznutzung:

Im Laufe des 18. Jahrhunderts begann man, in der Robinie eine für die sich entwickelnde geregelte Forstwirtschaft interessante Art auf stickstoffarmen Standorten zu sehen.

Das gegen Holzfäule widerstandsfähige Robinienholz ist gleichzeitig biegsam und fest und wird im Schiff- und Möbelbau, als Grubenholz, als Schwellenholz, im Bogenbau wie auch in der Landwirtschaft (beispielsweise Weinbau: Stickel) verwendet. Robinienholz gilt als widerstandsfähiger und dauerhafter als Eichenholz. Da es auch ohne chemische Konservierungsbehandlung bei einer Nutzung im Außenbereich lange stabil bleibt, wird es zum Beispiel für den Bau von Geräten auf Kinderspielplätzen geschätzt.
Darüber hinaus wird es häufig im Rahmen der Schutzwaldsanierung zur temporären Verbauung genutzt.

Die Forstwirtschaft in verschiedenen Ländern (z. B. Ungarn, Slowakei, Südkorea) forciert Robinienholz, unter anderem weil es als Alternative zum Tropenholz verwendet wird.

Das Holz der Robinie wurde im Bergbau zum Stützen der Stollen genutzt.

Robinienholz soll eine gewisse „Warnfähigkeit“ aufweisen. Hierunter wird die Eigenschaft des Holzes verstanden, vor dem Bruch zu splittern und dabei hörbare Warngeräusche an die Umgebung abzugeben, welche eine rechtzeitige Reaktion der Bergleute ermöglicht. Diese Eigenschaft ist allerdings bei den langfaserig brechenden Nadelhölzern stärker ausgeprägt. Dafür biegen sich Robinienbalken vor dem Bruch stark durch, womit ein zusätzliches visuelles Warnvermögen verbunden ist.

Das Kernholz der Robinie ist eines der bevorzugten Hölzer im traditionellen Bogenbau.

Robinie als Bienenweide:

Die Robinie zählt als wichtige Frühsommertrachtpflanze zu den sogenannten Bienenweiden.

Robinienblüten produzieren sehr reichhaltig Nektar mit einem Zuckeranteil zwischen 34 und 59 Prozent. Wegen ihres hohen Zuckerwerts werden Robinien manchmal von Imkern als Trachtpflanze angepflanzt. Der Honig aus den Robinienblüten wird unter der botanisch nicht korrekten Bezeichnung „Akazienhonig“ verkauft. Es ist sehr flüssig und kandiert nur sehr langsam im Verlaufe mehrerer Jahre in Form eines Bodensatzes aus. Grund für die langsame Kandierung ist der hohe Anteil an Fructose, da Fructose im Honig nur wenig zur Kristallisation neigt, im Gegensatz zur Glukose, die in vielen anderen Honigsorten überwiegt.

Die Robinie als Giftpflanze

Die Robinie enthält  vor allem in der Rinde, aber auch in den Samen Lectine mit hämagglutinierenden und mitogenen Eigenschaften. Vergiftungen mit leichter Symptomatik kommen nach Verzehr  der Samen durch Kinder vor, es wurden aber auch Fälle mit Kindern beobachtet, die sich mit Robinienrinde vergiftet hatten. Typische Symptome sind Magendarmbeschwerden, Bauchschmerzen, Pupillenerweiterung, Erbrechen, Schwächezustände, Schwindel, Fieber, Schläfrigkeit, Krämpfe, Sehstörungen, Kopfschmerzen.

Die Robinie ist auch für Pferde, Hunde, Nager, Katzen, Vögel und andere Haustiere giftig.

Quelle: Wikipedia

Die Robinie als invasive Pflanzen und problematischer Neophyt

Als Leguminose ist die Robinie in der Lage, Luftstickstoff (N2) mit Hilfe symbiotisch mit ihr in den Wurzeln lebender Knöllchenbakterien zu binden. Auf stickstoffarmen Standorten hat die Robinie daher einen Konkurrenzvorteil gegenüber anderen Arten. Und im Unterwuchs der Robinien werden Stickstoff liebende Pflanzenarten gefördert.

Dadurch sind hauptsächlich seltene Biotoptypen wie Magerrasen, Kalkmagerrasen und Sandtrockenrasen bedroht, weil die artenreiche Vorvegetation schliesslich völlig verdrängt wird.

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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