Im Phyto-Forum der Aerztezeitung wurde die Frage gestellt nach phytotherapeutischen Optionen bei Krämpfen.

Zum Stichwort „Gallenkoliken“ antwort Prof. Karen Nieber:

„Phytopharmaka haben den Vorteil, dass sie sowohl choleretisch als auch cholekinetisch wirken können. Zusätzlich sind bei einzelnen Pflanzen – allerdings unterschiedlich stark ausgeprägt – spasmolytische, karminative und antiphlogistische Wirkeffekte bekannt.“

Hier eine Übersetzung der Fachwörter:

Choleretisch = Anregend auf die Gallensaftprodution in der Leber

Cholekinetisch = Entleerung der Gallenblase bewirkend

Spasmolytisch = krampflösend

Karminativ = blähungswidrig

Antiphlogistisch = entzündungswidrig

„Besonders ausgeprägt ist die cholagoge Wirkung bei Curcumawurzelstock, Javanischer Gelbwurz, Schwarzer Rettichwurzel, Erdrauchkraut und Schöllkraut. Die beiden Letztgenannten wirken aufgrund ihrer Alkaloide auch spasmolytisch.“

Unter einer cholagogen Wirkung versteht man eine gallentreibende Wirkung. Cholagoga sind Heilpflanzen, welche die Bildung und/oder die Ausschüttung der Galle in den Darm fördern.

„In geringerem Ausmaß lösen auch Artischocken- und Boldoblätter, Mariendistelfrüchte, Galgantwurzelstock, Minz- und Pfefferminzöl Krämpfe. Weitere Cholagoga sind Schafgarbenkraut und -blüten, Löwenzahnwurzel und Wermutkraut.“

Für Artischockenblätter und Mariendistelfrüchte ist die spasmolytische Wirkung in der Phytotherapie-Fachliteratur nicht bestätigt. Es gibt in dieser Antwort eine gewisse Vermischung von Cholagoga und Spasmolytika.

„Als Kontraindikationen gelten akute Entzündungen der Gallenblase und der Gallenwege, operationspflichtige Gallensteine, ein Verschluss der Gallenwege, Neoplasien sowie auch schwere Leberfunktionsstörungen.“

Ja, das sind Kontraindikationen für Cholagoga.

„Phytopharmaka können Gallensteine nicht auflösen, aber prophylaktisch wirken. Dazu müssen diese Arzneimittel zwischen den Mahlzeiten eingenommen werden, da in dieser Zeit der Gallenfluss stagniert und die Gefahr für eine Steinbildung am größten ist.“

Ja, hier geht es aber auch um Cholagoga. Insgesamt geht in der Antwort der Bereich mit der spasmolytischen Wirkung unter, nach dem eigentlich gefragt wurde. Und es ist etwas hoch gegriffen, dass die Antwort unter dem Stichwort „Gallenkolik“ steht. Eine Gallenkolik braucht meines Erachtens in der Regel starke Spasmolytika und/ oder Schmerzmittel, welche die Phytotherapie nicht zur Verfügung hat. Ich finde, man sollte diese Grenze deutlich darstellen, und nicht darum herum reden und auf andere Bereiche ausweichen (Cholagoga).

Auch Erdrauchkraut und Schöllkraut genügen bei einer ausgewachsenen Gallenkolik als Spasmolytika nicht einmal ansatzweise.

Eine Gallenkolik – habe ich zum Glück noch nicht erlebt – ist eine absolut happige Sache.

Die erwähnten Cholagoga sind aber durchaus gut wirksam bei Völlegefühl und Fettverdauungsstörungen.

Bei Mariendistelfrüchte (als Extrakt oder als isoliertes Silymarin bzw. Silybinin) und bei Artischockenblättern (Tee, Extrakt) ist zudem eine Leberschutzwirkung dokumentiert.

Als gutes Cholereticum würde ich zudem noch den Pfefferminztee erwähnen, während das Pfefferminzöl wie erwähnt krampflösende Wirkung hat.

Quelle der Zitate:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/817464/phyto-forum-pflanzenarzneien-kraempfe.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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