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Lehmpackungen lindern Stauungsbeschwerden bei Venenschwäche

Gesundheitliches

Avatar-FotoMartin Koradi20.01.2013

Bei Patienten mit chronisch venöser Insuffizienz (Venenschwäche) sind kalte Lehmpackungen wirksam. Sie verbessern die Lebensqualität und reduzieren die Stauungsbeschwerden.

Durch den Kältereiz und den Eigendruck der feuchten Lehmmasse kommt es zur Zusammenziehung von Gefässen (Vasokonstriktion) und zur Tonusabnahme in der Muskulatur.

Bei einer chronisch venösen Insuffizienz (CVI) gibt es vielfältige Behandlungsmethoden: Neben operativen, endovaskulären und medikamentösen Maßnahmen kommen auch physikalische Behandlungen (Kompression, Hydrotherapie) zur Anwendung.

Für einige physikalische Verfahren ist mittlerweile auch eine klinische Wirksamkeit belegt. Zum Nutzen kalter Lehmpackungen (Peloide) existierten bislang vor allem gute klinische Erfahrungsberichte, jedoch keine wissenschaftlichen Untersuchungen.

Dr. Karin Redlich hat im Rahmen ihrer Dissertation am Uniklinikum Frankfurt a. M. mit einer Studie untersucht, wie kalte Lehmpackungen auf die Beine die Lebensqualität und die Stauungsbeschwerden bei symptomatischer CVI beeinflussen.

Als Nebenziele wurden in der Studie erfasst die subjektiven Parameter Schmerzen, Schweregefühl und Juckreiz in den Beinen sowie die objektiv messbaren Parameter Waden- und Knöchelumfang, transkutaner Sauerstoffpartialdruck und die venöse Wiederauffüllzeit.

Teilgenommen an der Studie haben 66 Probanden (57 Frauen und 9 Männer) im Alter von 45 bis 85 Jahren. Die Datenerhebung erfolgte per Fragebogen und visueller Analogskala, die Messungen wurden unmittelbar vor Beginn, nach Ende und drei Monate nach Abschluss der Behandlung durchgeführt.

Die Therapiegruppe bekam über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen insgesamt sechs kalte Lehmpackungen verabreicht – und zwar für rund eine Stunde auf beide Beine.

Die Resultate: Nach erfolgter Lehmanwendung kam es in der Therapiegruppe bei allen subjektiven Parametern – erfasst mit dem SF-36-Fragebogen – ebenso wie bei den über die visuelle Analogskala erhobenen Beschwerden Schmerzen, Schweregefühl und Juckreiz zu signifikanten Verbesserungen, die nach drei Monaten eine Tendenz in Richtung Ausgangswerte zeigten, ohne allerdings diesen zu erreichen.

Die Studienleiterin zieht daraus den Schluss, dass die Behandlung einen nachhaltigen Effekt hat.

Leichte Reduktion des Knöchelumfangs

Bei den objektiven Messparametern zeigten sich tendenzielle Verbesserungen, die allerdings nicht signifikant waren. So nahm der Knöchelumfang links kontinuierlich ab und lag auch drei Monate nach dem Ende der Behandlung noch tiefer als der Ausgangswert.

Beim rechten Knöchelumfang kam es zu einer ähnlichen, jedoch weniger ausgeprägten Verminderung. Der Sauerstoffpartialdruck verbesserte sich unmittelbar nach der Therapie, fiel jedoch drei Monate später unter das Ausgangsniveau.

Als Resultat der Behandlung verlängerte sich die venöse Wiederauffüllzeit mit einer Tendenz nach drei Monaten in Richtung Ausgangswert – allerdings nur im linken Bein.

Die Wirkung der Lehmwickel wird wie folgt erklärt: Durch den Kältereiz und den Eigendruck der feuchten Lehmmasse komme es zu einer Gefässverengung (Vasokonstriktion) und einer Tonusverminderung der Muskulatur.

Der äußere Abschluss wiederum bewirke eine Erwärmung tiefer liegender Gewebeabschnitte. Und beim Trocknungsvorgang entstünden Sorptionskräfte mit einem von innen nach außen gerichteten Flüssigkeitsstrom, der eine Verminderung überschüssiger Gewebeflüssigkeit zur Folge habe.

Der Stoffwechsel werde durch die Lehmanwendungen angeregt und das Gewebe besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Quelle:

https://www.aerztezeitung.de/medizin/article/827701/kaeltereiz-lehmpackungen-venenstau.html

Kommentar & Ergänzung:

Lehmwickel und Lehmkuren sind ein traditioneller Bestandteil der Naturheilkunde.

Erfreulich, dass in diesem Bereich einmal eine Studie mit Patientinnen und Patienten durchgeführt wurde. Dass Lehm einen kühlenden und damit auch abschwellenden Effekt hat, der bei Veneninsuffizienz günstig wirkt, liegt eigentlich ziemlich auf der Hand. Eine Linderung von Beschwerden ist daher plausibel, auch wenn die objektiv messbaren Parameter offenbar nicht sehr stark verändert  wurde.

Als Lehmpastor  galt übrigens Erdmann Leopold Stephanus Emanuel Felke (1856- 1926).  Der evangelische Pastor war ein Verfechter der Naturheilkunde und propagierte die nach ihm benannte Felkekur.

Siehe auch: Was ist Naturheilkunde?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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