In der NZZ berichtet Manuela Nyffenegger über die medikamentöse Behandlung psychischer Störungen bei Tieren.

Vor einiger Zeit machte die Abgabe eines Medikaments an einen Orang-Utan im Basler Zoo von sich reden. Der Orang-Utan Bagus wurde mit einem Antidepressivum behandelt. Da stellt sich die frage, ob ein Tier traurig oder gar depressiv sein kann, oder ob der Mensch da etwas in das Tier hinein interpretiert, das diesem gar nicht entspricht.

Im Fall des Orang-Utans Bagus zeigten sich verschiedene Symptome, die sich als Depression interpretieren liessen. Das Tier war im August vom Berliner Zoo nach Basel versetzt worden und musste sich in eine neue Gruppe eingewöhnen. Bagus hatte damit ersichtliche Schwierigkeiten. Er versteckte sich zuhinterst im Gehege, nahm kaum mehr Nahrung zu sich und versteckte sein Gesicht hinter Jutesäcken.

Nachdem der Berliner Tierarzt und sein vorheriger Pfleger Bagus besucht hatten und ihn auch nicht aufmuntern konnten, stand fest, dass Bagus seine frühere Gruppe vermisste. Aus diesem Grund erwog man in Basel die Rückführung des Affen nach Berlin. Dann entschieden sich die Verantwortlichen jedoch für einen Versuch mit einem pflanzlichen Stimmungsaufheller. Stephan Hoby, Tierarzt im Basler Zoo, der sich auf Phytotherapie spezialisiert hat, verabreichte dem Tier Johanniskraut. Mit Erfolg – Bagus ging es mit dieser Behandlung viel besser, er frass wieder, fühlte sich sichtbar wohler und der traurige Gesichtsausdruck hellte sich auf. Entscheidend seien jedoch noch andere Faktoren gewesen, sagt Hoby. So habe Bagus sowohl im Orang-Utan Budi einen Freund als auch in seiner Pflegerin eine enge Vertraute gefunden.

Für Stefan Hoby ist klar, dass die Abgabe eines Antidepressivums nur eine kurzfristige Massnahme sein kann, beispielsweise bei einer Umplacierung wie im Fall des Orang-Utans Bagus oder bei Aggressionen.

Quelle:

http://www.nzz.ch/aktuell/panorama/wenn-die-tierseele-leidet-1.18007519

Kommentar und Ergänzung:

Ein erfreulich sorgfältiger, differenzierter Artikel, auch in den Teilen, die ich hier nicht wiedergebe.

Und ein Tierarzt, der therapeutische Erfolge sorgfältig, nämlich zurückhaltend interpretiert, indem auch einbezieht, dass nicht nur das verabreichte Medikament – hier Johanniskraut – sondern auch Kontextfaktoren wie der gefundene Freund und die Beziehung zur Pflegerin zur Besserung beigetragen haben können.

Sowohl Patientinnen und Patienten als auch BehandlerInnen neigen oft sehr schnell dazu, jede Besserung den therapeutischen Massnahmen zuzuschreiben. Sie klammern damit viele andere Faktoren aus, die oft genauso wichtig sind.

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde – warum werden unsere Kranken eigentlich wieder gesund

Warum wir gesund werden – Artikel aus der Zeitschrift “Natürlich”

Die Diagnose und Behandlung von psychischen Störungen bei Tieren ist eine anspruchsvolle Sache. Da Tiere sich nicht so direkt äussern können, kommen BehandlerInnen gar nicht darum herum, in erheblichem Mass zu interpretieren.

Dass Tiere auf Psychopharmaka reagieren zeigt aber auch, dass wir Menschen im Nervensystem mit ihnen verwandte Strukturen haben wie Rezeptoren, Transmittersysteme etc.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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