Bei Kindern mit exzessivem Schreien können Maßnahmen wie Ernährungsveränderungen oder Akupunktur lindernd wirken.

Forscher haben im Auftrag des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) verschiedene Ansätze untersucht, die exzessives Schreien bei Kindern reduzieren sollen.

Zu den dabei betrachteten Schreiambulanzen finden die Wissenschaftler keine Studiendaten, die deren Wirksamkeit nachweisen, teilte das DIMDI mit.

Für einzelne Maßnahmen existieren jedoch Belege für positive Effekte aus Studien: So könnten gewisse Ernährungsveränderungen, Akupunktur oder psychologische Ansätze zu einer Verbesserung des Schreiverhaltens beitragen.

Die Wissenschaftler fassen ihre Resultate in einem HTA-Bericht zusammen (Health Technology Assessment, wissenschaftliche Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien). Für ihren Bericht identifizierten sie 23 wissenschaftliche Studien.

Diese Studien zeigen, dass unter anderem eine angepasste Ernährung das Schreien der Kinder vermindert.

Lindernd wirkten demnach eine pflanzliche Mischung aus Fenchel, Kamille und Melisse, eine Fenchelsamen-Emulsion, allergenarme Kost, Kräutertee und hydrolisierte Kost sowie ein Verzicht auf Kuhmilchprodukte. Auch für die Akupunktur zeigen Studien günstige Effekte.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/news/article/830213/schreikinder-hilft-eltern-babys.html

Eine Zusammenfassung des Berichts ist abrufbar auf:

http://portal.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta338_zusammenfassung_de.pdf 

Kommentar & Ergänzung:

Ein Säugling gilt dann als Schreikind, wenn er die sogenannte Dreierregel erfüllt: Er quengelt oder schreit anhaltend und ausdauernd mindestens drei Stunden pro Tag, an mindestens drei Tagen in der Woche und mehr als drei Wochen lang.

Das Schreien wird manchmal durch bestimmte Auslöser wie Hunger oder Müdigkeit verursacht. Oft sind aber keine bestimmten Gründe zu erkennen. Solcherart unspezifisches Schreien tritt typischerweise in den Abendstunden auf.

Schreit ein Säugling sehr häufig ohne ersichtliche Ursache, ist eine ärztliche Untersuchung nötig, um ernsthafte Auslöser auszuschliessen (zum Beispiel einen Harnwegsinfekt oder eine Mittelohrentzündung).

Wirklich wirksame Massnahmen für Schreikinder sind oft nicht einfach zu finden. In der Phytotherapie werden vor allem blähungswidrige Mittel (Karminativa), krampflösende Mittel (Spasmolytika) und beruhigende Mittel (Sedativa) empfohlen.

Die oben erwähnte Melisse gehört zu den Sedativa und wird als Melissentee innerlich und als Melissenöl (via Einatmung) angewendet. Beruhigend via Einatmung ist auch Lavendelöl anwendbar.

Neben Fenchelfrüchten werden in der Phytotherapie-Fachliteratur als Spasmolytika und Karminativa auch Kümmel bei Schreikindern empfohlen, wenn die Verdauung als wesentlich daran beteiligt zu sein scheint.

Im „Leitfaden Phytotherapie“ (2010) von Schilcher / Kammerer / Wegener: „Kümmelöl (Carvi aeth.): 2 – 3 Tr. in etwas Wasser oder besser in Milch verteilt zu den Mahlzeiten“. Mir selber ist das etwas zu stark für Säuglinge. Für die äusserliche Anwendung bei „Dreimonatskoliken“ empfiehlt der „Leitfaden Phytotherapie“ eine 10%ige Lösung von Kümmelöl in Olivenöl. Davon sollen einige Tropfen auf den Bauch und insbesondere in der Nabelgegend im Uhrzeigersinn eingerieben werden. Eine weitere Option für Säuglinge sind Dillfrüchte. Sie sind milder, aber auch schwächer als Fenchelfrüchte und Kümmelfrüchte.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie/ Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

 

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