Die Vereinigung für Aromapflege und gewerbliche Aromapraktiker (VAGA) wählte die Salbei zur Duftpflanze des Jahres 2015. Der „Kurier“ berichtet darüber und weißt auf die Wirkung der Salbeiblätter bei Halsweh und gegen zu starkes Schwitzen hin.

Leider kolportiert die Zeitung auch die Mär von der östrogenartigen Wirkung der Pflanze:

„Menstruation. Salbei enthält östrogenartige Substanzen, die bei Wechsel- und Menstruationsbeschwerden helfen können. Schon Hippokrates setzte Salbei als Uterus-Heilmittel ein.“

Quelle:

http://kurier.at/lebensart/gesundheit/gesundes-kraut-salbei-ist-duftpflanze-des-jahres-2015/95.092.303/slideshow

Diese Aussage lese ich nicht zum ersten Mal. Eigenartig ist allerdings, dass nie erwähnt wurde, um welche östrogenartigen Substanzen ist sich handeln soll. Das wäre aber nötig, wenn die Aussage glaubwürdig sein soll. In der Phytotherapie-Fachliteratur tauchen keine Salbei-Inhaltsstoffe mit östrogener Wirkung auf und die schweisshemmende Wirkung dürfte durch direkte Beeinflussung der Schweissdrüsen zustande kommen – und nichts mit Phytoöstrogenen zu tun haben.

Die Aussage steht also auf ausgesprochen schwachen Füssen.

Der Artikel im „Kurier“ geht auch auf die Geschichte der Salbei als Heilpflanze ein:

„Schon die Griechen glaubten, Salbei könne unsterblich machen. Im Mittelalter hatte das Kraut den Ruf eines universellen Heilmittels. Ein Spruch aus der Volksmedizin des 13. Jahrhunderts lautet etwa: ‚Wie kann ein Mensch sterben, in dessen Garten Salbei wächst?’“

Quelle:

http://kurier.at/lebensart/gesundheit/gesundes-kraut-salbei-ist-duftpflanze-des-jahres-2015/95.092.303/slideshow

Der Spruch: “Cur moriatur homo, cui Salvia crescit in horto ?” – „Warum soll der Mensch sterben, wenn doch Salbei in seinem Garten wächst?“, wird immer wieder gerne zitiert und er zeugt davon, dass man der Salbei Wunderkräfte zugetraut hat. Die Aussage stammt aus einem alten medizinischen Lehrgedicht der Schule von Salerno, dem “Regimen Sanitatis Scholae Salernitanae”, dessen Handschrift um 1101 entstanden sein dürfte.

Allerdings lautet dort die Antwort auf die gestellte Frage:

„Contra vim mortis non est medicamen in hortis.” – “Gegen den Tod ist kein Kräutlein im Garten gewachsen.“

Und dieser Teil – der doch etwas relativierend wirkt, wird nur selten zitiert.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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