Psychiater warnen vor einem zu liberalen Kurs in der Frage um ärztliche Beihilfe zum Suizid. Denn auch Menschen mit schweren Depressionen wollen ihr Leben manchmal mit ärztlicher Hilfe beenden. Suizid sei häufig Folge einer psychiatrischen Erkrankung, sagte Prof. Wolfgang Maier, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN), der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

Viele Menschen, die in der Krankheit einen Suizid ausführen wollten und dann davon abgehalten wurden, verwerfen diesen Todeswunsch nach der Gesundung, erklärt Maier.

Das Selbsterleben von Menschen in einer Depression oder schweren Psychose sei sehr eingegrenzt, hoffnungslos und nihilistisch. Aber der Erkrankte erlebe das als Realität und nicht im Bewusstsein, dass dies die Krankheit mit ihm mache. Deshalb müssten Dämme gebaut und assistierte Suizidsituationen bei Menschen, die psychisch krank sind, abgewendet werden, unterstreicht Maier.

Anders sei die Situation bei unheilbaren, in naher Zukunft unabwendbar zum Tode führenden Krankheiten, die mit starken körperlichen Leiden einhergehen. Es sei aber dennoch unsere gesellschaftliche Aufgabe, dass wir die Vorstellung, die Menschen von einem Leben jenseits ihrer derzeitigen Lebensrealität haben, nicht vorschnell als würdelos verurteilen. Studien zu Demenz etwa hätten ergeben, dass auch Menschen, die zuvor in Patientenverfügungen festgelegt hätten, dass sie in Abhängigkeit und bei Verlust der kognitiven Leistungen nicht weiterleben wollten, in der Demenz ihr Tun und ihre erlebte Freude nicht mehr als würdelos empfanden.

Angesichts einer alternden Gesellschaft werde das Thema noch an Gewicht gewinnen, betont Maier: Herzinfarkte und andere rasch zum Tod führende Erkrankungen werden seltener. Das Leben am Lebensende werde künftig also mit einer längeren Zeit der Abhängigkeit verbunden sein.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=55335

 

Kommentar & Ergänzung:

Ein komplexes Thema. Psychisch kranke Menschen wenden manchmal ein, dass sie gegenüber körperlich kranken benachteiligt werden, wenn sie die Möglichkeit ärztlicher Beihilfe zum Suizid nicht auch in Anspruch nehmen können. Und es ist zu mindestens nachvollziehbar, dass Betroffene das so sehen können. Aber es ist eben auch nicht von der Hand zu weisen, wovor Prof. Wolfgang Maier warnt: Bei Depressionen kann ein starker Suizidwunsch als Teil der Krankheit auftreten und dann wäre es verheerend, mit assistiertem Suizid „nachzuhelfen“. Denn meistens ist der Suizidwunsch weg, wenn die Depression überwunden ist.

Wichtig ist aber auch das Thema, das Wolfgang Maier am Schluss anschneidet: Wie gehen wir – als Einzelne und als Gesellschaft – mit Abhängigkeit um.

Und wie lassen sich Bedingungen sichern, die ein menschenwürdiges Altwerden gestatten. Wenn ältere Menschen sich Gedanken machen, ob sie ihrem Leben mit assistiertem Suizid ein Ende setzen sollen, weil sie niemandem zur Last fallen wollen, dann muss das sehr zu denken geben. Ein ökonomischer Druck hin zu assistiertem Suizid ist nicht hinnehmbar.

Und es braucht selbstverständlich ein gutes Angebot im Bereich Palliative Care als Alternative zum assistierten Suizid.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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