Die Zeitschrift „Oeko-Test“ (6 / 2016) hat 20 rezeptfreie Mittel gegen Reisekrankheit auf Wirksamkeit, Risiken und Nebenwirkungen und problematische Hilfsstoffe untersucht. Darunter waren Tabletten, Kapseln, Kaugummis, Lutschtabletten und Rektalzäpfchen.

Nur drei der untersuchten Präparate werden im Test mit dem Gesamturteil „gut“ empfohlen und der Großteil schnitt nur „befriedigend“ ab.

Zwei der mit „gut“ benoteten Präparate enthalten den gängigsten Wirkstoff Diphenhydramin, der aber Müdigkeit auslösen kann und daher ungeeignet ist, wenn man beispielsweise ein Fahrzeug lenken muss.

Mit „gut“ bewerte wurde auch ein Arzneimittel mit Ingwerwurzelstock-Pulver (Zintona Kapseln). Für Ingwer spreche einerseits, dass Seeleute schon seit Jahrhunderten auf die Heilpflanze schwören. Dem „Oeko-Test“ Gutachter Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz zufolge belegen auch viele klinische Einzelstudien den Nutzen von Ingwer gegen Reisekrankheit. Ingwer unterdrückt offenbar Brechreiz und Unwohlsein direkt im Magen-Darm-Trakt. Die Wissenschaft diskutiert den Nutzen von Ingwer jedoch kontrovers. Übersichtsarbeiten der Universität Freiburg aus dem Jahr 2005 und von neuseeländischen Forschern im Jahr 2014 kamen zum Schluss, dass Ingwer in klinisch relevanten Mengen unterwegs nicht gegen Schwindel und Übelkeit hilft. Die Europäische Arzneimittel-Agentur hingegen kam 2012 zur Einschätzung, dass Dosierungen von 500 bis 1000 mg Ingwerpulver einen zwar geringen, aber klinisch relevanten Effekt zeigen.

Abgeraten hat der Gutachter von den beiden untersuchten Ingwer-Lutschtabletten. Es sei unklar, woraus der Ingwer-Extrakt in den Pastillen bestehe und zudem enthielten sie im Vergleich zu klinisch geprüften Arzneimitteln (Zintona) deutlich zu niedrig dosierte Mengen.

Quelle:

https://media.arbeiterkammer.at/ooe/T_2016_Reisekrankheit_OekoTest.pdf

 

Kommentar & Ergänzung:

Dass Ingwer keine Müdigkeit verursacht, ist ein gewichtiger Vorteil.

Der „Oeko-Test“-Gutachter differenziert sorgfältig zwischen qualitativ verschiedenen Ingwer-Produkten. Wie bei anderen Heilpflanzen auch, kann man nämlich nicht pauschal sagen, „Ingwer hilft gegen Reisekrankheit“. Man muss immer auch hinzufügen, in welcher Form die Pflanze zur Anwendung kommt.

Die erwähnten und negativ bewerteten Ingwer-Lutschtabletten sind offensichtlich nicht als Arzneimittel zugelassen, sondern als Nahrungsmittel oder Nahrungsergänzung im Handel. Damit unterstehen sie nicht den strengeren Vorgaben der Arzneimittelgesetzgebung.

Bei solchen Produkten ist oft nicht wirklich klar, welchen Wirkstoffgehalt sie haben. Zudem gibt es für Nahrungsergänzungsmittel nur wenig Forschung, weil keine Wirksamkeit nachgewiesen werden muss. Wo immer möglich ist es daher ratsam, bei Heilpflanzen-Präparaten Phytopharmaka vorzuziehen – also Präparate mit Arzneimittelstatus. Sie sind meistens besser dokumentiert, genauer kontrolliert und vergleichsweise auch besser in ihrer Wirksamkeit belegt.

Eine Kapsel ZINTONA® enthält übrigens 250 mg Ingwerwurzelstock-Pulver.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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