Ibuprofen ist ein Schmerzmittel, Entzündungshemmer und Fiebersenker aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Forschung zeigen nun, dass Ibuprofen in der Schwangerschaft riskant ist für den Fötus.

Seit 15 Jahren publiziert die ANSM Gesundheitsfachleute regelmässig Warnungen vor Risiken bei Einnahme von NSAR ab dem sechsten Schwangerschaftsmonat.

Aus der Überwachung von Medikamenten bezüglich Risiken und Nebenwirkungen (Pharmakovigilanz) zeigt sich eindeutig, dass eine Einnahme, auch einmalig, ab dem sechsten Schwangerschaftsmonat für den Fötus toxisch sein kann. Belegt ist ein ein Risiko für renale und kardiopulmonale Beschwerden, welche zum Tod in utero oder kurz nach der Geburt führen können. Frühgeburten und Asthma beim Neugeborenen können ebenfalls auftreten.

Gemäss einem aktuellen Bericht des Inserm (Institut national de la santé et de la recherche médicale française) und der ANSM zählt Ibuprofen bei Schwangeren zu den am häufigsten konsumierten frei verkäuflichen Schmerzmitteln, und wird in der Schwangerschaft oft verschrieben.

In Kooperation mit anderen Ländern haben Wissenschaftler des Inserm nun die Wirkung von Ibuprofen auf humane, fötale Hoden (Transplantat in Mäusen) untersucht. Sie konnten so feststellen, dass es im ersten Trimenon im Hodengewebe zu hormonellen Störungen kommt, welche möglicherweise Folgen für die Entwicklung des männlichen Urogenitalsystems haben können. Die Testosteronproduktion wurde stark reduziert, die Vermännlichung des Genitaltraktes beeinträchtigt und die Genexpression für funktionsfähige Keimzellen (Bildung von Spermatozyten) vermindert.

Eine neue Studie an 7 bis 12 Wochen alten Föten zeigte auch eine schädliche Wirkung auf die Entwicklung der Eierstöcke bei Mädchen.

Diese Ergebnisse mahnen zur Vorsicht bei der Anwendung von Ibuprofen bereits zu Beginn einer Schwangerschaft, damit die Fruchtbarkeit der Kinder nicht beeinträchtigt wird.

Literatur:

Revue Médicale Suisse 556/2018/p724

Le Moniteur 321/2018/p20

Quelle:

 

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5721&NMID=5721&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Da Ibuprofen ein sehr häufig konsumiertes Schmerzmittel ist, verdient diese Warnung breite Beachtung.

Ausserdem sind eine ganze Reihe von unerwünschten Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu beachten.

Ibuprofen hemmt zum Beispiel unter anderem die Schleimproduktion im Magen und kann dadurch Schäden an der Magenschleimhaut auslösen.

Gemäss Wikipedia ist Ibuprofen gegenwärtig in folgenden Medikamenten enthalten (Monopräparate):

„Da das Patent von Ibuprofen seit Jahren frei ist, handelt es sich – außer beim Original – bei den folgenden Präparaten um Generika mit verschiedensten Namen in Deutschland (D), Österreich (A) und der Schweiz (CH):

Aktren (D, A), Alges-X (CH), Algifor-L Forte 400 (CH), Anco (D), Brufen (A, CH), Dismenol (D, A, CH), Dolgit (D, A), Dolocyl (CH), Dolormin Extra (D), Esprenit (D), Eudorlin Extra (D), Grefen (CH), Gyno-Neuralgin (D), Ibuflam (D), IbuHEXAL (D), Ibumetin (A), Ibutop (D), Ibubeta (D), Irfen (CH), Kontagripp (D), Migränin Ibuprofen (D), Movone (A), Neuralgin extra (D), Nurofen (D, A), Opturem (D), Pedea (D), RatioDolor akut (A), Saridon (CH), Spedifen (A, CH), Spalt Flüssigkapseln (D), Spidifen (D), Tispol (D), Urem (D).“

Es wäre aber verkehrt, die Warnung nur auf Ibuprofen zu beziehen. Auch andere Schmerzmittel könnten während der Schwangerschaft problematisch sein. Darauf weisen die Resultate einer Studie aus Kopenhagen hin.

Demnach steigern Schmerzmittel das Risiko, einen Sohn zu gebären, der eine Lageanomalie des Hodens – auch Kryptorchismus genannt – aufweist. Diese Fehlentwicklung kann im späteren Lebensalter zu einer schlechteren Samenqualität führen und Hodenkrebs fördern. Ibuprofen in der Schwangerschaft ist deshalb gar keine gute Idee.

Siehe dazu:

Bedenkliche Schmerzmittel in der Schwangerschaft

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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