Immer wieder gibt es Diskussionen zur richtigen Dosierung von Baldriantinktur. Die Position der Phytotherapie-Fachliteratur ist hier sehr eindeutig: 

Die Dosierung von Baldriantinktur darf nicht zu tief sein!

Hier ein paar Zitate zur Dosierung von Baldriantinktur:

“Leitfaden Phytotherapie” von Heinz Schilcher (Hrsg.):

“Die traditionelle Anwendung von Baldriantropfen (Baldriantinktur) von 10 – 20 Tr. auf einem Würfel Zucker ist häufig eine deutliche Unterdosierung und kann zu paradoxen Reaktionen führen. Richtig ist eine Dosierung von 1/2 – 1 TL (2-3 ml) Baldriantropfen.”

“Phytotherapie” von Margret Wenigmann:

“Bei manchen Menschen sind paradoxe Reaktionen möglich, v. a. bei der traditionellen Anwendung von Baldriantinktur in zu geringer Dosierung (traditionell 10 – 20 Tr.auf einem Stück Zucker).” Auch Wenigmann empfiehlt als Dosierung für Baldriantinktur 1/2 – 1 TL = 1 – 3 ml.

“Lehrbuch der Phytotherapie” von Fintelmann / Weiss / Kuchta:

“Therapeutische Empfehlung: Um gute Erfolge zu erzielen, müssen grössere Mengen Baldrian eingenommen werden, z. B. 1 – 2 TL der Tinktur. Überdosierungen sind dabei kaum zu befürchten.”

Diese Autoren gehen in der empfohlenen Dosierung also noch deutlich höher als Schilcher und Wenigmann.

☛ Reinhard Länger und Wolfgang Kubelka von der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie weisen im “Phytokodex” darauf hin, dass in der Baldriantinktur die Inhaltsstoffe im Vergleich zur Baldrianwurzel “im Verhältnis von ca. 1 : 5 verdünnt vorliegen”.Daraus ziehen sie den Schluss: “Die in der Literatur empfohlene Dosierung der Tinktur (Baldriantropfen) von 1,5-3 g erscheint deutlich zu niedrig,…”

Quelle: https://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Baldrianwurzel.html 

Fazit: Die richtige Dosierung von Baldriantinktur braucht mehr Aufmerksamkeit

Drei Anmerkungen darüber hinaus:

  1. Es spricht viel dafür, dass Baldrian seine Wirksamkeit erst bei einer Anwendung über mehrere Wochen voll entfaltet.
  2. Die Phytotherapie-Fachliteratur empfiehl in der Regel Baldrianextrakt-Präparate anstelle von Baldriantee oder Baldriantinktur. Dies weil Baldriantee geschmacklich eine Zumutung ist und weil Baldriantinktur im Vergleich zu Baldrianextrakt einen deutlich tieferen Wirkstoffgehalt aufweist. Bei Baldrianextrakt-Präparaten mit rund  500 – 600 Baldrianextrakt pro Tablette ist der Wirkstoffgehalt gegenüber der Baldriantinktur deutlich höher.
  3. In der traditionellen Anwendung von Heilpflanzen wird die Bedeutung der richtigen Dosierung und der optimalen Zubereitungsform (z. B. Kräutertee, Tinktur, Extrakt) stark unterschätzt.

Wer fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.