Auf T-online wird in einem Beitrag der Borretsch (Borago officinalis) als Heilpflanze beschrieben. Die Aussagen kommen mir vor wie frei erfunden. Hier Zitate aus diesem Beitrag mit Kommentaren von mir:

„Der Borretsch wird häufig als Gewürz im Salat genutzt. Dank seiner heilsamen Wirkung wird er auch zum Beispiel bei Herzschwäche und Bluthochdruck eingesetzt.“

Es gibt keinerlei Belege oder auch nur plausible Argumente für eine Wirksamkeit von Borretsch bei Herzschwäche und Bluthochdruck.

Zur Wirkung von Borretsch schreibt T-online:

„Er wirkt beruhigend, entgiftend und entzündungshemmend…..”

Es gibt keinerlei Belege oder auch nur plausible Argumente für beruhigende und entgiftende Wirkungen von Borretschkraut. Dass man mit Heilpflanzen „entgiften“ kann, ist grundsätzlich eine fragwürdige bis abstruse Vorstellung. Eine entzündungswidrige Wirkung der Borretschkrauts könnte allenfalls noch mit dem Gerbstoffgehalt erklärt werden (dann aber nur lokal / äusserlich).

In der Phytotherapie-Fachliteratur finden sich zu Borretschkraut nur wenige Hinweise, weil es dazu kaum gesicherte Erkenntnisse gibt. Beispiel:

„Borretschkraut wirkt adstringierend (Gerbstoffe) und einhüllend (Schleimstoffe) und gilt volkstümlich als Bronchotherapeutikum; die Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt, eine Verwendung als Arzneidroge angesichts der Risiken…nicht vertretbar.“

(Aus: Heilpflanzenlexikon, Dietrich Frohne, 2006).

Mit den Risiken ist der Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden im Borretschkraut gemeint, die lebertoxisch wirken können.

T-online empfiehl Borretschkraut bei einer ganzen Reihe von Anwendungsbereichen:

„ ….und wird bei Herzbeschwerden, Bluthochdruck und Schlafbeschwerden eingesetzt.“

„Des Weiteren hat die Pflanze eine fiebersenkende Wirkung und soll bei Gicht, Rheuma und Menstruationsbeschwerden helfen.“

Hier wird eine fiebersenkende Wirkung behauptet, die völlig ungeklärt ist. Dazu gibt es meines Wissens nirgendwo plausible Hinweise.

Rheuma und Menstruationsbeschwerden gibt es keine Belege oder auch nur glaubwürdige Argumente. Immerhin wird hier mit der Formulierung „soll“ keine Wirkung absolut behauptet.

Soweit die Ausführungen zur innerlichen Anwendung.

Zur äusserlichen Anwendung schreibt T-online:

„Außerdem können Sie Borretsch äußerlich anwenden: als Tee oder verdünnte Tinktur in Umschlägen oder Bädern. So kann das Kraut auch bei schlecht heilenden Wunden, Hautausschlägen oder Ekzemen helfen.“

Es gibt keinerlei Belege für eine Wirksamkeit von äusserlich angwandtem Borretschkraut bei schlecht heilenden Wunden, Hautausschlägen oder Ekzemen helfen. Aufgrund des Gerbstoffgehalts ist ein Effekt von Bädern und Umschlägen bei nässenden Wunden und Ekzemen zumindestens denkbar. Das gilt aber wirklich nur für nässende Wunden und Entzündungen – und es gibt dafür besser geeignete Heilpflanzen (z. B. Schwarztee, Eichenrinde).

Borretschsamenöl bei Neurodermitis

Gegen Ekzeme bei Neurodermitis (Atopische Dermatitis) wird in der Phytotherapie Borretschsamenöl angewendet, in der Regel innerlich in Form von Kapseln, manchmal auch äusserlich. Borretschsamenöl enthält wie Nachtkerzenöl Gamma-Linolensäure als Wirkstoff.  Und im Gegensatz zum Borretschkraut gibt es beim Borretschsamenöl kein Risiko bezüglich der Pyrrolizidinalkaloide.

Für die Anwendung von Borretschsamenol bei Neurodermitis gibt es zumindestens einige Hinweise aus Studien, die auf eine Wirksamkeit deuten. Und genau diese Anwendung kommt im Beitrag auf T-online gar nicht vor.

Das zeigt, wie willkürlich die Aussagen in diesem Artikel auf T-online sind.

Quelle der Zitate:

https://www.t-online.de/gesundheit/heilmittel-medikamente/id_77694630/borretsch-alles-zur-heilpflanze-und-verwendung.html

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Beispiel verdeutlicht, dass beim Thema „Heilpflanzen“ in den Medien (und im Buchhandel) über weite Strecken ein Qualitätsproblem vorliegt. Den meisten Verlagen scheint es egal zu sein, ob auch stimmt, was da geschrieben wird. Hauptsache es gibt Klicks im Internet und damit Werbeeinnahmen, und gute Verkaufszahlen im Büchermarkt.

Für Konsumentinnen und Konsumenten ist das nur schwer durchschaubar.

Heilpflanzen-Bücher, die punkto Qualität meines Erachtens verlässlich sind, stelle ich in meinem Buchshop vor. Sie können dort auch bestellt werden und die Lieferung kommt dann vom Buchhaus „Lüthy Balmer Stocker“ (Zur Übersicht geht’s hier).

Wer sich fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.