„Populismus“ wird seit einiger Zeit fast inflationär als politischer Kampfbegriff eingesetzt. Populist ist dann, wer lauthals simple Lösungen anpreist und sich beim „Volk“ anbiedert.

Derart ungenau verwendet, verliert der Begriff seine Erklärungskraft. Dabei wäre es wichtig präzis zu verstehen, womit wir es beim Populismus zu tun haben – und worin seine Gefahr für demokratische Gesellschaften besteht.

Der Politologe Jan-Werner Müller von der Universität Princeton schafft es in seinem Buch „Was ist Populismus“, den Populismus gut verständlich auf den Punkt zu bringen.

Populisten sind demnach erkennbar am Anspruch, dass sie, und nur sie, das Volk vertreten. Dabei setzen sie ein Volk voraus, das einheitlich ist und so nur in ihrer Fiktion existiert. In dieser homogenen Vorstellung des „Volkes“ spielen unterschiedliche Interessenlagen und unterschiedliche politische Ansichten keine Rolle.

Populismus ist antipluralistisch

Weil Populisten behaupten, dass nur sie das Volk vertreten, werden in ihren Augen alle anderen politischen Ansichten und Akteure potenziell illegitim. Populismus wird dadurch antipluralistisch und letzlich auch antidemokratisch. Das zeigt sich unter anderem auch darin, dass Populisten Schwierigkeiten haben, politisch Niederlagen zu akzeptieren. Weil sie doch in ihrer Vorstellung das ganze Volk repräsentieren, kann eine Niederlage nur Folge von Lüge, Betrug und Verschwörung sein.

Jan-Werner Müller beschreibt auch eindrücklich, was geschieht, wenn Populisten an die Macht kommen. Sie besetzten Gerichte und Verwaltung mit Parteimitgliedern, reissen sich die Medien unter den Nagel und demontieren damit alle Instanzen, die ihrem Machtanspruch Grenzen setzen könnten. Zu beobachten ist diese Entwicklung gerade zum Beispiel in Polen und Ungarn.

Das Buch von Jan-Werner Müller ist meiner Ansicht nach ein Standard-Werk für aktuelle politische Bildung. Wer gegenwärtige gesellschaftspolitische Entwicklungen verstehen will, ist damit gut bedient. Und diese Entwicklungen gehen uns etwas an. Denn die lange Phase von Frieden und Stabilität, die wir in Mitteleuropa erlebt haben, ist vielleicht weniger selbstverständlich, als wir uns das vorstellen.

Das Buch „Was ist Populismus?“ von Jan-Werner Müller, habe ich in meinem Buchshop genauer vorgestellt. Sie können es hier anschauen und auch via Buchhaus bestellen.

Eine Zusammenfassung des Buches habe ich hier publiziert:

Was ist Populismus? Und was nicht?