Cannabis hat in den den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen für die Behandlung verschiedener Krankheiten. Auch die Forschung zu Cannabis in der Medizin hat grosse Fortschritte gamacht.

In Wien fand im November ein wissenschaftliches Cannabis-Symbosium statt. Die Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie berichtete darüber  (Nr. 6 / 2018).

Hier dazu ein Zitat:

Victor Novack (Israel) zeigte, dass die Zahl der Publikationen über Cannabis seit 2010 überproportional angestiegen ist; er meinte, dass die möglichen Erwartungen für große finanzielle Gewinne durch Cannabis in keinem Verhältnis zu den bisherigen Nachweisen der klinischen Wirksamkeit und den bisher zugelassenen Indikationen stehen. Auch Michael Schäfer (Universitätsmedizin Berlin) sah die vorhandenen medizinischen Daten zu Cannabis kritisch: Bei Patienten mit Multipler Sklerose zeigt sich eine mäßige Evidenz der Wirksamkeit gegen Spastizität. Auch bei neuropathischen Schmerzen fand sich eine nur marginale Überlegenheit gegen Placebo. Xavier Fernandez-Ruiz (Madrid) beleuchtete speziell das Cannabinoid CBD, das im Experiment viele positive neuroprotektive Eigenschaften zeigt. Bei der klinischen Prüfung von CBD gegen Placebo bei Patienten mit der Huntigtonschen Krankheit („Veitstanz“) erwies sich CBD aber als unwirksam.

Der letzte Vortrag des Symposiums von Hans-Georg Kress (Medizin. Universität Wien) war besonders kritisch und löste auch die lebhafteste Diskussion aus: Bei der Schmerzbehandlung mit Cannabinoiden sieht Kress eine schlechte Wirksamkeit bei akuten Schmerzen, einen mäßigen Effekt bei nicht durch Krebs bedingten Schmerzen und eine mäßige bis schlechte Wirksamkeit bei durch Krebs ausgelösten Schmerzen. Der Vortragende bemängelte das Fehlen einer wissenschaftlich bewiesenen Überlegenheit gegenüber bestehenden Therapien sowie das Fehlen von Vergleichsstudien zwischen Extrakten aus der Cannabis-Pflanze gegen einzelne Cannabinoide. Er warnte vor der „Medizinalisierung“ von Cannabis, was dem Missbrauch Tür und Tor öffnen würde.

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0618.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Das Cannabis-Symbosium wurde veranstaltetet von der HMPPA (Herbal Medicinal Products Platform Austria) und der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoff-Forschung (GA).

Die im Zitat vorgestellten Vorträge drehten sich um die klinische Forschung mit Cannabis – und hier scheint der Tenor ziemlich kritisch gewesen zu sein. Die Hoffungen und Versprechungen rund um Cannabis überborden manchmal tatsächlich. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, die Ergebnisse zwischendurch kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Cannabis als Medizin ist neben vielen anderen Heilpflanzen natürlich auch ein Thema in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung  und dem Heilpflanzen-Seminar. Schauen Sie sich die Kursausschreibungen an, falls Sie an fundiertem Heilpflanzen-Wissen interessiert sind.

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