Die „SonntagsZeitung“ (13. Januar 2019) veröffentlichte ein „ABC der Hausmedizin“ mit verschiedenen Tipps für die Gesundheit. Unter anderem wurde dabei auf Kohlwickel als Mittel gegen Knieschmerzen hingewiesen:

„Leichte bis mittelstarke Knieschmerzen bessern sich mit Kohlwickeln etwa genauso gut wie mit einem Gel, das den schmerzlindernden Wirkstoff Diclofenac enthält. Den Wickel mindestens zwei Stunden täglich, am besten über Nacht, anlegen und die Haut danach mit Wasser abspülen.“

Quelle:

https://www.tagesanzeiger.ch/sonntagszeitung/das-abc-der-hausmedizin/story/23864546?utm_source=emarsys&utm_medium=email&utm_campaign=TA18EDIT_DerMorgen_13012019&sc_src=email_2619139

Kommentar & Ergänzung:

 Dieser Hinweis bezieht sich auf eine Studie, die an den Kliniken-Essen-Mitte durchgeführt wurde, und die erstmals die Wirkung von Kohlblattauflagen bei Arthrose des Kniegelenks untersuchte. 

Patienten mit symptomatischer Kniearthrose im Stadium II-III (Kellgren und Lawrence-Score) bekamen nach zufälliger Einteilung in drei Gruppen vier Wochen lang jeden Tag entweder einen Kohlwickel auf die schmerzende Stelle aufgebracht, oder ein Diclofenac-haltiges Schmerzgel. Die Patienten in der dritten Gruppe behielten ihre bisherige Therapie im Rahmen der Routineversorgung bei.

Nach vier Wochen stellten die Forscher fest, dass sich die Schmerzintensität in den ersten beiden Gruppen im Vergleich zur Routineversorgung signifikant vermindert hatte. Auch die Beweglichkeit des Kniegelenks und die Lebensqualität der Patienten hatten sich verbessert. Allerdings war der schmerzlindernde Effekt der Kohlblattauflagen dem Effekt des Schmerzgels nicht überlegen. Auch beim zweiten Messpunkt nach drei Monaten war noch eine Verbesserung der Lebensqualität durch die Kohlwickel-Anwendung festzustellen. Die Patienten aus der Kohlwickel- und Diclofenac-Gruppe beurteilten beide Maßnahmen als sehr hilfreich zur Therapie ihrer Kniearthrose-Beschwerden. Mehr als Dreiviertel der mit Kohlwickel behandelten Studienteilnehmer sagten aus, dass sie diese Maßnahme ihren Familienmitgliedern und Freunden weiterempfehlen würden.

Die mit den Kohlwickeln in dieser Studie erzielte Verminderung des Gelenkschmerzes führen die Forscher auf die entzündungshemmenden Inhaltsstoffe (Flavonoide und Glucosinolate) des Kohls zurück.

Quellen:

 https://www.carstens-stiftung.de/artikel/kohlwickel-fuer-das-schmerzende-knie.html

https://www.gesundheitsstadt-berlin.de/kohlwickel-helfen-bei-knie-arthrose-8239/

Lauche R, Romeikat N, Cramer H, Al-Abtah J, Dobos G, Saha FJ. Efficacy of cabbage leaf wraps in treating symptomatic osteoarthritis of the knee – a randomized controlled trial. Clin J Pain 2016; epub ahead of print. Doi:10.1097/AJP.0000000000000352

 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26889617

Was ist davon zu halten?

Der Kohlwickel ist ein ausserordentlich gut verträgliches Mittel.

Diclofenac wird zwar bei lokaler Anwendung als Schmerzgel kaum relevante Nebenwirkungen haben. Die Substanz ist aber ökologisch nicht unproblematisch, da sie sehr stabil ist und sich in der Umwelt darum sehr langsam abbaut.

Allerdings braucht die Kohlwickel-Anwendung mehr Geduld als das Auftragen eines Diclofenac-Gels. Es dürfte nicht jedermanns Sache sein, täglich über vier Wochen während mindestens zwei Stunden einen Kohl-Wickel anzuwenden.

Und wie macht man einen Kohlwickel? Hier eine Anleitung:

„Für Kohlwickel werden die dicken Mittelrippen von Weißkohl- oder Wirsingkohl-Blättern entfernt und die Blätter in einem erwärmten Tuch geklopft oder gewalzt, bis der Pflanzensaft austritt. Das Tuch mit den Blättern wird auf die schmerzenden Partien gelegt und mit einer Mullbinde oder einem Verband befestigt. Sie sollten mindestens zwei Stunden aufliegen. Man kann sie aber auch die ganze Nacht einwirken lassen. Andere Rezepte empfehlen, die Kohlblätter in kochendem Wasser zu blanchieren, bis sie weich sind, und sie dann zu walzen.“

Quelle: https://www.gesundheitsstadt-berlin.de/kohlwickel-helfen-bei-knie-arthrose-8239/

Der Kohlwickel ist jedenfalls ein sehr altes und vielfältig angewendetes Hausmittel. Wie die Wirksamkeit zustande kommt und ob daran wirklich Flavonoide und Glucosinolate (Senföl-Glykoside) beteiligt sind, ist aber noch unklar. Wickel haben wohl immer auch einen Effekt als Ritual und indem sie einen Reiz auf der Haut setzen, der schmerzreduzierend wirken könnte.

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