Betulin ist ein Extrakt aus der weißen Birkenrinde. Er ist bereits seit dem 18. Jahrhundert bekannt und chemisch definiert. Der deutsch-russische Chemiker Johann Tobias Lowitz hat Betulin als erster Wissenschaftler untersucht und beschrieben.

Inzwischen gibt es auch eine ganze Reihe von modernen Forschungsarbeiten über diesen interessanten Naturstoff, dem insbesondere zur Behandlung von verschiedenen Hautkrankheiten und zur Wundbehandlung Potenzial zugeschrieben wird.

In der Zeitschrift der österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie (PHYTO Therapie 5|2018) schreibt Univ.-Prof. Dr. Christoph M. Schempp von der Klinik für Dermatologie und Venerologie  am Universitätsklinikum Freiburg zum Einsatz von Betulin für die Wundbehandlung:  

„Viele Pflanzen werden traditionell auch für die Wundbehandlung verwendet. Für die meisten dieser Pflanzen liegen allerdings keine kontrollierten Studien vor. Im Gegensatz hierzu kann die wundheilungsfördernde Wirkung von Betulin aus dem weißen Kork der Birkenrinde als mit hohem Evidenzgrad gesichert angesehen werden. Betulin wird in einem patentierten Spezialverfahren aus dem bei der Papierherstellung anfallenden Abfall extrahiert. Der Spezialextrakt erlaubt die Herstellung einer feststoffstabilisierten Emulsion, die ohne Emulgatoren und Konservierungsstoffe auskommt. Die wundheilungsfördernde Wirkung von Betulin wurde auf molekularer Ebene entschlüsselt. Erste klinische Evidenz für die wundheilungsfördernde Wirkung des Betulins erbrachte eine Studie mit Spalthautwunden. Die in der Folge durchgeführten Zulassungsstudien für oberflächliche Wunden und Brandwunden wurden erfolgreich abgeschlossen und sind teilweise publiziert. Im Januar 2016 erteilte die EMA für das Arzneimittel Episalvan® die Zulasssung für die topische Behandlung von Brandwunden und oberflächlichen Wunden.“

Quelle:

PHYTO Therapie 5|18

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0518.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Betulin ist auch in der Phytotherapie-Fachliteratur zunehmend ein Thema. Margret Wenigmann schreibt zur Studienlage im Bereich der Hauterkrankungen im ihrem Fachbuch „Phytotherapie“:

„Betulin als Therapieoption bei aktinischer Keratose wurde in einer prospektiven, nicht randomisierten Pilotstudie untersucht. Die Patienten erhielten entweder eine Creme mit Birkenkorkextrakt als Monotherapie 2x täglich oder verwendeten die Birkenkork-Creme zur Nachbehandlung nach einmaliger Kryotherapie mit flüssigem Stickstoff. Nach 2 Monaten wurde bei 79% der Patienten mit Betulin-Monotherapie eine klinische relevante Abheilung beobachtet, in Kombination mit der Kyrotherapie sogar bei 93 %. Die Anwendung der Betulin-Creme ist angenehm und einfach, die Verträglichkeit sehr gut…

Die therapeutische oder prophylatische Anwendung einer Betulin-Emulsion wurde auch bei strahlen- oder chemotherapiebedingter Dermatitis geprüft. In einer Untersuchung wurden 33 Fallstudien bei unterschiedlichen onkologischen Erkrankungen zusammengefasst. Die Betulin-Emulsion wurde in 19 Fällen prophylaktisch und in 14 Behandlungsfällen erst nach dem Auftreten von Hautirritationen eingesetzt. Die 7-tägige therapeutische Behandlung reduzierte bereits manifestierte Hautsymptome 2. – 4. Grades deutlich, im Laufe der weiteren Behandlung konnte der Schweregrad auf 0 – 1 gesenkt werden. Die prophylaktische Anwendung von Betulin unterdrückte bei der Strahlentherapie eine über das Stadium 1 hinausgehende Hautreaktion und konnte das Auftreten eines Hand-Fuss-Syndroms unter Chemotherapie verhindern.“

Die Europäische Kommission hat im Januar 2016 dem Betulin-haltigen Medikament Episalvan die europäische Zulassung für die Behandlung von dermalen Wunden bei Erwachsenen erteilt.

In der Schweiz in meines Wissens kein Betulin-haltiges Arzneimittel zugelassen. Der Naturstoff hat aber einiges Potenzial und wird inzwischen auch bezüglich einer möglichen Wirksamkeit zur Behandlung von Malaria, Tumoren und HIV untersucht.

Für mich am interessantesten sind potenzielle Anwendungsmöglichkeiten in der Onkologie, zum Beispiel zur Vorbeugung des Hand-Fuss-Syndroms bei Chemotherapie und gegen Hautentzündungen bei Strahlentherapie.

Wenn Sie Heilpflanzen-Wissen in fundierter und verständlicher Form erwerben möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.