Der Gastroenterologe Prof. Dr. med. habil. Ahmed Madisch hat in der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie (Nr. 5/2017) einen Beitrag veröffentlicht unter dem Titel „Leitlinienbasierte Phytotherapie bei funktionellen Magen-Darm-Störungen“. Darin geht er auch auf die Behandlung des Reizdarmsyndroms mit Ballaststoffen ein:

„Im Gegensatz zur zeitlich begrenzten Therapie bei Schmerzen und Meteorismus werden stuhlregulierende Substanzen beim RDS als Langzeittherapeutika eingesetzt. Beim Obstipations-dominanten Typ des RDS sind Laxanzien wie Anthrachinone oder Bisacodyl zu vermeiden zugunsten der osmotisch wirksamen Lactulose. Eine ballaststoffreiche Kost wird empfohlen, sie hat jedoch oft den Nachteil verstärkter Blähungen. Daher empfehlen sich Quell- und Füllstoffe wie z. B. Flohsamenpräparate. In einer kontrollierten Studie konnte gezeigt werden, dass beim RDS mit vorwiegender Obstipation Plantago afra und ovata bei regelmäßiger Einnahme nicht nur die Stuhlkonsistenz und Stuhlfrequenz verbessern, sondern auch signifkant die begleitenden Schmerzen und Blähungen lindern. Auch beim RDS vom Diarrhö-Typ binden diese Quellstoffe einen Teil der im Darmlumen vorhandenen übermäßigen Flüssigkeit, sodass die Stuhlkonsistenz zunimmt. In schweren Fällen kann die Therapie durch Loperamid und Diphenoxylat ergänzt werden.“

 

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0517.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Das Reizdarmsyndrom äussert sich mit verschiedenen Symptomen, die unterschiedliche Behandlungsansätze erfordern – insbesondere Meteorismus (Blähungen), Obstipation (Verstopfung), Diarrhö (Durchfall), Darmkrämpfe.

Phytopharmaka können dabei eine wesentliche Rolle spielen. Und wie im Artikel erwähnt, sind Flohsamenpräparate beim Thema Verstopfung und Durchfall wirksam – bei Verstopfung mit viel Wasser eingenommen, bei Durchfall mit wenig Wasser. Wirksamer sind in vielen Fällen Präparate aus Flohsamenschalen, weil ihr Quelleffekt wesentlich grösser ist.

Flohsamen / Flohsamenschalen sind gegenüber dem Ballaststoff Weizenkleie vorzuziehen, weil letztere mehr Blähungen erzeugen.

Bei Darmkrämpfen im Rahmen eines Reizdarmsyndroms hilft oft Pfefferminzöl in Form einer magensaftresistenten Kapsel (Colpermin).

 

Siehe auch:

Kümmelöl-Leibauflagen beim Reizdarmsyndrom

Cannabidiol wirksam bei Reizdarm?

Phyto-Kombi mit Pfefferminzöl und Kümmelöl bei Reizdarm

Ballaststoffe beim Reizdarmsyndrom

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