In einer ersten klinischen Studie zeigte ein aus dem Wohlriechenden Eisenkraut (Zitronenverbena, Zitronenverbene, Verveine) hergestellter Sirup bei der Behandlung von Schlafstörungen eine deutliche Überlegenheit gegenüber dem Placebo-Präparat.

Die ursprünglich in Südamerika heimische Zitronenverbene (Aloysia citriodora), auch Zitronenduftstrauch oder Verbenenkraut genannt, hat ihren Weg nicht nur als Ziergewächs in unsere Gärten gefunden, sondern auch als Würz- und Teekraut in die Küchen. In verschiedenen Kulturen kommt das Wohlriechende Eisenkraut traditionell bei unterschiedlichen Erkrankungen zur Anwendung, unter anderem gegen Asthma, Fieber, Durchfall, Angst und Schlafstörungen. Zut Wirksamkeit bnei Schlafstörungen führte nun erstmals eine iranische Forschergruppe eine randomisierte, doppelt verblindete, Placebo-kontrollierte Studie durch.

100 erwachsene Probanden mit diagnostizierten Schlafstörungen wurden in die Studie aufgenommen und randomisiert (= per Zufallsentscheid) der Behandlungs- oder der Placebo-Gruppe zugeteilt. Verwendet wurde in der Studie ein Sirup, der aus den Blättern der Zitronenverbene, Zucker und Wasser hergestellt wurde, bzw. ein Zuckersirup ohne Blätterextrakt als Placebo. Alle Studienteilnehmer nahmen über einen Zeitraum von vier Wochen eine Stunde vor der Schlafenszeit 10 ml des ihnen verordneten Sirups zu sich. Zu Beginn der Studie, nach zwei und nach vier Wochen wurden anhand der zwei bewährten Fragebögen Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) und Insomnia Severity Index (ISI) die subjektive Schlafqualität, die Beeinträchtigung am Tag, die Schlaflatenz, die Schlafeffizienz und die allgemeine Schlafqualität sowie der Schweregrad der Schlafstörungen erfasst. Um mögliche unerwünschte Wirkungen des Sirups zu dokumentieren, wurden die Probanden regelmäßig telefonisch kontaktiert und gegebenenfalls konsultiert. Schon nach zweiwöchiger Anwendung zeichnete sich in der Gruppe mit Zitronenverbenensirup eine Linderung der Schlafstörungen ab. Statistisch signifikante Unterschiede im Vergleich zur Placebo-Gruppe wurden allerdings zu diesem Zeitpunkt nur bezüglich des globalen PSQI (allgemeine Schlafqualität) und hinsichtlich der Schwere der Schlafstörungen (ISI) erzielt. Nach vier Wochen zeigten alle Parameter mit hoher Signifikanz bessere Werte als in der Placebo-Gruppe. Sechs Probanden in der Verum-Gruppe und zwei Probanden in der Placebo-Gruppe berichteten von leichten, vorübergehenden Nebenwirkungen in Form von Unruhe, Durchfall, Tremor, Schläfrigkeit und lokalem Juckreiz.

Quelle:

https://www.carstens-stiftung.de/artikel/aloysia-citriodora-traditionelles-heil-und-kuechenkraut-gegen-schlaflosigkeit-auf-dem-pruefstand.html

Originalbeitrag:

Afrasiabian F, Ardakani MM, Rahmani, K.; Azadi NA, Alemohammad ZB, Bidaki R, Karimi M, Emtiazy M, Hashempur MH.

Aloysia citriodora Palau (lemon verbena) for insomnia patients: A randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial of efficacy and safety. Phytother Res 2019; 222: 34-51.

Phytother Res. 2019 Feb;33(2):350-359. doi: 10.1002/ptr.6228. Epub 2018 Nov 19.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29698776

 

Kommentar & Ergänzung:

Das Wohlriechende Eisenkraut ist als Verveinetee beliebt, wird aber eher als Genusstee getrunken und seltener als Heiltee. Dementsprechend ist Verveinetee wenig untersucht worden, doch gibt es plausible Hinweise auf eine verdauungsfördernde und leicht beruhigende Wirkung. Daher könnte auch die Behandlung von Schlafstörungen ein vorstellbares Anwendungsgebiet sein. So ist es begrüssenswert, wenn dazu eine Studie durchgeführt wird.

In dieser Studie gibt es allerdings ein Problem mit der Verblindung. Das zu prüfende Präparat (Verum) und das wirkstofflose Scheinpräparat (Placebo) sollten nicht unterscheidbar sein. Ein reiner Zuckersirup und ein Sirup mit Verveine unterscheiden sich aber in Geschmack und Geruch und vor allem Probanden, denen Verveinetee bekannt ist, werden diesem Produkt wohl mehr zutrauen.

Durch diesen Unterschied könnten die Ergebnisse verzerrt worden sein.

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