In Deutschland wurde die S3-Leitlinie zur Behandlung vom Hämorrhoiden aktualisiert, und die Pharmazeutische Zeitung berichtet darüber. Hier die Zitate, die sich auf Heilpflanzen-Anwendungen beziehen:

„Asymptomatische Hämorrhoiden sowie leichte bis mäßige Beschwerden sollen laut der kürzlich aktualisierten S3-Leitlinie in erster Linie konservativ behandelt werden. Neben einer ballaststoffreichen Ernährung können verschiedene Quellmittel, beispielsweise Flohsamenschalen (Plantago ovata), zur Stuhlregulierung beitragen.“

Kommentar & Ergänzung:

Bei Hämorrhoiden ist es wichtig, für weichen Stuhlgang zu sorgen. Das lindert Schmerzen bei der Stuhlentleerung. Flohsamenschalen sind dazu sehr geeignet und gut verträglich, wenn genügend dazu getrunken wird (am besten Wasser).

„Möglicherweise, so die Leitlinienautoren, können Kräuter aus der Traditionellen Chinesischen Medizin Hämorrhoidal-Blutungen stillen. Angesichts der schwachen wissenschaftlichen Evidenz kann eine diesbezügliche Empfehlung jedoch nicht ausgesprochen werden.“

 

Kommentar & Ergänzung:

Die chinesische Medizin verwendet seit Jahrtausenden Arzneipflanzen. Die „Traditionelle Chinesische Medizin“ (TCM), wie sie bei uns angeboten wird, ist allerdings eine Auswahl, die für den Export in den Westen zusammengestellt wurde, und das System der chinesischen Arzneipflanzenlehre basiert auf anderen Grundlagen als das westliche System. Das stellt aber natürlich nicht in Frage, dass chinesische Arzneipflanzen auch Wirkungen haben. Sie sind allerdings nur in Ausnahmefällen genauer untersucht. Darum erstaunt es nicht, dass die S3-Leitlinien-Autoren keine Empfehlung ausprechen.

„Im Gegensatz zu den rein symptomatisch wirksamen Externa zielt die Behandlung mit Interna einerseits auf eine kausale Therapie des Hämorrhoidalleidens, andererseits auf eine Optimierung des postoperativen Verlaufs nach chirurgischer Therapie. In die Substanzgruppe der Flavonoide wie Hesperidin, Diosmin, Rutin und Hydroxymethylrutinoside werden angesichts ihrer antioxidativen, gefäßtonisierenden und ödemprotektiven Wirkungen große Hoffnungen gesetzt. 

Einige wissenschaftliche Studien bescheinigen insbesondere Diosmin und Hesperidin positive Effekte bei akuten sowie postoperativen Hämorrhoidal-Beschwerden. Insgesamt ist die Datenlage jedoch nicht belastbar und das entsprechende Kombipräparat Daflon® ist in Deutschland nicht zugelassen. Flavonoid-haltige Interna haben daher hierzulande keine therapeutische Bedeutung.“

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Flavonoide Hesperidin, Diosmin, Rutin und Hydroxymethylrutinoside zeigen Eigenschaften, die bei Hämorrhoiden tatsächlich positive Wirkungen zeigen könnten. Allerdings sind sie wohl hauptsächlich als Einzelwirkstoffe untersucht worden und für die Linderung von Ödenen bei Venenschwäche. Für den Anwendungsbereich Hämorrhoiden scheint es kaum Studien zu geben, aber weil sie auch zum Venensytem gehören, ist eine Wirkung denkbar. Rutin kommt in Buchweizenkraut vor. In der Schweiz gibt es ein partialsynthetisches Flavonoid: Hydroxyethylrutosid (= Oxerutin. Präperat Venoruton). Diese Pflanzenwirkstoffe werden innerlich angewendet, so wie Aescin, das zu den Saponinen gehört und in den Rosskastaniensamen vorkommt.

 Quelle der Zitate:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/konservative-massnahmen-ausschoepfen/

 

Kommentar und Ergänzung:

Ausserlich, wären bei entzündeten Hämorrhoiden Eichenrindensitzbäder empfehlenswert. Dazu gibs keine Studien und darum auch keine Empfehlungen in den S3-Leitlinien. Aber der Tipp ist gut. Und als pflanzliche Hämorrhoidensalbe Hametum (Hamamelis-Auszug).

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