„Hilft Schnaps der Verdauung?“, fragt der Tages-Anzeiger und versucht, darauf Antworten zu finden. Dabei kommen verschiedene Schnäpse zur Sprache, darunter auch der berühmte Enzianschnaps:

„Geht es Ihnen nach dem Essen nicht besonders gut, trinken Sie einen Schluck Enzianschnaps. Der schmeckt zwar ein wenig gewöhnungsbedürftig, sprich: ziemlich medizinisch. Er hilft aber bei praktisch jedem Magen-, Darm- oder Verdauungsproblem. Man sagt sogar, dass man sehr alt wird, wenn man täglich ein Gläschen davon vor dem Frühstück geniesst…
Wenn Enzianschnaps nix mehr nützt, sag ich einfach mal, dann sind Sie ernsthaft erkrankt. Dann müssen Sie keinen Kulinariker wie mich befragen, sondern besser ihren Arzt oder Apotheker.“

Quelle:

https://www.tagesanzeiger.ch/leben/essen-und-trinken/hilft-schnaps-der-verdauung/story/19417597

 

Kommentar & Ergänzung:

Gelber Enzian – Bitterstoffe in der Wurzel konzentriert

Zur Herstellung des Enzianschnaps wird Gelber Enzian verwendet, Gentiana lutea – und zwar die Enzianwurzel.

Auf der Etikette wird dagegen meistens ein blauer Enzian abgebildet, weil Enzian wohl für die meisten Menschen blau zu sein hat.

Dass man sehr alt wird, wenn man täglich ein Gläschen Enzianschnaps vor dem Frühstück geniesst, ist nicht sehr glaubwürdig.

Und dass ein Verdauungsschnaps nach einem Käsefondue unwirksam ist, hat schon eine Studie der Universität Zürich gezeigt, die im Fachblatt «British Medical Journal» (BMJ) publiziert wurde:

Verdauungsschnaps unwirksam

Ein Tipp aus der Phytotherapie:

Bei Völlegefühl: Pfefferminztee statt Verdauungsschnaps

Und was ist nun mit dem Enzianschnaps? Gelber Enzian ist sehr bitter. Die Enzianwurzel enthält Amarogentin, einen der bittersten pflanzlichen Wirkstoffe. Und so ist halt auch der Enzianschnaps sehr bitter. Allerdings werden Bitterstoffe in der Phytotherapie eher eine halbe Stunde vor dem Essen empfohlen. Sie sollen dann die Verdauungssäfte anregen. Dabei dürfte moderate Bitterwirkung besser wirken als extreme Bitterkeit. Und „Schnaps“, beziehungsweise Alkohol, ist dazu nicht nötig.

Es gibt zudem eine ganze Reihe von anderen Bitterstoffpflanzen, die zur Auswahl stehen, zum Beispiel Schafgarbe, Wermut, Artischocke, Löwenzahn, Tausendgüldenkraut….

Wer sich für Wirkstoffe und Heilpflanzen-Anwendungen interessiert, kann dazu fundiertes Wissen erwerben in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.