Die Dunkelfeldmikroskopie verspricht, im Blut Krebs und andere Gesundheitsprobleme erkennen zu können. Dafür gibt es allerdings keine glaubwürdigen Hinweise. Im Gegenteil. Zu diesem Schluss komme Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Portals Medizin-transparent.

Die Dunkelfeldmikroskopie – auch Dunkelfeldanalyse genannt – scheitert offenbar bereits an einer Grundvoraussetzung für Diagnoseverfahren: Der Reproduzierbarkeit.

Dunkelfeldmikroskopie scheitert an fehlender Wiederholbarkeit

In einer kleinen Studie mit eingeschränkter Aussagekraft führte die Methode nämlich oft zu unterschiedlichen Resultaten, wenn Blutproben derselben Person zweimal hintereinander untersucht wurden. Dadurch wird eine verlässliche Diagnose unmöglich.

Eine deutsche Forschungsgruppe untersuchte in dieser Studie, ob sich Resultate der Dunkelfeldmikroskopie durch eine wiederholte Analyse bestätigen lassen. Dazu ließen die Wissenschaftler zwei Fachleute in Dunkelfeldmikroskopie Blutproben von 24 Personen mit Diabetes analysieren. Jede Versuchsperson stellte für die Untersuchung zwei Blutproben zur Verfügung.

Unter dem Dunkelfeldmikroskop beurteilten die beiden Fachleute total 34 Merkmale nach den Theorien der Dunkelfeldmikroskopie. Dabei wussten die Fachleute nicht, welche Blutprobe von welcher Person stammte.

Bei keinem der 34 Merkmale zeigte sich eine zufridenstellende Übereinstimmung – sowohl zwischen den beiden Blutproben derselben Person als auch zwischen den beiden Experten.

Überholte Theorie

Begründet wurde die Dunkelfeldmikroskopie als Diagnosemethode vor rund 100 Jahren vom Insektenforscher Günther Enderlein. Er war überzeugt, dass sich im Dunkelfeldmikroskop der Gesundheitszustand beurteilen lässt. Die Dunkelmikroskop-Aufnahme eines Blutstropfens soll Hinweise darauf geben, ob jemand an Krebs oder anderen Leiden erkrankt ist. Enderleins Vorstellungen dazu sind heute wissenschaftlich widerlegt.

Im Dunkelfeldmikroskop können Konturen von Zellen und anderen Objekten besonders gut erkannt werden. Im Gegensatz zum Durchlichtmikroskop werden die untersuchten Objekte dabei seitlich beleuchtet und erscheinen dabei hell. Der Hintergrund bleibt dunkel – deshalb der Name Dunkelfeldmikroskopie.

Enderlein glaubte nun, dass in menschlichem Blut und Gewebe Keimvorstufen existieren, die sich bei ungesunder Lebensweise zu krankmachenden Bakterien und Schimmelpilzen weiterentwickeln. Diese Krankheitserreger sollen auch Krebs auslösen können.

Heute ist sich die Wissenschaft darin einig, dass Bakterien und Pilze unterschiedliche Lebensformen sind, die sich nicht ineinander verwandeln können. Ein kleiner Anteil an Krebserkrankungen wird tatsächlich durch Keime ausgelöst. Dabei handelt es sich allerdings nicht um Bakterien oder Pilze, sondern um Viren. Ein Beispiel dafür ist der Gebärmutterhalskrebs, der durch das Humane Papilloma-Virus (HPV) verursacht wird.

Dunkelfeldanalyse ungeeignet zur Krebsdiagnose

Ob sich mit der Dunkelfeldmikroskopie Krebs diagnostizieren lässt, wurde in einer kleinen Studie überprüft. Krebserkrankungen liessen sich damit nicht zuverlässig erkennen. 

In der Studie sollte ein Heilpraktiker mithilfe der Dunkelfeldmikroskopie von Blutproben herausfinden, welche von total 110 Personen an Krebs erkrankt waren. Der Heilpraktiker verfügte über sechs Jahre Erfahrung mit Enderleins Methode der Dunkelfeldmikroskopie.

Obwohl zwölf der Probanden Krebs hatten, lag der Heilpraktiker nur bei dreien richtig. Neun der zwölf Testpersonen „diagnostizierte“ er demnach fälschlicherweise als gesund. Zudem erkannte er bei 30 weiteren Probanden eine scheinbare Krebserkrankung, obwohl diese Personen in Wirklichkeit gesund waren.

Auch wenn die kleine Anzahl der Teilnehmenden die Aussagekraft etwas einschränkt, zeigt die Resultate: Eine Krebs-„Diagnose“ mithilfe der Dunkelfeldanalyse ist oft falsch und kann zu großer Verunsicherung bei Betroffenen führen.

Ob sich andere Gesundheitsprobleme mit der Methode erkennen lassen, ist nicht belegt. Denn weitere aussagekräftige Studien, in denen die Dunkelfeldmikroskopie mit anerkannten Diagnoseverfahren verglichen wurde, konnten die Wissenschaftler von Medizin-transparent nicht entdecken.

Sie fanden nur eine kleine Vergleichsstudie von geringer Qualität. Darin wurde untersucht, ob sich ein Mangel an Eisen oder Vitamin B12 mit einer Dunkelfeldmikroskopie ähnlich verlässlich feststellen lässt wie mit einer herkömmlichen Blutuntersuchung im Labor. Die Dunkelfeldmikroskopie schien dabei schlechter abzuschneiden. Wie groß die Differenz zu den herkömmlichen Labortests ist, liess sich aufgrund vieler Probleme bei der Studiendurchführung allerdings nicht zuverlässig sagen. Finanziert wurde diese Studie von einer Firma, die Geräte zur Dunkelfeldmikroskopie herstellt.

 

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Kommentar & Ergänzung:

Die Diskussionen rund um die „Alternativmedizin“ drehen sich meistens um die Behandlungsmethoden. Die Diagnosemethoden geraten dabei oft aus dem Blickfeld. Meinem Eindruck nach sind die Diagnosemethoden oft problematischer. In der Regel sind sie nicht annähernd fundiert auf ihre Zuverlässigkeit überprüft wurden. Damit verbunden ist ein hohes Risiko, dass ernsthafte und medizinisch behandlungsbedürftige Krankheiten wie Krebs übersehen werden. Wie die erwähnte Studie mit der Dunkelfeldanalyse zudem zeigt, werden auch in erheblichem Mass Krankheiten diagnostiziert, die gar nicht vorliegen. Das verunsichert nicht nur Patientinnen und Patienten, es führt auch zu unnötigen Behandlungen und unnötigen Ausgaben.