Verlagsbeschreibung

Das postfaktische Zeitalter ist angebrochen. In einer scharfsinnigen, geistreichen Gegenwartsanalyse deckt Michiko Kakutani historische und kulturelle Ursprünge einer Gesellschaft auf, in der die Wahrheit an Bedeutung eingebüßt hat. Vor diesem Hintergrund entlarvt sie Trump als die logische Konsequenz seiner kulturellen Voraussetzungen.
Dieses Buch schürft tiefer als die bisherigen Beschreibungen der Ära Trump. Mithilfe von Philosophie und Kulturwissenschaft ergründet die einflussreichste Literaturkritikerin der USA erhellend historische und soziale Fundamente eines gesamtgesellschaftlichen Phänomens, das die modernen Demokratien bedroht. Denn “Fake News” und alternative Fakten sind Symptome eines allgemein vorherrschenden Bedeutsamkeitsverlusts der Wahrheit. Resultierend aus dem Erbe postmoderner Theorien und dem um sich greifenden Narzissmus, den das Internet befeuert, erscheint Trump nunmehr als personengewordener Ausdruck und Symbolfigur des postfaktischen Zeitalters.
Ein virtuoses Manifest, das die Macht des Wortes und der Sprache betont, die die moderne Informationskultur gestalten. Bestellen bei Buchhaus.ch: Zum Shop

Buchbesprechungen

“Die Pulitzer- Preisträgerin von 1988 ‘kakutanisiert’ deshalb in fröhliches Anarchie den Präsidenten, das gegenwärtige Parteigängertum sowie die aktuelle Manipulation der Narrative und überrascht vielleicht auch manchen deutschen Rezipienten mit ihrer erfrischenden Polemik.”

   Lisette Gebhardt, literaturkritik.de, 12.07.2019

“Die bekannte und von vielen auch gefürchtete US-amerikanische Literaturkritikerin Michiko Kakutani analysiert auf sehr intelligente und eigenständige Weise das ‘postfaktische Zeitalter’ auf der Grundlage von Philosophie und Kulturwissenschaft.”

   Dorle Neumann, Westfälische Nachrichten, 14.05.2019

“Dieses Buch ist heute Pflichtlektüre.”  

   Walter Isaacson

“Trump ist der Ausgangspunkt von Kakutanis Buch über den Tod der Wahrheit und auf Trump kommt sie immer wieder zu sprechen, es bleibt aber (zum Glück) nicht dabei. Sie zeigt anhand von vielen Beispielen, wie die Sprache von der Propaganda eingenommen wird, welche Folgen das Versacken in den Sozialen Medien hat und was die schöne, neue Medienwelt in Wahrheit bedeutet. Das Buch ist dabei gespickt mit Zitaten aus Literatur und Politik und schon deshalb ein wahrer Steinbruch an Weisheit über die Bedeutung der Wahrheit.”

   Matthias Zehnder, Autor von “Die Aufmerksamkeitsfalle

Zur Autorin Michiko Kakutani

Michiko Kakutani, geboren 1955 in New Haven, CT, ist Literaturkritikerin und Autorin. Nach einem Literaturstudium an der Yale University begann sie 1976 ihre journalistische Karriere bei der »Washington Post«. Als Hauptrezensentin der »New York Times« erwarb sie sich zwischen 1983 und 2017 den Ruf als einflussreichste und gefürchtetste Kritikerin der USA. 1988 gewann sie den Pulitzerpreis in der Kategorie Kritik.

Kommentar von Martin Koradi

Dieses informative und gut geschriebene Buch hat mich sehr angesprochen. Seine Stärken beschreibt Matthias Zehnder in obigem Zitat sehr treffend. Die Autorin verknüpft sehr klug wichtige Konzepte und  Ideen, die zur Gegenwart Substanzielles zu sagen haben. Zum Beispiel von Hannah Arendt und Neil Postmann. Sie schildert beispielsweise eindrücklich, wie Postman die deprimierende Vision Aldous Huxleys mit jener George Orwells vergleicht.

In Huxleys Brave New World (dt. Schöne neue Welt) führen die Menschen ein langweiliges, von Drogen und frivoler Unterhaltung abgetötetes Leben. In Orwells 1984 leben die Menschen unter der bedrückenden autokratischen Herrschaft des Grossen Bruders.

Michiko Kakutani zitiert aus Neil Postmans Wir amüsieren uns zu Tode:

“Orwell fürchtete jene, die uns Informationen vorenthalten. Huxley fürchtete jene, die uns mit Informationen so sehr überhäufen, dass  wir uns vor ihnen nur in Passivität und Selbstbespiegelung retten können. Orwell befürchtete, dass die Wahrheit vor uns verheimlicht werden könnte. Huxley befürchtete, dass die Wahrheit in einem Meer von Belanglosigkeiten untergehen könnte.”

Kakutani kommentiert:

“Nach Postmanns Ansicht stand Huleys negative Utopie im späten 20. Jahrhundert bereits vor der Verwirklichung. Orwells Angst vor einem totalitären Staat, so Postman, gelte zwar der Sowjetunion, die Bedrohung für die liberalen Demokratien des Westens – wie gesagt: man schreibt das Jahr 1985 – werde besser durch Huxleys Albtraum von einer Bevölkerung repräsentiert, die durch «unverhüllte Trivialitäten» zu betäubt sei, um sich als verantwortungsvolle Bürger zu engagieren. Mit seinen Beobachtungen war Postman seiner Zeit weit voraus…”

Kakutani arbeitet auch eindrücklich Parallelen heraus zwischen der Rhetorik von Trump und anderen Autokraten einerseits, und der Propagandarhetorik im Faschismus, Nationalsozialismus und Stalinismus.

So weist sie zum Beispiel auf den 1995 erschienenen Aufsatz des italienischen Wissenschaftlers Umberto Eco über Mussolini und den Ur-Faschismus hin. Dieser Aufsatz, schreibt Kakutani, “wirft, wenn man ihn im Rückblick liest, Licht auf Trumps Sprache und seine Verwendung autoritärer Formulierungen. Viele Merkmale, die Eco als untrennbare Bestandteile des Faschismus bezeichnet, erinnern den Leser nur allzu stark an Trumps Demagogie: der Appell an den Nationalismus und die «Angst der Menschen vor dem Unterschied»; die Ablehnung der Wissenschaft und des rationalen Diskurses; das Heraufbeschwören von Tradition und Vergangenheit; und die Neigung, Meinungsverschiedenheiten mit Verrat gleichzusetzen.”

Das Buch enthält eine ganze Reihe von Hinweisen auf interessante Zusammenhänge und ist sehr empfehlenswert.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.