Die Artischocke ist eine alte Kulturpflanze, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt.

Als Delikatesse gegessen werden vor allem die Blütenböden (eigentlich Korbböden; das Artischockenherz). Die ganzen Blütenköpfe werden gebraten, gekocht oder frittiert verwendet.

In der Phytotherapie werden nicht die Blütenköpfe eingesetzt, sondern die Artischockenblätter (Cynarae folium).

Die «Zeitschrift für Phytotherapie» hat in ihrer aktuellen Ausgabe einen Artikel publiziert zum Thema «Welche Pflanzen können bei Leber- / Galleleiden helfen?». Darin wird auch die Wirkung und Anwendung der Artischockenblätter beschrieben:

«Bei Artischockenblättern handelt es sich um die getrockneten und zerkleinerten Laubblätter von Cynara cardunculus L. (Familie: Asteraceae) mit mindestens 0,8 % Chlorogensäure. Zusätzlich sind noch weitere Caffeoylchinasäuren, Flavonoide und bittere Sesquiterpenlactone enthalten.

Das HMPC hat den Artischockenblättern und daraus hergestellten Extrakten im März 2018 den Status traditional use zugewiesen. Sie können oral zur symptomatischen Linderung von Verdauungsstörungen wie Dyspepsie, Völlegefühl und Blähungen angewendet werden.

Als unerwünschte Wirkungen können leichter Durchfall mit Krämpfen sowie Sodbrennen auftreten.

Etliche klinische Studien zu Artischockenblätter-Extrakten belegten eine Wirkung bei Verdauungsbeschwerden, Hyperlipidämie und Hypercholesterinämie sowie zur Steigerung des Gallenflusses. Allerdings waren weder Patientenzahlen noch die Studiendauer ausreichend, um eine Well-established-use-Kategorisierung zu rechtfertigen. Die beobachteten therapeutischen Effekte wurden vor allem dem Cynarin zugeschrieben, das in In-vitro-Testsystemen und auch in Tiermodellen eine hepatoprotektive sowie hepatoregenerative Wirkung zeigte.»

Quelle:

Z Phytother 2020; 41(01): 5-12
DOI: 10.1055/a-1015-5190

Kommentar & Ergänzung zu “Artischockenblätter in der Phytotherapie”:

Kommt es eher auf die Wirkung der Bitterstoffe an, zum Beispiel bei Völlegefühl im Oberbauch, so eignen sich Artischockenblättertee und Artischockentinktur zur Anwendung.

Geht es dagegen um Cholesterinsenkung oder eine möglicherweise vorhandene Leberschutzwirkung, setzt man besser auf Artischockenblätter-Extrakt. Dazu braucht es dann eine Langzeitanwendung.

Beim erwähnten HMPC handelt es sich um den Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur.

Dieses „Herbal Medicinal Product Committee“ fasst Erkenntnisse über Heilpflanzen und Heilpflanzen-Präparate nach wissenschaftlichen Kriterien zusammen, bewertet sie und publiziert die Schlussfolgerungen daraus in Monografien (Einzelbeschreibungen). Inzwischen sind rund 200 Arzneipflanzen und dazugehörende Pflanzenextrakte beschrieben.

Mehr zum HMPC hier:

HMPC-Monografien in der Phytotherapie 

Dort wird auch der Unterschied zwischen «traditional use» und «well established use» erklärt.

Wer sich vertieftes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das an meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.