Hilft Patschuliöl bei nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD)? Eine chinesische Studie hat diese Frage untersucht.

Die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung ist eine häufig vorkommende Form der chronischen Lebererkrankung. Für ihre Behandlung sind nur wenige Arzneistoffe zugelassen. Viele Zivilisationskrankheiten begünstigen sekundär eine NAFLD. Daher ist die Suche nach weiteren Behandlungsmöglichkeiten von grossem Interesse.Das ätherische Öl des indischen Patschulis (Pogostemon cablin) wird aus den getrockneten Blättern der Pflanze gewonnen. Das geschieht mittels Wasserdampfdestillation. Die Hauptinhaltsstoffe des Patschuliöls sind Patschulialkohol (34,3 %), Azulen (23,4 %) und α-Guaien (15,3 %). Es zeigt antioxidative und antiphlogistische Eigenschaften und wird schon lange in der traditionellen chinesischen Medizin bei verschiedenen Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Verschiedene Untersuchungen haben darauf Hinweise geliefert, dass Patschuliöl die Lipogenese in der Leber und dadurch verursachte Fettansammlungen günstig beeinflussen kann. Ziel der chinesischen Studie war es, den günstigen Effekt von Patschuliöl bei NAFLD zu untersuchen und die zugrundeliegenden Vorgänge aufzuklären.

In der «Zeitschrift für Phytotherapie» wird die Studie wie folgt beschrieben:

«Dafür wurden Ratten nach einer einwöchigen Gewöhnungsphase in Gruppen aufgeteilt. Die Kontrollgruppe erhielt weiterhin eine normale Ernährung, während die anderen auf eine erhöhte Energiezufuhr in Form von fettreichen Mahlzeiten (high fat diet, HFD) umgestellt wurden. Zusätzlich ist gruppenspezifisch zur HFD Patschuliöl in 3 unterschiedlichen Dosierungen (100, 200, 400 mg / kg) einmal täglich verabreicht worden. Nach 4 Wochen wurden die Auswirkungen der Diät mit und ohne Öl sowohl histologisch als auch quantitativ bestimmt. Die histologische Begutachtung der Leber fand unter dem Lichtmikroskop und unter Zuhilfenahme von Färbereagenzien statt. Quantitativ kamen ELISA, RT-qPCR, Western Blot und eine Blutabnahme zur Anwendung, um die Expression von Schlüsselenzymen im Fettsäurestoffwechsel zu messen und ein Lipidprofil zu erstellen.»

Patschuliöl verbesserte die Leberwerte

Patschuliöl reduzierte signifikant abnormale Serumlipide, erhöhte Transaminasewerte und die Gewichtszunahme der Versuchstiere. Triglyzeride, LDL-C sowie Gesamtcholesterin wurden gesenkt und die Ansammlung von Lipiden in den Leberzellen nachweislich verringert. Die Transaminasen AST und ALT als Korrelat der allgemeinen Leberfunktion konnten ebenfalls signifikant reduziert werden. Die quantitative Auswertung zeigte eine erhöhte Expression von hepatischen Enzymen, die mit verringerten Konzentrationen von freien Fettsäuren, Triglyzeriden und der de-novo Synthese von Lipiden in Verbindung stehen. Der VLDL-Spiegel erhöhte sichg als Zeichen einer vermehrten peripheren Umsetzung von Lipiden. Die beobachteten Resultate zeigen einen dosisabhängigen Effekt, der umso stärker ausgeprägt war, je höher die Dosierung des Patschuliöls gewählt wurde.

Insgesamt kam es in allen Patschuliöl-Gruppen zu einer deutlichen Verbesserung der Leberwerte bei gleichzeitig reduziertem Körpergewicht. Verdeutlicht werden die Resultate vor allem durch den histologischen Nachweis einer nahezu physiologischen Struktur des Lebergewebes.

Der Autor zieht in der «Zeitschrift für Phytotherapie» folgendes Fazit:

«Das ätherische Öl des Patschulis hatte bereits nach 4 Wochen Anwendung einen nachweisbaren, positiven Effekt auf die Leberfunktion und -struktur der untersuchten Ratten. Es verbesserte eine Vielzahl an Schlüsselparametern des Lipidstoffwechsels bei nicht-alkoholischer Fettlebererkrankung. Nachfolgende Studien müssen jetzt untersuchen, ob sich diese positiven Wirkungen auch auf den Menschen übertragen lassen.»

Quelle:

Zeitschrift für Phytotherapie 2020; 41(03): 147
DOI: 10.1055/a-1102-1674

Originalpublikation:

Xu N, Wu X, Luo H. et al.
Patchouli oil attenuates high fat diet-induced non-alcoholic hepatic steatosis.
Planta Med 2020;
86: 255-266

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine interessante Studie, doch der wichtigste Satz steht am Schluss des Artikels:

«Nachfolgende Studien müssen jetzt untersuchen, ob sich diese positiven Wirkungen auch auf den Menschen übertragen lassen.»

Man kann aus einer solchen Studie mit Ratten noch in keiner Weise den Schluss ziehen, dass entsprechende Wirkungen auch beim Menschen auftreten. Und falls solche Wirkungen beim Menschen auftreten können, bleibt immer noch offen, ob die dafür nötigen Mengen an Patschuliöl für den menschlichen Organismus bei längerer Einnahme unbedenklich sind.

Und da sich Patschuliöl nicht patentieren lässt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass die geforderten nachfolgenden Studien je durchgeführt werden.

Trotz diesen vielen offenen Fragen wird es wohl nicht lange dauern, bis Patschuliöl als Lebermittel angepriesen wird.

Klar ist im Übrigen, dass bei der Anwendung von Patschuliöl über die Atemwege, wie es in der Aromatherapie üblich ist, kein positiver Effekt auf die Leber zu erwarten ist.

Wer sich vertieftes Wissen über die verschiedenen Zubereitungsformen und Anwendungsbereiche von Heilpflanzen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.