Die Stiftung Warentest hat 55 nicht verschreibungspflichtige Präparate aus Apotheken und Drogeriemärkten unter die Lupe, die bei Schlafstörungen helfen sollen. Fazit: Viele dieser Schlafmittel sind wenig oder nicht geeignet, um diese Beschwerden zu lindern. Als geeignet stuft die Stiftung nur sieben Präparate ein, die die Antihistaminika Diphenhydramin oder Doxylamin enthalten.

Von 33 bewerteten Baldrian-Präparaten empfiehlt die Stiftung Warentest lediglich acht. Und das zudem nur mit Einschränkung, weil es für sie in Studien lediglich Hinweise auf eine schlaffördernde Wirkung gebe. Die therapeutische Wirksamkeit als Schlafmittel sei nicht abschließend belegt.

Es handelt sich bei den empfohlenen Baldrian-Präparaten um Tabletten oder Dragees mit einem definierten Trockenextrakt aus der Baldrianwurzel von mindestens 300 mg oder um eine Kombination aus Trockenextrakten von Baldrianwurzel und Hopfenzapfen.

Andere Kombinationspräparate, beispielsweise mit Melisse, Johanniskraut oder Passionsblume, seien in klinischen Studien kaum oder gar nicht untersucht. Die neun bewerteten Schlaftees hält die Stiftung Warentest dagegen für wenig geeignet. Immerhin fanden die Fachleute darin keine oder kaum Pestizide und keine oder kaum Pyrrolizidinalkaloide oder Tropanalkaloide. Das Ritual eines »Gute-Nacht-Tees« könne jedoch beruhigen, räumen die Gutachter ein.

Von der Einnahme Melatonin-haltiger Produkte in der Selbstmedikation raten die Tester ab. Sie sind der Meinung, dass Produkte wie diese einer Arzneimittelzulassung unterzogen werden sollten, zumal Medikamente mit Melatonin in Deutschland der Rezeptpflicht unterliegen..

In ihrer Zeitschrift gibt die Stiftung Warentest zudem über die Schlafmittel hinaus die üblichen Tipps zur Schlafhygiene. Wer länger als vier Wochen unter Ein- und/oder Durchschlafstörungen leidet, sollte zur Ärztin oder zum Arzt gehen. Diese können kurzfristig Benzodiazepine oder Z-Substanzen verordnen. Hier findet die Stiftung Warentest, Brotizolam, Zolpidem und Zopiclon bei Einschlafstörungen für geeignet, Lormetazepam und Temazepam wegen ihrer längeren Wirkdauer auch für Durchschlafstörungen. Da sie rasch abhängig machen, sollten jedoch auch sie nicht länger als vier Wochen eingenommen und ausschleichend abgesetzt werden.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=77309

 

Kommentar und Ergänzung zum Thema „Schlafmittel“:

☛ Der Rat, Benzodiazepine und Z-Substanzen  als Schlafmittel nur kurzfristig einzunehmen, ist wegen der Abhängigkeitsgefahr sehr wichtig. Nur bleibt das oft ein frommer Wunsch. Im Alltag nehmen allzu viele Menschen diese Präparate zu lange ein, und das oft mit dem Wissen der verordnenden Medizinerinnen oder Mediziner.

☛ Darum ist es sehr sinnvoll, wo immer möglich zuerst einen Versuch mit pflanzlichen Schlafmitteln zu machen.

☛ Antihistaminika der 1. Generation sind umstritten und sollen zurückhaltend und für einige Anwendungsgebiete besser gar nicht mehr eingesetzt werden. Dazu gehören auch Diphenhydramin (Benocten®, Benylin®, weitere) und Doxylamin (Sanalepsi).

☛ Die Empfehlung von Baldrian-Monopräparaten oder von Kombipräparaten mit Baldrianextrakt und Hopfenextrakt als leichte Schlafmittel ist überzeugend.

☛ Für Kräutertees gibt es leider keine klinischen Studien, weil sie sich nicht patentieren lassen. Zu Recht weist die Stiftung Warentest auf den Ritualcharakter der Teeanwendung hin, der sich positiv auswirken kann.  Das Problem bei  Teemischungen ist allerdings oft, dass sie zu viele unterschiedliche Bestandteile enthalten. Das kann zur Folge haben, dass jeder Bestandteil für sich unterdosiert vorhanden ist.

☛ Es ist in der Phytotherapie enorm wichtig, in welcher Form eine Arzneipflanze zur Anwendung kommt (Tee, Tinktur, Extrakt u.a.).

Wer sich vertieftes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das an meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.