Die Zeitschrift für Phytotherapie (Nr. 5/2020) publizierte einen Text über «Vergessene Heilpflanzen». Darin wird auch Blutwurz beschrieben (Potentilla erecta, Tormentill, Tormentillae rhizoma).

Der Wurzelstock von Tormentill enthält vor allem Gerbstoffe. Zweifellos handelt es sich dabei nicht um eine sehr bekannte Heilpflanze, aber als «vergessene» würde ich sie auch nicht sehen.

Was berichtet nun die «Zeitschrift für Phytotherapie» (ZfP) über Blutwurz?

Zur Geschichte dieser Heilpflanze:

«In Kräuterbüchern des Mittelalters, u. a. von Leonhart Fuchs und Hildegard von Bingen, wird die Anwendung der Rhizomdroge als Blutstillmittel, als Heilmittel bei Entzündungen, besonders im Mund- und Rachenraum, bei Fieber, Durchfall, Ruhr und Pest erwähnt.»

Die Anwendungsbereiche Durchfall und Entzündungen im Mund- und Rachenraum sind für Blutwurz auch heute noch plausibel. Die Indikationen Fieber und Pest sind nicht nachvollziehbar. Als Blutstillmittel bei kleinen, oberflächlichen Schnitt- und Schürfwunden bewährt sich Tormentillwurzelpulver.

Was sagen Laboruntersuchungen zu Blutwurz?

Die ZfP schreibt dazu:

«Neue In-vitro- und tierexperimentelle Untersuchungen führten zum Nachweis von anti-inflammatorischen, antibakteriellen, antiviralen und antidiarrhoischen Wirkungen, die damit die Indikationen der Antike und des Mittelalters plausibel erscheinen lassen.»

Hier muss immer darauf hingewiesen werden, dass Laborexperimente im Reagenzglas und tierexperimentelle Untersuchungen nicht einfach auf die Anwendung bei Patienten übertragen werden können.

Was sagen klinische Studien mit Patienten zu Blutwurz? Die ZfP schreibt:

«Hervorzuheben ist, dass in einer klinischen Studie bei Kindern ein Extrakt aus P. erecta Durchfälle, die durch Rotaviren verursacht waren, im Hinblick auf die Dauer der Durchfälle und auf das Ausmaß der damit einhergehenden Dehydrierung verringern konnte. Ebenso ist eine klinische Studie zur Anwendung bei Colitis ulcerosa bemerkenswert: Ein Extrakt führte bei den meisten der 16 Studienteilnehmern zu einer kompletten Remission, die Steroid-Begleitmedikation konnte reduziert oder sogar weggelassen werden. In einer weiteren klinischen Studie zeigte sich, dass ein Extrakt zur Verringerung und Beseitigung der Symptome bei chronischer Gastroduodenitis beitragen kann und eine Reduktion der Entzündung des Magens und des Duodenums bewirkt.»

Das passt sehr zu den typischen Anwendungsbereichen von Blutwurz wie Durchfall und Entzündungen im Verdauungstrakt. Allerdings sind es kleine Studien mit begrenzter Aussagekraft.

In seinem Fazit schreibt der Autor, dass mit dem Tormentillwurzelstock bzw. entsprechenden Extrakten bei der Therapie von leichten Fällen von Dysenterien und Durchfall eine im Vergleich zu synthetischen Wirkstoffen gute Alternative mit weniger unerwünschten Wirkungen zur Verfügung steht:

«Ausgehend von einer ersten Studie zu einem Tormentillwurzelstockextrakt könnte dies möglicherweise auch für die Behandlung von Colitis ulcerosa gelten, da die Therapie bei dieser Indikation mit den synthetischen Wirkstoffen wie Kortikosteroiden und Sulfasalazin mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden ist.»

Quelle: Zeitschrift für Phytotherapie (Nr 5/2020)

Kommentar & Ergänzung:

Blutwurz wird vor allem als Tormentilltinktur und als Blutwurzwurzelpulver eingesetzt. Es lohnt sich sehr, sich mit dieser Heilpflanze intensiver auseinanderzusetzen.

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