Alkohol und Antidepressiva: Steigerung von Alkoholkonsum und alkoholbedingter Aggressionen möglich

Einige hundert gemeldete Fälle aus der Literatur deuten darauf hin, dass die gleichzeitige Einnahme von Alkohol und Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI und Venlafaxin bestimmte Nebenwirkungen auslösen könnte. Dazu zählt einerseits eine Zunahme des Alkoholkonsums, andererseits verstärkte alkoholbedingte Vergiftungserscheinungen wie gesteigerte Aggressivität in verschiedenster Ausprägung (Tötung und Tötungsversuche, Suizidversuche, Vergewaltigung, Aggression, etc.).

In der Literatur liegen Fallbeschriebe vor allem zu Paroxetin, Fluoxetin, Sertralin und vereinzelt auch zu Venlafaxin (SSNRI) vor.

Die gleichzeitige Einnahme von Alkohol und den erwähnten Antidepressiva steigert das Risiko für alkoholbedingte Enthemmungen und gewaltsame Verhaltensweisen. Patienten müssen über diese möglichen Nebenwirkungen in Kenntnis gesetzt werden. Vom Alkoholkonsum während der Einnahme von Antidepressiva wird grundsätzlich abgeraten. Dies gilt vor allem für die aufgeführten Wirkstoffe.

Literatur: _La Revue Prescrire 380/2015/p431

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5242&NMID=5239&LANGID=2

Kommentar & Ergänzung:

Johanniskraut-Extrakte tauchen in diesen Fallberichten offenbar nicht oder jedenfalls nicht in erwähnenswertem Umfang auf. Und dies obwohl die antidepressive Wirkung von Johanniskraut-Extrakt nach gegenwärtigem Wissensstand ebenfalls mit einer Wiederaufnahmehemmung von Überträgerstoffen zusammenhängt.

Johanniskraut-Extrakte wirken nach gegenwärtigem Wissensstand mild und breit auf mehrere Transmittersysteme, während synthetische Medikamente intensiver an einem bestimmten Punkt ansetzen. Das könnte eine Erklärung sein für die bessere Verträglichkeit der Johanniskraut-Extrakte. Das sind aber nur Überlegungen – geklärt ist das bisher nicht.

Wenn diese massiven Nebenwirkungen bei der kombinierten Einnahme von Alkohol und Antidepressiva tatsächlich so wie beschrieben auftreten, dann ist es ausserordentlich wichtig, dass Patientinnen und Patienten darüber informiert sind, wenn sie Antidepressive einnehmen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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