Arzneipflanzenforscher Professor Franz-Christian Czygan gestorben

Am Montag ist der Arzneipflanzenforscher Franz-Christian Czygan im Alter von 77 Jahren gestorben. Die „Mainpost“ würdigte ihn unter anderem mit folgenden Worten:

„So war der Naturwissenschaftler: vielseitig, offen, begeistert von Kunst und Kultur. Sein Schaffen hatte sich rund um das Thema Arzneipflanzen und ihre Inhaltsstoffe gedreht. Ihre Verwendung in der Volksheilkunde und in der modernen Medizin interessierten ihn genauso wie ihre Geschichte und ihre Darstellung in Malerei und Dichtung. Der Pharmazeut und Biologe, der 1970 nach Würzburg gekommen war und über ein Vierteljahrhundert lang den Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie inne gehabt hatte, erforschte Pflanzenfarbstoffe und Alkaloide, begründete die Forschungsgruppe Klostermedizin mit, war Autor der „Zeitschrift für Phytotherapie“. Auch dem Studienkreis, der die „Arzneipflanze des Jahres“ kürt, gehörte Czygan als Gründungsmitglied an.“

Quelle:

http://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/Kunstsinniger-Botaniker-Professor-Franz-Christian-Czygan-ist-gestorben;art735,6564824

Kommentar & Ergänzung:

Im Leben und Werk von Prof. Franz-Christian Czygan zeigt sich exemplarisch, was die Faszination der Phytotherapie ausmacht.

Wer offen dafür ist, kann in der Phytotherapie Wissensgebiete miteinander verknüpfen, die scheinbar weit voneinander entfernt sind. Da gibt es einerseits die Erkenntnisse moderner Arzneipflanzenforschung, basierend auf wissenschaftlichen Fächern wie Biologie und Pharmazie. Doch die Menschen haben sich schon seit Jahrtausenden mit Heilpflanzen befasst. Und so kommt man in der Phytotherapie immer auch in Berührung mit der Kulturgeschichte der Heilpflanzen. Was Menschen über Heilpflanzen in den verschiedenen Epochen gedacht haben, sagt mehr aus über die Menschen als über die Heilpflanzen. In diesem Bereich der Phytotherapie fliessen Kunst, Philosophie und Geschichte mit ein.

Ich habe Professor Franz-Christian Czygan nur aus seinen Publikationen gekannt.

Diese lassen aber keinen Zweifel daran, dass er sich stark für beide Bereiche interessierte: Die wissenschaftliche Arzneipflanzenforschung und die Kulturgeschichte der Heilpflanzen. In diesem Sinne war Prof. Franz-Christian Czygan für mich immer ein Vorbild. Leider werden Menschen mit dieser „Verknüpfungsfunktion“ seltener. Der Trend geht meinem Eindruck nach nämlich in eine andere Richtung. Zugespitzt formuliert:

Die einen negieren konsequent jede naturwissenschaftliche Erkenntnis über Arzneipflanzen und segeln in relativistisch-beliebigen, trüben esoterischen Gewässern. Die anderen blicken niemals über die Grenzen naturwissenschaftlicher Erkenntnisse hinaus und verpassen das sinnliche, ästhetische und kulturhistorische Potenzial im Umgang mit Heilpflanzen. Beide Extreme reduzieren bedauerlicherweise die Vielfalt.

Daher an dieser Stelle wieder einmal mein Plädoyer für die Verbindung von Kulturgeschichte und Arzneipflanzenforschung in der Phytotherapie.

Wir brauchen mehr Menschen in der Phytotherapie, die sich wie Professor Franz-Christian Czygan mit beiden Bereichen auseinandersetzen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

0 Antworten
  1. Johannes G. Mayer
    Johannes G. Mayer says:

    Guten Tag Herr Koradi,

    vielen Dank für diese Meldung, der ich nur beipflichten kann.

    Mit besten Grüßen
    Johannes Mayer

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