Baum des Jahres 2010: Die Vogelkirsche

Die Vogelkirsche wurde zum Baum des Jahres 2010 gewählt.
Deshalb nun hier eine Laudatio auf die Vogelkirsche und anschliessend einen Exkurs zu den Anthocyanen, die wesentlich zu den gesundheitsfördernden Wirkungen der Kirschen beitragen und als blaue Farbstoffe auch in anderen Heilpflanzen (z.B. den Heidelbeeren) Bedeutung haben.

Die Vogelkirsche mit den schneeweißen Blüten begleite die Menschheit seit Jahrtausenden, sei heute jedoch nur noch selten zu finden, teilte das Kuratorium Baum des Jahres in Berlin mit.

Süßkirschen seien Zuchtformen der Vogelkirsche und nur schwer voneinander unterscheidbar. Weil die Vogelkirsche (Prunus avium) Hitze und Trockenheit verträgt, könnte sie vom Klimawandel profitieren, erklärte der Kuratoriumsvorsitzende Silvius Wodarz.

Die Krone einer frei stehenden Vogelkirsche mit bis zu einer Million Blüten spendet reichlich Nektar für Hummeln und Bienen. Die genügsame Pflanze kann im Wald bis zu 30 Meter hoch und 150 Jahre alt werden. Da die Vogelkirsche nur wenig Nährstoffe und Feuchtigkeit braucht, wächst sie auch auf Schuttflächen.

Vogelkirschen wachsen an Waldrändern und in freien Landschaften. Die Früchte dieser Wildform sind deutlich kleiner als die kultiverten Süßkirschen. Das wertvolle Holz der Vogelkirsche wird als Furnier geschätzt.

Für die Veredelung zur Süßkirsche pfropft man Zweige auf die Vogelkirsche. Kulturkirschen sind an knollenartigen Verdickungen des Stammes – der Pfropfstelle – erkennbar. Die Römer brachten die Kulturkirsche zu uns nach Mitteleuropa. Heute liegt die Jahresernte an Süßkirschen weltweit bei etwa 2 Millionen Tonnen. In Europa sei Deutschland das Land mit der größten Erntemenge (2008: etwa 60 000 Tonnen ohne private Kirschbäume).

Kirschkerne können sogar zu Kunstobjekten werden. Im “Grünen Gewölbe” in Dresden ist ein Kern aus dem Jahre 1589 mit 185 geschnitzten Gesichtern zu bestaunen. Kirschkernkissen sollen zudem Rheuma und Hexenschuss lindern. Auch Weltmeisterschaften im Kirschkern-Weitspucken werden durchgeführt. Ein ästhetisches Highlight der Vogel- und Süßkirsche ist ihre leuchtende Herbstfärbung, betonte das Kuratorium “Baum des Jahres”. Das Gremium empfahl ausserdem, jetzt einen Kirschbaum zu pflanzen.

Im Jahr 2008 war der Bergahorn gekürt worden. Die Auszeichnung wird seit 1989 jährlich verliehen. Mit der Wahl soll mehr Sensibilität für das lebendige Kulturgut rund um den Baum geschaffen werden. Nur wer etwas über Baumarten wisse, könne auch ökologische Zusammenhänge begreifen, argumentiert der Deutsche Forstverein.

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wissen_und_bildung/aktuell/2032569_Vogelkirsche-Baum-des-Jahres-2010.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Vogelkirsche zählt nicht zu den Heilpflanzen, ist aber für die Tierwelt als Nahrungsquelle wertvoll.
Die hellroten Steinfrüchte der Vogelkirsche reifen im Sommer zu etwa 1 cm kleinen, kugeligen, schwarzroten Früchten heran. Sie enthalten 10 % Zucker und sind wegen ihres bitteren Geschmacks für Menschen kaum essbar, werden jedoch gerne von Vögeln und Insekten gefressen.

Kulturkirschen dagegen sind als Nahrungsmittel beliebt und gesund unter anderem wegen ihrem hohen Gehalt an Anthocyanen, die man als Farbstoffe auch in anderen blauen Früchten wie Brombeeren, Heidelbeeren oder schwarzen Johannisbeeren findet.

Den Anthocyanen werden eine ganze Reihe von günstigen Wirkungen auf die Gesundheit zugeschrieben, weshalb sie Gegenstand intensiver Forschung sind.

Was hat es mit den Anthocyanen auf sich?

Anthocyane sind eine Untergruppe der Biophenole. Sie sind stark wirkende Antioxidanzien. Die eigentlich wirksamen Stoffe sind die farblosen Vorstufen, die Proanthocyane. Sie zerfallen, sobald sie mit Sauerstoff in Kontakt kommen und werden durch Kochen meisten ebenfalls zerstört. Anthocyane sind enthalten im Rotkohl sowie in den roten Salatsorten (Kopfsalate Barbarossa, Rotkäppchen; Eissalate Rosso und Sioux, Eichblattsalat), auch in Heidelbeeren [Waldheidelbeeren haben den höchsten Gehalt überhaupt, in geringerem Masse die Gartenheidelbeeren und Holunderbeeren, in dunklen Bohnen und in Sauerkirschen]. Anthocyane bewirken ebenfalls den violetten Farbton in den Artischocken, den blauen Farbton in Weintrauben, den lila Farbton in den Auberginen.

Die Anthocyane sollen die Zellatmung verbessern, Darmkrebs und Ablagerung von LDL-Cholesterin in den Gefässen entgegenwirken und vor Herz-Kreislauf-Krankheiten schützen. Anthocyane aus den Kirschen wirken schmerzstillend und entzündungshemmend. Anthocyane werden von Pflanzen auch gebildet, wenn sie unter Bakterien- oder Insektenbefall, Hitze- oder UV-Strahlungs-Stress oder Wunden leiden. Die tiefroten Wundanthocyane sind dann deutlich an den Wundrändern zu beobachten. Anthocyane in den Holunder- und Heidelbeeren sollen die Sehfähigkeit in der Nacht verbessern und den Cholesterinspiegel senken.

Das Flugmedizinische Institut der deutschen Luftwaffe in Fürstenfeldbruck hat unter Einwirkung der Anthocyane eine bessere Sicht bei Dunkelheit bestätigt und reduzierte Blendeinwirkung entgegenkommender Autos festgestellt. Diese Wirkung stellt sich jedoch nur bei sehr hoher Konzentration ein, wie sie bei Genuss von Heidelbeeren nicht erzielt werden kann. Der Anthocyan-Wirkstoff wirkt auch stabilisierend auf die feinen Blutgefässe der Netzhaut. Er wird angewendet bei diabetischer Retinopathie und Makula-Degeneration. Alle Anthocyan-Farbstoffe schützen auch schon in kleinen Mengen vor Freien Radikalen (Uni Jena, Volker Böhm). Laut amerikanischen Wissenschaftlern schützen die Anthocyane der Sauerkirschen besser vor Freien Radikalen als Vitamin E.
(Quelle: http://www.bio-gaertner.de)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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