Ab 2019: Iberogast und Sinupret auch in Drogerien erhältlich

In der Schweiz gibt es 2019 Änderungen in den Abgabebestimmungen von Arzneimitteln.

Hunderte bisher rezeptfreier, jedoch apothekenpflichtiger Medikamente werden auch in Drogerien erhältlich sein. Das betrifft auch eine ganze Reihe von Phytopharmaka.

Zugleich sollen Apotheken etwa 100 bisher freiverkäufliche Medikamente nur noch mit einer ärztlichen Verordnung oder nach Prüfung der Personalien abgeben dürfen.

Eine entsprechende Übersicht wurde nun von der Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic in Bern publiziert.

Mehr Heilmittel in die Drogerie

Um die Selbstmedikation zu vereinfachen, beschloss der Bundesrat die Neueinteilung die Arzneimittel in der Schweiz. Dazu soll die bisherige Abgabekategorie C (Verkauf nur in Apotheken, aber ohne Rezept) abgeschafft werden. Im Rahmen der Revision des Heilmittelgesetzes beurteilte Swissmedic unter Einbezug externer Fachleute total zirka 650 Arzneimittel, wovon 22 Tierarzneimittel. Dabei standen auch Aspekte des Medikamentenmissbrauchs sowie mögliche Interaktionen im Vordergrund.

Rund 85 Prozent und 550 Medikamente aus dieser Kategorie werden nun in die Kategorie D herabgestuft (Verkauf in Apotheken und Drogerien ohne Rezept). Darzu zählen etwa Iberogast, Sinupret, Buscopan, Talcid, Loperamid oder Voltaren Dolo forte und pflanzliche Arzneimittel mit Johanniskraut-Extrakt. Für diese Medikamente wird in Zukunft nur eine Fachberatung vorausgesetzt, egal ob durch Drogerie oder Apotheke. Die Patienten sollen zudem mit einem Warnhinweis auf der Verpackung für die nötige Fachberatung sensibilisiert werden.

Etwa 15 Prozent der überprüften Medikamente wurden dagegen heraufgestuft in die Kategorie B Verkauf in Apotheken mit Rezeptpflicht). Zwei Drittel der total etwa 100 Arzneimittel enthalten Opiatderivate als Wirkstoffe (Codein oder Dextromethorphan) und wurden von Swissmedic als Stoffe mit einem erheblichen Missbrauchspotential eingestuft. Codeinhaltige Arzneimittel dürfen zukünftig nur durch Personen mit einer Betäubungsmittelbewilligung abgegeben werden. Ergänzend zum Missbrauchspotential gebe es bei zahlreichen dieser Medikamente zusätzlich ein erhebliches Risiko von schwerwiegenden Wechselwirkungen, begründete Swissmedic diese Entscheidung. Bei den anderen für die Abgabekategorie B vorgesehenen Medikamente seien es vorwiegend schwerwiegende Interaktionen mit anderen verschreibungspflichtigen Arzneimitteln oder eine zwingend notwendige Dokumentation der Abgabe, welche eine Fachberatung durch Ärzte oder Apotheker erfordern.

Betroffen durch diese Neuerungen sind zum Beispiel Medikamente wie etwa Hustensirup mit dem Wirkstoff Codein. Der codeinhaltige Hustensaft Makatussin beispielsweise wird ab dem 1. Januar 2019 nur noch auf Rezept erhältlich sein. Wird das Arzneimittel nicht von einem Arzt verschrieben, muss der Apotheker ein Beratungsgespräch durchführen und die Abgabe entsprechend dokumentieren.

Der Berner Kantonsapotheker Samuel Steiner sagte dem Nachrichtenportal 20min.ch:„Wir gehen davon aus, dass mittlerweile 80 Prozent des Makatussin-Konsums missbräuchlich sind.“

Auf der Plattform Saferparty.ch, die unter anderem von der Stadt Zürich betrieben wird, ist zu lesen, dass ein Codein-Entzug bei längerer Einnahme genau so lang und schmerzhaft sein kann wie bei Heroin. Laut Fachleuten kann der Wirkstoff schnell zu einer Abhängigkeit führen, die Entzugserscheinungen wie Krämpfe und Übelkeit mit sich bringt. Diese sind zudem deutlich stärker als bei anderen Drogen. Deutschland hat Codein im Betäubungsmittelgesetz als verschreibungsfähiges Betäubungsmittel eingestuft, wobei niedrige Dosen beziehungsweise Mengen von betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften ausgenommen sind, solange sie nicht an Betäubungsmittel- oder alkoholabhängige Personen verschrieben werden. Anfang 2017 führte Frankreich bereits eine Rezeptpflicht für codeinhaltige Arzneimittel ein.

Mehr Heilmittel in Supermärkte wie Migros und COOP

Im Rahmen der Revision des Heilmittelgesetztes überprüft Swissmedic gegenwärtig auch 400 Medikamente der Kategorie D, die aktuell nur in Apotheken und Drogerien erhältlich sind. Welche dieser Arzneimittel in Zukunft auch im Supermarkt verkäuflich sein werden, will Swissmedic in den nächsten Wochen bekanntgeben.

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/internationales/ab-2019-iberogast-und-sinupret-in-drogerien-rezeptpflicht-fuer-codein-schweiz/

Kommentar & Ergänzung:

Diese Neuerungen werden den Arzneimittelmarkt in der Schweiz gehörig aufmischen, insbesondere den  Bereich der Selbstmedikation.

Die Drogerien werden davon profitieren, dass sie neu viele umsatzstarke Medikamente verkaufen dürfen, die bisher den Apotheken vorbehalten waren. Bei den pflanzlichen Arzneimitteln (Phytopharmaka) betrifft dies vor allem Sinupret, Iberogast und Johanniskrautextrakt-Präparate. Ich bin gespannt, ob auch Gelomyrtol / Gelodurat in die Drogerie wandert.

Drogerien und Apotheken werden aber beide möglicherweise starke Einbussen erleiden, wenn ab 2019 tatsächlich eine grössere Zahl von Arzneimitteln auch bei Migros und COOP im Regal stehen.

Dem stehe ich eher skeptisch gegenüber. Obwohl mich Drogerien und Apotheken bezüglich Beratung zu Phytopharmaka nur selten überzeugen, ist keine Beratung im Supermarkt noch schlechter.

Wenn Sie sich selber fundiertes Wissen über Naturheimittel und Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

Venenschwäche: Pycnogenol® reduziert das Ödemrisiko effektiver als Kompressionsstrümpfe

Eine aktuelle Studie von Belcaro et al. (1) bestätigt erneut, dass der Pflanzenextrakt Pycnogenol® aus der Rinde der französischen Meer-Kiefer das Auftreten von Unterschenkelödemen nach langem Sitzen wie auf Langstreckenflügen signifikant vermindern kann – und das sogar effektiver als das Tragen von Kompressionsstrümpfen. Die Passagiere bekamen drei Tage vor und drei Tage nach dem Flug Pycnogenol®. Es traten in der Pycnogenol®-Gruppe keine Thrombosen auf. Zudem verbesserten sich charakteristische Jetlag-Symptome: Schlafqualität, Sehleistung, Kognition sowie die Anpassung an die Zeitzonen wurden als deutlich verbessert beschreiben und die Ermüdung als weniger stark bewertet.

Vorangegangene Studien zeigen bereits deutlich, dass der Extrakt aus der Rinde der französischen Meer-Kiefer (Pinus pinaster) effektiv und sicher vorbeugend einer Ödembildung (2,3) sowie einem Jetlag (4) entgegenwirkt.

Der patentierte Extrakt der französischen Meereskiefer hat sich in der Behandlung der chronischen venösen Insuffizienz (CVI) bewährt. Jahrzehntelange Forschungen mit mehr als 400 publizierten Studien zeigen nachweislich, dass die enthaltenen oligomeren Procyanidine im Verbund mit weiteren natürlichen Wirkstoffen wegen ihrer starken antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkung die Kapillarwände stärken. Die gesteigerte Widerstandskraft gegen den Venendruck reduziert Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödeme). Der Pflanzenextrakt regt zudem die Blutzirkulation an und vermindert die Thrombozytenaktivität und damit das Thromboserisiko.

Die enthaltenen Wirkstoffe sind in hohem Maße bioverfügbar. Durch ihre Synergie verstärkt sich die therapeutische Wirksamkeit im Vergleich zu den Einzelwirkstoffen (5).

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/branchennews/alle-branchennews/branchennews-detail/ifemedi-der-unverzichtbare-reisebegleiter-9/

 

Wissenschaftliche Literatur:

1 Belcaro G, Cornelli U, Dugall M, Hosoi M, Cotellese R, Feragalli B: Long-haul flights, edema, and thrombotic events: prevention with stockings and Pycnogenol® supplementation (LONFLIT Registry Study).Minerva Cardioangiol. 2018 Apr;66(2):152-159. doi: 10.23736/S0026-4725.17.04577-7.

https://www.minervamedica.it/en/journals/minerva-cardioangiologica/article.php?cod=R05Y2018N02A0152

 

2 Cesarone MR, Belcaro G, Nicolaides AN et al: Prevention of venous thrombosis in longhaul flights with Flite Tabs: the LONFLITFLITE randomized, controlled trial. Angiology 2003; 54: 531–539.

 

3 Belcaro G, Dugall M, Luzzi R, et al: Postpartum varicose veins: supplementation with 
Pycnogenol or elastic compression – a 12-month follow-up. Int J Angiol 2017; doi:10.1055/s-0033-1363784.

 

4 Belcaro G, Cesarone MR, Steigerwalt RJ et al.: Jet lag: prevention with Pycnogenol. Preliminary report: evaluation in healthy individuals and in hypertensive patients. Minerva Cardioangiol 2008; 56 (suppl 1):1–7.

 

5 D’Andrea G: Pycnogenol: a blend of procyanidins with multifaceted therapeutic applications?  Fitoterapia. 2010 Oct;81(7):724-36. doi: 10.1016/j.fitote.2010.06.011. Epub 2010 Jun 20.

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Meer-Kiefer (Pinus pinaster) heisst auch See-Kiefer, Bordeaux-Kiefer, Igel-Kiefer, Stern-Kiefer, Seestrand-Kiefer oder Strand-Kiefer. Sie gehört zur Gattung der Kiefern (Pinus) und damit zur Pflanzenfamilie der Kieferngewächse (Pinaceae). Pinus pinaster stammt aus dem westlichen Mittelmeerraum und wird bis zu 300 Jahre alt. Aus der Pflanze wird auch Terpentinöl gewonnen.

Sie zählt in Form von Pinienrindenextrakt im Bereich der Venenerkrankungen zu den interessantesten Heilpflanzen, auch wenn sie in der Phytotherapie-Fachliteratur nur selten beschrieben wird. 

Der Text auf Apotheke-Adhoc stammt von einer Werbeagentur, was zur Folge hat, dass die Aussagen immer mit einer gewissen Zurückhaltung aufgenommen werden sollten. Eine kritische Darstellung darf man hier jedenfalls nicht erwarten.

Immerhin scheint aber der Hersteller des Produkts stark in Forschung zu investieren, was lobend zu erwähnen ist. Die Qualität dieser Studien kann ich allerdings nicht ausreichend beurteilen. Die oben beschriebene Studie aus dem Jahr 2018 läuft auf einen Vergleich zwischen Pycnogenol® und Kompressionsstrümpfen hinaus, wobei es natürlich interessant ist, wenn das Heilpflanzen-Präparat die Kompressionsstrümpfe wirklich übertrifft. Eine Placebo-Gruppe gabs in dieser Studie nicht (placebokontrolliert war offenbar die Studie von 2003).

Roman Huber schreibt im „Mind-Maps Phytotherapie“ (zur Zeit vergriffen):

„Die Rinde der Französichen Seekiefer enthält Polyphenole mit antioxidativen, analgetischen und antientzündlichen Eigenschaften. Der wässrige Extrakt Pycnogenol war in der Dosierung von 360 mg/Tag über 4 Wochen bei Symptomen der chronisch-venösen Insuffizienz (Schwellung, Schweregefühl) besser als 600 mg Rosskastanienextrakt (B). Er führte ausserdem zu einer Senkung der Cholesterinwerte.“

Da Rosskastanienextrakt bei Venenschwäche der Topfavorit in der Phytotherapie ist, wäre es zumindestens beeindruckend, wenn Pycnogenol Überlegenheit zeigt.

Der Hinweis „(B)“ bedeutet im „Mindmaps Phytotherapie“ allerdings, dass die Wirksamkeit „in mindestens  einer unkontrollierten Studie oder Anwendungsbeobachtung gefunden wurde“. Damit handelt es sich um kein wirklich gesichertes Ergebnis. Möglicherweise ist die Studienqualität für diesen Pinienrindenextrakt generell nicht sehr stark. Das würde erklären, weshalb die Phytotherapie-Fachliteratur hier so zurückhaltend ist. Aber trotzdem: Das Pinenextraktpräparat ist meinem Eindruck nach interessant.

Wer sich fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

 

Krankheit und die Gesetze der Natur

«Vielleicht noch etwas ganz Anderes. Ich bin Naturärztin. Ich möchte nur sagen: Die Gesetze der Natur bieten immer eine Lösung.»

Anonyme Naturärztin aus dem Publikum an den Tumortagen Winterthur 2008

 

Ergänzung & Kommentar:

Diese Aussage fiel im Rahmen der öffentlichen Veranstaltung „Alles Liebe….“. Während dem berührenden, interaktiven Theaterstück hatten sich Krebskranke und Theaterleute sehr engagiert und differenziert mit den schwierigen Rollen der Tumorkranken in den Spannungsfeldern von Medizin, Familie und Beruf auseinandergesetzt. Der Satz kam ganz am Ende der dichten zwei Stunden – die Moderatorin hatte schon zum Schlusswort angesetzt.

Warum wohl kam dieser Satz im allerletzten Moment? War es einfach Feigheit? Zu diesem Zeitpunkt hatte jedenfalls niemand mehr die Möglichkeit, auf diese Aussage zu reagieren, weder die Betroffenen, noch die Theaterleute noch das organisierende Team vom Tumorzentrum am Kantonsspital Winterthur. Oder war es eher die missionarisch angehauchte, selbstgerechte Äusserung einer Person, welche sich schon im Besitz der Wahrheit wähnt und daher nicht auf Dialog, Austausch und Auseinandersetzung angewiesen ist?

Eine solche Aussage jedenfalls zeugt meines Erachtens von einer eindrücklichen ideologischen Verblendung und sie reduziert die ausserordentlich komplexe Situation einer Krebserkrankung auf einen simplen Slogan.

Die Gesetze der Natur, das würde für die allermeisten der im Saal anwesenden Tumorkranken bedeuten: Der Krebs wächst, die kranke Person stirbt – und das möglicherweise qualvoll. Jede effektive Bekämpfung des Tumors und jede Linderung der Beschwerden verstösst in diesem Sinne gegen die Natur. Denn der Tumor selbst ist auch Natur. Vor dieser für uns brutalen Seite der Natur verschliessen meiner Erfahrung manche Naturärzte und Naturärztinnen die Augen. Sie sind einer sehr einseitigen Idealisierung der Natur verhaftet (und reden dabei oft von Ganzheitlichkeit….).

Darüber hinaus behauptet die Naturärztin mit ihrer Aussage implizit aber auch: Wer die Gesetze der Natur erkennt und annimmt, wird seinen Krebs los. Die Gesetze der Natur bieten ja immer eine Lösung. Darin enthalten ist umgekehrt die Botschaft, dass alle, die ihren Krebs noch haben, halt einfach noch nicht soweit sind.

Meines Erachtens steckt in solchen Sätzen eine masslose Arroganz – schön versteckt hinter der helfend-heilerischen Pose. Das ist ein Schlag ins Gesicht von Betroffenen, die sich tagtäglich bemühen, ihre schwierige Situation so gut wie möglich zu bewältigen und mit Hoffnung, Resignation, Wut, Angst und Trauer umgehen müssen.

Und es ist auch ein Schlag ins Gesicht von Pflegenden, Ärztinnen und Ärzten, die sich täglich in diesem anspruchsvollen Bereich engagieren. Keine Frage, dass im medizinischen Bereich auch manches schief läuft. Es gibt in Pflege und Medizin aber auch viele Fachleute, die immer wieder versuchen, das beste zu geben im Bewusstsein, dass beim Thema Krebs oft auch das beste nicht gut genug ist – und die immer wieder an Grenzen stossen bei sich selbst, bei den Tumorkranken und mit den medizinischen und pflegerischen Möglichkeiten.

Und da kommt dann so eine Naturärztin und sagt einem ganzen Saal von Betroffenen, Angehörigen und Fachleuten mit einem Satz, was für Idioten sie doch alle sind und wie einfach all die Probleme sich doch lösen liessen, wenn man die Gesetze der Natur erkennen und befolgen würde.

Erschütternd ist dabei für mich, dass auch viele Ausbildungsinstitute für NaturärztInnen, HeilpraktikerInnen etc. solch destruktive Grundhaltungen bei ihren Lernenden fördern.

Ich treffe im Bereich von Naturheilkunde / Komplementärmedizin / Pflanzenheilkunde immer wieder auf Anmassungen dieser Art, wie sie sich in obigem Zitat ausdrückt.

Das ist einer der Gründe dafür, warum ich in den letzten 30 Jahren einen immer kritischeren Blick entwickelt habe, was diese Bereiche betrifft.

Ich bin überzeugt davon, dass im Bereich von Naturheilkunde / Komplementärmedizin / Pflanzenheilkunde tief greifende Veränderungen nötig sind, wenn sie wirklich zum Wohl von Patientinnen und Patienten wirken wollen:

Weniger Heilslehren, weniger fraglose Gläubigkeit gegenüber wunderbaren Heilungsgeschichten, weniger pauschale Feindbild-Produktion gegenüber Medizin und Wissenschaft, weniger Allmachtsphantasien, dafür mehr selbstkritische Auseinandersetzung, überzeugendere Anerkennung eigener Grenzen und zumindestens erste Schritte in Richtung einer Qualitätskontrolle, die bis heute weitestgehend fehlt.

Das wäre jedenfalls ein guter Anfang.

Leider gibt es gerade beim Stichwort „alternative Krebstherapien“ jede Menge an Allmachtsphantasien von „Heilerinnen“ und „Heilern“, die schwer kranke Menschen mit haltlosen Versprechungen in die Irre führen. Unter diesen verantwortungslosen Scharlatanen gibt es aber – das muss festgehalten werden, nicht nur Naturheilpraktikerinnnen und Naturheilpraktiker, sondern nicht selten auch „alternativ“ praktizierende Ärztinnen und Ärzte. Das hat eine Recherche des Magazins „Stern“ eindrücklich gezeigt. Dazu hat sich ein stern-Team von 20 Alternativheilern beraten lassen und kommt zum Schluss: „Achtung, Lebensgefahr!“

Siehe auch:

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Naturheilkunde – warum werden unsere Kranken eigentlich wieder gesund?

Naturheilkunde: Sorgfältig prüfen lernen

Komplementärmedizin: Woran erkennen Sie fragwürdige Aussagen?

Naturheilkunde-Ausbildung: Mehr kritisches Denken – weniger blinden Dogmatismus

 

Komplementärmedizin: Genauer Nachdenken – Differenzierter argumentieren

Mehr Kontroverese in Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde

Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde: Nachfragen stat blind glauben

Wirkt Zink gegen Erkältungen? Das ist sehr fraglich!

Um die Frage, ob Zink gegen Erkältungen helfen kann, gibt es immer wieder Diskussionen.

Auf den ersten Blick scheint die Studienlage darauf hinzuweisen, dass Zink, wenn es in der Dosierung von 75 mg / Tag eingenommen wird, die Erkrankungsdauer verringern kann. Nachweisen lässt sich ein solcher Effekt allerdings nur, wenn die Einnahme innerhalb von 24 Stunden nach Beginn der ersten Symptome geschieht.

Der Effekt ist jedoch bescheiden. Wer Zink-Präparate einnimmt, dürfte seine Erkältung um durchschnittlich einen Tag abkürzen. Eine Erkältung dauert unbehandelt im Durchschnitt etwa eine Woche.

Zur Frage, ob die Erkältung infolge der Zinkeinnahme milder verläuft, fallen die Resultate widersprüchlich aus. Dass die Schwere der Erkältungssymptome durch Zinkeinnahme gemildert wird, lässt sich jedenfalls nicht belegen.

Der Nutzen einer langfristigen Einnahme zur Vorbeugung, das heißt mindestens 75 mg pro Tag über fünf Monate, lässt sich bislang ebenfalls nicht beurteilen. Es existieren dazu schlichtweg zu wenige Daten.

Diese Bewertungen basieren auf einer systematischen Übersichtsarbeit & Meta-Analyse der Cochrane Collaboration von Sinh (2013). Diese Arbeit wiederum basiert auf der Auswertung von insgesamt 18 randomisiert-kontrollierten Studien mit total 1781 Personen.

Aber jetzt kommt der Clou:

 

Diese entscheidende Metaanalyse zu Zink & Erkältungen wurde inzwischen wegen gravierender Mängel zurückgezogen.

Infos dazu hier:

https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD001364.pub5/full

Da frühere Studien keinen Nutzen zeigen konnten, fehlt im Moment eine wissenschafltiche Basis,  um Zinkpräpraten eine Wirksamkeit zuzuschreiben.

Dazu kommt noch:

Zink-Präparate schmecken nicht besonders gut und können manchmal Übelkeit hervorrufen.

Als Sirup oder Tabletten sollen sie gemäss den vorliegenden wissenschaftlichen Studien jedoch besser verträglich sein  als in Form von Lutschpastillen.

Zink soll in der Regel nüchtern eingenommen werden, also eine Stunde vor oder zwei Stunden nach einer Mahlzeit, weil gleichzeitig aufgenommene Nahrungsmittel, Genussmittel und Medikamente die Aufnahme in den Körper verringern können.  Das betrifft beispielsweise Kaffee, Schwarztee oder Getreideflocken.

Hohe Zink-Dosen sollen ohne Indikation nicht über längere Zeit eingenommen werden, weil daraus ein Kupfermangel entstehen kann.

Keinesfalls sollte Zink in den hohen Dosierungen, die gegen Erkältungen empfohlen werden (75mg/Tag), über längere Zeit eingenommen werden. Als Obergrenze für die tägliche Zink-Aufnahme nennt das  Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für Erwachsene 25 mg pro Tag – wobei Zink in Lebensmitteln mit einberechnet ist.

Den normalen Tagesbedarf an Zink kann man zudem gut mit der Ernährung decken.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Männer eine tägliche Zinkzufuhr von zehn Milligramm (mg), für Frauen von sieben mg.

Dieser Bedarf lässt sich beispielsweise über zwei Scheiben Vollkornbrot mit Käse und fünf Esslöffeln Haferflocken decken. Jürgen Thier-Kundke vom BfR.

 sagt: „Deutschland ist kein Zinkmangelgebiet. Ein sich ausgewogen ernährender Mensch braucht keine Nahrungsergänzungsmittel.“

 

Insgesamt lässt sich meines Erachtens der Schluss ziehen: Zinkpräparate sind sowohl hoch dosiet gegen Erkältungen als auch niedriger dosiert als Supplement in Nahrungsergänzungsmitteln von Spezielfällen abgesehen überflüssig. Nutzen daraus ziehen nur die Hersteller und Verkäufer der Präparate.

 

 

 

Quellen:

https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/947057/erkaeltungpraevention-gewappnet-husten-schnupfen-heiserkeit.html

https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Zink

https://www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/Zink-Gut-fuer-die-Gesundheit-aber-kein-Alleskoenner-id40521086.html

Zur Dosierung von Baldriantinktur

Immer wieder gibt es Diskussionen zur richtigen Dosierung von Baldriantinktur. Die Position der Phytotherapie-Fachliteratur ist hier sehr eindeutig: 

Baldriantinktur nicht unterdosieren!

Dazu ein paar Zitate:

“Leitfaden Phytotherapie” von Heinz Schilcher (Hrsg.):

“Die traditionelle Anwendung von Baldriantropfen (Baldriantinktur) von 10 – 20 Tr. auf einem Würfel Zucker ist häufig eine deutliche Unterdosierung und kann zu paradoxen Reaktionen führen. Richtig ist eine Dosierung von 1/2 – 1 TL (2-3 ml) Baldriantropfen.”

“Phytotherapie” von Margret Wenigmann:

“Bei manchen Menschen sind paradoxe Reaktionen möglich, v. a. bei der traditionellen Anwendung von Baldriantinktur in zu geringer Dosierung (traditionell 10 – 20 Tr.auf einem Stück Zucker).” Auch Wenigmann empfiehlt als Dosierung für Baldriantinktur 1/2 – 1 TL = 1 – 3 ml.

“Lehrbuch der Phytotherapie” von Fintelmann / Weiss / Kuchta:

“Therapeutische Empfehlung: Um gute Erfolge zu erzielen, müssen grössere Mengen Baldrian eingenommen werden, z. B. 1 – 2 TL der Tinktur. Überdosierungen sind dabei kaum zu befürchten.”

Diese Autoren gehen in der empfohlenen Dosierung also noch deutlich höher als Schilcher und Wenigmann.

☛ Reinhard Länger und Wolfgang Kubelka von der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie weisen im “Phytokodex” darauf hin, dass in der Baldriantinktur die Inhaltsstoffe im Vergleich zur Baldrianwurzel “im Verhältnis von ca. 1 : 5 verdünnt vorliegen”.Daraus ziehen sie den Schluss: “Die in der Literatur empfohlene Dosierung der Tinktur (Baldriantropfen) von 1,5-3 g erscheint deutlich zu niedrig,…”

Quelle: https://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Baldrianwurzel.html 

Drei Anmerkungen darüber hinaus:

  1. Es spricht viel dafür, dass Baldrian seine Wirksamkeit erst bei einer Anwendung über mehrere Wochen voll entfaltet.
  2. Die Phytotherapie-Fachliteratur empfiehl in der Regel Baldrianextrakt-Präparate anstelle von Baldriantee oder Baldriantinktur. Dies weil Baldriantee geschmacklich eine Zumutung ist und weil Baldriantinktur im Vergleich zu Baldrianextrakt einen deutlich tieferen Wirkstoffgehalt aufweist. Bei Baldrianextrakt-Präparaten mit rund  500 – 600 Baldrianextrakt pro Tablette ist der Wirkstoffgehalt gegenüber der Baldriantinktur deutlich höher.
  3. In der traditionellen Anwendung von Heilpflanzen wird die Bedeutung der richtigen Dosierung und der optimalen Zubereitungsform (z. B. Kräutertee, Tinktur, Extrakt) stark unterschätzt.

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Über konstruktive Konflikte und Filterblasen

Der Soziologe und Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer hat in der “Süddeutschen” ein informatives Interview gegeben. Hier ein Zitat daraus:

“Eine moderne Gesellschaft kommt ohne konstruktive Konflikte nicht weiter. Aber wir haben inzwischen gar keine Öffentlichkeit im Singular mehr, sondern wir haben Öffentlichkeiten im Plural, die aber in sich abgedichtet sind, so dass sich in diesen Filterblasen homogene Gruppen entwickeln. Die sozialen Medien muss man inzwischen asoziale Medien nennen. Homogene Gruppen haben es in sich. In diesen gibt es vor allem Aufschauklungsprozesse. Widerspruch wird nicht mehr zugelassen, um die Ambiguität der realen Verhältnisse abzumildern. Ganz schlimm wird das, wenn dann noch Verschwörungstheorien hinzukommen. Das macht mir besondere Sorgen. Dagegen hilft kein Argument mehr.”

Quelle: 

https://www.sueddeutsche.de/politik/wachsender-autoritarismus-kein-mensch-kann-auf-dauer-ohne-anerkennung-leben-1.4203226

Kommentar und Ergänzung:
 
Meine Generation hat das Glück gehabt, Demokratie, Rechtsstaat und Frieden über Jahrzehnte als weitgehend selbstverständliche Grundbegebenheit im Leben verfügbar zu haben. Diese Selbstverständlichkeit löst sich gerade auf.
Es sieht ganz danach aus, dass wir gerade eine Verantwortung zu übernehmen haben, für diese nicht mehr selbstverständlichen Werte einzustehen. Es scheint an der Zeit, dass wir uns verstärkt um gesellschaftliche Entwicklungen kümmern müssen. Das kann allerdings nur sehr begrenzt als Individuum geschehen. Nötig ist auch der Aufbau und die Stärkung von Strukturen, Institutionen und Organisationen, die 
demokratische und rechtsstaatliche Grundwerte schützen. Dazu gibt es verschiedenste Möglichkeiten. In den letzten Wochen ist zum Beispiel gerade Courage Civil aktiv geworden, eine Initiative, die meinem Eindruck nach Potenzial hat und wohlwollende Unterstützung verdient.
 
Zum Thema Filterblasen und asoziale Medien gibts gerade ein neues, sehr informatives Buch in meinem Buchshop:
 
 
Mehr Hintergrundinformationen zum Thema von mir gibts hier:
 
 

Meine Blogtexte zu gesellschaftspolitischen Themen:

– Was ist Populismus? Und was nicht?

Zusammenfassung des Populismus-Konzepts von Jan-Werner Müller.

 

– Notwendig: Den Sumpf der Hasspropaganda im Internet trockenlegen

Hauptsächlich eine Zusammenfassung von „Hass im Netz“ von Ingrid Brodnig.

 

Wie Medien via Aufmerksamkeitsfalle den Populismus fördern.

Eine Zusammenfassung des Buches „Die Aufmerksamkeitsfalle“ von Mattthias Zehnder.

 

– Demokratie braucht diskursive Gesprächskultur

Zum Mittelweg zwischen Relativismus und Dogmatismus.

 

Offene Gesellschaft oder Geschlossene Gesellschaft – wohin geht die Reise?

Liberale Demokratien sind weltweit unter Druck. Das Konzept der offenen Gesellschaft von Karl Popper ist deshalb wieder sehr aktuell und bietet wertvolle Hinweise zur Verteidigung der liberalen, offenen Demokratie.

 

– Hannah Arendt: Standnehmen in der Welt statt Weltentfremdung.

Die Sorge um intakte Weltbezüge in der modernen Gesellschaft.

 

– Ralf Dahrendorf zu den Gefährdungen liberaler Demokratien

Schleichender Autoritarismus, Staatsversagen, Einschränkung demokratischer Entscheidungsmöglichkeiten im Nationalstaat infolge Globalisierung, neuer Regionalismus.

 

– Lob der Kritik

Vom Wert der Kritikfähigkeit in Zeiten von Fake News.

 

– Triumph der Meinung über Fakten, Wahrheit und Fachwissen – das kann nicht gut gehen!

Zur Bedeutung der Krise von Wissen und Wahrheit für Alltag und Demokratie.

 

Buchempfehlungen in meinem Buchshop:

Bücher zu den Themen:

 

Medien / Internet / Facebook / Hass im Internet / Digitalisierung

 

Populismus

 

Demokratie / Menschenrechte / Offene Gesellschaft / Islamismus

 

Fake News / Bullshit / Lügen im Netz / Verschwörungstheorien

 

Russland / Wladimir Putin / Ukraine

 

Rechtsextremismus / Faschismus / Nationalsozialismus

 

Donald Trump / USA

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Ingwer-Wirkstoff und Zitronensäure steigern Immunabwehr im Speichel – wirksam gegen Erkältung?

Zitronensäure und der Scharfstoff 6-Gingerol aus dem Ingwer-Wurzelstock verleihen nicht nur Speisen und Getränken eine besondere Geschmacksnote. Beide Substanzen stimulieren auch die molekularen Abwehrkräfte im menschlichen Speichel. Dies ist das Resultat einer Studie von Wissenschaftlern der Technischen Universität München (TUM) und des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie.

 

Der menschliche Speichel ist eine komplexe, wässrige Mischung aus unterschiedlichsten Bestandteilen. Er enthält neben Schleimhaut- und Immunzellen grössere Zahl von Molekülen, die unterschiedlichste biologische Aufgaben erledigen. Speichel ist nämlich nicht nur wichtig für die Nahrungsaufnahme, sondern ist für die Gesunderhaltung der Zähne, des Zahnfleischs und der Mundschleimhaut.

Darüber hinaus stellt er die erste Barriere gegen von außen eindringende Krankheitserreger dar. Deshalb enthält der Speichel verschiedene, antimikrobiell wirkende Moleküle, zu denen auch das antibakteriell wirkende Lysozym zählt. Sie gehören zum angeborenen, molekularen Immunsystems des Menschen.

Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand, aber auch was jemand isst und trinkt, beeinflussen die Speichel-Zusammensetzung. Über den Einfluss einzelner Lebensmittelinhaltsstoffe ist jedoch noch wenig bekannt.

Um mehr über diesen Punkt zu erfahren, untersuchte die Forscher um Studienleiter Professor Thomas Hofmann, Leiter des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der TUM, den Einfluss unterschiedlicher Geschmacksstoffe auf die Speichelzusammensetzung des Menschen: Zitronensäure (sauer), der Süßstoff Aspartam (süß), Iso-alpha-Säuren (bitter), der Geschmacksverstärker Natriumglutamat (umami), Kochsalz (salzig), 6-Gingerol (scharf) sowie die im Szechuanpfeffer enthaltenen Stoffe Hydroxy-alpha-Sanshool (kribbelnd) und Hydroxy-beta-Sanshool (betäubend).

Durch die Kombination von Speichelflussmessungen, Proteomanalysen und bioinformatischen Auswertungen konnten die Forscherinnen und Forscher estmals nachweisen, dass alle untersuchten Substanzen die Proteinzusammensetzung des Speichels in mehr oder weniger großem Umfang verändern. 

Biologische Funktionsanalysen der von der Modulation betroffenen Speichelproteine ergaben zudem, dass die durch Zitronensäure und 6-Gingerol ausgelösten Veränderungen, das molekulare Abwehrsystem im Speichel aktivieren. 

6-Gingerol aus Ingwer erhöht Abwehrkraft im Speichel

6-Gingerol erhöhte die Aktivität eines Enzyms, welches das im Speichel gelöste Thiocyanat in Hypothiocyanat umwandelt, wodurch sich die Menge des antimikrobiell und fungizid wirkenden Hypothiocyanats im Speichel in etwa verdreifachte.

Durch Zitronensäure stiegen die Lysozym-Spiegel im Speichel um das bis zu Zehnfache an. 

Wie mittels Untersuchungen an Bakterienkulturen erstmals gezeigt werden konnte, reicht diese Erhöhung aus, um das Wachstum von Gram-positiven Bakterien beinahe vollständig zu stoppen. Lysozym ist gegen diese Art der Bakterien wirksam, indem es deren Zellwand zerstört.

Professor Hofmann vom Lehrstuhl für Lebensmittelchemie und molekularer Sensorik der TUM sagt zu diesen Forschungen:

„Unsere neuen Erkenntnisse zeigen, dass geschmacksgebende Stoffe bereits im Mundraum biologische Wirkungen besitzen, die weit über ihre bekannten sensorischen Eigenschaften hinausgehen.“

Diese geschmacksgebenden Stoffe mit neuesten Analysemethoden weiter zu erforschen, sei eins der Ziele, die sich die Lebensmittel-Systembiologie gesetzt habe, ergänzt der Lebensmittelchemiker. Nur so könnten auf lange Sicht neue Ansätze für die Produktion von Lebensmitteln gefunden werden, deren Inhaltsstoff- und Funktionsprofile an den gesundheitlichen und sensorischen Bedürfnissen der Verbraucherinnen und Verbraucher ausgerichtet seien. 

Quelle:

https://idw-online.de/de/news697688

Originalpublikation:
Matthias Bader, Andreas Dunkel, Mareike Wenning, Bernd Kohler, Guillaume Medard, Estela del Castillo, Amin Gholami, Bernhard Kuster, Siegfried Scherer and Thomas Hofmann: Dynamic Proteome Alteration and Functional Modulation of Human Saliva Induced by Dietary Chemosensory Stimuli, Journal of Agricultural and Food Chemistry 6/2018. DOI: 10.1021/acs.jafc.8b02092

https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acs.jafc.8b02092

Kommentar & Ergänzung:

Diese Forschungsergebnisse sind sehr interessant, auch für die Phytotherapie. Und es taucht sofort eine ganze Reihe von Anschlussfragen auf:

Der Scharfstoff 6-Gingerol aus Ingwer erhöht die antimikrobiellen und fungiziden Eigenschaften des Speichels. Gilt das auch für andere Scharfstoffe – oder nur für 6-Gingerol?

Zitronensäure erhöht die antibakteriellen Eigenschaften des Speichels. Gilt das auch für andere saure Nahrungsbestandteile?

Aus Sicht der Phytotherapie wäre zudem interessant, ob auch Bitterstoffe eine Veränderung im Speichel bewirken, die gesundheiltlich bedeutsam ist.

Interessant ist aber auch, die diese Forschungsergebnisse in der Boulevardpresse dagestellt werden. Während der Informationsdienst Wissenschaft (IDW) sie etwa so darstellt wie ich weiter oben, schreibt „Bild“:

„BEI ERKÄLTUNG

Darum sind Ingwer und Zitrone besser als Medikamente

Eine Tasse Ingwer-Tee hilft sehr wirksam gegen Erkältung. Das wurde jetzt wissenschaftlich bewiesen

Wer sich wirksam vor Erkältung und Grippe schützen will, muss nicht in die Apotheke gehen, sondern in den Supermarkt.

Denn Ingwer und Zitrone stärken die Abwehrkräfte besser als jedes Medikament. Was schon unsere Urgroßmütter wussten, wurde jetzt auch wissenschaftlich bewiesen: mit Spucke.“

Quelle:

https://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/gesundheit/bei-erkaeltung-ingwer-und-zitrone-sind-besser-als-medikamente-58345230.bild.html

Das ist vollkommen überzogen dargestellt. Es ist mitnichten wissenschaftlich bewiesen, dass „Eine Tasse Ingwer-Tee…sehr wirksam gegen Erkältung“ hilft. Diese Frage wurde gar nicht untersucht. Es wurde nur untersucht und gefunden, dass Zitronensäure und 6-Gingerol die Konzentration gewisser Stoffe mit antimikrobieller Wirkung im Speichel erhöht. Daraus lässt sich noch kein Schluss ziehen auf die  Wirksamkeit einer Tasse Ingwertee auf eine viral bedingte Erkältung. Es müsste noch gezeigt werden, dass das antimikrobiell wirksame Hypothiocyanat – das zentrale Stoffwechselprozesse bei Bakterien blockiert – auch gegen Erkältungsviren wirkt. Und es müsste gezeigt werden, dass dadurch weniger Erkältungen ausbrechen.

Vorsichtiger wird die Studie im Magazin „Focus“ bewertet:

Die Untersuchung legt also nahe, dass eine Kombination aus Zitronen und Ingwer den Speichel im Kampf gegen Bakterien optimal unterstützt. In diesem Sinne: Lassen Sie sich öfter mal ein Zitronen-Ingwer-Wasser schmecken! Das enthält ganz nebenbei auch viel gesundes Vitamin C.“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/stimuliert-das-immunsystem-zitronenwasser-mit-ingwer-was-das-getraenk-zur-geheimwaffe-macht_id_9207496.html

„Legt nahe“ (Focus) ist bezüglich Erkältungsprävention angemessener und zurückhaltender als die Aussage „wissenschaftlich bewiesen“ (Bild).

Das soll allerdings niemanden davon abhalten, Zitronen-Ingwer-Wasser oder Ingwertee zu trinken. Vielleicht hilfts ja, auch wenn wissenschaftlich gesehen zur Wirksamkeit noch viele Fragen offen sind.

 

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Sauna hilft zur Vorbeugung von Erkältungskrankeiten

Regelmässige Wechselduschen oder Saunagänge beugen Erkältungskrankheiten vor durch Aktivierung des Immunsystems..

Regelmäßig durchgeführte Wechselduschen steigern nicht nur die Anzahl peripherer zytotoxischer T-Lymphozyten und der natürlichen Killerzellen (NK-Zellen), sondern auch deren Aktivität.

In einer aktuellen Studie zeigte sich dieser immunaktivierende Effekt durch eine Reduktion der erkältungsbedingten Krankheitstage um 30 Prozent (PLoS One 2016; 11: e0161749).

Ähnliche Effekte wurden festgestellt bei regelmäßigen Saunagängen. Der Wechsel zwischen Heiß und Kalt regt Anpassungsprozesse des neuroendokrinen Systems sowie des Immunsystems an, was eine bessere Stresstoleranz und eine gesteigerte Krankheitsabwehr zur Folge hat (MMW 2017; 159: 42-44).

Quelle:

https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/947057/erkaeltungpraevention-gewappnet-husten-schnupfen-heiserkeit.html

https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0161749

https://www.springermedizin.de/gesund-durch-die-erkaeltungssaison/12003366?searchBackButton=true&fulltextView=true&abEvent=detailLink

Kommentar & Ergänzung:

Wechselduschen und Sauna gehören zu den Methoden der klassischen Naturheilkunde und sind dem Bereich Hydrotherapie zugeordnet.

Bei beginnender Erkältung ist Sauna aber wirkungslos. Siehe dazu:

Bei beginnender Erkältung ist Sauna wirkungslos

Ausserdem:

Sauna & Erkältung – passt das zusammen?

 

Kann Kaffee Alzheimer und Herzkrankheiten vorbeugen?

Je dunkler der Kaffee geröstet wird, desto besser soll er fürs Gehirn sein. Dieses Fazit ziehen Wissenschaftler der University of Toronto in einer Studie.

Kaffee mit dunkler Röstung soll demnach Gehirnkrankheiten wie Parkinson oder Alzheimer vorbeugen.

Ausschlaggebend für diese Wirkung soll eine Gruppe von Inhaltsstoffen sein, die Phenylindane, die im Zuge der Röstung entstehen. Untersucht wurden drei Kaffeesorten – heller Röstung, dunkler Röstung und entkoffeinierter dunkler Röstung. Die Studienautoren Ross Mancini, Yanfei Wang und Donald Weaver schreiben, dass dunkle Röstungen (auch in entkoffiinierter Variante) besonders viele Phenylindane enthalten, die wiederum die Produktion von mit Alzheimer und Parkinson in Verbindung stehenden Proteinen (Beta-Amyloid und Tau) hemmen.

Je länger die Röstung, desto mehr potentiell gesunde Phenylindane im Kaffee

Auf die Frage, welche Menge von Kaffee für eine vorbeugende Wirkung nötig ist, gibt die Untersuchung hingegen keine Antwort.

Ungeklärt bleibt auch, ob Kaffee als therapeutisches Mittel bei bestehenden Erkrankungen eingesetzt werden könnte. Dazu bedürfe es weiterer Forschung, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle:

https://diepresse.com/home/leben/gesundheit/5528069/Studie_Kaffee-wirkt-gegen-Alzheimer-und-Herzkrankheiten

Originalstudie:

Phenylindanes in Brewed Coffee Inhibit Amyloid-Beta and Tau Aggregation

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnins.2018.00735/full

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessant finde ich, dass die Röstung hier eine Rolle zu spielen scheint. Allerdings muss auch gesagt werden, dass wir es hier mit einer reinen Laboruntersuchung zu tun haben. Ob dunkel gerösteter Kaffee bei Menschen tatsächlich vorbeugend gegen Alzheimer und Parkinson wirkt, könnte nur durch eine Langzeitstudie mit einer Kontrollgruppe geklärt werden. Da solche Studien sehr aufwendig und teuer sind, ist es eher unwahrscheinlich, dass sie in Angriff genommen werden. Obwohl die Kaffee-Industrie die finanziellen Ressourcen dazu bestimmt hätte.

Da beim Rösten von Kaffee Stoffe entstehen, die die Ausschüttung von Magensäure verlangsamen können, sollen stark geröstete Bohnen besser magenverträglich sein. Bezüglich Verträglichkeit spielen aber auch wohl individuelle Faktoren und die Kaffeesorte eine Rolle.

Kaffee taucht in der Phytotherapie-Fachliteratur nicht auf, obwohl die Kaffeebohne selbstverständlich aus der Pflanzenwelt stammt. Kaffee gilt heute ganz offensichtlich nicht als Arznei, sondern als Genussmittel. Immerhin wird Kaffee aber hinsichtlich seiner gesundheitlichen Auswirkungen intensiv erforscht und er ist eine bedeutende Quelle für Antioxidantien.