Sauna hilft zur Vorbeugung von Erkältungskrankeiten

Regelmässige Wechselduschen oder Saunagänge beugen Erkältungskrankheiten vor durch Aktivierung des Immunsystems..

Regelmäßig durchgeführte Wechselduschen steigern nicht nur die Anzahl peripherer zytotoxischer T-Lymphozyten und der natürlichen Killerzellen (NK-Zellen), sondern auch deren Aktivität.

In einer aktuellen Studie zeigte sich dieser immunaktivierende Effekt durch eine Reduktion der erkältungsbedingten Krankheitstage um 30 Prozent (PLoS One 2016; 11: e0161749).

Ähnliche Effekte wurden festgestellt bei regelmäßigen Saunagängen. Der Wechsel zwischen Heiß und Kalt regt Anpassungsprozesse des neuroendokrinen Systems sowie des Immunsystems an, was eine bessere Stresstoleranz und eine gesteigerte Krankheitsabwehr zur Folge hat (MMW 2017; 159: 42-44).

Quelle:

https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/947057/erkaeltungpraevention-gewappnet-husten-schnupfen-heiserkeit.html

https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0161749

https://www.springermedizin.de/gesund-durch-die-erkaeltungssaison/12003366?searchBackButton=true&fulltextView=true&abEvent=detailLink

Kommentar & Ergänzung:

Wechselduschen und Sauna gehören zu den Methoden der klassischen Naturheilkunde und sind dem Bereich Hydrotherapie zugeordnet.

Bei beginnender Erkältung ist Sauna aber wirkungslos. Siehe dazu:

Bei beginnender Erkältung ist Sauna wirkungslos

Ausserdem:

Sauna & Erkältung – passt das zusammen?

 

Kann Kaffee Alzheimer und Herzkrankheiten vorbeugen?

Je dunkler der Kaffee geröstet wird, desto besser soll er fürs Gehirn sein. Dieses Fazit ziehen Wissenschaftler der University of Toronto in einer Studie.

Kaffee mit dunkler Röstung soll demnach Gehirnkrankheiten wie Parkinson oder Alzheimer vorbeugen.

Ausschlaggebend für diese Wirkung soll eine Gruppe von Inhaltsstoffen sein, die Phenylindane, die im Zuge der Röstung entstehen. Untersucht wurden drei Kaffeesorten – heller Röstung, dunkler Röstung und entkoffeinierter dunkler Röstung. Die Studienautoren Ross Mancini, Yanfei Wang und Donald Weaver schreiben, dass dunkle Röstungen (auch in entkoffiinierter Variante) besonders viele Phenylindane enthalten, die wiederum die Produktion von mit Alzheimer und Parkinson in Verbindung stehenden Proteinen (Beta-Amyloid und Tau) hemmen.

Je länger die Röstung, desto mehr potentiell gesunde Phenylindane im Kaffee

Auf die Frage, welche Menge von Kaffee für eine vorbeugende Wirkung nötig ist, gibt die Untersuchung hingegen keine Antwort.

Ungeklärt bleibt auch, ob Kaffee als therapeutisches Mittel bei bestehenden Erkrankungen eingesetzt werden könnte. Dazu bedürfe es weiterer Forschung, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle:

https://diepresse.com/home/leben/gesundheit/5528069/Studie_Kaffee-wirkt-gegen-Alzheimer-und-Herzkrankheiten

Originalstudie:

Phenylindanes in Brewed Coffee Inhibit Amyloid-Beta and Tau Aggregation

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnins.2018.00735/full

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessant finde ich, dass die Röstung hier eine Rolle zu spielen scheint. Allerdings muss auch gesagt werden, dass wir es hier mit einer reinen Laboruntersuchung zu tun haben. Ob dunkel gerösteter Kaffee bei Menschen tatsächlich vorbeugend gegen Alzheimer und Parkinson wirkt, könnte nur durch eine Langzeitstudie mit einer Kontrollgruppe geklärt werden. Da solche Studien sehr aufwendig und teuer sind, ist es eher unwahrscheinlich, dass sie in Angriff genommen werden. Obwohl die Kaffee-Industrie die finanziellen Ressourcen dazu bestimmt hätte.

Da beim Rösten von Kaffee Stoffe entstehen, die die Ausschüttung von Magensäure verlangsamen können, sollen stark geröstete Bohnen besser magenverträglich sein. Bezüglich Verträglichkeit spielen aber auch wohl individuelle Faktoren und die Kaffeesorte eine Rolle.

Kaffee taucht in der Phytotherapie-Fachliteratur nicht auf, obwohl die Kaffeebohne selbstverständlich aus der Pflanzenwelt stammt. Kaffee gilt heute ganz offensichtlich nicht als Arznei, sondern als Genussmittel. Immerhin wird Kaffee aber hinsichtlich seiner gesundheitlichen Auswirkungen intensiv erforscht und er ist eine bedeutende Quelle für Antioxidantien.

 

 

 

 

 

 

John Stuart Mill über Irrtum und Erfahrung

Hier ein interessantes Zitat von John Suart Mill über Irrtum und Erfahrung:

“….Quelle alles Achtenswerten im Menschen….dass er seine Irrtümer korrigieren kann. Er ist fähig, seine Missgriffe durch Diskussion und Erfahrung richtigzustellen. Nicht durch Erfahrung allein: Diskussion tut not, um zu zeigen, wie die Erfahrung zu deuten ist. Falsche Urteile und Bräuche geben allmählich den Tatsachen und Überlegungen Raum…Sehr wenige Tatsachen sind imstande, ihre eigene Geschichte zu erzählen…”

John Stuart Mill, 1806–1873, Philosoph, Psychologe und Soziologe; Über die Freiheit, Reclam 2004

 

Kommentar & Ergänzung:

Erfahrungen sprechen nicht für sich, wir müssen sie erst zum Sprechen bringen. Jede Erfahrung ist mit verschiedenen Deutungen kompatibel. Das gilt auch für Erfahrungen mit Heilmitteln und Heilmethoden. Wenn daher von „Erfahrungsmedizin“ die Rede ist, so sagt das noch gar nichts aus. Erfahrung allein kann uns nicht sicher zeigen, ob ein Heilmittel hilft oder nicht. So zeigte sich beispielsweise in der Medizingeschichte immer wieder, dass sich Irrtümer über Jahrhunderte halten können und trotz aller Erfahrung nicht erkannt werden. Erfahrung bringt den Irrtum nicht mit Gewissheit zu Tage.

Entscheidend ist, und das sagt Mill deutlich, wie wir mit unseren Erfahrungen umgehen. Nötig ist eine kritische Diskussion aller Erfahrungen, ein Distanznehmen von eigenen Erfahrungen, um sie zu reflektieren, mit anderen Erfahrungen zu vergleichen und einzuordnen.

Wenn mir also jemand sagt, dass Heilmittel XY seiner Erfahrung nach bei Krankheit Z hilft, dann frage ich immer genau nach, wie diese Erfahrung gemacht wurde, wie sie zustande kam, und wie der betreffende Mensch sich mit seiner Erfahrung auseinander gesetzt hat. Die Antwort auf diese Fragen ist oft enttäuschend.

Es fehlt häufig jede Distanz zur eigenen Erfahrung, jedes Bewusstsein dafür, dass Erfahrung täuschungsanfällig ist und jede fundierte Auseinandersetzung mit der eigenen Erfahrung, nicht nur bei Laien, sondern auch bei Fachleuten aus Apotheken oder Drogerien, bei Praktizierenden und Lehrenden der Naturheilkunde.

Wir brauchen in diesen Bereichen mehr Bewusstsein über die eigene Irrtumsanfälligkeit und mehr krtische Auseinandersetzung mit „Erfahrungen“. Das sind Kompetenzen, die ich auch in meinen Lehrgängen zu vermitteln suche, in der Phytotherapie-Ausbildung und im Heilpflanzen-Seminar.

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung

 

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung

Naturheilkunde: Warum werden unsere Kranken eigentlich wieder gesund?

Vom Umgang mit Erfahrung in der Pflanzenheilkunde

 

 

Woran lässt sich Populismus erkennen?

Typisch für Populisten: Sobald sich nur schon eine Niederlage abzeichnet, schreien sie “Betrug”. Weil sie ja angeblich das Volk vertreten, kann eine Niederlage niemals mit rechten Dingen zugehen. Damit sie „Betrug“ schreien, braucht es keine konkreten Belege oder nur schon ernstzunehmende Verdachtsmomente für Wahlbetrug. Die Tatsache einer drohenden oder eingetretenen Niederlage allein ist für sie schon ein „Beweis“ für Betrug. Sie raunen auch ohne jeden Beleg von „Betrug“ und delegitimieren damit die Wahl. Das ist gefährlich.

Insofern er nur eigene Siege anerkennt, Niederlagen aber nicht, diffamiert und untergräbt der Populismus die liberale Demokratie.

Illustrative Beispiele für dieses antidemokratische Vorgehen liefert Donald Trump, der schon im Präsidentschaftswahlkampf 2016 ankündigte, das Wahlergebnis nur im Falle seines Sieges zu anerkennen, nicht aber bei einer Niederlage. Dass eine allfällige Niederlage nur durch Fälschung und Betrug zustande gekommen sein kann, „weiss“ dieser Kandidat schon im Voraus und deutet es auch an.

Nach der Wahl akzeptiert Trump nicht, dass er nur die Mehrheit der Wahlmänner (Electoral Vote) erlangt hat, aber nicht die Mehrheit der Stimmen (Popular Vote). Dass Clinton beim Popular Vote fast drei Millionen Stimmen Vorsprung hat, diffamiert Trump wiederholt als „Betrug“, ohne sich um Belege zu kümmern. Er raunt einfach vor sich hin.

Auch bei der  Senatswahl 2018 im US-Staat Florida  schwadroniert Trump von Betrug, weil der republikanische Kandidat Scott und der demokratische Kandidat Nelson bei der Auszählung nahezu gleichauf liegen, ohne dass er auch nur konkrete Indizien vorlegt.

In Österreich sind die populistische FPÖ und ihre Anhängerschaft jeweils sehr rasch mit dem Vorwurf des Betrugs zur Hand. Dort gab es bei der Präsidentschaftswahl 2016 im ersten Durchgang der Stichwahl zwar formale Fehler,  aber keine Hinweise auf Wahlbetrug. Bereits nach der Wien-Wahl im Oktober 2015 vermuteten manche FPÖ-Wähler Wahlbetrug. Das kommt nicht von ungefähr. Populisten und damit auch die FPÖ sind geübt darin, sich als Opfer zu inszenieren.

Die Inszenierung als Opfer und das faktenfreie Raunen über Wahlbetrug bei drohenden Niederlagen ist selbstverständlich nicht das einzige Merkmal des Populismus.

Am besten erklärt und auf den Punkt gebracht hat dieses Phänomen meines Erachtens der Politologe Jan-Werner Müller in seinem Essay „Was ist Populismus“.

Danach glaubt ein Populist vor allem, dass er, und nur er das Volk vertritt. Ein Volk zudem, das als homogen fantasiert wird.

In meinem Buchshop stelle ich das Buch mit einer Besprechung vor:

Was ist Populismus? – Essay von Jan-Werner Müller

Und hier gibt’s eine Zusammenfassung des Buches von mir:

Was ist Populismus? Und was nicht?

Der Begriff “Populismus” wird ja in der politischen Auseinandersetzung immer wieder als Kampfbegriff missbraucht. Das ist bedauerlich, denn dadurch verliert der Begriff seine Erklärungskraft. Jan-Werner Müller gelingt es, nachvollziehbar verständlich zu machen, worin die Kernelemente des Populismus bestehen und weshalb sie für die Demokratie gefährlich sind.

Sind Edelkastanie und Rosskastanie verwandt?

Nein, Edelkastanie und Rosskastanie sind nicht verwandt und zeigen grosse Unterschiede. Hier dazu etwas mehr:

Edelkastanie (= Esskastanie, = Marroni; Castanea sativa)

Die Edelkastanie gehört zur Familie der Buchengewächse und gedeiht bei uns vor allem in den eher wärmeren Regionen, in der Schweiz natürlich insbesondere im Kanton Tessin. Die Früchte der Edelkastanie werden als Marroni geröstet und zu Vermicelles verarbeitet. Botanisch handelt es sich bei den Edelkastanien-Früchten um echte Nüsse.

Im Tessin war die Edelkastanie über Jahrhunderte hinweg ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Sie sind reich an Stärke und arm an Fett.

100 Gramm Edelkastanien enthalten nur 2 Gramm Fett, das einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren aufweist. Wegen dem tiefen Fettanteil liefern Edelkastanien im vergleich zu anderen Nüssen nur wenig Kalorien – etwas 200 Kilokalorien pro 100 Gramm. Edelkastanien sind sehr vielseitig in der Küche verwendbar. Da sie kein Gluten enthalten, sind sie auch für Menschen geeignet, die an einer Zöliakie leiden.

Edelkastanienblätter enthalten Gerbstoffe (hauptsächlich Ellagitannine) und Flavonoide. In der traditionellen Pflanzenheilkunde sollen sie manchenorts gegen Husten, zur Wundbehandlung und bei Durchfall eingesetzt worden sein. Fundiertere Erkenntnisse dazu gibt es meines Wissens allerdings nicht. Wegen den Gerbstoffen wäre eine Wirkung gegen Durchfall plausibel, doch gibt es vielen Heilpflanzen, die Gerbstoffe enthalten und zur Behandlung von Durchfall geeignet sind, zum Beispiel Tormentillwurzel (= Blutwurz) oder  Schwarztee. In der Phytotherapie-Fachliteratur kommt die Anwendung von Edelkastanienblättern nicht vor, weil dazu keine fundierten Erkenntnisse vorliegen.

Neue Laboruntersuchungen mit einem Extrakt aus Edelkastanienblättern belegen allerdings eine antibakterielle Wirksamkeit selbst gegen Staphylococcus aureus (MRSA-Bakterien). Der Artikel dazu wurde im Fachmagazin PLOS publiziert (Quelle: doi:10.1371/journal.pone.0136486). Es handelt sich allerdings um eine Laboruntersuchung. Die Bedeutung der Ergebnisse für die Welt ausserhalb des Reagenzglases ist umklar.

In der „Dr. Bach Blütentherapie“ wird die Edelkastanie als „Bachblüte Nr. 30  Sweet Chestnut“ eingesetzt, beispielsweise bei „tiefster Verzweiflung, Ausweglosigkeit und Seelenqual“, aber auch bei „akuter Hoffnungslosigkeit, äußerster Depression, extremen seelischen Leiden“ sowie bei „seelischem oder körperlichem Zusammenbruch“ (zusammengestellt aus der Bachblüten-Literatur).

Wie immer bei der Bach-Blütentherapie sind die Beschreibungen der Zustände, bei denen die Bachblüten eingesetzt werden hoch dramatisch, bildhaft und weitläufig, so dass viele Menschen sich an irgendeinem Punkt damit identifizieren können. Und wie immer bei der Bach-Blütentherapie gibt es für diese hochtrabenden Versprechungen keine Belege.

In der Homöopathie wird die Edelkastanie unter dem Namen Castanea vesca eingesetzt, das ist ein Synonym für Castanea sativa. Unter diesem Namen taucht die Edelkastanie im Homöopathischen Arzneibuch (HAB) auf und wird homöopathisch zum Beispiel bei Krampfhusten und Enddarmentzündungen eingesetzt. Belege für eine Wirksamkeit gibt es wie bei den anderen Homöopathika nicht.

 

Rosskastanie (Aesculus hippocastanum)

Die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) ist auf dem Balkan heimisch und wird in Mitteleuropa verbreitet angepflanzt – zum Beispiel in Parkanlagen und Biergärten.

Den Namen Rosskastanie bekam die Pflanze, weil die Rosskastaniensamen von den Osmanen als Pferdefutter und als Heilmittel gegen Pferdehusten mitgeführt wurden und so nach Mitteleuropa gelangten.

Rosskastaniensamen werden auch zur Winterfütterung von Rothirschen und Rehen verwendet. Die Rosskastanienblüten produzieren ausgiebig Nektar und Pollen und sind damit eine gute Bienenweide.

Rosskastaniensamen sind wie Edelkastanien reich an Stärke, eigenen sich aber nicht als Nahrungsmittel. Sie enthalten ein Gemisch aus Saponinen, das als Aescin bezeichnet wird. Diese Saponine verleihen den Rosskastaniensamen schäumende Eigenschaften. Extakte aus den Samen werden deshalb Shampoos und Waschmitteln zugesetzt.

Wegen dem Aescin-Gehalt sind Rosskastaniensamen in der Phytotherapie ein wichtiges Mittel zur Linderung von Stauungen (Ödeme) bei Venenschwäche (Veneninsuffizienz).

Zu diesem Zwecker werden Trockenextrakte aus Rosskastaniensamen oder reine Aescin-Präparate für die innerliche Einnahme hergestellt, zum Beispiel Aesculaforce / Aesculamed / Venostasin. Für diese Präparate gibt es Wirksamkeitsbelege durch klinische Studien.

Siehe dazu:

Rosskastanienextrakt als Venenmittel

Textsammlung zu Rosskastanie im Heilpflanzen-Infoportal

Venenerkrankungen: Wirksamkeit von Rosskastanienextrakt erneut bestätigt

Pharmawiki: Rosskastanienextrakt bei Venenleiden

Cochrane-Studie zu Rosskastanienextrakt bei Venenbeschwerden

In der Bach Blütentherapie wird die Rosskastanie als „Bachblüte Nr. 35 White Chestnut“ verwendet, unter anderem bei „Zwangsgedanken, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen“ sowie „Kopfschmerzen infolge geistiger Überbeanspruchung“

(Zusammenstellung aus Bach-Blüten-Literatur).

Hier gilt das gleiche wie bei der Edelkastanie:

Wie immer bei der Bach-Blütentherapie sind die Beschreibungen der Zustände, bei denen die Bachblüten eingesetzt werden, hoch dramatisch, bildhaft und weitläufig, so dass viele Menschen sich an irgendeinem Punkt damit identifizieren können.

Und wie immer bei der Bach-Blütentherapie gibt es für diese hochtrabenden Versprechungen keine Belege.

Bei der hier besprochenen Aesculus hippocastanum handelt es sich im übrigen um die Weissblühende Rosskastanie. In Parkanlagen ist auch die Fleischrote Rosskastanie anzutreffen (Aesculus × carnea). Sie ist eine Kreuzung zwischen der von der Balkanhalbinsel stammenden Gewöhnlichen Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) und der nordamerikanischen Roten Rosskastanie (Aesculus pavia).

In der Phytotherapie wird sie nicht verwendet.

In der Bach Blütentherapie wird Aesculus carnea als „Bachblüte Nr. 25 Red Chestnut“ eingesetzt, unter anderem bei  „übertriebenen Sorgen und Ängsten um andere“ sowie bei „übertriebener Fürsorglichkeit und neurotischem Mitleid“ und „selbstlose Sorgen und Kummer“.

Wie immer bei der Bach-Blütentherapie sind die Beschreibungen der Zustände, bei denen die Bachblüten eingesetzt werden, hoch dramatisch, bildhaft und weitläufig, so dass viele Menschen sich an irgendeinem Punkt damit identifizieren können.

Und wie immer bei der Bach-Blütentherapie gibt es für diese hochtrabenden Versprechungen keine Belege. Die Beschreibungen sind willkürlich und entstammen der Fantasie des Erfinders.

Wer fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Kaffee trocknet den Körper nicht aus

Immer noch zu hören ist die Ansicht, dass Kaffee, Grüntee und Schwarztee für die Flüssigkeitsbilanz nicht angerechnet werden dürfen, weil sie dem Organismus Wasser entziehen würden.

Dieser Gesundheitstipp ist jedoch schon seit einiger Zeit widerlegt. Zwar insbesondere Kaffee wegen seinem Gehalt an Koffein kurzfristig den Harndrang, über den Tag verteilt scheiden Kaffeetrinker jedoch ähnlich viel Flüssigkeit aus wie Nicht-Kaffeetrinker.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) schreibt:

“Kaffee sowie schwarzer und grüner Tee können in der Flüssigkeitsbilanz wie jedes andere Getränk behandelt werden.”

Etwa 1,5 Liter Flüssigkeit täglich gelten als ideal.

Quelle:

https://www.stern.de/gesundheit/krank-wegen-nasser-haare–zwoelf-gesundheitsmythen–die-sie-vergessen-koennen-7275258.html#ktg-0_slide-7

 

Kommentar & Ergänzung:

Kaffee bewirkt also keine „Austrocknung“.

Nach gegenwärtigem Stand des Wissens ist bei koffeinabstinenten Menschen nach Koffeinzufuhr zwar eine gewisse Reduktion des Gesamtkörperwassers festzustellen, doch tritt erhöhter Flüssigkeitsverlust nur einmalig auf, weil bei fortgesetzter, dauerhafter Koffeinzufuhr Ausgleichsmechanismen greifen.

Auf Wikipedia sind diese physiologischen Vorgänge so beschrieben:

“Eine Studie, in der man zwölf Probanden, die seit fünf Tagen koffeinabstinent gelebt hatten, über mehrere Tage jeweils zweimal drei Tassen Kaffee pro Tag (insgesamt 642 mg Koffein/Tag) zuführte, ergab nach 24 Stunden eine mittlere Abnahme des Körpergewichtes von 0,7 kg und eine Reduktion des Gesamtkörperwassers um 1,1 kg (gemessen mit Bio-Impedanz-Messung). Es kann jedoch nicht allein anhand der Gesamtkörperwassermenge eine Aussage über den Flüssigkeitsversorgungsstatus einer Person getroffen werden, da das Wasser wie in diesem Fall aus dem Extrazellularraum stammen kann. Bei fortgesetztem dauerhaftem Kaffeekonsum werden Kompensationsmechanismen, wie die Erhöhung des Plasmavasopressinspiegels und der Osmolalität des Urins, aktiv. Ein erhöhter Flüssigkeitsverlust infolge von Kaffee tritt demnach nur einmalig in Erscheinung.

Das im Kaffee enthaltene Coffein wirkt diuretisch. Wird Kaffee allerdings regelmäßig und in ähnlichen Mengen konsumiert, so besteht keine erhöhte Diurese oder Natriurese aufgrund des erhöhten Niveaus verschiedener Kompensationsmechanismen (Escape-Phänomen). Kaffee wird deshalb nach aktuellem Forschungsstand als Teil der Wasserzufuhr des Körpers betrachtet und kann in der Flüssigkeitsbilanz wie jedes andere Getränk behandelt werden.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kaffee#Entwässerung)

Diese Ausführungen lassen sich wohl weitgehend auch auf Grünteee und Schwarztee übertragen, die beide dem Organismus in der Regel weniger Koffein zuführen und das zudem auch langsamer tun.

Kaffee hat in der Phytotherapie keine Bedeutung, Schwarztee und Grüntee aber schon, allerdings vor allem wegen dem hohen Gehalt an Gerbstoffen und Antioxidantien (EGCG in Grüntee, Theaflavine im Schwarztee).

Wenn Sie fundiertes Wissen über Wirkstoffe in Heilpflanzen erwerben möchten, dann nhemen Sie am besten an einem meiner Lehrgänge Teil. Das Heilpflanzen-Seminar und vertiefter noch die Phytotherapie-Ausbildung geben einen guten Einblick in dieses faszinierende Thema.

Naturheilkunde: Bewährte Hausmittel für Kinder

Der österreichische „Kurier“ bricht eine Lanze für bewährte Hausmittel. Dabei kommt auch der Kinderarzt Karl Zwiauer zu Wort. Er ist Vorstand der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde im Universitätsklinikum St. Pölten:

„Mit dem Aufkommen der modernen Medizin – Stichwort Antibiotika – sind viele Hausmittel in Vergessenheit geraten. Jetzt gibt es eine gewisse Rückbesinnung.“

Als Beispiel erwähnt er warme Wickel (z. B. gegen Husten oder Halsschmerzen), welche die Durchblutung verbessern, Regenerationsprozesse anregen und die lokale Abwehr stärken. Da gehe es einem schnell besser. Früher hätten die Ärzte viel rascher Antibiotika verschrieben, heute sei man da konservativer. Der Kinderarzt weist aber auch auf die Grenzen der Hausmittel hin: Bessere sich ein schlechter Zustand von Säuglingen und Kleinkindern nicht innert eines Tages wesentlich, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Bei Heilpflanzen rät Zwiauer zu Präparaten in Arzneibuchqualität (erhältlich in Apotheken und Drogerien): „Da weiß man, was drinnen ist und kann sich auf die Wirkung verlassen.“

Quelle:

https://kurier.at/gesund/warum-jetzt-omas-heilwissen-wieder-in-ist/400309764

 

Kommentar & Ergänzung:

Sehr vernünftiges Statement.

Irgendwie scheint heute nämlich über weite Strecken das richtige Mass abhanden gekommen zu sein. Einerseits gibt es Eltern, die schon mit kleineren Beschwerden ihrer Kinder – zum Beispiel einer normalen Erkältung – überfordert sind und mit den Kleinen zum Arzt oder gleich ins Spital rennen. Ihnen würden wohl bessere Kenntnisse bewährter Hausmittel mehr eigenen Handlungsspielraum verschaffen und mehr Gesundheitskompetenz vermitteln. Andererseits gibt es gerade auch in Kreisen der Alternativmedizin Eltern, die den eigenen Methoden zuviel zutrauen und zu spät ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, wodurch immer wieder auch Kinder zu Tode kommen. Darum ist es wichtig, wie Zwiauer auch auf Grenzen der Selbstbehandlung hinzuweisen.

Ich bin auch mit dem Hinweis einverstanden, bei Heilpflanzen-Präparaten Arzneibuchqualität zu bevorzugen, weil damit ein gewisser Qualitätsstandard gewährleistet ist. Vor allem würde ich keine Heilkräuter und auch sonst keine Arzneimittel via Internet beziehen. Dort werden derart viele Fälschungen angeboten, dass die Sicherheit der Produkte nicht gewährleistet ist.

Eine fundierte Phytotherapie eignet sich im übrigen bestens, um verlorengegangenes Wissen über Hausmittel in erneuerter Form wieder aufzubauen.

Wer sich für fundiertes Heilpflanzen-Wissen für die Anwendung bei Kindern und Erwachsenen interessiert, dem empfehle ich meine Lehrgänge – das Heilpflanzen-Seminar und die Phytotherapie-Ausbildung.

 

 

Knoblauch wirksam bei Kreislauferkrankungen

In einem früheren Beitrag (hier) habe ich über die Wirksamkeit von Knoblauch als Vorbeugungsmittel gegen Erkältungen geschrieben. Dabei erwähnte ich auch, dass es zu diesem Anwendungbereich nur eine einzige qualitativ ernstzunehmende Studie gibt.

Sehr viel ausgiebiger untersucht ist die Wirkung von Knoblauch auf Herz und Gefäße.

Dazu liegen Laborexperimenten, Tierversuchen, klinischen Studien und großangelegte epidemiologische Analysen vor. Die FAZ hat gerade einen grossen Text zu Knoblauch publiziert und findet, die Resultate all dieser Knoblauch-Forschung seien „vergleichsweise dürftig“.

Die FAZ zitiert dazu aber noch Professor Edzard Ernst. Der deutsche Mediziner und (laut FAZ) „bekennende Knoblauchfan“ übernahm 1993 an der Universität Exeter den weltweit ersten Lehrstuhl für Alternativmedizin, machte sich in der Szene aber wegen seiner kritischen Herangehensweise wenig Freunde.

Ernst äussert sich meines Erachtens sehr differenziert und genau zu Knoblauch:

„Ich denke, man kann schon sagen, dass der regelmäßige Verzehr von Knoblauch oder entsprechenden Präparaten mehrere potentiell positive Effekte hat, die sich günstig auf Blutdruck, Gerinnung oder die Neigung zu Arteriosklerose auswirken. Jeder einzelne Effekt ist eher klein und nicht vergleichbar mit dem spezieller Medikamente. Statine senken den Cholesterinspiegel zum Beispiel wesentlich stärker. Aber in der Summe könnten die Effekte des Knoblauch für die Gesundheit des kardiovaskulären Systems durchaus relevant sein.“

Quelle:

http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/warum-ein-leben-ohne-knoblauch-kaum-vorstellbar-ist-15860141.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

 

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Zitat erfasst den Charakter der Knoblauch-Wirkung gut. Es gibt in jedem einzelnen Bereich stärker wirkende Medikamente, also stärkere Blutdrucksenker, stärkere Cholesterinsenker und stärkere Mittel zur Verbesserung der Blutfliesseigenschaften.

Professor Ernst sagt aber zu Recht, dass mehrere kleine Effekte in der Summe durchaus relevant für die Gesundheit werden können. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Multi-Target-Therapie.  Der renommierte Arzneipflanzenforscher Professor Hildebert Wagner hat diesen Ansatz genauer beschrieben.

Siehe dazu hier:

Phytotherapie – auf die Mischung kommt es an

Wer fundiertes Heilpflanzen-Wissen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling über Lüge und Wahrheit in der Politik

Man muss eine Lüge in der Politik nur ausreichend häufig verbreiten, dann erscheint sie vielen Menschen als Wahrheit.

Auf diesen Vorgang wies die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling in einer ARD-Sendung über die Wahlen in den USA hin:

„Je öfter man eine unwahre Aussage hört, desto mehr wird sie für das Gehirn zur Wahrheit“, sagte Wehling. Es gebe eine Art „Einschleifeffekt“, wodurch die Aussagen irgendwann vertraut klingen und das Gehirn entscheidet dann, dass sie so ganz falsch ja nicht sein könnten. Dieser Mechanismus lasse sich sogar implizit messen. Explizit könnten Menschen das indes häufig nicht benennen. Betroffene merken diesen Vorgang also oft nicht.

Die Wahrnehmung von Wahrheit verschiebt sich, ohne dass wir es zunächst erkennen.

Quelle:

https://www.deutschlandfunk.de/sprachwissenschaft-je-oefter-man-luegen-hoert-desto-mehr.2850.de.html?drn:news_id=943266

 

Kommentar & Ergänzung:

Lügen gab es schon immer in der Politik – so wie in anderen Bereichen des Lebens auch. Aber meistens ging es dabei darum, sich nicht beim Lügen erwischen zu lassen. Ertappte Lügner mussten mit dem Ende ihrer Karriere rechnen.

Das scheint sich gerade zu ändern. Populisten wie Trump, Putin, Erdogan, Boris Johnson etc. lügen vollkommen schamlos und schaffen damit quasi ihre eigene Realität – und sie kommen damit offenbar bei vielen Menschen durch. Werden sie mit ihren Lügen konfrontiert, diffamieren sie konsequent ihre Kritiker der Lüge. Den Ausdruck „Fake News“ hat Trumnp inzwischen zum Kampfbegriff umdefiniert, mit dem er alles und jeden  niederknüppelt, der seine Sichtweise in Frage stellt.

Das ist eine sehr gefährliche Entwicklung. Wenn Wahrheit und Lüge vollkommen verschwimmen, können Mächtige nicht mehr in Frage gestellt und zur Rechenschaft gezogen werden. Wer die wirksamere Propaganda hat, wird sich durchsetzen.

Natürlich gab und gibt es Lügen und Propaganda auch ausserhalt des Populismus. Aber es ist eine ganz andere Dreistigkeit des Lügens, die sich heute bei populistischen Politikern wie Trump zeigt.

Wenn Elisabeth Wehling sagt, dass eine Lüge als Wahrheit empfunden wird, wenn man sie genügend oft wiederholt, dann ist dieses Phänomen auch nicht neu. Und in Kriegszeiten hat auch schon früher Propaganda über Wahrheit dominiert.

Aber im digitalen Zeitalter haben Lügen grossen Vorsprung. Sie werden zum Beispiel über Plattformen wie Facebook und Twitter viel häufiger und schneller weiterverbreitet als wahre Textmeldungen. Für dieses massive Problem müssen wir gesellschaftliche Lösungen finden.

Hier gibt’s ein sehr informatives Buch dazu in meinem Buchshop:

„Postfaktisch“

Die neue Wirklichkeit in Zeiten von Bullshit, Fake News und Verschwörungstheorien, von Vincent F. Hendricks und Mads Vestergaard

Von Elisabeth Wehling finden Sie im Buchshop zudem ein sehr interessantes Buch zum Thema „Politisches Framing“.  Es deckt auf, wie Sprache sich auf unser Denken, unsere Wahrnehmung der Welt und unser Handeln auswirkt.

Zum Thema Wahrheit und Lüge habe ich hier einen Text publiziert:

Triumph der Meinung über Fakten, Wahrheit und Fachwissen – das kann nicht gut gehen.

Wir müssen dieses Problem gesellschaftlich lösen und dazu scheint es mir wichtig, dass sich Menschen, denen Demokratie und Rechtsstaat am Herzen liegen, in grosser Zahl organisieren. Das kann man natürlich in verschiedenen Organisationen. Vor kurzem wurde zum Beispiel „Courage Civil“ gegründet und macht mir einen guten Eindruck. Schauen Sie sich doch die Website mal an.

 

Zuviele ungeeignete Medikamente bei Pflegeheimbewohnern

Senioren in Pflegeeinrichtungen bekommen oft für sie ungeeignete Arzneimittel oder Arzneimittel-Kombinationen. Das haben Rechtsmediziner entdeckt, die verstorbene Bewohner dieser Einrichtungen für eine Studie obduziert haben.

Betagte Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen leiden häufig gleich an mehreren Krankheiten und müssen darum verschiedene Arzneimittel einnehmen. Eine solche Medikation braucht aufmerksame Planung, denn es kann rasch zu Wechselwirkungen der verschiedenen Wirkstoffe kommen. Darüber hinaus sind einige Medikamente generell nicht für sehr alte Menschen geeignet: Sie stehen deshalb auf der sogenannten Priscus-Liste.

Nicht alle Pflegeinstitutionen prüfen aber die Medikation ihrer Bewohner sorgfältig genug. Das konnte eine Wissenschaftlergruppe am Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigen. Die Mediziner obduzierten 100 Bewohner von Altenheimen, die auch dort verstorben waren. Urin, Blut und Haare der Toten wurden in einem forensisch-toxikologischen Labor auf Medikamentenrückstände untersucht.

Sie wollten herausfinden, ob und wie oft die Verstorbenen für sie ungeeignete Medikamente eingenommen hatten, ob Medikamente überdosiert oder als freiheitsentziehende Maßnahme genutzt, also Patienten damit »ruhiggestellt« wurden.

Die Wissenschaftler untersuchten aber auch, ob die Gabe von Medikamenten gar für Todesfälle verantwortlich war.

Die Studie wird erst im Jahr 2019 abgeschlossen, doch die Forscher um Sabine Gleich haben nun schon erste Resultate publiziert. Demnach nahmen die untersuchten 100 Toten durchschnittlich 5 Medikamente ein. Der höchste Wert bei einem Bewohner waren 12 unterschiedliche Präparate.

Beinahe jeder zweite Bewohner (47 Prozent) nahm Antipsychotika, jeder dritte (30 Prozent) Antidepressiva.

Ein Viertel der verstorbenen Bewohnerinnen und Bewohner  (22 Prozent) hatte Hypnotika oder Sedativa eingenommen – eine Arzneimittelgruppe, die genäss Priscus-Liste für dieses Lebensalter kontraindiziert ist.

Die Studienautoren schreiben, dass die Medikamentenkombinationen in mehreren Fällen nicht den Leitlinien der Fachgesellschaften zu entsprechen scheinen. Sie fanden Hinweise auf eine gleichzeitige Verordnung mehrerer Opioidanalgetika sowie mehrerer oder langwirksamer Hypnotika. Auch hatten zahlreiche Bewohner verschiedene zentralnervös wirksame Substanzen eingenommen, was immer mit einem hohen Risiko für Nebenwirkungen und Interaktionen verbunden ist.

Bei den Antipsychotika waren die beiden am häufigsten gefundenen Substanzen Pipamperon und Risperidon, bei den Antidepressiva Mirtazapin und Citalopram, bei den Opioidanalgetika Tilidin und Fentanyl. Hatten die Verstorbenen Hypnotika eingenommen, dann besonders häufig Lorazepam oder Oxazepam. Bei den Antikonvulsiva lagen Pregabalin und Gabapentin an der Spitze.

Die Wissenschaftler werten zurzeit noch zusätzliche Details anhand von weiteren Blut- und Haarproben aus und analysieren die Medikationspläne der obduzierten Patienten. Für das kommende Jahr planen sie eine ausführliche Fachpublikation.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/zu-viele-ungeeignete-medikamente/

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Medikation bei älteren Menschen ist oft anspruchsvoll, insbesondere wenn mehrere Erkrankungen gleichzeitig vorliegen. Je höher dann die Zahl der verordneten Medikamente, desto schwieriger wird es, die potentiellen Wechselwirkungen zu überblicken.

Die Mitteilung der Forscher aus München bestätigt den Eindruck, dass hier nicht immer alles otimal läuft und oft zuviel verordnet wird. Wir können also gespannt sein auf den vollständigen Forschungsbericht.

Zur erwähnten Priscus-Liste:

Die im Herbst 2010 eingeführte Priscus-Liste kann Ärzten und Apothekern bei einer seniorengerechten Auswahl von Medikamenten helfen. Die Priscus-Liste umfasst 83 Wirkstoffe, die als potenziell ungeeignet für geriatrische Patienten gelten.

Alternativ verweist die Priscus-Liste auch auf Phytopahrmaka.

Bei Schlafstörungen schlägt sie alternativ hoch dosierte Baldrianpräparate oder nichtmedikamentöse Therapie (Schlafhygiene) vor.

Siehe dazu:

Schlafstörungen: Senioren profitieren von pflanzlichen Schlafhilfen

Baldrian als verträgliche Schlafhilfe für Senioren bestätigt

Eine Erläuterung zum Sinn und Zweck der Priscus-Liste finden sie hier:

Priscus Erläuterung

Zur Priscus-Liste direkt geht’s hier:

Priscus-Liste

P.S.:

Phytopharmaka bzw. Heilpflanzen-Anwendungen sind im Pflegeheim in gewissen Situationen eine prüfenswerte Option – für Pflegefachleute, aber auch für Personen aus Medizin und Naturheilkunde biete ich mit der Phytotherapie-Ausbildung einen fundierten Lehrgang an, um professionelles Wissen in diesem Bereich zu erwerben.