Desinformation statt Information im Umgang mit Heilpflanzen

Cäcilia Brendieck-Worm hat in der Zeitschrift für Phytotherapie (Nr. 5 / 2018) einen interessanten Text publiziert unter dem Titel:

„Phytos im Aufwind: Der Medien-Hype und seine Folgen für die Phytotherapie“

Die Autorin befasst sich darin mit der Frage, wie Fachleute in der Phytotherapie mit dem Medien-Hype umgehen sollen, der immer wieder um Heilpflanzen und Heilpflanzen-Präparate entfacht wird.

Zitat:

„Seit den Anfängen hat sich viel geändert. Sprach man vor 25 Jahren kaum über pflanzliche Heilmittel, begegnet man heute täglich Anpreisungen von Heilpflanzen, sei es in Lebens- und Genussmitteln, in Tiernahrung, Pflegemitteln oder Kosmetika. Es ist ein regelrechter Heilpflanzen-Hype entstanden. Pflanzen werden zu Wunderdrogen. Derartige Tendenzen gab es schon sehr viel früher, z. B. beim Theriak.

Doc Google ist allgegenwärtig. Da kommen exotische Beeren und Kräuter geradezu in Mode, es wird große Propaganda für sie gemacht. Fakten werden aus dem Zusammenhang genommen und verallgemeinert. Es spielt keine Rolle, ob die angepriesenen Wirkungen in der Petrischale, beim Mäuseversuch oder bei der Anwendung am Hund festgestellt wurden. So wird aus Information Desinformation. Aus gesundheitsförderlichen Pflanzen wird Superfood, werden Wunderdrogen, die als Universalheilmittel missverstanden werden. Da sind Lüge und Betrug oft nicht mehr weit.

Man fragt sich, ob das derzeitige Szenario um heilkräftige Pflanzen so etwas wie eine „Phyto-Blase“ sein könnte, die platzen und die Pflanzen wieder in die Bedeutungslosigkeit zurückfallenlassen könnte, weil die irrationalen Erwartungen gar nicht erfüllbar sind.“

Kommentar & Ergänzung:

Pflanzliche Wundermittel kommen in Wellen. Mal ist es Schwedenbitter, mal Aloe vera, mal Zistrose, mal Chia-Samen…, die plötzlich als Heilmittel gegen nahezu alle Krankheiten hochgejubelt werden, und dann, wenn sie gewöhnlich geworden sind, wieder langsam in Vergessenheit geraten und durch neue Wundermittel abgelöst werden.

Meistens preschen dabei die Vermarktung und die Versprechungen mit Hochgeschwindigkeit davon, während die Klärung der offenen Fragen manchmal Jahre hinterher hinkt.

Fachleute der Phytotherapie sollten nicht unbesehen auf solche Wellen aufspringen, sondern ausdauernd auf der Klärung offener Fragen bestehen und einen Beitrag leisten zur Einordnung der betreffenden Heilpflanzen in den Wissensbereich der Phytotherapie.

Lehrende in der Phytotherapie stehen in der Verantwortung, Studierende zu befähigen, solche Versprechungen gründlich zu prüfen und dabei die Spreu vom Weizen zu trennen.

Das bedeutet auch, Grenzen aufzuzeigen und Schwachstellen in den Anpreisungen zu benennen.

So sehe ich jedenfalls meine Aufgabe als Leiter von Phytotherapie-Lehrgängen.

Wenn Sie an einem differenzierten Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen interessiert sind, das Möglichkeiten und Grenzen der Phytotherapie aufzeigt, dann empfehle ich Ihnen meine Lehrgänge, das Heilpflanzen-Seminar oder die Phytotherapie-Ausbildung.

[Buchtipp] „Bullshit-Resistenz“ von Philipp Hübl

Verlagsbeschreibung

Im Zeitalter der digitalen Medien sind wir konfrontiert mit Lügen, Fake News und Verschwörungstheorien: Bullshit ist überall. Der Begriff steht für all das, was falsch, irreführend oder einfach so dahergesagt ist. Mit der viralen Verbreitung von Bullshit, vor allem in den sozialen Netzen, gerät die Demokratie in Gefahr. Philipp Hübl erklärt, inwiefern uns Stammesverhalten und unkritisches Denken für Bullshit anfällig machen und warum uns die Fakten nicht egal sein dürfen. Er zeigt auf, wie wir resistenter, also widerstandsfähiger werden können, um uns zu schützen. Bullshit-Resistenz in der Tradition der Aufklärung bedeutet: “Die Verantwortung für die Wahrheit liegt bei jedem Einzelnen selbst.” Zum Shop

Zum Autor Philipp Hübl

Philipp Hübl ist Philosoph und Autor. Er war Juniorprofessor an der Universität Stuttgart und hat zuvor an der RWTH Aachen und der Humboldt-Universität Berlin gelehrt. Hübl studierte Philosophie und Sprachwissenschaft in Berlin, Berkeley, New York und Oxford. Er schreibt über gesellschaftliche und politische Themen, beispielsweise für DIE ZEIT, FAZ, taz und NZZ. Im “Philosophie Magazin” erscheint seine Kolumne “Hübls Aufklärung”. Als Buchautor veröffentlichte er u. a. “Folge dem weißen Kaninchen … in die Welt der Philosophie” (2012).

Kommentar von Martin Koradi

„Bullshit-Resistenz ist eine Kardinaltugend für das 21. Jahrhundert“, schreibt Philipp Hübl als allerletzten Satz seines Buches. Und damit hat er meines Erachtens Recht.

Warum Bullshit-Resistenz so wichtig ist, fasst der Autor in folgendem Abschnitt zusammen:

„Ein Grossteil der aufgeklärten Gesellschaft wehrt  sich gegen Bullshit: gegen Fake News, Verschwörungstheorien und den Fakten-fernen Denkstil in der Politik. Das zeigt, dass wir Unwahrheit als Problem ansehen, oder anders gesagt: dass uns die Wahrheit am Herzen liegt. Gäbe es keinen Unterschied zwischen Tatsachenbehauptungen und Lügen, dann könnten wir nicht mehr über Arbeitslosenzahlen, Wirtschaftswachstum oder die Einkommensverteilung sprechen, geschweige denn über Gerechtigkeit und über Massnahmen, um die Zustände zu verbessern. Dann gäbe es auch keine Politik mehr.“

Bullshit gab es schon immer. Hübl zeigt auf, weshalb das Problem heute virulenter geworden ist:

„Durch die digitalen Medien haben Lüge und andere Arten von Bullshit neue Dimensionen erlangt. Sie sind einfach zu produzieren und zu reproduzieren, haben im Prinzip ewig Bestand  und sind nicht mehr blos auf das persönliche Umfeld beschränkt, sondern verbreiten sich schnell und vor allem exponentiell. Die digitalen Medien haben das Lügen zudem verführerisch leicht gemacht. Im Schutz von Distanz und Anonymität sinkt die Hemmschwelle, Bullshit zu erzeugen oder weiterzuleiten, vor allem weil die Täter selten unmittelbare oder langfristige Konsequenzen fürchten müssen.“

Philipp Hübl zeigt gut verständlich auf, welche Denkfehler uns für Bullshit anfällig machen und was wir vorkehren und lernen müssen, um gegen Bullshit resistenter zu werden. Dabei setzt er auf die Verantwortung des einzelnen Menschen:

„Meine These lautet: Die Verantwortung für die Wahrheit liegt bei jedem Einzelnen. Um die Demokratie und uns selbst  vor Busshit zu schützen, müssen wir selbst resistenter, also widerstandsfähiger zu werden. Die dafür benötigte Bullshit-Resistenz  bedeutet nicht nur, dass wir uns vor Fake News und anderem Unfug schützen, sondern auch, dass wir uns selbst davor bewahren, zum Lügner, Bullshiter oder Trottel zu werden. Insofern steht Bullshit-Resistanz in der Tradition der Aufklärung.“

Indem er die Verantwortung ganz beim Einzelnen sieht, positioniert sich Hübl auch kritisch zu staatlichen Massnahmen gegen Bullshit und Fake News. Er sieht darin Risiken, die nicht von der Hand zu weisen sind. Wenn staatliche Instanzen oder monopolistische Social-Media-Konzerne entscheiden sollen, was Lügen, Falschnachrichten oder Wahrheiten sind, stecken darin potenzielle Risiken für Machtmissbrauch.

Allerdings ist Philipp Hübl meiner Ansicht nach zu optimistisch, wenn er die Verantwortung ausschliesslich beim Einzelnen sieht.

Falschinformationen, Desinformation und Propaganda sind eine grosse Herausforderung für demokratische Gesellschaftssysteme. Die Verteidigung gegen solche Angriffe ausschliesslich der Verantwortung der Einzelnen zu überlassen, würde einen sehr hohen Stand an politischer Bildung und an Medienkompetenz in der Bevölkerung voraussetzen. Es scheint mir fraglich, ob dies in einer weitgehend entpolitisierten Bevölkerung erreichbar ist.

Wenn die Verantwortung ausschliesslich bei den einzelnen Menschen liegt müssten wir das Ideal einer redaktionellen Gesellschaft erreichen, wie es der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen in seinem Buch „Die grosse Gereiztheit“ beschreibt. Nach seiner Vorstellung müssten die Grundfragen des Journalismus nach der Glaubwürdigkeit und Relevanz von Information zu einem Element der Allgemeinbildung werden. Jeder Bürger und jede Bürgerin müsste die Kompetenzen erwerben, um Informationen auf ihre Richtigkeit oder Falschheit hin zu überprüfen. Das scheint mir als Ziel zwar sinnvoll, aber wohl kaum voll erreichbar. Schon gar nicht in Staaten mit tiefem Bildungsniveau und desolater Medienlandschaft wie Myanmar, wo Desinformation via Facebook zu systematischen Massakern an der Rohingya-Minderheit geführt hat.

Aber auch in Europa lässt die tiefgreifende Medienkrise daran zweifeln, ob ein Appell an die Verantwortung des Einzelnen ausreicht, um den Desinformationen und Falschmeldungen etwas entgegen zu setzen.

Es wird daher meines Erachtens nötig sein, die sogenannten „Sozialen Medien“ und den Staat in die Verantwortung einzubinden, wobei nach Lösungen zu suchen ist, die das Risiko für Machtmissbrauch begrenzen:

Es ist zu prüfen, ob Facebook, Google und Twitter dem Presserecht unterstellt werden können, wie es zum Beispiel Corinna Milborn & Markus Breitenecker in ihrem Buch fordern („Chance the Games“ – Wie wir uns das Netz von Facebook und Google zurückerobern).

Der Staat kann und soll optimale Bedingungen schaffen für unabhängige Medien – sowohl zeitgemässe Service-public-Medien als auch Privatmedien. Und er kann und soll in politische Bildung und Medienkompetenz investieren.

Hier ausführlichere Texte von mir zum Thema:

Triumph der Meinung über Fakten, Wahrheit und Fachwissen – das kann nicht gut gehen!

Wie Medien via Aufmerksamkeitsfalle den Populismus fördern     (zur Medienkrise)

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

 

P. S.: Bullshit-Resistenz braucht’s nicht nur in der Politik. Bullshit gibt’s überall. Die Versprechungen der Kosmetik-Industrie beispielsweise sind weitgehend Bullshit. Aber auch im Bereich der Alternativmedizin und Naturheilkunde ist es eine grosse Herausforderung, reele Aussagen von Bullshit zu unterscheiden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

Hausmittel: Heilpflanzen bei Erkältung & Husten

Das Magazin „Stern“ empfiehlt in einem Beitrag Hausmittel bzw. Heilpflanzen bei Erkältung und Husten. Der Artikel ist ein gutes Beispiel für Halb-Richtigkeiten und daher lehrreich.

Schauen wir uns die Empfehlung als phytotherapeutischer Sicht mal genauer an (Zitate aus dem Artikel kursiv):

„Manche Pflanzen entfalten ihre Wirkung am besten, wenn man einen Tee daraus zubereitet. Trockenen Husten lindern Königskerze oder Isländisches Moos, Thymian oder Efeu, Eibisch oder Huflattich. Hat sich der Husten festgesetzt, lässt er sich mit Wiesenschlüsselblume, Waldschlüsselblume, Pimpinelle, Anis oder Seifenkraut lösen.“

Kommentar:

Hier wird der löbliche Versuch gemacht, in der Behandlung zwischen  verschiedenen Hustenstadien zu unterscheiden:  „Trockener Husten“ und „festgesetzter Husten“. Letzteres ist unpräzis ausgedrückt. Es müsste wohl statt von „festgesetztem Husten“ von festgesetztem Schleim die Rede sein, dann wird es klarer, was gemeint ist, nämlich „Husten mit Auswurf“ oder „produktiver Husten“.

– Beim trockenen Husten fehlt hier meines Erachtens Malvenblüte, während Thymian wegen seinem auswurffördernden ätherischen Thymianöl eher zum produktiven Husten gehört, dort aber besser als Inhalation angewendet wird. Huflattich enthält toxische Pyrrolidinalkaloide und sollte besser durch risikolose Schleimpflanzen ersetzt werden (wie zum Beispiel Malvenblüten). Efeublätter sind nicht wie empfohlen zur Teezubereitung geeignet. Sie brauchen eine genaue Einstellung der Wirkstoffmenge. Das lässt sich nur mit einem Extraktpräparat erreichen (z. B. Prospan). Bei Eibisch ist wohl die Eibischwurzel gemeint. Dann ist es wichtig anzufügen, dass zur Teezubereitung ein Kaltauszug vorzuziehen ist.

– Beim produktiven Husten wäre darauf hinzuweisen, dass bei der Schlüsselblume die Schlüsselblumenwurzel wirksamer ist als die Schlüsselblumenblüte. Bei Seifenkraut musste ebenfalls die Wurzel zur Anwendung kommen. Seifenkraut ist aber sehr unüblich als Heilpflanze gegen Husten. Anisfrüchte wirken auswurffördernd, man muss sie aber vor der Teezubereitung zerquetschen. Thymian gehört auch zum produktiven Husten.

Bei „Pimpinelle“ ist unklar, welche Pflanze damit gemeint ist: Bibernellwurzel (von Pimpinella major und Pimpinella saxifraga), eine traditionelle Hustenpflanze, oder der umgangssprachlich oft als Pimpinelle bezeichnete Kleine Wiesenknopf (Sanguisorba minor), der eher in der Wildkräuterküche verwendet wird.

Hier ein weiteres Zitat:

„Wirkstoffe aus Mädesüßblüten und Weidenrinde lindern Schmerzen, hemmen Entzündungen und senken das Fieber. Speziell gegen Fieber wirken auch Tees aus Holunderblüten, Lindenblüten oder Chinarinde. Und bei einer Nebenhöhlenentzündung haben Sie eine große Auswahl an pflanzlichen Mitteln zur Auswahl: Schlüsselblume, schwarzer Holunder, Efeu, Kamille, Thymian, Eukalyptus, Fichtennadel.“

 

Kommentar:

Mädesüss und Weidenrinde enthalten beide Salicylsäureabkömmlinge, die potenziell schmerzlindernd und fiebersenkend wirken. Der Gehalt ist bei Weidenrinde sehr viel höher als bei Mädesüss. Zur Entzündungshemmung reicht der Gehalt im Mädesüss deshalb nicht aus und gegen Schmerzen und Fieber ist er auch zu knapp.

Holunderblüten und Lindenblüten gelten traditionell als schweisstreibend und damit als fiebersenkend. Ob das so zutrifft, ist ungeklärt.

Dass Chinarinde (Cinchona pubescens) fiebersenkend wirken soll, ist schlicht falsch. Sie wird angewendet bei Appetitlosigkeit, Blähungen und anderen Verdauungsstörungen.

Chinarinde kann die Blutungsneigung steigern, indem sie die Anzahl der Blutplättchen reduziert. Sie kann daher als Interaktion die Wirkung von blutgerinnungshemmenden Medikamenten verstärken. Schwangerschaft sowie Magen- und Darmgeschwüre gelten als Kontraindikationen für Chinarinde.  

Die Aufzählung der pflanzlichen Mittel bei Nebenhöhlenentzündung ist willkürlich. Schlüsselblume und Schwarzer Holunder werden hier wohl aufgeführt, weil sie Bestandteil des Phytopharmakons „Sinupret“ sind. Als Tee sind sie bei Nebenhöhlenentzündung unüblich und die Wirkung ist ausgesprochen fraglich. Efeu wird als Extrakt aus den Blättern (zum Beispiel als Prospan) gegen Husten eingesetzt und wirkt krampflösend und auswurfördernd auf die Bronchien. Sehr unüblich bei Nebenhöhlenentzündung.

Bei Kamille, Thymian, Eukalyptus und Fichtennadel müsste erwähnt werden, dass die Anwendung bei Nebenhöhlenentzündung nur inhalativ sinnvoll und un nur, wenn die Nasenwege frei sind. Kamillenblüten wirken dabei entzündungswidrig. Thymian, Eukalyptus und Fichtennadel wirken auswurffördernd und antimikrobiell, sie werden sinnvollerweise als Thymianöl, Eukalyptusöl und Fichtennadelöl inhaliert.  Durch Fichtennadelöl können Bronchospasmen verstärkt werden, weshalb es nicht bei Asthma bronchiale und Keuchhusten angewendet werden sollte.

Es gibt also durchaus interessante Möglichkeiten zur Behandlung von Erkältungen mit Heilpflanzen, aber es braucht dazu mehr Präzision, als dieser Beitrag des „Sterns“ liefert.

Falls Sie fundierte Kenntnisse der Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchten, können Sie das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

 

Europäische Werte verteidigen

Susan Neiman schreibt zu diesem Thema:

„Europa kann ein Beispiel dafür geben, wie kulturelle Vielfalt mit politischer Einheit zusammenkommt – nämlich dann, wenn Europa seine eigenen Ideale (wieder)entdeckten würde. Für viele Europäer ist Europa heute nur ein Binnenmarkt, betrieben von einer Bürokratie in Brüssel, die selbst wiederum von einer neoliberalen Wirtschaft bestimmt wird. Zu einer Zeit, wo man täglich über das Ende der EU spekuliert, kann es tollkühn erscheinen, Europa zu preisen. Doch Aussenseiter sehen manches deutlicher als die Europäer selbst. Für sie bleibt Europa trotz aller Schwierigkeiten nicht nur ein Ort, wo hundertjährige Kriege durch friedliche Verhandlungen ersetzt wurden, sondern auch ein Ort, wo die Ideale einer sozialen Solidarität lebendig praktiziert werden: wo medizinische Versorgung, Wohnen und Bildung nicht nur als Güter, sondern als Rechte verstanden werden. Für Menschen von Dakar bis Dallas ist Europa ein Ort, wo Rechtsstaatlichkeit in hohem Mass herrscht und Gleichheit vor dem Gesetz anerkannt wird.

Jeder, der Zeitung liest, weiss aber auch, wie oft Europa seine eigenen Ideale verletzt. Es liegt an den Bürgern Europas selbst, darauf zu bestehen, dass Europa seinen besten Qualitäten treu bleibt. Zunächst müssen die Bürger erkennen, dass kein anderer Ort der Welt so viel für demokratische, ja, sozialdemokratische Werte tut wie dieses oft so beschimpfte Europa.  Identitäten werden auf Traditionen aufgebaut, die von Musik über Feste bis hin zu Idealen reichen. Europa darf nicht mehr verstanden werden als etwas, das wir nur ertragen, sondern als etwas, das wir aktiv anstreben.“

Zitat aus:

Widerstand der Vernunft, Ein Manifest in postfaktischen Zeiten. Ecowin Verlag 2017

Das kleine und gut lesbare Buch kann in meinem Buchshop angeschaut und dort via Buchhaus bestellt werden (hier).

Die Philosophin Susan Neiman wurde 1955 in Atlanta, USA, geboren und ist Direktorin des Einstein Forums in Potsdam. Sie weist meines Erachtens zu Recht auf die Bedeutung europäischer Werte hin. Nur scheinen diese Werte vielen Europäerinnen und Europäern gar nicht bekannt zu sein. Wie sollen sie diese dann verteidigen und einfordern gegen innen – zum Beispiel gegenüber Angriffen von Populisten und Extremisten aller Art, aber auch gegenüber manchen Massnahmen der eigenen Regierungen – und gegen aussen – zum Beispiel gegen Autokratien? Und natürlich basiert auch die Schweiz auf den von Neiman postulierten europäischen Werten.

Der Wert eines funktionierenden Rechtsstaates und einer von der Regierung unabhängigen Verwaltung beispielsweise kann vielleicht nur jemand wirklich erfassen und schätzen, der ohne diese europäische Errungenschaft auskommen muss. Dass Populismus den Rechtsstaat gefährdet oder gar demontiert, sieht man in Ungarn, in Polen, in den USA, und in Ansätzen sogar in der Schweiz.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

 

Warum Lavendelöl beruhigend wirkt

Lavendel wird seit Hunderten Jahren als Heilmittel gegen Einschlafstörungen und Unruhe verwendet. Mittlerweile wurden Wirkungen von Lavendelöl auch in medizinischen Studien bestätigt, das z.B. bei Angststörungen.

Doch wie die Wirkung von Lavendelöl zustande kommt, ist noch weitgehend unerforscht. Experimente an Mäusen zeigen nun überraschende Ähnlichkeiten zu Medikamenten auf.

Wissenschaftler um Hideki Kashiwadani von der Kagoshima Universität in Japan schreiben in einer Studie, dass Lavendel bzw. seine wirksamen Bestandteile vielleicht eine ungefährliche oder zumindest harmlosere Alternative zu angstlösenden Medikamenten werden könnten, zum Beispiel aus der Gruppe der Benzodiazepine, die zwar hochwirksam sind, jedoch auch sehr leicht abhängig machen. 

Ihre Wirksamkeit verdankt die Pflanze wahrscheinlich hauptsächlich dem ätherischen Lavendelöl mit seinem Hauptbestandteil Linalool. Wie genau diese Stoffe wirken bzw. an welche Rezeptoren sie andocken, ist gemäss den Studienautoren bis jetzt noch nicht untersucht worden.

Die Wirkstoffe könnten aus der Luft ins Blut gelangen und von dort ins Gehirn, wo sie dann an dieselben Rezeptoren binden wie Benzodiazepine. Die Mäuseversuche des Teams zeigten nun, dass wohl der Geruch von Linalool entscheidend ist. Der Dampf stimulierte in den Untersuchungen geruchssensible Nervenzellen in der Nase der Tiere und führte so zur Entspannung. Bei geruchsblinden Mäusen – denen die entsprechenden Nervenzellen fehlten – trat die Wirkung nämlich nicht ein.

Die Wirkstoffe könnten jedoch auch wirken, indem sie geschluckt oder injiziert werden, und danach der Geruch beim Ausatmen in die Nase steigt.

Wie der Wirkstoff am besten eingesetzt wird, muss noch untersucht werden, bevor er systematisch an Menschen getestet wird. Die Wissenschaftler sehen jedenfalls zahlreiche praktische Anwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel vor Narkosen, um den präoperativen Stress zu lindern. Die Inhalations-Variante wäre zudem praktisch für Menschen, die Schwierigkeiten beim Schlucken haben, beispielsweise Kinder und ältere Menschen.

Linalool aus Lavendelöl macht Mäuse mutiger

Was wurde genau untersucht?

Die Forscher der Kagoshima Universität untersuchten die Wirkung von Linalool, dem wahrscheinlichen Auslöser der beruhigenden Wirkung, in zwei verschiedenen Standard-Tests an Mäusen. Beim Hell-Dunkel-Box-Test ist ein Teil des Käfigs hell erleuchtet. Die nachtaktiven Tiere meiden die Helligkeit, sind jedoch gleichzeitig auch neugierig. Unter Anxiolytika (angstlösenden Medikamenten) überwinden sie ihre Lichtscheu und die Zeit, die sie dann im hellen Teil des Käfigs verbringen, ist ein Maß für den angstlösenden Effekts des jeweiligen Wirkstoffs.

Bevor die Mäuse getestet wurden, bedampften die Wissenschaftler sie eine halbe Stunde lang in einer Geruchskammer mit Linalool. Je mehr Linalool die Tiere geschnuppert hatten, umso größer war anschliessend ihre Bereitschaft, sich im Hellen zu bewegen. Ähnliche Wirkungen zeigten sich auch in dem anderen Standard-Test, dem Elevated-Plus-Maze-Test. Dabeiwird beobachtet, wie stark die Tiere ihre Höhenangst überwinden können. Auch in diesem Test wurden die Mäuse durch den Linalool-Duft mutiger.

In einem dritten Test zeigte sich, dass die Aromatherapie mit Linalool die Koordination und der Gleichgewichtssinn der Tiere nicht störte, ein Anzeichen dafür, dass die Behandlung möglicherweise keine sedierenden Nebenwirkungen hat – im Unterschied zu einer Behandlung mit Benzodiazepinen.

Ohne Geruchssinn geht mit Linalool nichts

Die entspannende Wirkung von Linalool konnte schon in zahlreichen Studien belegt werden, schreibt Co-Autor Hideki Kashiwadani von der Universität Kagoshima. In diesen Untersuchungen sei es aber in der Regel nicht um die Wirkorte von Linalool gegangen. Die japanischen Forscher konnten nun mit ihren Experimenten belegen, dass die Wirkung an den Geruchssinn gebunden ist. Bei Mäusen mit fehlendem Geruchssinn zeigte die Aromatherapie keinen Effekt.

Die Forscher kamen auch dem möglichen Wirkmechanismus auf die Spur. Die angstlösende Wirkung von Linalool konnte durch Gabe von Flumazenil aufgehoben werden. Der Benzodiazepin-Antagonist wird in der Anästhesie als Gegenmittel bei Überdosierungen oder zur schnellen Beendigung einer Narkose eingesetzt. Hieraus schlossen die Wissenschaftler, dass Linalool seine Wirkung über den gleichen GABA-ergen Rezeptor erzielt wie Diazepam und andere Benzodiazepine.

Bislang hätten viele angenommen, dass die Absorption von Linalool über die Atemwege ins Blut zu direkten Effekten an Hirnzell-Rezeptoren, wie dem GABA-A-Rezeptor führt, erläutert Kashiwadani und fährt fort: „Unsere Ergebnisse zeigen jedoch insgesamt, dass Linalool nicht direkt an den Rezeptoren angreift, sondern dass es diese über olfaktorische Neuronen in der Nase aktivieren muss, um die spannungslösende Wirkung zu erzielen.“

Für die japanischen Forscher ist diese Entdeckung ein Schlüsselschritt hin zur Erprobung der klinischen Anwendung am Menschen. Sie könnten sich vorstellen, dass verdampftes Linalool in einigen Einsatzgebieten eine sicherere Alternative zu anderen Anxiolytika sein könnte, beispielsweise in der Chirurgie zur Linderung von präoperativem Stress oder auch bei Patienten, die mit der oralen oder rektalen Anwendung von angstlösenden Mitteln Probleme hätten, wie etwa Kleinkinder oder verwirrte ältere Personen.

Quelle:

https://science.orf.at/stories/2943219/

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/11/01/entspannt-und-mutig-durch-lavendel

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnbeh.2018.00241/full

Die Studie

„Linalool odor-induced anxiolytic effectsin mice“, Frontiers in Behavioral Neuroscience (23.10.2018).

 

Kommentar & Ergänzung:

Natürlich ist bei Untersuchungen mit Tieren immer der Vorbehalt zu machen, dass die Ergebnisse nicht so ohne weiteres auf Menschen übertragen werden können.

Resultate aus klinischen Studien an Patienten sind daher abzuwarten, bis die Wirksamkeit bei Menschen beurteilt werden kann. Solche Studien werden aber wohl mit mindestens zwei Schwierigkeiten zu kämpfen haben:

  1. Da Linalool als Naturstoff nicht patentierbar ist, wird sich nicht so leicht eine Firma finden, die den hohen finanziellen Aufwand für klinische Forschung investiert. Und dass die Universität selber dafür die Mittel aufbringen kann, ist eher unwahrscheinlich.
  2. Bei klinischen Studien mit ätherischen Ölen ist es grundsätzlich schwierig, eine verblindete Placebo-Kontrollgruppe zu machen. Wie soll ein Placebo hergestellt werden, dass genauso riecht wie Linalool, aber kein Linalool ist? Bei irgendwelchen Tabletten ist es einfach, eine wirkstoffreie Kopie herzustellen. Bei einem ätherischen Öl ist es praktisch nicht möglich. Diese fehlende oder unvollständige Verblindung wird einer solchen Studie als Schwachpunkt ausgelegt werden.

 

Darum lohnt es sich  für Aromatherapie und Phytotherapie, gut über diese Ergebnisse aus Japan nachzudenken, obwohl es sich nur um Untersuchungen an Mäusen handelt.

Lavendelblüten und Lavendelöl wurden über lange Zeit vor allem als beruhigendes Mittel bei Schlafstörungen eingesetzt. Erst in den letzten paar Jahren wurde verstärkt zum Einsatzbereich als Anxiolytikum (angstlösendes Mittel) geforscht und entsprechende Präparate entwickelt (Lasea-Kapseln). Die dank Linalool-Duft mutiger werdenden Mäuse stützen nun diese Indikation. Interessant ist aber auch, dass die japanischen Forscher die Wirksamkeit ausdrücklich über die Inhalation vermittelt sehen, während Lasea als Kapsel eingenommen wird, und ebenfalls Wirksamkeit in Studien gezeigt hat.

Siehe dazu:

Broschüre zu Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Lavendelöl

 Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl / Lasea®-Kapseln bei Angststörungen

Lavendel bei Unruhe und Einschlafstörungen

Wer fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminarund der Phytotherapie-Ausbildung

Philosophische Anmerkungen zum Umgang mit Pflanzen und zur Signaturenlehre

Das folgenden Zitat stammt vom französischen Philosophen Alain (1868 – 1951). Es spricht ein sehr interessantes und grundlegendes Phänomen in unserem Umgang mit Pflanzen an und hat damit auch Bedeutung für die Pflanzenheilkunde:

„Ein Mann, der die Samen seiner Kapuzinerkresse bekämpfte, um Platz zu schaffen für andere Blumen, sagte naiv: „Sie verstecken sich, sehen Sie. Seit ich ihnen den Kampf angesagt habe, haben sie sich alle unter einem Blätterdach versteckt. Sie lernen es, sich meinen Blicken zu entziehen, wie Tiere es tun würden.“ Von Natur sind wir alle Dichter, und wir beurteilen zunächst alle Dinge nach unseren politischen Ideen. In der Tat blieben nach einigen Tagen nur noch die Samenkörner, die durch ihre günstige Lage den wachsamen Gärtner getäuscht hatten. Ich erinnere mich, dass ich, als ich in einem Frühjahr von allen Seiten von einem stark wuchernden Unkraut angegriffen wurde, dessen Blätter denen der Veilchen ähnelten, fast gedacht hätten, es zöge sich in die Veilchenstauden zurück. Der erste Gedanke, der uns kommt, ist immer ein ungezügelter Gedanke; und ich wurde einen Augenblick lang von der törichten Idee ergriffen, es stecke eine pflanzliche List dahinter. Tatsächlich aber wuchs diese Pflanze fast überall; die Nachbarschaft der Veilchen bewahrte sie eine gewisse Zeit vor der Hacke.

Als Darwin auf den Gedanken kam, auf einer schottischen Weide ein kleines Stück einzufrieden, um es vor dem Vieh zu schützen, und bald Kiefern darauf wachsen sah, hätte man auch sagen können, dass die Samen der Kiefer, als sie die Einfriedung bemerkten, sich sogleich darein flüchteten. Aber Kiefern wuchsen auf der ganzen Weide; und Darwin hatte diese Sprosse wohl bemerkt, die durch die Hufe und Zähne des Rindviehs ständig knapp über dem Boden gehalten wurden. Auf den durch den Krieg unbestellten Feldern, die sich zwischen Artillerie und Infanterie erstrecken, habe ich mehr als eine Feststellung getroffen, und besonders habe ich in einem Luzernenfeld einen kleinen Wald von Hagebuchen gesehen, der dort wuchs; diese Wahrnehmung rief in meinem Geist die Feststellung Darwins wach, die so einfach ist, der es für mich aber an Anschauung fehlte. Grosse Gedanken haben etwas Kindliches, das bewirkt, dass die Schöngeister immer an ihnen vorbeigehen, ohne sie zu sehen.

Man kann also die Ökonomie eines Instinktes der Pflanzen aufstellen, die darin bestände, dass sie ein günstiges Gelände, Schutz und Licht suchen und finden. Nur metaphorisch wird man sagen, dass die Gänseblümchen einen besonnten Hang erstürmen; ihre kriechenden Stengel und ihre Samen wachsen besser auf dieser Seite. Die Winde ringelt sich in einer einzigen Nacht um einen vergessenen Spazierstock; aber sie stürzt sich nicht auf diese Stütze, um sich zum Licht zu erheben; nur da der Teil des Stengels, der auf einen festen Körper trifft, sich weniger schnell entwickelt als der freie Teil, wird der Stengel nach der Form des Stocks gebogen. Alle diese Wesen leben, so gut sie können, oder gehen ein, und ihre Formen drücken Bedingungen aus. Diese Idee führt weit; und beachten Sie, dass sie uns von der Inhärenz abwendet, wie der Schatten Platons sagte, als er die Verhältnisse des Lebens nicht so sehr durch die Eigenschaften der Pflanze als durch ihre Beziehung zur Nachbarschaft erklärte; zur Umwelt, dem Schatten, der Sonne, dem Wind, den anderen Pflanzen und Tieren, Insekten, Vögeln, Vieh, die mit der Pflanze ein einziges Wesen bilden. Ebenso bilden die Gezeiten mit der Sonne und dem Mond eine einzige Tatsache; und der Tag bildet mit der Nacht und der Mondfinsternis eine einzige Tatsache. Nach dieser Abfolge unserer Ideen in der Geschichte der Wissenschaften kann man eine neue Idee beurteilen, nicht allein nach der Erfahrung; denn die Erfahrung bestätigt oft eine törichte Idee, wie meine Beispiele zeigen. Deshalb folgte Descartes dem Königsweg, als er den Tieren jegliches Denken bestritt; denn man unterstellt den Tieren und sogar den Menschen immer zuviel Denken. Und man muss viele Abstriche machen an der List der Politiker wie an der List der Pflanzen; die Ursachen sind immer einfacher, als man annimmt, und überdies die letzten, an die man denkt; aber daraus entspringt auch eine Sicherheit des Tuns, sobald man die Ursachen erkennt. Um den Ungeduldigen zu beruhigen, bieten Sie ihm einen Sessel an.“

  1. Mai 1922

 

Alain (eigentlich Emile Auguste Chartier), Philosoph, 1868 – 1951,

Zitat aus: Sich beobachten heisst sich verändern, Insel Taschenbuch 1994

 

Kommentar & Ergänzung

Alain beschreibt in diesem Text ein interessantes Phänomen: Wir Menschen neigen dazu, die Natur zu vermenschlichen. Wir unterstellen beispielsweise den Pflanzen menschliche Verhaltensweisen, zum Beispiel eine List, oder Gefühle wie Sympathie und Fröhlichkeit. Dadurch reduzieren wir Fremdheit diesen Lebewesen gegenüber. Denn in menschliche Regungen können wir uns besser einfühlen. Allerdings bleibt der ganze Vorgang eine Unterstellung. Und so sind wir dann in der Begegnung mit diesen Pflanzen nur mit eigenen Teilen (Projektionen) in Kontakt, die wir den Pflanzen vorgängig unterschoben haben. Wer Pflanzen wirklich begegnen will, darf sie meines Erachtens nicht durch solche Unterstellungen vermenschlichen. Das setzt aber voraus, dass wir auch die Fremdheit und Andersartigkeit der Pflanzen akzeptieren und ihr auf diesem Hintergrund gegenüber treten.

Solche Vermenschlichungen von Pflanzen durch Unterstellungen passieren heutzutage rasch im Umfeld von Büchern, die Kommunikation und soziales Verhalten bei Pflanzen beschreiben, wie sie zum Beispiel Florianne Köchlin und Peter Wohlleben verfasst haben. Darin werden durchaus interessante Phänomene beschrieben. Aber die Formulierungen legen es oft nahe, den Pflanzen bewusste Ziele, soziales Verhalten oder List zu unterstellen. Da stellt sich dann die Frage, ob solche Beschreibungen noch pflanzengerecht sind.

Alain’s kleine Pflanzengeschichte drückt zudem aus, dass die Form der Pflanzen und der Ort, an dem sie jeweils wachsen, von ihren Lebensbedingungen bestimmt werden. Dieser gut dokumentierte Zusammenhang scheint bei manchen Vertreterinnen und Vertretern der Pflanzenheilkunde unbekannt zu sein. So hört man zum Beispiel immer wieder ernsthaft die Behauptung, dass diejenigen Heilpflanzen, die in meinen Garten kommen, auch diejenigen sind, welche ich brauche um gesund zu werden. Diese Überzeugung hat einen grossen „Vorteil“: Sie verleiht absolute Sicherheit darüber, welche Heilpflanze ich gerade brauche – und zwar ohne dass ich nachdenken oder etwas über Heilpflanzen lernen muss….und es ist ja auch schön, dass da jemand kommt, und sich um mich kümmert, und das ganz ohne Ansprüche zu stellen.

Im Ernst: Wir sollten bescheiden genug sein, um zu erkennen, dass wir nicht so bedeutend sind für die Pflanzen, dass sie sich um uns kümmern und zu uns kommen, wenn wir sie brauchen. Pflanzen wachsen genau dort, wo sie für sich günstige Bedingungen finden.

Und Pflanzen wachsen mit ihren Formen und Farben auch nicht so, dass sie uns dadurch mitteilen, welche Heilkräfte sie für uns bereithalten. Diese heute wieder manchmal zu hörende oberflächliche Neuauflage einer Signaturenlehre aus der Renaissance übersieht, dass die Formen und Farben der Pflanze sich genau so entwickeln, wie die Pflanze es für sich braucht – nicht für uns.

Doch auch mit diesen Erkenntnissen können wir uns an Pflanzen freuen, sie als Heilpflanzen mit Respekt nutzen und über ihre Schönheit und ihre faszinierende Lebensweise staunen.

 

Ananassaft als Hausmittel gegen Husten und Halsweh

Die österreichische Tageszeitung „Kurier“ stellt Hausmittel gegen Husten und Halsweh vor und empfiehlt dabei unter anderem Ananassaft:

„Der Saft der exotischen Frucht soll dabei bis zu fünf Mal effektiver als Hustensaft sein. Verantwortlich für die heilende Wirkung ist Bromelain, ein Enzym mit entzündungshemmenden und schleimlösenden Eigenschaften, das Infektionen bekämpft und Bakterien tötet. Die Ananas enthält reichlich davon. Der Fruchtsaft wirkt daher nicht nur schleimlösend, er lindert auch Halsschmerzen und Hustenanfälle. Frisch gepresster Ananassaft liefert auch Vitamin C, das gerade in der Grippesaison zur Stärkung der Immunabwehr beiträgt. Ein Glas deckt an die 50 Prozent des täglichen Tagesbedarfs.“

Abschliessen liefert der Artikel ein Rezept für Ananas-Hustensaft:

 

„1 Tasse frischer Ananassaft

1/2 Tasse Zitronensaft

1 Stück Ingwer

1 EL Honig oder Agavendicksaft zum Süßen

1/2 TL Zimt und/oder 1/2 TL Cayennepfeffer“

 

Alle Zutaten mischen und täglich bis zu drei Mal eine halbe Tasse davon trinken.

Quelle:

https://kurier.at/wellness/honig-bis-salzwasser-4-hausmittel-gegen-halsschmerzen/400321701

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Idee: Ananassaft gegen Husten und Halsweh – davon habe ich noch nie gehört. Aber es lohnt sich vielleicht, darüber nachzudenken. Woher die Aussage kommt, dass Ananassaft fünf Mal effektiver sei als Hustensaft, ist mir allerdings nicht nachvollziehbar.

Bromelain ist ein Enzymgemisch mit eiweissspaltender  (proteolytischer) Wirkung, gehört also zu den Proteasen.

Es kann in Enzympräparaten die Verdauung unterstützen und ist auch der Grund für die Empfehlung von Ananassaft zur Förderung der Verdauung, zum Beispiel bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, die normalerweise Verdauungsenzyme bereitstellt.

Bromelain wird aber insbesondere auch eingesetzt als Begleittherapie bei Schwellungszuständen nach Operationen und Verletzungen, insbesondere der Nase und der Nasennebenhöhlen, sowie bei oberflächlichen Venenentzündungen. In der Schweiz wird dafür das Präparat Traumanase® verschrieben.

Da Bromelain selber aus Eiweiss besteht, wird es im Magen grösstenteils bereits abgebaut, weshalb Traumanase® in Form von magenresistenten Präparaten hergestellt wird.

Ananassaft wird auch während Krebstherapien (Chemotherapie, Strahlentherapie) eingesetzt zur Linderung von Mukositis (Mundschleimhautentzündung). Siehe dazu:

Gefrorene Ananas lindert Mukositis (Mundschleimhautentzündung) bei Strahlentherapie

Eine entzündungswidrige Wirkung von Ananassaft ist also zumindestens denkbar, zum Beispiel bei Halsschmerzen. Gurgeln wäre da aber wohl effektiver als simples Trinken eines Sirups. Oder Lutschen von gefrorenen Ananasstückchen wie in der Krebstherapie.

Ob Ananassaft wirklich auch bei Husten wirkt, scheint mir schwer einschätzbar. Es dürfte auf die Art des Hustens ankommen.

Wenn Sie fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchten, können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung

 

Sylke Tempel: „Hinführung zur Demokratie ist immer auch Hinführung zur Komplexität“

Sylke Tempel (1963 – 2017) war eine deutsche Politologin, Journalistin und Publizistin. Seit 2008 leitete sie als Chefredakteurin die renommierte „Zeitschrift für internationale Politik“.  Sie starb im Oktober 2017 durch einen tragischen Unfall während des Sturmtiefs Xavier.

Die unvergleichliche Stärke der Demokratie sah Sylke Tempel darin, dass sie von der Einsicht ausgeht, dass der Mensch weder gänzlich gut noch gänzlich schlecht, sondern ein fehlerhaftes Wesen sei: „Er irrt, und zwar beständig. Für dieses fehlbare Wesen ist ein System angebracht, das Kontrolle vorsieht und Korrektur erlaubt.“ Nicht perfekt zu sein, hielt Tempel für die Stärke der Demokratie – aber auch für ihre Schwäche, die dann zutage tritt, wenn die unendlichen Mühen der Konsensbildung gescheut werden.

Quelle dieses Abschnitts:  https://www.welt.de/debatte/kommentare/article169419815/Demokratie-macht-Spass-der-Westen-ist-sexy.html

 

Silke Tempel schrieb (1):

„Hinführung zur Demokratie ist immer auch Hinführung zur Komplexität. Der Reflexionsprozess ist wichtig. Die Demokratie ist kein Billy-Regal, das man einmal zusammenschraubt,  an die Wand stellt und das war’s. In einer Demokratie gibt es einen inneren Zusammenhalt von Unverhandelbarem. Einen Wertekanon. Das sind keine absoluten Wahrheiten, nur relative. Wir müssen die Paradoxien hinkriegen. Es gibt keine perfekte Lösung, immer nur eine Annäherung ans Ziel. Mehr schaffen wir nicht.“

Hinsichtlich des Populismus mit seinen simplen Lösungsvorschlägen ist Tempel’s „Hinführung zur Komplexität“ geradezu ein Gegenprogramm. Mit der zunehmenden Komplexität moderner Gesellschaften umgehen zu können ist eine Aufgabe für die Bildung und insbesondere auch der politischen Bildung.

Auf Demokratie im Alltag angesprochen antwortet Silke Tempel:

„Merkt man doch immer. Wenn ich über eine rote Ampel radle, weil die Strasse gesperrt ist und keiner kommen kann, und ich zweihundert Meter später von der Fahrradpolizei angehalten werde, dann weiss ich genau, die können nicht alles machen mit mir, und wenn sie’s versuchen, könnte ich Einspruch erheben. Diese Verlässlichkeit ist ein hohes Gut.“

Quelle ab (1) ist das Buch:

Was tun – Demokratie versteht sich nicht von selbst“, von Gabriele von Arnim, Christiane Grefe, Susanne Mayer, Evelyn Roll und Elke Schmitter; Verlag Kunstmann 2017

Das Buch kann in meinem Buchshop angeschaut und via Buchhaus bestellt werden (hier).

Mit dem Fahrradbeispiel spricht Silke Tempel das zentrale Thema „Rechtsstaat“ an. Dass Polizei und Justiz an Regeln gebunden sind und nicht willkürlich oder nach politischen Kriterien handeln dürfen, ist eine Errungenschaft, die keineswegs selbstverständlich ist. Das zeigen unter anderem die Entwicklungen in Ungarn und Polen, wo Populisten an der Macht subito den Rechtsstaat angreifen und die Justiz und die Verwaltung vereinnahmen. Darum ist es wichtig, den Rechtsstaat zu verteidigen. Überall.

Europäischer Bericht zu Cannabis in der Medizin veröffentlicht

Die Europäische Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) hat erstmals einen Report über die medizinische Verwendung von Cannabis und Cannabinoiden publiziert, der Überblick bietet über bisher verfügbare Belege zur Wirksamkeit.

Der Bericht Medical use of cannabis and cannabinoids: Questions and answers for policymaking“trage der Tatsache Rechnung, dass immer mehr europäische Länder in diesem Bereich politische Strategien und Verfahren entwickeln, liess die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) dazu verlauten.

Zahlreiche EU-Länder erlauben inzwischen die medizinische Verwendung von Cannabis oder Cannabinoiden in bestimmter Form oder ziehen eine solche Zulassung in Erwägung. In Bezug auf die verfolgten Ansätze bestehen jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern, und zwar sowohl hinsichtlich der zugelassenen Produkte als auch der rechtlichen Rahmenbedingungen für ihre Bereitstellung.

Das Verständnis der vielfältigen nationalen Ansätze sei wichtig, um „in der EU eine fundierte politische Debatte über dieses Thema führen zu können“, schreibt die EMCDDA.

Diese unterschiedlichen Ansätze wurden mit Hilfe einer Auswahl von Fallstudien aus Drittländern, etwa den USA, Kanada, Australien und Israel beschrieben.

Der medizinische Einsatz von Cannabis beziehe sich auf eine Vielzahl von Produkten und Präparaten, die verschiedene Wirkstoffe enthalten und in unterschiedlicher Qualität auf unterschiedlichem Weg verabreicht werden können.

Die EMCDDA zieht den Schluss, dass weitere Forschungsarbeiten und klinische Studien nötig sind, um in Zukunft „erhebliche Lücken in den verfügbaren Evidenzdaten“ zu schließen. So sei zwar beispielsweise die Wirkung von Cannabinoiden in der Palliativversorgung teilweise untersucht worden, für die ausreichende Evidenz des therapeutischen Nutzens seien jedoch größere sowie längerfristig angelegte Studien nötig. Vergleichbares gilt für die Anwendung von Cannabis und Cannabinoiden bei Schlafstörungen, Angststörungen, Depression, oder neurodegenerativen Erkrankungen.

In den meisten Ländern habe sich im Hinblick auf die Bereitstellung von Cannabis oder Cannabinoide enthaltenden Produkten und Präparaten für medizinische Zwecke im Laufe der Zeit ein Wandel vollzogen – und das oftmals als Reaktion auf die Nachfrage von Patienten oder Produktentwicklungen, sagt EMCDDA-Direktor Alexis Goosdeel. Bei diesem Thema sei es wichtig, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln, um eine Basis für Evaluierungen und Bewertungen zu schaffen.

Quelle:

https://science.orf.at/stories/2951314/

Der EMCDDA ist hier einsehbar:

http://www.emcdda.europa.eu/publications/rapid-communications/medical-use-of-cannabis-and-cannabinoids-questions-and-answers-for-policymaking_en

 

Kommentar & Ergänzung:

In den letzten Jahren hat sich bezüglich der Anwendung von Cannabis als Heilpflanze viel getan – in rechtlicher Hinsicht, durch neu zugelassene Cannabis-Präparate und im Bereich der Forschung.

Und natürlich gibt es forschungsmässig noch Lücken, die geschlossen werden müssen, damit ein klares Bild zu den sinnvollen Anwendungsbereichen von Cannabispräparaten entsteht, aber auch zu den Risiken und Grenzen.

In der Forschung steht neben Tetrahydrocannabinol (TCH) zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus.

In meinem Buchshop gibt’s eine aktuelle Broschüre zum Thema Cannabis als Arzneimittel:

Cannabis, von Klaus Häussermann, Franjo Grotenhermen und Eva Milz.

 

Siehe auch:

Cannabidiol (CBD) – ein Wirkstoff im Trend

Cannabis-Wirkstoffe: Neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

Cannabis-Therapie bei MS: Zusatznutzen von Sativex bei Spastik bestätigt

Cannabis als Medizin: Unterschiedliche Wirkung von Cannabis sativa und Cannabis indica

Und wenn Sie fundiertes Wissen über Cannabis als Arzneimittel und über andere Heilpflanzen erwerben möchten, dann empfehle ich meine Lehrgänge, die Phytotherapie-Ausbildung und das Heilpflanzen-Seminar.

 

 

[Buchtipp] „Freiheit gehört nicht nur den Reichen “ von Lisa Herzog

Verlagsbeschreibung

Die Ökonomin und Philosophin Lisa Herzog  mit einem Plädoyer für einen zeitgemäßen Liberalismus

Freiheit ist mehr als die Freiheit, zu wirtschaften. Dieses Buch stellt dar, wie Liberalismus heute gedacht werden muss, damit er nicht im Widerspruch zu Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und einem gelingenden Leben steht. Freiheit, so das Plädoyer, muss vielschichtiger verstanden werden, um zu sehen, welche Rolle Märkte für eine gute Gesellschaft spielen können. Jenseits des politischen Schubladendenkens wird das Bild einer Gesellschaft entworfen, die allen Mitgliedern ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht und dabei mit den begrenzten Ressourcen der natürlichen Welt vereinbar ist.
Das Buch führt in zentrale Themen der Ideengeschichte, Wirtschaftstheorie und Sozialphilosophie ein und legt die Denkmuster offen, die viele heutige Debatten prägen. Unter anderem geht es um die Frage nach einem realistischen Menschenbild jenseits des homo oeconomicus, um das Verhältnis negativer, positiver und republikanischer Freiheit und um die Frage, wie eine Politik aussehen kann, die sich auch jenseits des Wachstumszwangs an einem selbstbestimmten Leben für alle Menschen orientiert. Nicht zuletzt zeigt das Buch auf, wie mit einem zeitgemäßen Freiheits- und Menschenbild Märkte wieder in den Dienst einer gerechten Gesellschaft gestellt werden können.  Zum Shop

Zur Autorin Lisa Herzog

Lisa Herzog ist Professorin für Politische Philosophie und Theorie an der Hochschule für Politik / Technischen Universität München. Ihre Forschung verbindet Philosophie und Ökonomie, z. B. in dem Buch “Freiheit gehört nicht nur den Reichen. Plädoyer für einen zeitgemäßen Liberalismus”.

Kommentar von Martin Koradi

Als Philosophin und Ökonomin ist Lisa Herzog bestens gerüstet für dieses Thema und es gelingt ihr ausgezeichnet, wirtschaftliches und philosophisches Wissen zu verknüpfen. Dabei bleibt sie immer gut lesbar und verständlich.

Der Wirtschaftsliberalismus hat unter anderem durch die Finanzkrise 2008 und durch wiederkehrende Exzesse in weiten Kreisen an Glaubwürdigkeit eingebüsst. Um von breiten Schichten akzeptiert und getragen zu werden, muss er aufzeigen, dass nicht nur eine kleine Finanzelite von ihm profitiert, sondern dass er allen zu Gute kommt. Dazu muss der Liberalismus neu gedacht und aktualisiert werde, und zu dieser Debatte leistet Lisa Herzog mit ihrem Buch einen Beitrag. Sie zeigt dabei auch die Vielschichtigkeit des Freiheitsbegriffs auf.

In der philosophischen Tradition hat sich um diesen Begriff herum eine Dreiteilung entwickelt:

Im ersten Bereich wird Freiheit gesehen als Abwesenheit von Hindernissen und Zwang.

Im zweiten Bereich meint Freiheit Selbstbestimmung und die damit verbundene Fähigkeit, eigene Ziele setzen und verfolgen können.

Im dritten Bereich wird Freiheit betrachtet im Sinne der politischen Freiheit, die den Menschen die Möglichkeit gibt, Teil eines Gemeinwesens zu sein und in diesem Rahmen gemeinsam die Spielregeln festzulegen, nach denen man leben will. 

Diese verschiedenen Facetten der Freiheit und ihre vielfältigen Beziehungen zum “Markt” stellt Lisa Herzog gut nachvollziehbar dar.

Die Theorien der Ökonomie sind zwar meistens heftig umstritten und keineswegs so gut belegt, wie die Ökonominnen und Ökonomen es wohl gerne hätten und oft auch darstellen. Nicht nur trotzdem, sondern gerade auch deswegen geht die Diskussion um Liberalismus und Wirtschaft alle etwas an, nicht nur ökonomische Fachleute. Wer nicht gerade ein Studium in diese Richtung absolviert, bekommt von diesen Themen aber meistens erbärmlich wenig mit. Das Buch von Lisa Herzog bietet dazu einen guten Einstieg und liefert zudem auch Orientierungshilfen in vielen politischen Fragen.

 

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterkursen und Kräuterwanderungen.

 

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung: Kann man heute noch liberal sein wollen?
    Was hat “Liberalismus” mit “Freiheit” zu tun?
    Die soziale Dimension der Freiheit
    Das Bild vom guten Markt
    Ausblick
    Dank
    Liberalismus ohne Psychologie – Wie ein einseitiges Menschenbild den Liberalismus unfreiwillig herzlos machte
    Einleitung
    Die Herren des Vertrags
    Ein “realistisches” Menschenbild?
    Echte Menschen – Was die Verhaltensökonomie uns lehrt
    Die Befähigung zur Freiheit
    III. Liberalismus ohne Gerechtigkeit – Wie “soziale Gerechtigkeit ” zum Unwort wurde, und was sie heute bedeuten könnte
    Einleitung
    Die Facetten von Freiheit
    “Verdienst” im Markt
    “Verdienst” im Staat
    Eine neuer Sinn von sozialer Gerechtigkeit
    IV. Liberalismus ohne Komplexität – Wie der Liberalismus soziale Strukturen vernachlässigte
    Einleitung
    Die Rolle sozialer Normen
    Freiheit und Komplexität
    Formelle und informelle Machtstrukturen
    Umbau auf hoher See
    V. Liberalismus ohne Endlichkeit – Wie der Liberalismus die
    Umwelt vergaß, und warum ein Umsteuern uns zufriedener machen könnte
    Einleitung
    Wirtschaften in einer endlichen Welt
    Wozu das Ganze – die Frage nach dem Sinn
    Und der Rest der Welt?
    VI. Schluss: Unterwegs zu einem zeitgemäßen Liberalismus
    Anmerkungen

Von Lisa Herzog gibt es auch zwei Sendungen der”Sternstunde Philosophie”:

Lisa Herzog: Was ist schlecht an Ungleichheit?

Markt, Macht und Freiheit