Hat Wilde Karde (Kardentinktur) Nebenwirkungen?

Kardenwurzel bzw. Kardentinktur aus der Wilden Karde wird alternativmedizinisch gegen Borreliose empfohlen. Ich werde immer wieder einmal gefragt, ob Kardentinktur Nebenwirkungen hat.

Dazu folgendes: In der Fachliteratur finden sich keine Angaben zu Nebenwirkungen der Karde. Allerdings ist die Sicherheit einer Langzeitanwendung – wie sie Borreliosekranken oft empfohlen wird – bisher nicht geklärt worden.

Frage nach Nebenwirkungen von Kardentinktur offen

Wichtig ist aber auch zu wissen, dass es bisher keinerlei glaubwürdigen Hinweise auf eine Wirksamkeit der Wilden Karde bzw. der Kardentinktur gegen Borreliose gibt.

An der ZHAW in Wädenswil wurde Karde gegen Borrelien im Reagenzglas getestet. In Kontakt mit Karde wuchsen die Borrelien eher besser.

(Quelle: Fahrlässige Tipps gegen Borreliose, NZZ am Sonntag, 26. 8. 2007, PDF hier)

Die Beschwerden bei Borreliose nehmen oft einen schwankenden Verlauf. Es geht besser, schlechter, wieder besser, schlechter etc.

Heilungsberichte mit Kardentinktur / Kardenwurzel dürften zum grössten Teil auf diesen schwankenden Verlauf zurückzuführen sein. Jede Besserung aufgrund des schwankenden Verlaufs wird der Kardentinktur zugeschrieben. Darüber hinaus scheint bei Heilungsberichten oft auch eine Fehldiagnose vorzuliegen. Dann wird scheinbar eine Borreliose erfolgreich behandelt, obwohl gar keine Borreliose vorliegt. Und nicht zuletzt kommen Borrelieninfektionen manchmal auch ohne Behandlung zum stehen. Die Antibiotikabehandlung im Frühstadium macht man sicherheitshalber für diejenigen Fälle, in denen das nicht geschieht.

Weitere Informationen zum Thema:

Fachbeiträge zur Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl:

Karde gegen Borreliose: Immer noch wirre Behauptungen statt fundierte Begründungen!

Karde – kein Kraut gegen Borreliose!

Dieses Buch kann Ihre Gesundheit gefährden: “Borreliose natürlich heilen” von Wolf-Dieter Storl, AT-Verlag 2007

Karde gegen Borreliose – Heilungsversprechungen der fragwürdigsten Art

 

 

Zimt schädlich?

Immer wieder hört man Warnung vor der Einnahme von Zimt wegen dem Gehalt an Cumarin, das für die Leber schädlich ist. Wichtig ist bei diesem Thema, dass es verschiedene Zimt-Arten gibt, die sich im Cumaringehalt stark unterscheiden.

Cassia-Zimt von Cinnamomum cassia ist die bei uns am häufigsten erhältliche Zimtart. Sie enthält gesundheitsschädliches Cumarin in deutlich höherer Konzentration als Ceylon-Zimt aus Cinnamomum verum.

Unterscheiden zwischen Cassia-Zimt und Ceylon-Zimt

Für Cumarin ist gesichert, dass es in höheren Mengen Leberschäden verursachen kann. Experten des Bundesinstituts für Risikoforschung in Deutschland zufolge sollte eine erwachsene Person mit 60 Kilo auf Dauer nicht mehr als zwei Gramm Cassia-Zimt pro Tag einnehmen. Diese Menge entspricht zirka einem gestrichenen Teelöffel Zimtpulver. Für eine 90 Kilo schwere Person wäre die tägliche Einnahme von bis zu drei Gramm unbedenklich.

Solche Mengen an Zimt werden bei uns in der Regel nicht erreicht, ausser wenn jemand in der Adventszeit Zimtsterne in Massen isst.

Für Kinder wird Zimt im Übrigen schon in deutlich geringeren Mengen bedenklich. Für ein Kleinkind mit einem Gewicht von 15 Kilo ist die tägliche Obergrenze bereits bei 0,5 Gramm erreicht.

Die aufgenommene Zimtmenge könnte allenfalls bei Personen problematisch werden, die Zimt als Mittel bei Diabetes einnehmen. In Studien zu diesem Thema wurden Zimt-Dosen von 0,5 bis 6 Gramm pro Tag eingenommen.

Wichtig ist aber auch hier:

Im teureren Ceylon-Zimt ist im Gegensatz zum Cassia-Zimt kaum Cumarin enthalten. Leider wird auf den Zimt-Produkten oft nicht deklariert, ob sie Cassia-Zimt oder Ceylon-Zimt enthalten.

Ceylon-Zimt zum Beispiel für selbstgebackene Zimtsterne bekommt man in Apotheken und Drogerien.

Zum Thema Zimt und Diabetes siehe:

Zimt und Diabetes: Zur aktuellen Studienlage

Wer differenzierte und fundierte Kenntnisse über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

 

 

 

 

Zimt gegen Diabetes: Zur aktuellen Studienlage

Zimt verfeinert nicht nur als Gewürz Süßspeisen. Er soll auch bei Diabetes helfen durch Senkung des Blutzuckerspiegels

Das versprechen zumindest zahlreiche Internetseiten, die Zimtkapseln als gesundheitsförderndes Nahrungsergänzungsmittel für eine „natürliche“ Blutzuckerregulierung anpreisen.

Die zusammengefassten Resultate bisheriger Studien zeigen allerdings, dass Zimt den Blutzuckerspiegel bei Diabetikerinnen und Diabetikern wahrscheinlich nicht beeinflusst.

Das Portal medizin-transparent hat mehrere wissenschaftliche Datenbanken nach entsprechenden Forschungsarbeiten durchforstet. Insgesamt konnten die Wissenschaftler elf einigermaßen aussagekräftige Studien finden. Die zusammengefassten Resultate dieser Studien sind jedoch enttäuschend und weisen darauf hin, dass Zimt den Blutzuckerspiegel von Diabetes-Betroffenen wahrscheinlich nicht günstig beeinflussen kann.

Für die Studien wurden mehr als 900 Menschen mit Diabetes per Zufall einer von zwei Gruppen zugelost. Eine Gruppe bekam täglich Nahrungsergänzungsmittel mit Zimt, die andere Gruppe ein wirkstoffloses Scheinpräparat. Nach Abschluss der Studien unterschieden sich die Blutzuckerwerte in Summe nicht zwischen beiden Gruppen.

Die Studien dauerten allerdings nur zwei bis vier Monate. Eine längerfristigere Wirkung von Zimt – zum Beispiel auch auf gesundheitliche Folgen durch eine Diabeteserkrankung – wurde bisher gar nicht untersucht.

Medizin-transparent stellt die Studien im Detail vor:

In einer systematischen Übersichtsarbeit fassten ein Wissenschaftler und eine Wissenschaftlerin aus Australien die Studienlage zu Zimt und Diabetes bis Januar 2012 zusammen. Insgesamt fandes sie zehn randomisiert-kontrollierte Studien an 577 Personen mit Typ 1 oder Typ 2 Diabetes.

In diesen Studien waren die Probanden per Zufall (randomisiert) einer von zwei Gruppen zugeteilt worden. Eine Gruppe bekam Kapseln oder andere Präparate mit Zimt. Die andere Gruppe erhielt ein gleich aussehendes Placebomittel ohne Zimt. Die tägliche Zimt-Dosis reichte von 0,5 bis 6 Gramm. Die Einnahmedauer betrug ein bis vier Monate. Die Versuchspersonen stammten hauptsächlich aus wohlhabenden Staaten wie den USA, Deutschland oder Großbritannien, aber auch aus Ländern wie Thailand, Pakistan oder dem Libanon.

Sechs der zehn Studien verglichen am Ende der Untersuchung eine Maßzahl für den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel innerhalb der vergangenen drei Monate – den HbA1c-Wert. Dieser Wert steht für den Anteil des Blutfarbstoffs Hämoglobin, an den der im Blut vorkommende Zucker Glucose gebunden ist. Für Experten ist er bei der Behandlung von Diabetes aussagekräftiger als eine einmalige Messung des Blutzuckers. Beim Studienende zeigte sich praktisch kein Unterschied der HbA1c-Werte zwischen der Zimt- und der Placebo-Gruppe.

Kein Unterschied zeigte sich am Studienende auch beim Nüchtern-Blutzucker, den sechs Studien untersuchten.

Da die erwähnte Übersichtsarbeit nur Studien bis Januar 2012 berücksichtigt hat, suchten die Fachleute von Medizin-transparent in Forschungsdatenbanken nach aktuelleren wissenschaftlichen Resultaten.

Sie fanden dabei sieben weitere randomisiert-kontrollierte Studien, die den HbA1c-Wert bei den untersuchten Personen erhoben haben. Zwei dieser Studien waren äußerst mangelhaft in der Durchführung, sodass ie als nicht aussagekräftig eingestuft wurden.

Die restlichen fünf Studien stammen alle aus dem Iran und umfassten 359 Männer und Frauen mit Diabetes. Eine Zusammenfassung dieser iranischen Daten mit den Ergebnissen der älteren systematischen Übersichtsarbeit bestätigte das Resultat des australischen Forschungsduos von 2012: Mit Zimt lässt sich der HbA1c-Wert von Diabetikerinnen und Diabetikern wahrscheinlich nicht verbessern.

Medizin-Transparent weist aber darauf hin, dass die Studienergebnisse die Wirkung von Zimt nur über eine Dauer von maximal vier Monaten wider. Darum lässt sich nicht völlig ausschließen, dass Zimt über einen längeren Zeitraum doch noch eine kleine Wirkung zeigt.  Die Beurteilung enthält auch einige Unsicherheiten, weil die Qualität der meisten Studien zu wünschen übrig lässt. Zum Beispiel ist nicht immer ausgeschlossen, dass sich Zimt- und Placebogruppe in einzelnen Punkten schon vor Studienbeginn unterschieden. Dadurch wird es schwieriger, die beiden Gruppen zu Studienende zu vergleichen. In etlichen Fällen könnte das Resultat zudem verzerrt sein, weil Probanden vorzeitig aus der Studie ausgeschieden sind. Darüber hinaus ist die Zahl der Probanden in den meisten Studien sehr klein.

Trotz allem weichen die Resultate der Einzelstudien nach Einschätzung der Fachleute von Medizin-transparent nicht stark voneinander ab und deuten in dieselbe Richtung. Das bedeutet, dass die Resultate der Übersichtsarbeit von 2012 bestätigt wurden.

Quelle

https://www.medizin-transparent.at/zimt-wirkung-diabetes

 

Kommentar & Ergänzung:

Beim Thema Zimt und Diabetes erleben wir eine ernüchternde Entwicklung der Studienlage. Denn eine im Dezember 2003 in der renommierte Zeitschrift  „Diabetes Care“ publizierte randomisierte und Placebo-kontrollierte Studie der Agricultural University in Peshawar (Pakistan) kam zu beeindruckenden Ergebnissen.

Die Forscher untersuchten insgesamt 60 Personen mit Typ-2-Diabetes, 30  Frauen und 30 Männer. Sie ergänzten die Nahrung der Verum-Gruppe mit 1, 3 oder 6 Gramm Zimt pro Tag in Form von Kapseln  à 500mg, während die Placebo-Gruppe identisch aussehende zimtfreie Kapseln erhielt.  Zimt bzw. Placebo wurden während 40 Tagen eingenommen. Anschliessend folgte eine 20tägige Wash-out-Phase.

An den Tagen 0, 20, 40 und 60 wurden die Blutwerte von Glukose, Triglyzeriden, Gesmtcholesterin, HDL-Cholesterin und LDL-Cholesterin bestimmt.

Die Ergebnisse waren eindrücklich:

Glukose:

Nach 40 Tagen wurden in allen drei Verum-Gruppen (1, 3 und 6 Gramm) eine signifikante Verminderung des Nüchtern-Blutzuckers um  18 – 29 %festgestellt, die jedoch nicht dosisabhängig war.

Triglyceride:

Auch die Triglyceride waren nach 40 Tagen signifikant vermindert um 23 – 30 %.

Gesamtcholesterin:

Hier zeigten sich schon nach 20 Tagen Zimteinnahme signifikante Werte (minus 12 – 26%), welche dann in den Gruppen mit 1 Gramm und 6 Gramm nach 40 Tagen auf ähnlichem Wert blieben und  nur in der Gruppe mit 3 Gramm weiter absanken. Auch nach der 20-Tage-Wash-out-Phase blieben diese Werte in den drei Gruppen erhalten.

LDL:

Durchschnittliche Reduktion nach 40 Tagen um 7-27 %. Die Gruppen mit 3 Gramm und 6 Gramm Zimt erreichten mit 10% respektive 24 % nach 40 Tagen signifikante Werte. In der 1-Gramm-Gruppe war dies  nach 40 Tagen noch  nicht soweit. Die Werte sanken jedoch in der Wash-out-Phase weiter und ereichten nach 60 Tagen Signifikanz!

HDL:

Bei den HDL-Werten wurden keine signifikanten Veränderungen festgestellt.

Placebo:

In allen Placebo-Gruppen blieben die Werte  bei jeder Messung gleich

Die günstigen Effekte waren auch 20 Tage nach Absetzen des Zimts zumindestens teilweise immer noch messbar, doch stiegen die Blutzuckerwerte nach Beendigung der Einnahme wieder an.

Mit 3 und 6 Gramm Zimt liessen sich keine besseren Ergebnisse erzielen als mit 1 Gramm. Die Einnahme des Zimts bewirkte keine unerwünschten Nebenwirkungen . Ein akuter Zuckermangel, eine der häufigsten und gefährlichsten Nebenwirkungen von Antidiabetika, trat mit Zimt offenbar nicht auf.

Und nun mit Stand 2018 sieht die Studienlage zur Wirkung des Zimts gegen Diabetes sehr anders aus. Was lernen wir daraus?

Eine erste erfolgreiche Studie bringt noch kein einwandfreies Ergebnis. Die Vermarktung von Produkten wie Zimtkapseln startet aber oft bereits mit hoher Intensität schon auf der Grundlage dieser ersten positiven Studie. Folgen dann Studien mit negativen Ergebnissen, werden diese kaum mehr zur Kenntnis genommen – weder von den Herstellern der Produkte noch von den Konsumentinnen und Konumenten.

Zur Diskussion um ein allfälliges Risiko durch Cumarine aus dem Zimt:

Zimt schädlich?

Wer differenzierte und fundierte Kenntnisse über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

 

Phytotherapie-Fachbücher

Ich habe gerade beim Online-Buchverzeichnis meiner Buchhandlung das Suchwort “Phytotherapie” eingegeben.

Das erste fundierte und seriöse Phytotherapie-Buch für medizinische Laien erscheint auf Platz 12:

Grüne Apotheke

Das erste durchgehend verlässliche Phytotherapie-Fachbuch liegt auf Platz 66:

Leitfaden Phytotherapie

Warum ist das so?

Weil “Phytotherapie” kein geschützter Begriff ist und jede und jeder sein Heilpflanzen-Buch mit dem Schlagwort “Phytotherapie” versehen kann.

Weil der Buchhandlungskatalog die Heilpflanzen-Bücher nicht nach fachlicher Qualität auflistet, sondern nach anderen, mir nicht transparenten Kriterien.

Weil die meisten Buchverlage, die Heilpflanzen-Bücher verlegen, nicht fachliche Qualität voraussetzen, sondern möglichst gute Verkaufschancen.

Bei mir im Buchshop finden Sie ausgewählte Phytotherapie-Bücher basierend auf fundierten Erkenntnissen. Ich kommentiere dort auch Stärken und Schwächen der vorgestellten Heilpflanzen-Bücher.

Grüntee gut fürs Zahnfleisch

T-online hat einen Beitrag über Grüntee veröffentlicht. Darin wird von einer positiven Wirkung des Grüntees auf  das Zahnfleisch berichtet:

„Wer regelmäßig grünen Tee trinkt, stärkt damit sein Zahnfleisch. Das bestätigen japanische Forscher der Universität Kyushu. Sie beobachteten bei 940 Männern im Alter zwischen 49 und 59 Jahren, wie sich Teekonsum auf das Zahnfleisch auswirkt. Als Kriterien wurden Vertiefungen der Zahnfleischtasche, Zahnfleischverlust und Blutungshäufigkeit herangezogen.“

Quelle:

https://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_42896396/gruener-tee-sieben-gruende-warum-er-so-gesund-ist.html

Kommentar und Ergänzung:

Ich habe mir die Studie im „Journal of Peridontology“ angeschaut:

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1902/jop.2009.080510

Die Forscher verglichen die täglich konsumierte Menge an Grüntee mit dem Zustand des Zahnfleischs. Diese „epidemiologisch“ genannte Forschung hat einen Haken: Sie liefert nur Hinweise auf mögliche Zusammenhänge, aber keine einwandfreien Belege. Es könnten Faktoren entscheidend sein, die noch nicht bekannt sind. Zum Beispiel könnten Personen, die viel Grüntee trinken, auch sonst gesünder leben, und es könnte irgendein unbekannter Faktor aus diesem „gesünder leben“ den besseren Zustand des Zahnfleischs bewirken. Denkbar wäre zum Beispiel, dass Personen, die viel Grüntee trinken, weniger Cola konsumieren. Wenn nun zum Beispiel Cola schädlich für das Zahnfleisch wäre, dann könnte das gesündere Zahnfleisch vom Weglassen des Colas her rühren und nicht vom in grösseren Mengen konsumierten Grüntee.

Endgültige Antworten liefert diese Studie also nicht.

Trotzdem halte ich den günstigen Einfluss von Grüntee auf das Zahnfleisch für plausibel – und zwar aufgrund des Gehalts an Gerbstoffen. Heilpflanzen mit Gerbstoffen werden schon lange zur Behandlung von Zahnfleischentzündungen und Mundschleimhautentzündungen (z. B. Schwarztee, Blutwurz, Ratanhia).

Wenn Sie fundiertes Wissen über Heilpflanzen erwerben möchten, dann empfehle ich dafür meine Lehrgänge, das Heilpflanzen-Seminar und die Phytotherapie-Ausbildung.

Zum Wert der Fakten

“Wenn Fakten nichts mehr zählen, bricht die Demokratie zusammen”, schreibt Evelyn Roll. Und sie hat damit meines Erachtens recht. Sie führt dazu weiter aus:

“Zwei Schlachten waren schon verloren, als die Angegriffenen verstanden, dass Krieg ist. die einst als Instrumente der Basisdemokratie bejubelten «sozialen Medien» hatten sich – weil der Mensch ist, wie der Mensch ist – in asoziale Medien verwandelt. Dann waren sie zu Waffen geworden im teuflischen Zusammenspiel der neuen Nationalisten mit den Zersetzungsstrategien des Ex-KGB-Mannes Wladimir Putin und den Hetzredakteuren von «Daily Mail», «Sun» und «Fox News». Scheinbar stabile Demokratien waren schon sturmreif geschossen in diesem Informations- und Cyberkrieg, als nach dem Brexit und mit der Trump-Wahl endliche alle aufwachten.

Eine Lüge ist eine Lüge ist eine Lüge? Das war plötzlich vorbei. Wenige Jahre vorher wären Boris Johnson oder Donald Trump politisch tote Männer gewesen. In Demokratien galt die Regel: Wer lügt und dabei erwischt wird, geht. Jetzt konnte man mit nichts als Lügen Brexit-Superstar werden und britischer Aussenminister, oder sogar Präsident der Vereinigten Staaten………

Wenn Fakten nichts mehr zählen, bricht das beste demokratische System zusammen. Es kann nicht existieren, ohne dass die pluralistische Öffentlichkeit sich über Argumente verständigt auf der Basis von Tatsachen, die alle als richtig und wahr anerkennen. Indifferenz über die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Lüge ist die Voraussetzung für autoritäre Staatssysteme. Wenn nichts mehr wahr ist, kann Macht nicht mehr kontrolliert werden.

Das war und ist also ein hochgefährlicher Moment in der Geschichte der Demokratie. Bei jeder grossen technischen Revolution in der Weltgeschichte gab es solche Momente: diese Phase, in der das Denken und die regulierende Politik so erschütternd viel langsamer sind als die neuen, technischen Möglichkeiten.”

Quelle:

Was tun – Demokratie versteht sich nicht von selbst“, 

von Gabriele von Arnim / Christiane Grefe / Susanne Mayer / Evelyn Roll, Verlag Antje Kunstmann 2017

Dieses Buch stelle ich in meinem Buchshop vor, wo Sie es auch via Buchhaus bestellen können (hier).

Zwei weitere Bücher zur Krise der Fakten im Buchshop:

Fake statt Fakt – Wie Populisten, Bots und Trolle unsere Demokratie angreifen“, von Ute Schaeffer.

Postfaktisch“,

Die neue Wirklichkeit in Zeiten von Bullshit, Fake News und Verschwörungstheorien von Vincent F. Hendricks und Mads Vestergaard.

Und hier ein Buch aus dem Buchshop zum Thema “soziale Medien”:

Change the Game – Wie wir uns das Netz von Facebook und Google zurückerobern“  von Corinna Milborn, Markus Breitenecker.

Und zum Schluss noch ein Text von mir zum Thema:

Triumph der Meinung über Fakten, Wahrheit und Fachwissen – das kann nicht gut gehen!

Umkaloabo und Kaloba – was ist der Unterschied?

Umckaloabo® ist ein Erkältungsmittel aus Pelargonium sidoides (Kapland-Pelargonie).

Kaloba® ist ein identisches Präparat. Der einzige Unterschied:

Kaloba® wird von der Grundversicherung bezahlt, wenn eine Arzt oder eine Ärztin es verschreibt. Kaloba® ist weniger bekannt als Umckaloabo®, weil dafür keine Publikumswerbung gemacht werden kann.

Die Zusammensetzung ist aber identisch:

1 g Lösung enthält 800 mg Flüssigextrakt (1:8–10) aus den Wurzeln von Pelargonium sidoides.

Kaloba und Umckaloabo werden angewendet bei akuter Bronchitis (Entzündung der Bronchien). Für diesen Anwendungsbereich gibt es Studien, die eine Wirksamkeit belegen. Diese Studien  gelten nur für Umckaloabo® / Kaloba®. Sie lassen sich auf andere Präparate aus Pelargonium sidoides, die anders hergestellt wurden, nicht so einfach übertragen.

 

Siehe auch:

Metaanalyse zeigt: Umckaloabo lindert Atemwegsinfekte

Phytotherapie: Umckaloabo-Studien

Phytotherapie: Umckaloabo / Pelargonium sidoides bei Erkältungen

Wenn Sie lernen möchten, wie sich Naturheilmittel und Phytopharmaka beurteilen lassen, und wenn Sie die Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen fundiert kennenlernen möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar

Was ist Populismus?

„Populismus“ wird seit einiger Zeit fast inflationär als politischer Kampfbegriff eingesetzt. Populist ist dann, wer lauthals simple Lösungen anpreist und sich beim „Volk“ anbiedert.

Derart ungenau verwendet, verliert der Begriff seine Erklärungskraft. Dabei wäre es wichtig präzis zu verstehen, womit wir es beim Populismus zu tun haben – und worin seine Gefahr für demokratische Gesellschaften besteht.

Der Politologe Jan-Werner Müller von der Universität Princeton schafft es in seinem Buch „Was ist Populismus“, den Populismus gut verständlich auf den Punkt zu bringen.

Populisten sind demnach erkennbar am Anspruch, dass sie, und nur sie, das Volk vertreten. Dabei setzen sie ein Volk voraus, das einheitlich ist und so nur in ihrer Fiktion existiert. In dieser homogenen Vorstellung des „Volkes“ spielen unterschiedliche Interessenlagen und unterschiedliche politische Ansichten keine Rolle.

Populismus ist antipluralistisch

Weil Populisten behaupten, dass nur sie das Volk vertreten, werden in ihren Augen alle anderen politischen Ansichten und Akteure potenziell illegitim. Populismus wird dadurch antipluralistisch und letzlich auch antidemokratisch. Das zeigt sich unter anderem auch darin, dass Populisten Schwierigkeiten haben, politisch Niederlagen zu akzeptieren. Weil sie doch in ihrer Vorstellung das ganze Volk repräsentieren, kann eine Niederlage nur Folge von Lüge, Betrug und Verschwörung sein.

Jan-Werner Müller beschreibt auch eindrücklich, was geschieht, wenn Populisten an die Macht kommen. Sie besetzten Gerichte und Verwaltung mit Parteimitgliedern, reissen sich die Medien unter den Nagel und demontieren damit alle Instanzen, die ihrem Machtanspruch Grenzen setzen könnten. Zu beobachten ist diese Entwicklung gerade zum Beispiel in Polen und Ungarn.

Das Buch von Jan-Werner Müller ist meiner Ansicht nach ein Standard-Werk für aktuelle politische Bildung. Wer gegenwärtige gesellschaftspolitische Entwicklungen verstehen will, ist damit gut bedient. Und diese Entwicklungen gehen uns etwas an. Denn die lange Phase von Frieden und Stabilität, die wir in Mitteleuropa erlebt haben, ist vielleicht weniger selbstverständlich, als wir uns das vorstellen.

Das Buch „Was ist Populismus?“ von Jan-Werner Müller, habe ich in meinem Buchshop genauer vorgestellt. Sie können es hier anschauen und auch via Buchhaus bestellen.

Eine Zusammenfassung des Buches habe ich hier publiziert:

Was ist Populismus? Und was nicht?

 

Studienlage zur Phytotherapie bei Erkältungskrankheiten

Professor Dr. Robert Fürst von der Uni Frankfurt hat vor kurzem in der Pharmazeutischen Zeitung die Studienlage zu Heilpflanzen-Präparaten bei Erkältungskrankheiten dargelegt.

Zur Vorbeugung von Atemwegsinfektionen allgemein hat gemäss Fürst das Präparat Angocin® Anti-Infekt N zeigen können, dass es die Infektwahrscheinlichkeit gegenüber Placebo reduziert (DOI: 10.1185/03007995.2012.742048).

Als Therapeutikum kann Esberitox® die Symptomlast vermindern. Es verkürzt jedoch nicht die Erkrankungsdauer (DOI: 10.1185/03007999909114094).

Laut den Resultaten eines Cochrane-Reviews aus dem Jahr 2014 kann für Echinacea von einem geringen Effekt bei der Vorbeugung und keinem Effekt bei der Behandlung ausgegangen werden (DOI: 10.1002/14651858.CD000530.pub3). In der Metaanalyse von 24 Studien wurden allerdings extrem heterogene Präparate zusammengefasst (verschiedene Echinacea-Arten, Pflanzenteile oder Extraktionsverfahren). In diesem Fall müsse man sich gezielt die Studien der einzelnen Präparate ansehen, erklärt Fürst. Echinacin® Liquidum Madaus habe zum Beispiel bei Kindern die Schwere und Dauer der Symptome lindern können (DOI: 10.1001/jama.290.21.2824).

Bei einer akuten Rhinosinusitis kann gemäss aktueller S2k-Leitlinie eine Therapie mit Sinupret® extract oder definierten Eucalyptus-Extrakten empfohlen werden. Für eine Empfehlung bei rezidivierender oder chronischer Rhinosinusitis ist laut Fürst die Evidenzlage dagegen nicht genügend. Darüber hinaus gibt es gemäss Fürst Studien, die auch für einen Einsatz von Umckaloabo® bei bakterieller Sinusitis (Bachert et al. Rhinology. 2009; 47: 51-58) sowie bedingt auch für Gelomyrtol® forte (DOI: 10.1055/s-2007-997381) und Soledum® (DOI: 10.1097/00005537-200404000-00027) sprechen. Umckaloabo sei allerdings nicht für die Indikation akute Rhinosinusitis zugelassen.

Zur Therapie von Halsschmerzen sagt die Leitlinie, deren Gültigkeit allerdings abgelaufen ist und die zurzeit überarbeitet wird: »Pflanzliche Arzneimittel können bei ausgeprägtem Therapiewunsch oder unzureichender Wirksamkeit besser belegter symptomatischer Maßnahmen mit Einschränkungen empfohlen werden«. Positiv erwähnt wird der Valverde® Salvia Rachenspray, der allerdings nicht in Deutschland auf dem Markt ist, sowie Umckaloabo. Das Pelargonium-Präparat hat allerdings auch für Halsschmerzen bzw. die akute Pharyngitis keine Zulassung.

Auch in der gültigen S3-Leitlinie Husten finden Phytopharmaka positive Erwähnung: die Kombination aus Thymiankraut und Efeublättern (in Bronchipret® Saft TE), die Kombination aus Thymiankraut und Primelwurzel (in Bronchipret® TP Filmtabletten und Bronchicum® Tropfen) und auch bei dieser Indikation Pelargonium sidoides, also Umckaloabo. Plausibel erscheint Fürst bei akuter Bronchitis der Einsatz von gut untersuchten Efeu-Monopräparaten wie Prospan® oder Hedelix® sowie Gelomyrtol forte und bedingt auch Soledum, obwohl diese Präparate nicht in der Leitlinie aufgeführt sind.

Es gebe noch viele andere Präparate. Nur weil es noch keine überzeugenden Studien gebe, heisse das nicht, dass diese nicht wirken, sagte Fürst. Er rät aber, sich an der aktuellen Datenlage und den Bedürfnissen der Patienten zu orientieren.

Quelle;

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/phytos-evidenzbasiert-bewerten/

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine gute Zusammenstellung der Heilpflanzen-Präparate (Phytopharmaka), deren Wirksamkeit  im Bereich der Erkältungskrankheiten mit Studien belegt ist.

Unterstrichen werden muss dabei, dass diese Studienlage und diese Bestätigungen für Wirksamkeit nur für die untersuchten Präparate gelten. Wenn also ein Efeu-Monopräparat wie Prospan positive Studien vorlegen kann, dann lässt sich das zum Beipsiel nicht auf Efeutinktur übertragen, weil es sich dabei aufgrund unterschiedlicher Herstellungsverfahrung um unterschiedliche Produkte handelt.

Ebenso bei Pelargonium-Präparaten: Belegt ist ausschliesslich Umckaloabo®, weil dieser Hersteller die Studien finanziert hat.

Der Valverde Salvia Rachenspray (mit Salbei) war in der Schweiz im Handel, jetzt nicht mehr. Bei Halsschmerzen ist Gurgeln mit Salbeitee aber eine gute Option. Studien gibt es dazu allerdings nicht, denn für eine simple Kräutertee-Anwendung, die sich nicht patentieren lässt, gibt es keine Finanzierung für fundierte Forschung.

Angocin ist in der Schweiz nicht im Handel, wird aber von Apotheken bei Nachfrage besorgt. Das Präparat enthält Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressenkraut. Ich würde dieses Präparat allerdings eher bei akuter Bronchitis (oder akuter Blasenentzündung) einsetzen und weniger zur Vorbeugung.

Gelomyrtol ist ein Gemisch von ätherischen Ölen mit der Hauptkomponente Eukalyptusöl. Ein identisches Präparat ist unter dem Namen Gelodurat im Handel und kassenzulässig aus der Grundversicherung, wenn ein Arzt oder eine Ärztin es verschreibt.

Im übrigen: Die erwähnten DOI-Nummern verweisen auf die entsprechenden wissenschaftlichen Publikationen. Details hier auf Wikipedia.

Professor Fürst hat ein kleines Buch publiziert und darin die durch Studien belegten Heilpflanzen-Anwendungen zusammengefasst:

Pflanzliche Arzneimittel – was wirklich hilft

Ich habe dieses gut verständlich geschriebene Buch in meinem Buchshop genauer vorgestellt. Dort können Sie es auch via Buchhaus bestellen (hier).

Wenn Sie sich fundiertes Wissen über alle gebiete der Phytotherapie aneignen möchten, können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Desinformation ist die Pest der digitalisierten Gesellschaft

Professor Stephan Russ-Mohl schreibt:

“Desinformation ist die Pest der digitalisierten Gesellschaft. Sie breitet sich nicht nur epidemisch aus, sie verändert auch unsere Wahrnehmung dessen, was wir für wahr halten. Diese Pest zu bekämpfen, wird mehr und mehr zur zentralen Herausforderung für seriöse Medien, ja für die Demokratie und für freiheitliche Gesellschaften. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, wie sich Info-Müll und mentale Umweltverschmutzung eindämmen lassen.”

Dieses Zitat stammt aus dem Buch:

Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde

Warum die Digitalisierung  unsere Demokratie gefährdet

Herbert von Halem Verlag 2017

Dieses sehr informative Buch habe ich in meinem Buchshop vorgestellt. Sie können es dort über das Buchhaus bestellen (hier).

Stephan Russ-Mohl ist Professor für Journalismus und Medienmanagement an der Universität Lugano sowie Gründer des Europäischen Journalismus-Observatoriums (EJO).

Die Warnung, die Russ-Mohl in diesem Zitat ausspricht, halte ich für sehr berechtigt. Desinformation in Verbindung mit Digitalisierung bedroht die Stabilität demokratischer Gesellschaften. Dieses Problem benötigt volle Aufmerksamkeit von uns allen. Das Buch von Stephan Russ-Mohl ist eine gute Einführung in dieses Thema.

Weitere empfehlenswerte Bücher dazu:

Lügen im Netz? 

Wie Fake News, Populisten und unkontrollierte Technik

Autorin: Ingrid Brodnig

Im Buchshop anschauen hier.

Change the Game 

Wie wir uns das Netz von Facebook und Google zurückerobern.

Von Corinna Milborn und Markus Breitenecker

Im Buchshop anschauen hier.

Smartphone-Demokratie

Fake News, Facebook, Bots, Populismus, Weibo, Civic Tech

Von Adrienne Fichter (Hrsg.)

Im Buchshop anschauen hier.