Umkaloabo und Kaloba – was ist der Unterschied?

Umckaloabo® ist ein Erkältungsmittel aus Pelargonium sidoides (Kapland-Pelargonie).

Kaloba® ist ein identisches Präparat. Der einzige Unterschied:

Kaloba® wird von der Grundversicherung bezahlt, wenn eine Arzt oder eine Ärztin es verschreibt. Kaloba® ist weniger bekannt als Umckaloabo®, weil dafür keine Publikumswerbung gemacht werden kann.

Die Zusammensetzung ist aber identisch:

1 g Lösung enthält 800 mg Flüssigextrakt (1:8–10) aus den Wurzeln von Pelargonium sidoides.

Kaloba und Umckaloabo werden angewendet bei akuter Bronchitis (Entzündung der Bronchien). Für diesen Anwendungsbereich gibt es Studien, die eine Wirksamkeit belegen. Diese Studien  gelten nur für Umckaloabo® / Kaloba®. Sie lassen sich auf andere Präparate aus Pelargonium sidoides, die anders hergestellt wurden, nicht so einfach übertragen.

 

Siehe auch:

Metaanalyse zeigt: Umckaloabo lindert Atemwegsinfekte

Phytotherapie: Umckaloabo-Studien

Phytotherapie: Umckaloabo / Pelargonium sidoides bei Erkältungen

Wenn Sie lernen möchten, wie sich Naturheilmittel und Phytopharmaka beurteilen lassen, und wenn Sie die Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen fundiert kennenlernen möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar

Was ist Populismus?

„Populismus“ wird seit einiger Zeit fast inflationär als politischer Kampfbegriff eingesetzt. Populist ist dann, wer lauthals simple Lösungen anpreist und sich beim „Volk“ anbiedert.

Derart ungenau verwendet, verliert der Begriff seine Erklärungskraft. Dabei wäre es wichtig präzis zu verstehen, womit wir es beim Populismus zu tun haben – und worin seine Gefahr für demokratische Gesellschaften besteht.

Der Politologe Jan-Werner Müller von der Universität Princeton schafft es in seinem Buch „Was ist Populismus“, den Populismus gut verständlich auf den Punkt zu bringen.

Populisten sind demnach erkennbar am Anspruch, dass sie, und nur sie, das Volk vertreten. Dabei setzen sie ein Volk voraus, das einheitlich ist und so nur in ihrer Fiktion existiert. In dieser homogenen Vorstellung des „Volkes“ spielen unterschiedliche Interessenlagen und unterschiedliche politische Ansichten keine Rolle.

Populismus ist antipluralistisch

Weil Populisten behaupten, dass nur sie das Volk vertreten, werden in ihren Augen alle anderen politischen Ansichten und Akteure potenziell illegitim. Populismus wird dadurch antipluralistisch und letzlich auch antidemokratisch. Das zeigt sich unter anderem auch darin, dass Populisten Schwierigkeiten haben, politisch Niederlagen zu akzeptieren. Weil sie doch in ihrer Vorstellung das ganze Volk repräsentieren, kann eine Niederlage nur Folge von Lüge, Betrug und Verschwörung sein.

Jan-Werner Müller beschreibt auch eindrücklich, was geschieht, wenn Populisten an die Macht kommen. Sie besetzten Gerichte und Verwaltung mit Parteimitgliedern, reissen sich die Medien unter den Nagel und demontieren damit alle Instanzen, die ihrem Machtanspruch Grenzen setzen könnten. Zu beobachten ist diese Entwicklung gerade zum Beispiel in Polen und Ungarn.

Das Buch von Jan-Werner Müller ist meiner Ansicht nach ein Standard-Werk für aktuelle politische Bildung. Wer gegenwärtige gesellschaftspolitische Entwicklungen verstehen will, ist damit gut bedient. Und diese Entwicklungen gehen uns etwas an. Denn die lange Phase von Frieden und Stabilität, die wir in Mitteleuropa erlebt haben, ist vielleicht weniger selbstverständlich, als wir uns das vorstellen.

Das Buch „Was ist Populismus?“ von Jan-Werner Müller, habe ich in meinem Buchshop genauer vorgestellt. Sie können es hier anschauen und auch via Buchhaus bestellen.

Eine Zusammenfassung des Buches habe ich hier publiziert:

Was ist Populismus? Und was nicht?

 

Studienlage zur Phytotherapie bei Erkältungskrankheiten

Professor Dr. Robert Fürst von der Uni Frankfurt hat vor kurzem in der Pharmazeutischen Zeitung die Studienlage zu Heilpflanzen-Präparaten bei Erkältungskrankheiten dargelegt.

Zur Vorbeugung von Atemwegsinfektionen allgemein hat gemäss Fürst das Präparat Angocin® Anti-Infekt N zeigen können, dass es die Infektwahrscheinlichkeit gegenüber Placebo reduziert (DOI: 10.1185/03007995.2012.742048).

Als Therapeutikum kann Esberitox® die Symptomlast vermindern. Es verkürzt jedoch nicht die Erkrankungsdauer (DOI: 10.1185/03007999909114094).

Laut den Resultaten eines Cochrane-Reviews aus dem Jahr 2014 kann für Echinacea von einem geringen Effekt bei der Vorbeugung und keinem Effekt bei der Behandlung ausgegangen werden (DOI: 10.1002/14651858.CD000530.pub3). In der Metaanalyse von 24 Studien wurden allerdings extrem heterogene Präparate zusammengefasst (verschiedene Echinacea-Arten, Pflanzenteile oder Extraktionsverfahren). In diesem Fall müsse man sich gezielt die Studien der einzelnen Präparate ansehen, erklärt Fürst. Echinacin® Liquidum Madaus habe zum Beispiel bei Kindern die Schwere und Dauer der Symptome lindern können (DOI: 10.1001/jama.290.21.2824).

Bei einer akuten Rhinosinusitis kann gemäss aktueller S2k-Leitlinie eine Therapie mit Sinupret® extract oder definierten Eucalyptus-Extrakten empfohlen werden. Für eine Empfehlung bei rezidivierender oder chronischer Rhinosinusitis ist laut Fürst die Evidenzlage dagegen nicht genügend. Darüber hinaus gibt es gemäss Fürst Studien, die auch für einen Einsatz von Umckaloabo® bei bakterieller Sinusitis (Bachert et al. Rhinology. 2009; 47: 51-58) sowie bedingt auch für Gelomyrtol® forte (DOI: 10.1055/s-2007-997381) und Soledum® (DOI: 10.1097/00005537-200404000-00027) sprechen. Umckaloabo sei allerdings nicht für die Indikation akute Rhinosinusitis zugelassen.

Zur Therapie von Halsschmerzen sagt die Leitlinie, deren Gültigkeit allerdings abgelaufen ist und die zurzeit überarbeitet wird: »Pflanzliche Arzneimittel können bei ausgeprägtem Therapiewunsch oder unzureichender Wirksamkeit besser belegter symptomatischer Maßnahmen mit Einschränkungen empfohlen werden«. Positiv erwähnt wird der Valverde® Salvia Rachenspray, der allerdings nicht in Deutschland auf dem Markt ist, sowie Umckaloabo. Das Pelargonium-Präparat hat allerdings auch für Halsschmerzen bzw. die akute Pharyngitis keine Zulassung.

Auch in der gültigen S3-Leitlinie Husten finden Phytopharmaka positive Erwähnung: die Kombination aus Thymiankraut und Efeublättern (in Bronchipret® Saft TE), die Kombination aus Thymiankraut und Primelwurzel (in Bronchipret® TP Filmtabletten und Bronchicum® Tropfen) und auch bei dieser Indikation Pelargonium sidoides, also Umckaloabo. Plausibel erscheint Fürst bei akuter Bronchitis der Einsatz von gut untersuchten Efeu-Monopräparaten wie Prospan® oder Hedelix® sowie Gelomyrtol forte und bedingt auch Soledum, obwohl diese Präparate nicht in der Leitlinie aufgeführt sind.

Es gebe noch viele andere Präparate. Nur weil es noch keine überzeugenden Studien gebe, heisse das nicht, dass diese nicht wirken, sagte Fürst. Er rät aber, sich an der aktuellen Datenlage und den Bedürfnissen der Patienten zu orientieren.

Quelle;

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/phytos-evidenzbasiert-bewerten/

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine gute Zusammenstellung der Heilpflanzen-Präparate (Phytopharmaka), deren Wirksamkeit  im Bereich der Erkältungskrankheiten mit Studien belegt ist.

Unterstrichen werden muss dabei, dass diese Studienlage und diese Bestätigungen für Wirksamkeit nur für die untersuchten Präparate gelten. Wenn also ein Efeu-Monopräparat wie Prospan positive Studien vorlegen kann, dann lässt sich das zum Beipsiel nicht auf Efeutinktur übertragen, weil es sich dabei aufgrund unterschiedlicher Herstellungsverfahrung um unterschiedliche Produkte handelt.

Ebenso bei Pelargonium-Präparaten: Belegt ist ausschliesslich Umckaloabo®, weil dieser Hersteller die Studien finanziert hat.

Der Valverde Salvia Rachenspray (mit Salbei) war in der Schweiz im Handel, jetzt nicht mehr. Bei Halsschmerzen ist Gurgeln mit Salbeitee aber eine gute Option. Studien gibt es dazu allerdings nicht, denn für eine simple Kräutertee-Anwendung, die sich nicht patentieren lässt, gibt es keine Finanzierung für fundierte Forschung.

Angocin ist in der Schweiz nicht im Handel, wird aber von Apotheken bei Nachfrage besorgt. Das Präparat enthält Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressenkraut. Ich würde dieses Präparat allerdings eher bei akuter Bronchitis (oder akuter Blasenentzündung) einsetzen und weniger zur Vorbeugung.

Gelomyrtol ist ein Gemisch von ätherischen Ölen mit der Hauptkomponente Eukalyptusöl. Ein identisches Präparat ist unter dem Namen Gelodurat im Handel und kassenzulässig aus der Grundversicherung, wenn ein Arzt oder eine Ärztin es verschreibt.

Im übrigen: Die erwähnten DOI-Nummern verweisen auf die entsprechenden wissenschaftlichen Publikationen. Details hier auf Wikipedia.

Professor Fürst hat ein kleines Buch publiziert und darin die durch Studien belegten Heilpflanzen-Anwendungen zusammengefasst:

Pflanzliche Arzneimittel – was wirklich hilft

Ich habe dieses gut verständlich geschriebene Buch in meinem Buchshop genauer vorgestellt. Dort können Sie es auch via Buchhaus bestellen (hier).

Wenn Sie sich fundiertes Wissen über alle gebiete der Phytotherapie aneignen möchten, können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Desinformation ist die Pest der digitalisierten Gesellschaft

Professor Stephan Russ-Mohl schreibt:

“Desinformation ist die Pest der digitalisierten Gesellschaft. Sie breitet sich nicht nur epidemisch aus, sie verändert auch unsere Wahrnehmung dessen, was wir für wahr halten. Diese Pest zu bekämpfen, wird mehr und mehr zur zentralen Herausforderung für seriöse Medien, ja für die Demokratie und für freiheitliche Gesellschaften. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, wie sich Info-Müll und mentale Umweltverschmutzung eindämmen lassen.”

Dieses Zitat stammt aus dem Buch:

Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde

Warum die Digitalisierung  unsere Demokratie gefährdet

Herbert von Halem Verlag 2017

Dieses sehr informative Buch habe ich in meinem Buchshop vorgestellt. Sie können es dort über das Buchhaus bestellen (hier).

Stephan Russ-Mohl ist Professor für Journalismus und Medienmanagement an der Universität Lugano sowie Gründer des Europäischen Journalismus-Observatoriums (EJO).

Die Warnung, die Russ-Mohl in diesem Zitat ausspricht, halte ich für sehr berechtigt. Desinformation in Verbindung mit Digitalisierung bedroht die Stabilität demokratischer Gesellschaften. Dieses Problem benötigt volle Aufmerksamkeit von uns allen. Das Buch von Stephan Russ-Mohl ist eine gute Einführung in dieses Thema.

Weitere empfehlenswerte Bücher dazu:

Lügen im Netz? 

Wie Fake News, Populisten und unkontrollierte Technik

Autorin: Ingrid Brodnig

Im Buchshop anschauen hier.

Change the Game 

Wie wir uns das Netz von Facebook und Google zurückerobern.

Von Corinna Milborn und Markus Breitenecker

Im Buchshop anschauen hier.

Smartphone-Demokratie

Fake News, Facebook, Bots, Populismus, Weibo, Civic Tech

Von Adrienne Fichter (Hrsg.)

Im Buchshop anschauen hier.

 

Neurodermitis bei Kindern: Schwarztee zur Behandlung nässender Areale im Gesicht

In seinem Buch “Kinder – natürlich gesund” gibt der Kinderarzt Professor Walter Dorsch einen Tipp zur Behandlung von nässenden Arealen im Gesicht bei Neurodermitis:

“Mehrmals täglich Anwendung von Schwarzteeumschlägen (nachcremen, z. B. mit Unguentum emulsificans aquosum, nicht vergessen, da sonst zu sehr austrocknend!).”

Das Buch “Kinder – natürlich gesund” habe ich in meinem Buchshop näher vorgestellt und Sie können es dort auch via Buchhaus bestellen (zur Besprechung im Buchshop hier).

Schwarztee eignet sich wegen seines Gehalts an Gerbstoffen generell zu Behandlung von nässenden Ekzemen und anderen nässenden Hautentzündungen.

Siehe auch:

Schwarztee gegen Hautentzündungen

Siehe ausserdem:

Schwarztee bei Windeldermatitis

Falls Sie fundierte Kenntnisse über Wirkungen und Anwendungen von Heilpflanzen erwerben möchten, können Sie das in meinen Lehrgängen in Winterthur, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

 

Friede der Kreatur (1878), von Gottfried Keller

Spinnen waren mir auch zuwider

All meine jungen Jahre,

Liessen sich von der Decke nieder

In die Scheitelhaare,

Sassen verdächtig in den Ecken

Oder rannten, mich zu erschrecken,

Über Tischgefild und Hände,

Und das Töten nahm kein Ende.

 

Erst als schon die Haare grauten,

Begann ich sie zu schonen,

Mit den ruhiger Angeschauten

Brüderlich zu wohnen;

Jetzt mit ihren kleinen Sorgen

Halten sie sich still geborgen,

Lässt sich einmal eine sehen,

Lassen wir uns weislich gehen.

 

Hätt ich nun ein Kind, ein kleines,

In väterlichen Ehren,

Recht ein liebliches und feines,

Würd ich’s mutig lehren,

Spinnen mit dem Händchen fassen

Und sie freundlich zu entlassen;

Früher lernt’ es Frieden halten,

Als es mir gelang, dem Alten!

 

Gottfried Keller (1819 – 1890), Schweizer Dichter und Politiker

 

Kommentar & Ergänzung:

Sie fragen sich, was ein solches „Spinnen-Gedicht“ auf einer Pflanzenheilkunde-Website zu suchen hat?

Lassen Sie mich das erklären und dazu ein wenig ausholen:

Wer Heilpflanzenkunde nur am Pult oder vor dem Computer betreibt, verpasst einen ganz wesentlichen Aspekt. Heilpflanzen muss man auch in ihrem Lebensraum kennen lernen.

Nur so entsteht ein anregender Kontakt und eine lebendige Beziehung zur Pflanzenwelt. Es geht dabei nicht um ein abgehobenes „Eso-Gesäusel“. Es geht nicht um eine fragwürdige „Vermenschung“ der Pflanzen, die ihnen Dialogfähigkeit, Sprachfähigkeit und Emotionalität unterschiebt. Mensch bleibt Mensch und Pflanze bleibt Pflanze. Sehr unterschiedliche Welten. Trotzdem kann der Mensch in Kontakt treten, Beziehung aufnehmen, mich auf eine anregende Begegnung einlassen.

Vielleicht machen gerade die Unterschiede zwischen Mensch und Pflanze die Qualität dieser Beziehung aus. Kontakt entsteht aus der Wertschätzung der Unterschiede (sagt die Gestalttherapie) und das Spezielle an der Natur ist, dass sie keine Meinung über uns hat (sagt Nietzsche).

Wer sich nun achtsam auf der Suche nach Heilpflanzen in der Natur bewegt, wird hoffentlich irgendwann merken: Es gibt auch viele Pflanzen, die keine heilkundliche Verwendung finden.

Ist es nicht eigenartig, wenn wir uns nur isoliert für Heilpflanzen interessieren, also für das, wovon wir uns einen direkten Nutzen versprechen? Daran schliessen sich knifflige Fragen an: Warum sind Heilpflanzen Heilpflanzen geworden und Nicht-Heilpflanzen Nicht-Heilpflanzen geblieben?

Mein Wunsch: Beachten wir die Nicht-Heilpflanzen mit gleich viel Interesse wie die Heilpflanzen. Und wer das nicht ganz ohne Eigennutz vermag: Zu mindestens ästhetisch bieten uns auch die Nicht-Heilpflanzen sehr viel Genuss.

Wer sich nun also nicht nur auf die Heilpflanzen fixiert, sondern offen ist für die Pflanzenwelt überhaupt, wird irgendwann hoffentlich bemerken: Mit und auf den Pflanzen und um sie herum gibt es ganz viel zu entdecken, was da „kreucht und fleucht“. Wunderschöne oder schlichtere Schmetterlinge….. die muss man ja nicht alle mit Namen ansprechen können (es gibt rund 3000 Arten in Mitteleuropa).

Aber warum kennen sehr viele Menschen – auch naturheilkundlich interessierte – nicht einmal mehr die häufigsten und auffälligsten? Schmetterlinge sind faszinierend von ihrer Lebensweise her und von ihren Farben und Formen eine Augenweide. Immerhin sind sie im Reich der Insekten für die Menschen noch so etwas wie Sympathieträger.

Aber Käfer? – Da kommen wir schon in schwierigere Gefilde. Auch hier gilt: Man muss sie nicht alle mit Namen ansprechen können (es gibt mehr als 8000 Käferarten in Mitteleuropa). Aber wenn man sich einmal Zeit nimmt und einen Käfer von nah anschaut – zum Beispiel die Fühler unter der Lupe oder mit dem Binokular-Mikroskop: Eine ganz neue Welt tut sich auf. Wunderbare Formen und schillernde Farben.

Und erst die Wanzen! – Wanzen? – Ja genau – die verdanken ihren schlechten Ruf der Bettwanze. Auf den Pflanzen gibt es aber ganz harmlose Wanzen mit einem exzellenten Farbdesign. Schauen Sie sich mal die Streifenwanze an in den Bildergalerien von Flims und Jeizinen. Sie könnte locker einen Design-Wettbewerb gewinnen. Aber auch hier muss sich niemand einen Stress daraus machen, alle Wanzen zu kennen (es gibt etwa 700 Wanzenarten in Mitteleuropa, darunter auch einige ausgesprochene „beauties“).

Und jetzt noch die Spinnen. Hier kommen wir beziehungsmässig in ziemlich desolates Gelände. Spinnenfreunde lassen sich meist an einer Hand abzählen (Spinnenfreundinnen an einer halben). Aber ehrlich: Was wissen Spinnenverächter überhaupt von Spinnen: hoch faszinierende Jagdstrategien, perfekte Balzrituale für ein „unfallfreies“ Rendez-vous (Spinnenmännchen müssen ihrer Angebeteten klar machen, dass es jetzt nicht ums Fressen geht….),  eindrückliche Netzbaukunst.

Und wer schon mal einer Spinne in ihre acht Augen geschaut hat….das kann ausprobieren, zum Beispiel mit meinem Binokular-Mikroskop, das ich an den Wochenend- und Wochenkursen dabei habe. Dieses Binokular-Mikroskop hat schon manche Spinnenabneigung in unverhohlene Faszination verwandelt. Und schlussendlich: Haben Sie die Springspinne schon gesehen, die in Ihrer Wohnung lebt? Die Zitterspinne? Die grosse Hauswinkelspinne? Alles sehr regelmässige Nachbarn des Menschen, mit interessanter Lebensweise. Warum eigentlich sind Mensch und Spinne sich so fremd?

Damit sind wir wieder beim Gedicht von Gottfried Keller. Ich wollte Ihnen zeigen: Pflanzenheilkunde kann auch ein Einstieg und ein Weg sein, um die Vielfalt der Natur genauer wahrzunehmen, um Beziehungen zu knüpfen zu unterschiedlich Lebewesen aus Pflanzen- und Tierwelt. Das führt schliesslich über die erweiterte Wahrnehmung zu einer Bereicherung der Welt, in der wir leben.

Nicht die Welt wird reicher – sie ist heute schon voller kleiner Wunder am Wegrand – nur laufen die meisten Menschen ziemlich blind durch die Gegend. Wer Pflanzen und Tiere aber einmal genau wahrgenommen hat, wird ihnen immer wieder begegnen. Dadurch kann sich auch eine tragfähigere Verankerung in der Welt entwickeln, eine Beheimatung in der Natur sozusagen.

Aus diesen Gründen scheint es mir wichtig, auf Heilpflanzen-Exkursionen zwar die Heilpflanzen (und andere Pflanzen) ins Zentrum zu stellen, aber auch die Augen offen haben für die kleinen Wunder aus der Tierwelt.

Schauen Sie sich im Kurskalender doch mal die Daten und Orte für meine Kräuterwanderungen an.

 

Cannabidiol wirksam bei Reizdarm?

Dem Cannabis-Wirkstoff Cannabidiol (CBD) wird seit einiger Zeit große Beachtung geschenkt, in den Medien, bei Patienten und auch bei Wissenschaftlern, da der Substanz verschiedene gesundheitsfördernde und entzündungshemmende Effekte zugesprochen werden. US-Forscher wollen nun untersuchen, ob Cannabidiol auch beim Reizdarmsyndrom wirksam ist.

Im US-Bundesstaat Pennsylvania startete vor kurzem eine klinische Pilotstudie mit CBD, die vom kanadischen Unternehmen FSD Pharma in Auftrag gegeben wurde. Die Firma forscht zu neuartigen Cannabinoidtherapien zur Behandlung unter anderem von chronischen Schmerzen, Fibromyalgie und Reizdarmsyndrom. Das entwickelte CBD-Kombinationsprodukt „Steady Stomach” soll zunächst bei Patienten mit Reizdarmsyndrom zur Anwendung kommen.

 

Nach Angaben des Herstellers ist das Präparat „eine zum Patent angemeldete Kombination von Cannabidiol (CBD) zusammen mit zusätzlichen synergistischen Faktoren, die die entzündungshemmenden Eigenschaften von CBD potenziert und aktiviert”. Dadurch soll das Präparat wirksamer in der Therapie des Reizdarmsyndroms sein. In den westlichen Ländern sind zirka 10 bis 20 Prozent der Menschen von dieser Funktionsstörung des Darms betroffen, was bei den Patienten oft zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität führt. Zu den Symptomen gehören unter anderem Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung sowie Blähungen.

Die Forscher wollen im Rahmen dieser Untersuchungen Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit des Präparates sammeln. Sie führen dazu eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie im Cross-over-Design durch. Da die Zahl der Probanden relativ gering ist, dürften weitere groß angelegte Studien nötig sein, um statistisch signifikante Aussagen daraus zu ziehen und den medizinischen Nutzen belegen zu können. Die Studie basiert auf den zuvor gesammelten Daten zur Wirksamkeit aus einer präklinischen Studie im Nagetiermodell auf. Dabei zeigte sich die bei Anwendung des Kombinationsprodukts im Vergleich zu CBD allein eine dreifach höhere Wirksamkeit bei der Reduktion der abdominalen Entzündungswerte.

 

Pharmakologische Wirkungen von CBD

CBD wirkt als Antagonist am G-Protein-gekoppelten Cannabinoidrezeptor GPR55 und blockiert den zellulären Ionenkanal TRMP8, den α1-Adrenozeptor und den µ-Opioidrezeptor. Darüber hinaus verhindert CBD den Abbau des endogenen Cannabinoids Anandamid, da das Enzym Fettsäureamid-Hydrolase (FAAH) inhibiert wird. Weitere Effekte von CBD sind die Blockade von Calciumkanälen sowie die Inhibition der Wiederaufnahme von Botenstoffen.

 

Das Interesse am therapeutischen Potenzial von CBD nimmt weltweit stetig zu. Die Substanz kann in verschiedenen Anwendungsbereichen zum Einsatz kommen, denn sie besitzt neben den antiepileptischen auch angstlösende, antipsychotische und entzündungshemmende Eigenschaften.

Zudem ist ein Einsatz gegen Übelkeit und Erbrechen sowie zur Appetithemmung möglich. Die denkbaren Indikationsgebiete benötigen allerdings eine ärztliche Überwachung und individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung.

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/cannabidiol-bei-reizdarm-forscher-testen-wirksamkeit-steady-stomach/

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Die Forschungen zu Cannabinol bei Reizdarm stecken noch in den Kinderschuhen. Aus dem Bericht geht nicht hervor, um welche Substanzen es bei diesen „zusätzlichen synergistischen Faktoren“ geht, die die entzündungshemmenden Eigenschaften von CBD potenzieren und aktivieren sollen.

 

Auch der Cannabis-Wirkstoff THC wird bezüglich einer Wirksamkeit zur Linderung von Reizdarm erforscht.

Siehe:

Dronabinol (THC) vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten.

 

Zu CBD / THC in der Medizin siehe auch:

Cannabinol (CBD): Ein Wirkstoff im Trend

Cannabis-Wirkstoffe: Neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

Cannabis-Therapie bei MS: Zusatznutzen für Sativex-Spray gegen Spastik bestätigt

Cannabis als Medizin: Unterschiedliche Wirkung von Cannabis sativa und Cannabis indica

Die Wirkungen und Indikationen von Cannabis als Arzneimittel und die Möglichkeiten einer legalen Anwendung sind auch Thema in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar– natürlich neben allen anderen Heilpflanzen.

 

MedUni Wien: Homöopathie aus dem Lehrplan gestrichen

Wegen zahlreicher Beschwerden wird die Lehrveranstaltung zur Homöopathie an der MedUni Wien nicht mehr abgehalten.

Markus Müller, der Rektor der MedUni Wien, kommentiert die Entscheidung auf der Fachplattform nextdoc folgendermassen:

„Die MedUni Wien ist als international sichtbare, österreichische Leitinstitution dem Prinzip der evidenzbasierten Medizin verpflichtet. Patienten sollten daher ausschließlich nachvollziehbare und wissenschaftsbasierte Heilverfahren angeboten werden.”

Die MedUni Wien biete daher „kein Angebot alternativmedizinischer Ideen“.

Quelle:

https://kurier.at/gesund/meduni-wien-streicht-homoeopathie-aus-dem-lehrplan/400333533

 

Kommentar & Ergänzung:

Meiner Ansicht nach ist es durchaus nützlich, wenn angehende Medizinerinnen und Mediziner ein Basiswissen über Methoden der Komplementärmedizin bekommen, da sie in der Praxis mit solchen Konzepten in Kontakt kommen werden. Klar ist aber auch, dass es dabei neben der Vermittlung von Grundlagenwissen durchaus um eine kritische Auseinandersetzung gehen sollte, und nicht nur um eine Werbeplattform für bestimmte Methoden. Wichtig wäre auch, dass die Studierenden einen konstruktiv-kritischen Umgang mit komplementärmedizinischen Verfahren lernen würden. Denn  diffamieren geht nicht, ignorieren geht auch nicht, und anbiedern ist unappetitlich.

Die Lehrveranstaltung an der MedUni Wien wurde bisher geleitet vom Homöopathen Michael Frass, der meines Erachtens keine Gewähr bietet für eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Homöopathie, weil er viel zu stark von der Methode eingenommen ist und damit zuwenig Distanz hat. Das zeigen eindrücklich die Diskussionen zwischen Michael Frass und Norbert Aust (hier).

Insofern scheint es mir angemessen, diese Lehrveranstaltung abzusagen.

Das Anliegen, dass Studierende der Medizin etwas mitbekommen sollten von den Konzepten der Komplementärmedizin und in die Lage sein Die Lehrveranstaltung an der MedUni Wien wurde bisher geleitet vom Homöopathen Michael Frass, der meines Erachtens keine Gewähr bietet für eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Homöopathie, weil er viel zu stark von der Methode eingenommen ist und damit zuwenig Distanz hat. Das zeigen eindrücklich die Diskussionen zwischen Michael Frass und Norbert Austsollten, mit komplementärmedizinisch ausgerichteten Patientinnen und Patienten einen konstruktiven Umgang zu finden, ist aber nach wie vor wichtig.

Kräuterlexikon: Borretsch als Heilpflanze

Auf T-online wird in einem Beitrag der Borretsch (Borago officinalis) als Heilpflanze beschrieben. Die Aussagen kommen mir vor wie frei erfunden. Hier Zitate aus diesem Beitrag mit Kommentaren von mir:

„Der Borretsch wird häufig als Gewürz im Salat genutzt. Dank seiner heilsamen Wirkung wird er auch zum Beispiel bei Herzschwäche und Bluthochdruck eingesetzt.“

Es gibt keinerlei Belege oder auch nur plausible Argumente für eine Wirksamkeit von Borretsch bei Herzschwäche und Bluthochdruck.

Zur Wirkung von Borretsch schreibt T-online:

„Er wirkt beruhigend, entgiftend und entzündungshemmend…..”

Es gibt keinerlei Belege oder auch nur plausible Argumente für beruhigende und entgiftende Wirkungen von Borretschkraut. Dass man mit Heilpflanzen „entgiften“ kann, ist grundsätzlich eine fragwürdige bis abstruse Vorstellung. Eine entzündungswidrige Wirkung der Borretschkrauts könnte allenfalls noch mit dem Gerbstoffgehalt erklärt werden (dann aber nur lokal / äusserlich).

In der Phytotherapie-Fachliteratur finden sich zu Borretschkraut nur wenige Hinweise, weil es dazu kaum gesicherte Erkenntnisse gibt. Beispiel:

„Borretschkraut wirkt adstringierend (Gerbstoffe) und einhüllend (Schleimstoffe) und gilt volkstümlich als Bronchotherapeutikum; die Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt, eine Verwendung als Arzneidroge angesichts der Risiken…nicht vertretbar.“

(Aus: Heilpflanzenlexikon, Dietrich Frohne, 2006).

Mit den Risiken ist der Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden im Borretschkraut gemeint, die lebertoxisch wirken können.

T-online empfiehl Borretschkraut bei einer ganzen Reihe von Anwendungsbereichen:

„ ….und wird bei Herzbeschwerden, Bluthochdruck und Schlafbeschwerden eingesetzt.“

„Des Weiteren hat die Pflanze eine fiebersenkende Wirkung und soll bei Gicht, Rheuma und Menstruationsbeschwerden helfen.“

Hier wird eine fiebersenkende Wirkung behauptet, die völlig ungeklärt ist. Dazu gibt es meines Wissens nirgendwo plausible Hinweise.

Rheuma und Menstruationsbeschwerden gibt es keine Belege oder auch nur glaubwürdige Argumente. Immerhin wird hier mit der Formulierung „soll“ keine Wirkung absolut behauptet.

Soweit die Ausführungen zur innerlichen Anwendung.

Zur äusserlichen Anwendung schreibt T-online:

„Außerdem können Sie Borretsch äußerlich anwenden: als Tee oder verdünnte Tinktur in Umschlägen oder Bädern. So kann das Kraut auch bei schlecht heilenden Wunden, Hautausschlägen oder Ekzemen helfen.“

Es gibt keinerlei Belege für eine Wirksamkeit von äusserlich angwandtem Borretschkraut bei schlecht heilenden Wunden, Hautausschlägen oder Ekzemen helfen. Aufgrund des Gerbstoffgehalts ist ein Effekt von Bädern und Umschlägen bei nässenden Wunden und Ekzemen zumindestens denkbar. Das gilt aber wirklich nur für nässende Wunden und Entzündungen – und es gibt dafür besser geeignete Heilpflanzen (z. B. Schwarztee, Eichenrinde).

Borretschsamenöl bei Neurodermitis

Gegen Ekzeme bei Neurodermitis (Atopische Dermatitis) wird in der Phytotherapie Borretschsamenöl angewendet, in der Regel innerlich in Form von Kapseln, manchmal auch äusserlich. Borretschsamenöl enthält wie Nachtkerzenöl Gamma-Linolensäure als Wirkstoff.  Und im Gegensatz zum Borretschkraut gibt es beim Borretschsamenöl kein Risiko bezüglich der Pyrrolizidinalkaloide.

Für die Anwendung von Borretschsamenol bei Neurodermitis gibt es zumindestens einige Hinweise aus Studien, die auf eine Wirksamkeit deuten. Und genau diese Anwendung kommt im Beitrag auf T-online gar nicht vor.

Das zeigt, wie willkürlich die Aussagen in diesem Artikel auf T-online sind.

Quelle der Zitate:

https://www.t-online.de/gesundheit/heilmittel-medikamente/id_77694630/borretsch-alles-zur-heilpflanze-und-verwendung.html

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Beispiel verdeutlicht, dass beim Thema „Heilpflanzen“ in den Medien (und im Buchhandel) über weite Strecken ein Qualitätsproblem vorliegt. Den meisten Verlagen scheint es egal zu sein, ob auch stimmt, was da geschrieben wird. Hauptsache es gibt Klicks im Internet und damit Werbeeinnahmen, und gute Verkaufszahlen im Büchermarkt.

Für Konsumentinnen und Konsumenten ist das nur schwer durchschaubar.

Heilpflanzen-Bücher, die punkto Qualität meines Erachtens verlässlich sind, stelle ich in meinem Buchshop vor. Sie können dort auch bestellt werden und die Lieferung kommt dann vom Buchhaus „Lüthy Balmer Stocker“ (Zur Übersicht geht’s hier).

Wer sich fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

 

 

 

Facebook, YouTube und Twitter belohnen und fördern Extremismus – das darf nicht so bleiben!

Wie das geschieht, schildert folgendes Zitat: „Demokratie braucht nüchterne Debatten. Qualitätsmedien setzen in ihren Informationsformaten traditionell auf das nüchterne Berichten von Fakten, auf emotionslose Sprache und haben den Anspruch, zwischen Bericht und Meinung zu unterscheiden. Facebook und YouTube machen das Gegenteil. Den Test kann jeder selbst durchführen: Was bekommt mehr Reaktionen auf Facebook – eine […]