Brokkolisprossen hemmen Helicobacter-Pylori-Bakterien im Magen

Das Bakterium Helicobacter Pylori kann zu Magenbeschwerden, Magengeschwür und in schlimmen Fällen sogar zu Magenkrebs führen. Ein US-Forscherteam hat nun entdeckt, dass Brokkolisprossen die Erreger offenbar bekämpfen können.
Die Forschungsergebnisse sind im Magazin “Cancer Prevention Research” veröffentlicht worden.

Brokkolisamen können leicht zum Keimen gebracht werden. So lassen sich die Sprossen ganz einfach ziehen. Wissenschaftler um den Biochemiker Jed Fahey von der John Hopkins Universität haben herausgefunden, dass die Sprossen einen hohen Gehalt an dem Antioxidantium Sulforaphan aufweisen. Dieser Inhaltsstoff wirkt sich im Körper günstig auf die Immunabwehr aus. Er kurbelt sie an und unterstützt so den Kampf gegen die Helicobacter-Pylori-Bakterien.

Dass die Gemüsesprossen wirksam sind, konnten die US-Experten in Versuchen zeigen. In Japan verzehrten 25 Versuchsteilnehmer, die an einer Helicobacter-Pylori-Infektion litten, mehrere Wochen lang täglich 70 Gramm Brokkolisprossen.Die Sprosse waren drei Tage jung. Eine Kontrollgruppe von ebenfalls 25 Personen verzehrte hingegen Alfalfasprossen, die kein Sulforaphan enthalten. Eine Untersuchung ergab nun, dass nach acht Wochen die Erregerzahl in den Mägen der Brokkolisprossen-Gruppe deutlich reduziert war. Bei den Alfalfasprossen-Esser zeigte sich dagegen keine Veränderung. Doch obwohl sich mit Hilfe von Brokkolisprossen die Krankheitserreger offenbar bekämpfen lassen, weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass sich eine Heliobacter-pylori-Infektion allein durch die Einnahme der Brokkoli-Keimlinge nicht heilen lasse. Die Erreger werden nämlich durch die Broccolisprossen reduziert, aber nicht vollständig eliminiert. So zeigte sich denn auch durch eine Kontrolluntersuchung acht Wochen nach Beendigung der Therapie eine Wiederbesiedelung mit Helicobacter pylori. Das deutet darauf hin, dass die Broccoli-Diät im Gegensatz zur Antibiotika-Therapie offenbar den Keim nicht vollständig abtötet.

Quelle:
http://de.news.yahoo.com/12/20090406/thl-brokkolisprossen-koennen-magenkrebs-d343981.html
www.aerzteblatt.de

Kommentar & Ergänzung:

Sulphoraphan ist ein starkes (indirektes) Antioxidans. Es wurde erstmals 1992 von Paul Talalay und Kollegen an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore isoliert und beschrieben. Der sekundäre Pflanzenstoff kommt als Senfölglykosid Glucoraphanin hauptsächlich in Pflanzen aus der Kreuzblütler-Familie vor, beispielsweise in Kohl und Broccoli. Im Unterschied zu Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E oder ?-Carotin neutralisiert Sulphoraphan freie Radikale nicht direkt sondern indirekt, indem es Phase II Enzyme aktiviert. Dadurch werden nachhaltige antioxidative Abwehrmechanismen des Organismus in Gang gesetzt.

In verschiedenen Studien konnte sowohl in der Zellkultur als auch in Tierversuchen ein auf Tumorzellen hemmender Effekt von Sulphoraphan nachgewiesen werden. Hierbei sollen bestimmte Bestandteile von sich teilenden Krebszellen, die sogenannten Mikrotubuli, von Sulphoraphan zerstört werden, was in Folge zum Niedergang der Krebszelle führt.

Sulphoraphan soll auch gegen Helicobacter-Pylori-Stämme wirksam sein, die gegen gängige Antibiotika Resistenzen gebildet haben.

Die von Talalay berschriebene Wirkung von Brokkolisprossen gegen Helicobacter-Pylori-Bakterien ist interessant. Wir haben hier wieder einmal ein Beispiel dafür, dass die Übergänge zwischen Phytotherapie / Pflanzenheilkunde und Ernährung an vielen Stellen fliessend ist. In diesen Fällen ist es dann plötzlich gar nicht mehr so klar, ob jetzt beispielsweise Brokkoli eher ein Lebensmittel ist oder schon zu den Heilpflanzen zählt.
Über mehrere Wochen täglich 70 Gramm Brokkolisprossen zu essen, dürfte allerdings nicht gerade allen Leuten leicht fallen. Und es würde ja eine dauerhafte Ernährungsumstellung brauchen, um einen anhaltenden Effekt zu erreichen.

Da ist es vielleicht gut zu wissen, dass Sulphoraphan auch in vielen Gemüsen aus der Kreuzblütler-Familie enthalten ist, wie zum Beispiel in Broccoli, Blumenkohl, Rosenkohl oder Grünkohl – also nicht nur in den Sprossen.

Broccoli hat von allen diesen Gemüsearten den höchsten Sulforaphan-Gehalt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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