Hier finden Sie empfehlenswerte Bücher zu dem Themen:
Phytotherapie, Heilpflanzen, Naturheilkunde, Gesundheit, Botanik, Wildtiere, Philosophie, Gesellschaft, Politik.

[Buchtipp] „Kinder – natürlich gesund,“ von Walter Dorsch

 

Thema des Buches:

Naturheilverfahren in der Kinderheilkunde

Das Buch stellt bewährte Hausmittel für die Behandlung von Kinderkrankheiten vor und nutzt dabei Verfahren aus der Naturheilkunde. Eltern bekommen dadurch nützliche Tipps, wie sie ihre Kinder mit Naturheilmitteln gesund halten können. Das Buch ist frei von übertriebenen Versprechungen und zeichnet sich durch eine hohe Glaubwürdigkeit aus. (Kurzkommentar von Martin Koradi)

 

Verlagsbeschreibung:

Naturheilverfahren, die wirklich helfen

Hilft eine Bachblütentherapie bei Neurodermitis? Kann man ADHS biodynamisch auspendeln? Welche Naturheilverfahren tatsächlich heilende Wirkung haben, weiß der renommierte Kinderarzt und überzeugte Naturheilmediziner Walter Dorsch. Dieses Buch ist seine persönliche Bilanz aus jahrzehntelanger Forschung und Praxis.
Wenn der Nachwuchs krank ist, wünschen sich viele Eltern für ihre Kinder eine möglichst natürliche Behandlung und keinen Arzt, der bei einer Erkältung Antibiotika verschreibt. Doch was genau heißt “natürlich”? Welche Naturheilverfahren sind sinnvoll? Der erfahrene Kinderarzt und Naturheilmediziner Walter Dorsch beschreibt, welche Verfahren wann zum Einsatz kommen sollten und wie sie zur Heilung beitragen können. In vielen Fällen sind Pflanzenheilkunde, Hydrotherapie und andere Naturheilverfahren unverzichtbar und ergänzen sinnvoll die klassische Medizin. Doch es gilt zu unterscheiden zwischen obskuren Angeboten und seriöser Anwendung: Dieses Buch ist ein Leitfaden für Eltern, damit sie eine selbstbestimmte Entscheidung treffen können.

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Zum Autor Walter Dorsch

Prof. Dr. med. Walter Dorsch, geboren 1949 in Weilheim, war Professor für Allergologie und Pneumologie an der Universitätskinderklinik Mainz. Er entdeckte u.a. die heilsame Wirkung der Hauszwiebel bei der Behandlung von Asthma bronchiale. Seit 1994 arbeitet er in eigener Praxisgemeinschaft in München. Er ist Vater von sechs Kindern, einem Stiefsohn und Großvater von acht Enkeln.

Kommentar von Martin Koradi

In der Kinderheilkunde liegt die Naturheilkunde und damit auch die Phytotherapie zunehmend im Trend, weil Eltern vermehrt nach natürlichen Alternativen fragen.

Schaut man sich die Ratgeberliteratur zu diesem Thema an, wird allerdings auch viel “Schrott” publiziert. Das Buch von Walter Dorsch ist da eine löbliche Ausnahme. Kinderarzt Dorsch ist offen für Naturheilkunde, aber nicht unkritisch. Er nimmt differenziert und fundiert Stellung zu gebräuchlichen Methoden und Massnahmen und er zeigt in einem speziellen Kapitel auf, woran man eine seriöse Naturheilkunde erkennen kann.

Der Autor orientiert sich erkennbar an den 5-Säulen nach Kneipp, die den Kern der klassischen Naturheilkunde gut ausdrücken. 

Früher wurden Hausmittel zur Behandlung von unkomplizierteren Beschwerden auch der Kinder von Generation zu Generation weitergegeben. Viele Menschen machten damit in der eigenen Kindheit gute Erfahrungen. Heute fehlt dieser Wissenstransfer oft. Das hat zur Folge, dass Eltern nicht selten mit banalen Erkrankungen ihrer Kinder nicht mehr umzugehen verstehen und damit in die kinderärztliche Praxis oder sogar in Notfallstationen von Kinderspitälern kommen. Andererseits gibt es auch Eltern, die den Kontakt zur Medizin möglichst meiden und bei Erkrankungen zu lange selber “herumwursteln”.

Beides ist problematisch.

Indem das Buch von Walter Dorsch fundiertes Wissen über Naturheilkunde bei Kinderkrankheiten vermittelt, schliesst es eine Lücke. Es bietet mit konkreten Anleitungen und Rezepturen Anleitung zur Selbsthilfe, bleibt dabei aber erfreulich auf dem Boden und macht keine überzogenen Versprechungen.

Die langjährige Erfahrung des Autors in der Kinderheilkunde zeigt sich in jedem Kapitel.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen

[Buchtipp] „Fake statt Fakt – Wie Populisten, Bots und Trolle unsere Demokratie angreifen,“ von Ute Schaeffer

 

Worum gehts?

Fake News und Propaganda

Populismus und Demokratie

Ein ausgezeichnetes Buch über die Gefährdung der Demokratie durch Bots, Trolle und Fake News.

 

 

 

Verlagsbeschreibung

Inhalt:

Die digitale Manipulation
Der öffentliche Raum hat sich fundamental verändert. Was als Tweet oder Post beginnt, führt zu praktischer Gewalt und hat unmittelbaren Einfluss auf Wahlergebnisse. Ein regelrechter Informationskrieg ist entstanden, der unsere Gesellschaft spalten und demokratische Institutionen unglaubwürdig machen soll. Es geht um Stimmungen, nicht um Fakten. Populisten und Extremisten brauchen eine Story: mit Opfern und Tätern, klaren Feinden und Helden. Somit sind die Echo- und Meinungsräume im Internet ein Biotop für beide. Ute Schaeffer hat sich fast zwei Jahre undercover in diese Räume begeben. Sie beschreibt die Akteure hinter den Kampagnen, analysiert die Storys und zeigt, auf welche Weise die Funktionen des Netzes die Wirkung der Propaganda verstärken.

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Zusammenfassung

Aufgedeckt von einer der versiertesten Journalistinnen Deutschlands: Mechanismen und Akteure hinter den Fake News, die die öffentliche Meinung manipulieren.

Aus Buchbesprechungen

“Schaeffer warnt davor, auszublenden, was im Netz verhandelt wird. ”
emotion 1. Juli 2018

»Das Buch liefert wesentliche Informationen zum Hintergrund und viele Diskussionsansätze. «
3. September 2018, Hessischer Bildungsserver

»Sie analysiert, wie Meinungen gemacht werden, und zeigt auf, warum dies für die Demokratie gefährlich ist. «
30. Juli 2018, Martina Dannert, ekz-bibliotheksservice

»Wichtigste Voraussetzung für eine wirksame Abwehr ist die Kenntnis der Mechanismen, mit denen die Netz-Fälscher in Politik, Werbung und Medien verfahren. Hierfür liefert der Band wertvolle Hilfe. «
11. Juli 2018, Badische Neueste Nachrichten

»Was Schaeffer schreibt, verwundert wenig, macht aus einem Ahnen aber durch sorgfältiges und umfassendes Ausleuchten ein Wissen. «
3. Juli 2018, Goslarsche Zeitung

»Schaeffer entdeckte zu ihrem Bedauern professionelle Content- und Vertriebsstrategien sowie viel Desinformation. Aber mit Blick auf den etablierten Journalismus hat sie auch einiges nachdenklich und selbstkritisch gemacht.«
13. Juni 2018, Frank Hauke-Steller, kress news

»Gegenmaßnahmen für eine resiliente Demokratie …«
6. Juli 2018, Wolfgang Taus, Wiener Zeitung

»Sie zeigt dabei, wie Sprache Wirklichkeit umstülpen kann. «
18. Juni 2018, www.kultur-punkt.ch

»Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, also bedarf es wirksamer Gegenmaßnahmen, um uns und unsere Demokratie zu schützen. Solide Informationen über das Geschehen im Netz sind der erste wichtige Schritt – und dazu leistet die Autorin einen wesentlichen und wichtigen Beitrag!«
17. Juni 2018, Dietmar Langusch, www.lehrerbibliothek.de

»Eine ihrer Erkenntnisse lautet, dass sich eine immer größere werdende Gegenöffentlichkeit in eigenen Echokammern bildet. «
1. Juni 2018, Team Vorarlberg – Standpunkte für Wirtschaft und Gesellschaft

»Schaeffer entdeckte zu ihrem Bedauern professionelle Content- und Vertriebsstrategien sowie viel Desinformation. Aber mit Blick auf den etablierten Journalismus hat sie auch einiges nachdenklich und selbstkritisch gemacht.«
13. Juni 2018, Frank Hauke-Steller, kress news

Zur Autorin Ute Schaeffer

Ute Schaeffer war Chefredakteurin der Deutschen Welle und ist heute Leiterin Medienentwicklung und stellvertretende Direktorin der DW-Akademie. Sie hat lange Jahre aus Afrika, Osteuropa und den arabischen Staaten Bericht erstattet und kennt viele Herkunftsregionen der Flüchtlinge persönlich.

Kommentar von Martin Koradi

Das Buch von Ute Schaeffer ist sehr ergiebig und  geht meines Erachtens weit über das Thema „Fake statt Fakt“ hinaus. Die Autorin liefert einen hautnahen Einblick in die Kommunikations- und Marketingstrategien der AfD und der Identitären Bewegung. Überaus erkenntnisreich und gut lesbar. Die demagogischen Strategien und auch die Verführungskraft werden dadurch auf vielfältigen Ebenen sichtbar. Für meinen Geschmack zitiert das Buch die demagogischen Slogans fast zu häufig. Man sollte Lügengeschichten nicht zu oft wiederholen und sie bei jeder Gelegenheit konsequent widerlegen. Aber eindrücklich ist dieser Einblick allemal.

Schaeffers Buch zeigt auch, wie konsequent rechtpopulistische und rechtsextreme Akteure mit Falschmeldungen demokratische Istitutionen diskreditieren und damit ihre eigene Agenda verfolgen.

Ein eigenes Kapitel ist der Einflussnahme der Kreml-Propaganda gewidmet, die konsequent rechtspopulistische und rechtsextreme Akteure unterstützt und gezielt Misstrauen, Konflikte und Polarisierung in demokratischen Staaten schürt.

Ein weiteres Kapitel handelt vom Einfluss  türkischer TV-Stationen als Multiplikatoren der AKP-Politik in Deutschland.

Auch der raffinierte Medien-Dschihad des IS wird in einem eigenen Kapitel vorgestellt.

Und dann- ein absolutes Zukunftsthema – geht es um Big Data, Microtargeting und Profiling am Beispiel des Wahlkampf Donald Trumps. Hier kommt etwas auf uns zu, das grosse Aufmerksamkeit erfordert, weil dadurch demokratische Prozesse vollständig unterspülen kann.

Ute Schaeffer beschliesst ihr Buch mit ein paar Vorschlägen, wie wir die digitale Öffentlichkeit gestalten können.

Das Thema verlangt meines Erachtens darüber hinaus aber von uns allen Nachdenken und Aktivwerden, um diesen Herausforderungen demokratischer Gesellschaften Widerstand entgegen setzen zu können.

Ein detailliertes Inhaltsverzeichnis von „Fakt statt Fakt“ finden Sie anschliessen sweiter unten.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen

 

Inhaltsverzeichnis

TEIL 1

WIR GEGEN DIE ANDEREN – DIE GEGENÖFFENTLICHKEIT IM NETZ

Umzug in die andere Echokammer. Die Recherche    13

Fake statt Fakt – das heißt was? ∙ Mitmachen und erleben – nicht mehr nur kommunizieren ∙ Warum das Buch zum Thema? ∙

Radikalisierung über das Netz ∙ Wie Sprache Wirklichkeit verändert ∙
Der Selbstversuch
Eine Gegenöffentlichkeit schaffen –

Medien der Neuen Rechten im Netz       25

Die Akteure – von der nationalkonservativen Traditionsmarke bis zum Blog ∙ Protest aus dem Nichts – Emotionen füllen nachrichtenarme Zeiten ∙ Tendenzmedien und Politik-PR
– verbreitet wird vor allem Werbung ∙ Die Medien der Neuen Rechten ∙ Mitmachen und erleben – jeder kann aktiv werden ∙ Echokammer-Live: mein Besuch auf der Compact–Konferenz 2016 ∙ Vielfältiges Angebot: vom Verschwörungsportal bis zum anonymen Fake-Blog ∙ Gemeinsam sind wir stark: die rechte Filterblase ∙ Die Strategie ∙ Reichweite erhöhen: Social Bots in der digitalen Gegenöffentlichkeit ∙ Inhaltliche Schlagseite – Fake als redaktionelles Mittel ∙ Schlüsselthemen: Flüchtlinge und Terror ∙ Emotion als Verstärker

Die Grenze des Sagbaren verschieben    62

Die rechte Brille, mit der ich die Welt betrachte ∙ Katalysator-Themen ∙Die Erzählungen in der rechten Echokammer ∙ Alles darf gesagt werden – ?

Die »Wir-gegen-die!«-Kommunikation der AfD: Provokation und Protest statt Programm und Problemlösung  106

Der direkte Draht zum Volk – Soziale Medien als ideales Medium der Populisten ∙ Tabubruch durch Spitzenpolitiker ∙ Eskalation zur besten Sendezeit: die AfD und die »Systemmedien« ∙ Deutungshoheit durch hohe Frequenz ∙ Zielgruppengerechte Ansprache: Emotionen schaffen, um sie zu bedienen ∙ Protest braucht Feinde ∙ Mit wenigen Themen punkten ∙ Provokation um jeden Preis ∙ Die Echokammern der AfD: Einladung für rechtsextreme Positionen ∙ Menschenrechte? Ja, aber nicht für alle! ∙ Die Twitterstrategie der AfD ∙ Reichweite über Contentsharing ∙ Parolen statt Programm

Rechtsextremer Flashmob –die Identitäre Bewegung   135

Digitaler Flashmob – Sponti-Aktionen online und offline ∙ Netz- Avantgarde und Widerstandsgruppe ∙ Die Kriegserklärung: die IB als europäische Marke ∙ Der rote Faden identitärer Erzählungen ∙ Etikettenschwindel: die »Wortschmiede« der Identitären ∙ Genderwahn bei der IB ∙ Wie aus abstrakten Begriffen Botschaften und Aktionen werden

Bericht aus der Echokammer – Erfahrungen nach zwei Jahren Selbstversuch  155

Persönlichkeitsspaltung zu Recherchezwecken ∙ Keine Ideologie ohne Erzählung ∙ Einheitsmeinung statt Meinungsvielfalt

TEIL 2

AKTEURE VON AUSSEN

Alte Methoden, digitale Technik – und eine Botschaft der Stärke. Die (Des-)Informationsarbeit des Kreml   167

Russlands digitale Medienstrategie für Westeuropa ∙ Russische Medien als Teil der Gegenöffentlichkeit in Deutschland ∙ Die Rollenverteilung – das starke Russland, das schwache Europa ∙ Alte Methoden, neue Technik ∙ Digitale Verstärker: Vernetzung mit Plattformen der Neuen Rechten ∙ Politische Verbindungen zu Rechtspopulisten in Deutschland ∙ Regieanweisungen der Politik: Schlüsselbegriffe und Themen ∙ Politische Destabilisierung – und Polarisierung der öffentlichen Meinung ∙ Die Kampagne #unserelisa. Die Kampagne #lügenpresse ∙ Medien im Zensurstaat Russland: Information als Herrschaftsinstrument ∙ (Des-)Information als Waffe im hybriden Krieg ∙ Informationen als Waffe – die Strategie des Verteidigungsministeriums ∙ Die Ukraine als Testfall des hybriden Krieges ∙ Agendasetting im Krieg: Anweisungen des Kreml für die Ostukraine ∙ Die Ukraine-Erzählung in den russischen Auslandsmedien ∙ Politisches Marketing: Trolle im Dienste der Politik ∙ Die Wirkung: Misstrauen und Verunsicherung

Deutschland ist der Feind der Türkei – wie Erdoğan über seine Medien die deutsche Öffentlichkeit polarisiert        204

Die deutsch-türkische Beziehungskrise 2016/17 ∙ Türkische TV – Sender als Multiplikatoren der AKP-Politik in Deutschland ∙ Türken in Deutschland – für Erdoğan wichtige politische Zielgruppe ∙ Das Netzwerk der AKP in Deutschland ∙ Die Proteste im Gezipark 2013 – der Beginn einer neuen AKP-Medienstrategie ∙ Erdoğans Trolle ∙

Medien stramm auf Erdoğan-Kurs ∙ Der Stoff, aus dem die Erzählungen der AKP sind ∙ Deutschland steht auf Seiten der Feinde der Türkei und unterstützt den Terror ∙ Die Türken werden wegen ihres Glaubens, ihrer Werte, ihrer Identität beschimpft ∙ Medien und Politik verbreiten Lügen über die Türkei ∙ Deutschland ähnelt der Nazidiktatur, es herrscht Rassismus ∙ »Nazimädchen Merkel« – das Echo der Botschaften Erdoğans in den Sozialen Medien ∙ Die freiwilligen Unterstützer im Netz

Der Medien-Dschihad des IS – Informationen als Werkzeug des Terrors   229

Radikalisierung vor dem Computer – wie Dschihadisten in Deutschland angeworben werden ∙ Anis Amri – Berlin, Anschlag auf den Breitscheidplatz 19. 12. 2016 ∙ Ohne digitale Medien kein globaler Dschihad des IS ∙ Wer radikalisiert sich? ∙ Dschihad und Terror in Echtzeit – den Schrecken multiplizieren ∙ Kein Weltreich ohne internationale Propaganda – die Entwicklung seit 2014 ∙ Die Medienstrategie des globalen Dschihad ∙ Informationen als Waffe im Kampf gegen die »Kreuzzügler« ∙ Flexible Wege zum Kunden ∙ Moderne mediale Verpackung ∙ Der Kampf findet auch auf dem Schlachtfeld der Medien statt ∙ Die Medienunternehmen des digitalen Kalifats ∙ Medienplattformen für unterschiedliche Zielgruppen ∙ Der Terror-Ticker Amaq – die Nachrichtenagentur des IS ∙ Die Zielgruppen des IS ∙ Die Erzählung für die Zielgruppen in Deutschland: Komm raus aus Isolation und Ungerechtigkeit und werde ein Held! ∙ Scharia statt Demokratie – die verfassungsfeindliche Botschaft kommt bei den Nutzern in Deutschland an

Big Data, Microtargeting, Profiling – wie mit Donald Trump ein Populist Präsident wurde   254

Die Marke Trump: made by social media ∙ Die Fiktionalisierung der Politik ∙ Der Twitter-Präsident: Politik in 140 Zeichen ∙ Mobilisierung durch Provokation: Trumps Angriff auf Staat und Medien ∙ Alternative Medien verbreiten alternative Fakten ∙ Medium gegen das Establishment:

Breitbart.com ∙ Das Internet als Schlüsseltechnologie für das Erstarken der Alt-Right-Bewegung ∙ Die technischen Zutaten für den Erfolg von Trump ∙ Warum ein Trump-Wahlkampf in Deutschland (noch) nicht funktioniert ∙ Wahlkampf via Direktmarketing ∙ Kommerzielle Trolle in Mazedonien machen Werbung für Trump

Digitales Marketing – wie das Netz mir hilft, an den Fakten vorbeizusehen   278

Wie Facebook gläserne Nutzer serviert ∙ News oder Marketing? – Wenn die Gesetze der Werbung den Stellenwert von Informationen bestimmen ∙ Eine gute Platzierung bei Google schafft Reichweite ∙ Algorithmen bestimmen, was ich sehe – bestimmen sie auch, wie ich mich verhalte? ∙ Kinderleicht: Facebook-Werbung schalten ∙ Werbung leicht gemacht: Erstwähler über Facebook für die AfD begeistern ∙ Achtung ansteckend! Warum sich vor allem Gefühle so gut im Netz verbreiten lassen und warum Soziale Medien so wirkungsvolle Verstärker sind ∙ Roboter, die sich verhalten wie Menschen: Social Bots

Kein Algorithmus der Welt wird uns das kritische Denken abnehmen  289

Wie groß ist der politische Schaden? ∙ Es geht um einen anderen Gesellschaftsentwurf ∙ Weltvereinfachungsformeln für eine komplexe Welt ∙ Desinformation als Mittel zum Zweck ∙ Postfaktisch ist nicht neu ∙ Digitales Agendasetting und Meinungsbildung ∙ Und nun? Digitale Öffentlichkeit gestalten – ein paar Vorschläge ∙ Der digitale Strukturwandel ist eine großartige Chance auf mehr Demokratie

Anhang   315

Anmerkungen ∙ Quellen ∙ Glossar ∙ Dank

[Buchtipp] „Ein ganz normales Pogrom“ von Sven Felix Kellerhoff

 

Worum gehts?

Novemberpogrome 1938 im “Dritten Reich”

Antisemitismus im Nationalsozialismus

Das Buch bietet einen eindrücklichen Einblick in das Aufkommen des Antisemitismus durch die Schilderung der Ereignisse rund um die Novemberpogrome am Beispiel des Weindorfes Guntersblum.

 

Verlagsbeschreibung

November 1938 in einem deutschen Dorf

Im November 1938 geht im ganzen Deutschen Reich die Saat des Hasses auf. In Hunderten Gemeinden demütigen Einwohner ihre jüdischen Nachbarn. Sven Felix Kellerhoff zeigt am Beispiel des rheinhessischen Weindorfes Guntersblum, wie der Hass wucherte, ausbrach und welche Folgen er hatte.
Das heutige Bild des Novemberpogroms 1938 wird von den Vorgängen in Berlin und einigen anderen großen Städten wie München oder Essen dominiert. Doch das eigentlich Schockierende an den antisemitischen Übergriffen der “Reichskristallnacht” war, dass sie anders als frühere organisierte Pogrome tatsächlich reichsweit und bis in die Provinz hinein stattfanden. Die Novemberpogrome sind die Zäsur zu einer neuen Qualität und Intensität der Verfolgung. Gerade der Blick in ein ganz normales Dorf macht die erschreckende Normalität des Judenhasses greifbar und unmittelbar einsichtig. Hier kannten sich Opfer und Täter tatsächlich, lebten eng zusammen. Sven Felix Kellerhoff erzählt von den ergreifenden Schicksalen der Betroffenen in Guntersblum. Er zeigt, wie das Gift des Antisemitismus sich ausbreitete, wie die Situation ab 1933 eskalierte, was im November 1938 genau geschah und wie die Vergangenheit den Ort bis heute nicht loslässt.

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Zum Autor Sven Felix Kellerhoff

Sven Felix Kellerhoff, geboren 1971 in Stuttgart, studierte Zeitgeschichte, Alte Geschichte und Medienrecht. Nach verschiedenen journalistischen Stationen arbeitet er seit 2003 als Leitender Redakteur für Zeit- und Kulturgeschichte der »WELT«. Er ist Autor zahlreicher zeithistorischer Sachbücher. 2012 erhielt er den Ehrenpreis der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.

Kommentar von Martin Koradi

Warum solche Bücher wichtig sind? Weil sie zeigen, wie wertvoll ein Rechtsstaat ist, dass der Rechtsstaat nicht als selbstverständlich angesehen werden kann, und dass die Decke der Zivilisation manchmal viel dünner ist, als wir meinen.

Das Weindorf Guntersblum wurde im November 2008 von seiner Geschichte  eingeholt.  Die „Welt“ veröffentlichte zwei Fotos aus dem Landesarchiv Speyer, die zu einer Serie von Aufnahmen gehören, die am 10. November 1938 in Guntersblum gemacht wurden und insgesamt sechs ältere Juden zeigen, die zu einem Demütigungsmarsch durch den Ort gezwungen worden waren.

Die sechs Gedemütigten und ihre Peiniger sind auf den Fotos gut zu erkennen und konnten identifiziert werden.

Kellerhoff bettet die Guntersblumer Geschehnisse ein in die historische Entwicklung nach dem Ersten Weltkrieg ein. Die Auswirkungen der Nazi-Propaganda und der Gesetze zur sozialen Ausgrenzung der Juden bezieht der Autor immer wieder auf die regionale Ebene herunter. Das Buch zeigt eindrücklich auf, wie erst die antisemitische Stimmung und dadurch der Kreis der Täter, Helfershelfer und Dulder anstieg.

Zum Guntersblumer Verbrechen liegen zahlreiche  Dokumente vor, darunter Vernehmungsprotokolle von Zeugen und Tätern, die von den Allierten befragt wurden. Dadurch konnte das Verbrechen fast lückenlos aufgearbeitet werden.

So kann Kellerhoff als Historiker nach Antworten suchen auf die fundamentalen Fragen, wie das geschehen konnte, wie Nachbarn plötzlich zu Barbaren werden können und jene Menschen als Aussätzige behandeln, mit denen sie eben noch friedlich nebeneinander wohnten.

Kellerhoff schildert aber auch, wie sich die Geschichte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs weiter entwickelte und wie es zur Aufarbeitung kam.

Im Abschlusskapitel mit dem Titel „Bedeutung“ geht der Autor der Frage nach: Wie was das möglich?

Er schreibt dazu:

„Die Novemberprogrome 1938 brauchten beides: den grundsätzlichen Auftrag der Staatsspitze und lokale Initiativen, in denen nationalsozialistische Aktivisten ihren aufgestauten Hass abreagierten und sich häufig gleich noch selbst bereicherten. Genauso war es bei der Judenverfolgung insgesamt: Möglich wurde dieses mit Abstand schlimmste Verbrechen der mitteleuropäischen Geschichte nur, weil der Wille der Regierung auf die Bereitschaft ausreichend vieler Täter traf, schrittweise und mit oft grausamer Kreativität die Diskriminierungs- und Verfolgungsmassnahmen gegen eine kleine Minderheit zu eskalieren. Erst dieser doppelte Antrieb führte zur ‚kumulativen Radikalisierung’, die der Historiker Hans Mommsen zu Recht als die treibende Kraft beschreib, die schliesslich zum Holocaust führte…..

Sechs Millionen Menschen mussten sterben, weil untergeordnete Dienststellen und Einzelpersonen sich die nationalsozialistische Maxime des Judenhasses zu eigen machten und sie mit aller Kraft so gründlich wie möglich umzusetzen versuchten. Erst dieses furchtbare Engagement sorgte dafür, dass völlig unschuldige Menschen bis in die letzten Winkel Deutschlands, später des besetzten Europa diskriminiert, deportiert und umgebracht wurden.

Dabei blieb den Tätern, ihren Helfershelfern und den Nutzniessern stets Handlungsspielräume. Das kann man wiederum am Beispiel Gunterblum erkennen: Derselbe NSDAP-Funktionär, der zu den Antreibern des Demütigungsmarsches gehörte, schützte später im Krieg die jüdische Frau des ‚arischen’ Dorfarztes. Das freilich ist keineswegs entlastend, sondern zeigt im Gegenteil gerade die Möglichkeiten, die es trotz der eindeutig radikal antisemitischen Regierungspolitik vor Ort immer noch gab – die aber nur selten genutzt und meist ignoriert wurden.“

Es braucht mehr Sensibilisierung für solche Prozesse der Dehumanisierung. Wir leben in einer Zeit, in der vergleichbare Vorgänge jederzeit wieder vor der Tür stehen können.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen

[Buchtipp] „Pflanzliche Arzneimittel – was wirklich hilft“ von Robert Fürst

Verlagsbeschreibung:

Efeuextrakt, Ingwerwurzelpulver oder Melissenblätter – sicher haben Sie auch schon einmal ein pflanzliches Arzneimittel verwendet. Viele Menschen schätzen die meist milde Wirksamkeit und gute Verträglichkeit. Doch es gibt große Unterschiede zwischen den Mitteln, selbst wenn sie aus derselben Arzneipflanze hergestellt wurden. In diesem Buch erklärt Robert Fürst, welche Pflanzen bei welchen Erkrankungen eingesetzt werden können und nachweislich wirksam sind. Er nennt die Kriterien, die wichtig sind, um pflanzliche Arzneimittel beurteilen zu können, und bietet einen Überblick über zahlreiche Präparate gegen die häufigsten Gesundheitsbeschwerden. Dazu gehören beispielsweise: Erkältungskrankheiten, Magen-Darm-Beschwerden oder nervös bedingte Einschlafstörungen. Robert Fürst ist Professor für Pharmazeutische Biologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Dort erforscht er die Wirkungen von Naturstoffen und bringt angehenden Apothekern bei, worauf es bei der Pflanzenheilkunde ankommt. Für seine Arbeiten zu pflanzlichen Extrakten wurde Fürst von der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoff-Forschung ausgezeichnet. Zum Shop

Zum Autor Robert Fürst

Robert Fürst ist seit 2012 Professor für Pharmazeutische Biologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und erforscht dort mit seinem Team die zellulären und molekularen Wirkungen von entzündungshemmenden Naturstoffen. Seine Arbeiten zu pflanzlichen Extrakten sind mit dem renommierten bionorica-Phytoneering-Pris der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoff-Forschung ausgezeichnet worden.

In den Bereichen der universitären Lehre und der berufliche Fortbildung von Apothekerinnen und Apothekern engagiert sich Prof. Fürst stark für die evidenzbasierte Phytotherapie. Er ist Mitglied im Beirat der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoff-Forschung, Vorsitzender der Landesgruppe Hessen der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft und darüber hinaus einer der Herausgeber der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Planta Medica.

Kommentar von Martin Koradi

Professor Robert Fürst – das ist aus der obigen Beschreibung ersichtlich – ist sehr engagiert in der Arzneipflanzenforschung. Dementsprechend handelt diese Publikation auch hauptsächlich von Phytopharmaka (= pflanzliche Arzneimittel), zu denen wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen. Es geht also nicht um traditionelle Pflanzenheilkunde, sondern um denjenigen Teil der Phytotherapie, der wissenschaftliche Belege für Wirksamkeit vorlegen kann. Hier bietet dieses kleine, gut lesbare Büchlein eine sehr gute Übersicht. Heilpflanzen-Bücher, die ohne kritische Überprüfung Überlieferungen und Heilungsgeschichten wiedergeben, gibt es schon mehr als genug.

Robert Fürst geht auch auf einen Punkt ein, der im Umgang mit Heilpflanzen oft vernachlässigt wird: Entscheidend ist nicht nur, welche Heilpflanze für eine bestimmte Krankheit wirksam ist, sondern auch, in welcher Arzneiform die Anwendung geschieht. Man kann also eigentlich nicht einfach nur sagen: “Johanniskraut hilft gegen Depressionen”. Genauso wichtig ist die Frage, ob Johanniskrauttee, Johanniskrauttinktur oder Johanniskrautextrakt am besten wirkt. Und bei Johanniskrauttee, Johanniskrauttinktur und Johanniskraut gibt es jeweils unterschiedliche Arten der Herstellung, die sich in der Wirksamkeit nochmals unterscheiden.

“Pflanzliche Arzneimittel – was wirklich hilft” geht darum in einem speziellen Kapitel darauf ein, wie ein pflanzliches Arzneimittel hergestellt wird und wie seine Qualität geprüft wird.

Wenn Sie Wissen sowohl über traditionelle Pflanzenheilkunde als auch über wissenschaftliche Phytotherapie in verständlicher und fundierter Formerwerben möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen – dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterkursen und Kräuterwanderungen.

[Buchtipp] „1938 – Warum wir heute genau hinschauen müssen“, von Barbara Schieb, Jutta Hercher, Klaus von Dohnanyi

 

Worum gehts?

1938 – ein Wendepunkt auf dem Weg in den Dritten Weltkrieg

Dieses Buch beschreibt sehr eindrücklich, wie sich der Nationalsozialismus 1938 gefestigt und in der Bevölkerung verankert hat – vor dem Schritt in den Dritten Weltkrieg. Daraus lässt sich viel lernen, um ähnliche Entwicklungen weltweit frühzeitig zu erkennen.

 

Verlagsbeschreibung zu “1938”

Klaus von Dohnanyi schreibt im Vorwort:

“So brauchen wir nicht nur die Erinnerung an 1938, an die Jahre davor und danach, sondern auch einen mutigen Blick nach vorn. Denn Freiheit und Demokratie müssen auch heute mit Mut und Zivilcourage verteidigt werden.”

Warum müssen wir heute wieder genau hinschauen? Vieles von dem, was 1938 damals ereignet hat, ist wieder aktuell geworden: Flüchtlingskrise, Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, internationales Kräftemessen, ein Erstarken der rechten Parteien, Fake News.
1938 markiert einen Wendepunkt, nicht nur im Leben vieler Menschen hier, sondern weltweit. 1938 werden politische Entscheidungen getroffen, die in den großen, ein Jahr später ausbrechenden Flächenbrand münden. 1938 machen sich Hunderttausende auf die Flucht, sie suchen Schutz vor Verfolgung, aber keiner ist bereit, sie aufzunehmen. 1938 manipulieren politische Agitatoren durch Hetzkampagnen und Falschmeldungen die Bevölkerung und eine beispiellose Gewalt gegen Ausgegrenzte wird schweigend geduldet oder sogar begrüßt. Die Nachwirkungen der sich 1938 anbahnenden Katastrophe sind bis heute spürbar, und die Geister, die damals gerufen wurden, sind heute wieder aktiv.
Zeitzeugen, Überlebende und auch deren Enkel erzählen in persönlichen Berichten ihre Geschichte, darunter Gabriel Bach, Walter Frankenstein, Ruth Rotem, August Zirner, Mirna Funk, Linda Rachel Sabiers, Monica Dugot oder Arye Sharuz Shalicar. Noch nie veröffentlichte Dokumente, zahlreiche Fotografien und eine lebendige Gestaltung machen das Jahr 1938 greifbar und zeigen zudem Parallelen auf, die in Zeiten eines neu aufkommenden Nationalismus gefährlich werden können. Insofern ist dieses Buch auch ein warnender Weckruf.

Mit einem Vorwort von Klaus von Dohnanyi.

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Zu den Herausgeberinnen Barbara Schieb und Jutta Hercher

Barbara Schieb studierte Geschichtswissenschaft und Germanistik in Freiburg im Breisgau und Berlin und arbeitet derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gedenkstätte Deutscher Widerstand an der Gedenkstätte Stille Helden.
Jutta Hercher ist als Dokumentarfilmerin tätig und lebt als freie Autorin in Berlin.

Kommentar von Martin Koradi zum Buch “1938”

Die Geschichte wiederholt sich nie genau gleich. Trotzdem lässt sich an manchen Punkten viel aus ihre lernen. Und 1938 ist dafür tatsächlich ein ergiebiges Jahr. Hier zeigt sich, wie ein totalitäres Regime sich immer fester installiert, aber auch, wie rasch Menschen sich solchen Verhältnissen anpassen, aber auch, welche Möglichkeiten für des Sich-Entziehens und des Widerstands es gibt. 

Das Jahr 1938 war eine entscheidende Phase auf dem Weg in den Abgrund. Mit dem “Anschluss” Österreichs im März und  der Zerschlagung der Tschechoslowakei ab Herbst beginnt das Nazi-Regime, die infolge des Ersten Weltkrieges festgelegte Grenzordnung zu zerstören, währen der britische Premierminister Chamberlain glaubt, mit seiner Appeasement-Politik den Frieden sichern zu können. Aber auch im Innern des “Dritten Reiches” wurden laufend Grenzen aller Art überschritten. Die Herausgeberinnen schreiben in der Einleitung dazu:

“1938 war das Jahr,  in dem jeder sehen konnte, wie diese Diktatur funktionierte und auch, dass sie direkt in den Krieg führte. Im Januar 1938 kommentierte Joseph Goebbels die enorme Verschuldung des Staatshaushalts: «Aber an Schulden ist noch nie ein Volk zugrunde gegangen. Wohl aber an einem Mangel an Waffen.» Die NS-Politik funktionierte nur mit dem Vorgriff auf zukünftige Raubzüge; Goebbels im März 1938: «Wir haben einen bedeutenden Fehlbetrag. aber dafür Österreich.» Der sogenannte Anschluss wurde für beispiellose Plünderungen genutzt und ging einher mit bis dahin unvorstellbar offener Gewalt. Die vollständige Enteignung der jüdischen Bevölkerung war von vornherein kalkuliert und begann 1938 in grossem Stil.

Es war das Jahr, in dem das NS-Regime in die Offensive ging. Niemand mehr stellte sich der Politik ernsthaft in den Weg – weder Kriegsgegner noch konservative Bürger, weder Beamte noch Institutionen oder die Kirchen, und auch nich die anderen europäischen Regierungen.

Vieles geschah 1938 zum ersten Mal: die Inbesitznahme eines souveränen Nachbarstaates – Österreich – , offene Kriegsdrohung und Ultimatum – Anspruch auf das Sudetenland -,  Massenverhaftung und Arbeitszwang mit der Aktion ‘Arbeitsscheu Reich’, die erste grosse Abschiebung von Tausenden Juden mit polnischen Pässen. Es gab das Gesetz zur Beschlagnahme von sogenannter entarteter Kunst, die systematische Enteignung der jüdischen Bürger und schliesslich die berüchtigten Novemberpogrome – den offenen Terror.”

Die Stärke dieses Buches liegt darin, dass es diese politischen Vorgänge anhand von persönlichen Schicksalen eindrücklich, konkret und hautnah nachvollziehbar macht.

Barbara Schieb und Jutta Hercher schreiben in der Einleitung:

“1938 war das Jahr, in dem Menschlichkeit zur Ausnahme wurde und Terror zur Normalität. Jede und jeder konnte damals wissen, worauf Deutschland zusteuerte, weil es vor aller Augen geschah. Ab 1933 wurde die Schicht  der Humanität Lage für Lage abgetragen, und zwar ohne grossen Protest, dafür aber nicht selten begleitet von der Begeisterung einer korrumpierten Bevölkerung. Wie die Gesetze von 1933 und 1935 gegen Juden und alle politischen Gegner zeigten, ging die Verwandlung Deutschlands vom Rechtsstaat zur Diktatur in atemberaubendem Tempo vor sich.

Wer jetzt nicht Hilfe von guten Freunden, mutigen oder einfach human denkenden Menschen bekam, war in seiner gesamten Existenz gefährdet. Was aber heisst das genau? Wie muss es gewesen sein, wenn die Miete nicht mehr bezahlt werden konnte oder dem Ladenbesitzer die Kundschaft wegbrach? Wie war das, wenn die einstmals gefeierten Mäzene der Stadt, die den Museen wertvolle Gemälde geschenkt, das Waisenhaus unterstützt, den Fussballverein gefördert oder die Bestuhlung des Gemeindesaals bezahlt hatten, aus den Kuratorien, Sportvereinen und Gemeinderäten geworfen und von den Einladungslisten gestrichen wurden, Hausverbot erhielten, sich Freunde und Bekannte wegdrehten, wenn sie einander auf der Strasse sahen. Wie war das, wenn die Kinder nicht mehr in die Schule gehen durften, in denen ihre Freunde waren? Oder die Freunde von einst auf sie spuckten, die Lehrer nicht mehr ihre jüdischen Schüler schützten, oder sie, im Gegenteil, dem Spott preisgaben.”

Das Buch zeigt eindringlich auf, wie eine Bevölkerung im Alltag nach und nach korrumpiert wird und sich korrumpieren lässt. Es ist in diesem Sinn eine Warnung und ein Aufruf zur Wachsamkeit. Es zeigt aber auch Widerstand und Zivilcourage.

Rechtspopulismus ist nicht schon Nationalsozialismus oder Faschismus. Aber weil Parteien wie AfD, FPÖ und Lega sich wiederkehrend nicht eindeutig von extremistischen Personen und Vorstellungen abgrenzen können oder wollen, ist eine Entwicklung in diese Richtung auch nicht ausgeschlossen. Leider sind die Übergänge hier oftmals sehr fliessend. Madeleine Albright verweist in ihrem Buch “Faschismus – eine Warnung” auf eine Äusserung des italienischen Schriftstellers und Holocaust-Überlebenden Primo Levi hin, wonach jedes Zeitalter seinen eigenen Faschismus habe.

Das Buch “1938 – Warum wir heute genau hinschauen müssen“, bietet passend zur gegenwärtigen Lage eine sehr aktuelle, lebendige und packende Geschichtslektion.

 

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

 

[Buchtipp] “Am Seil”, von Erich Hackl

Verlagsbeschreibung

Wie es dazu kam, dass der stille, wortkarge Kunsthandwerker Reinhold Duschka in der Zeit des Naziterrors in Wien zwei Menschenleben rettete. Wie es ihm gelang, die Jüdin Regina Steinig und ihre Tochter Lucia vier Jahre lang in seiner Werkstatt zu verstecken. Wie sie zu dritt, an ein unsichtbares Seil gebunden, mit Glück und dank gegenseitigem Vertrauen überlebten. Was nachher geschah. Und warum uns diese Geschichte so nahegeht.

Kategorie: Romane

 

 

Aus dem Vorwort:

„Zivilcourage in Zeiten der Unmenschlichkeit, damals wie heute. Eine Erinnerung und ein Appell.“

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Aus Buchbesprechungen:

„Wieso versteckt ein Mann während des Naziregimes während vier Jahren eine Mutter mit ihrer Tochter scheinbar ganz selbstlos.
menschlich – berührend – tiefgründig.“
Chantal Lutz, Lüthy Biel

„Trotz der nüchternen Sprache wirken die Ereignisse in ihrer Brutalität und Tragik erschütternd.“

wortmeer.blog

„Eine berührende, erschütternde, bemerkenswerte, Mut machende und immer wieder auch unglaubliche Geschichte.“

ORF

Zum Autor Erich Hackl

Erich Hackl, geboren 1954 in Steyr, hat Germanistik und Hispanistik studiert und einige Jahre lang als Lehrer und Lektor gearbeitet. Seit langem lebt er als freier Schriftsteller in Wien und Madrid. Seinen Erzählungen, die in 25 Sprachen übersetzt wurden, liegen authentische Fälle zugrunde. ‘Auroras Anlaß’ und ‘Abschied von Sidonie’ sind Schullektüre. Unter anderem wurde er 2017 mit dem Menschenrechtspreis des Landes Oberösterreich ausgezeichnet.

Kommentar von Martin Koradi

Der kurze Roman von knapp über 120 Seiten lässt sich gut lesen, rührt dabei aber tiefgründige Themen an. Hackl beschreibt nüchtern, unaufgeregt und schnörkellos den Alltag der drei Figuren und vielleicht wird die aussergewöhnliche Situation gerade dadurch greifbar.

Da die Erzählung auf wahren Begebenheiten beruht, ist sie aber auch ein  zeitgeschichtliches Zeugnis. Sie zeigt, dass es selbst in einem totalitären System wie dem Nationalsozialismus moralische Entscheidungsräume gab. Mich beschäftigt schon länger die Frage, was es ausmacht, dass manche Menschen in der Lage sind, einem totalitären Regime zu widerstehen, während andere sich anpassen oder gar aktiv mitwirken.

Der Kunstschmid Reinhold Duschka (1900 – 1993) nutzte seine Möglichkeiten, um zwei verfolgte und vom Tode bedrohte Menschen zu retten. Er machte das offenbar mit grosser Selbstverständlichkeit und und behielt es auch nach dem Krieg weitgehend für sich. So erfuhr seine eigene Tochter nur durch Zufall, dass ihr Vater zwei Menschen gerettet hat und sein eng vertrauter Mitarbeiter las es erst Jahrzehnte später in der Zeitung.

Die Erzählung zeigt eindrücklich, wie abhängig diese Rettungsaktion war von Zufällen, aber auch von Personen im weiteren Umfeld wie zu Beispiel dem Arzt, der Duschka jedes Jahr ein Attest ausstellte, das ihn vor dem Einrücken bewahrte, oder von einem Polizisten, der Duschka vom Bergsteigen her kannte, und eine anonyme Anzeige gegen ihn nicht weiter verfolgte.

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

[Buchtipp] “Phytotherapie in der Tiermedizin”, von Prof. Dr. Matthias F. Melzig und Dr. med. vet. Cäcilia Brendieck-Worm

Verlagsbeschreibung

Entdecken Sie das Potenzial pflanzlicher Wirkstoffe.
Sanfter für das Tier und mit enormem Potenzial: Heilpflanzen. Hier erfahren Sie alles über deren praktische Anwendung in der Tiermedizin. Mit vielen bewährten Rezepten – nach Indikationen geordnet – und einem ausführlichen Porträt zu jeder Heilpflanze. Grundlagen zu den pflanzlichen Inhaltsstoffen, Dosisberechnungen und Erläuterungen zu den traditionellen Zubereitungen dienen als Basis für die Anwendung der Phytotherapie. Ein fundiertes Standardwerk zum Einsteigen, Nachschlagen oder Schmökern.
Ziel dieses Buches ist ein Nebeneinander von traditionellen Rezepturen und aktuellen Erkenntnissen aus der Phytopharmakologie.
Die Herausgeber Dr. med. vet. Cäcilia Brendieck-Worm und Prof. Dr. Matthias Melzig engagieren sich seit Jahren für die Phytotherapie in der Tiermedizin und geben ihr Erfahrungswissen auch im Rahmen von Arbeitskreisen und Seminaren weiter. Zum Shop

Über Herausgeber Prof. Dr. Matthias F. Melzig und Herausgeberin Dr. med. vet. Cäcilia Brendieck-Worm

Prof. Dr. Matthias F. Melzig hält die Professur für Pharmazeutische Biologie an der HU Berlin; im Mittelpunkt seiner Forschungen steht die Enzyminhibitation.

Dr. med. vet. Cäcilia Brendieck-Worm ist Tierärztin. Mit der Phytotherapie ist sie durch langjährige praktischer Erfahrung und wissenschaftlicher Ausbildung verbunden.

Kommentar von Martin Koradi

Die Nachfrage nach Naturheilkunde in der Tiermedizin nimmt zu. Dadurch steigt auch das Interesse  an Heilpflanzen-Anwendungen zur Behandlung von Nutztieren und Haustieren. In der Zwischenzeit ist dazu auch eine Reihe von Publikationen entstanden, die allerdings mehrheitlich von fachlich fragwürdiger Qualität sind.

Dieses Buch dagegen zeichnet sich durch fachliche Qualität aus.

Matthias F. Melzig hat sch als Professor für Pharmazeutische Biologie einen Namen gemacht als Experte für Phytotherapie.

Cäcilia Brendieck-Worm befasst sich als Tierärztin seit langem mit Phytotherapie in der Veterinärmedizin.

Damit hat dieses Buch eine ausgesprochen kompetente Herausgeberschaft. Es bietet eine fundierte Einführung in die Grundlagen der Phytotherapie, zum Beispiel in die Wirkstoffkunde. Auch die Kulturgeschichte der Veterinärphytotherapie kommt zur Sprache. In diesem Bereich gibt es insbesondere eine lange Tradition von Heilpflanzen-Answendungen bei Nutztieren in der Landwirtschaft. Die neuzeitliche Phytotheraapie greift diese Erfahrungen auf und versucht zu klären, was sich davon auch heute noch nutzen lässt. Tradition enthält wertvolle Erkenntnisse, aber auch hartnäckige Irrtümer. Daher braucht es diese kritische Auseinandersetzung. Phytotherapie bietet das Fachwissen, um traditionelle Erfahrungen beuteilen zu können.

„Phytotherapie in der Tiermedizin“ geht sehr genau auf die Behandlung der verschiedenen Tierkrankheiten ein und liefert Informationen zu Wirkungen und Anwendungsbereichen der Heilpflanzen, sowie zu Dosierungen für Pferd, Rind, Schaf, Ziege, Schwein, Hund, Katze, Geflügel. Neben den wichtigen Dosierungsfragen enthält das Buch auch  Hinweise dazu, wie den Tieren die Heilpflanzen am besten verabreicht werden können.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen

[Buchtipp] “Die Reise ins Reich: Unter Reichsbürgern”, von Tobias Ginsburg

 Verlagsbeschreibung

Die Reichsbürger – das sind verführte Irre und böse Verführer, Sektierer, Rechtsradikale und Hetzer hinter konservativer Fassade. Sie alle glauben an eine Weltverschwörung gegen das deutsche Volk und bekämpfen diesen vermeintlichen Feind.
Der jüdische Autor und Regisseur Tobias Ginsburg begibt sich für dieses Buch undercover unter Reichsbürger. Er besucht quer durch Deutschland verschiedene Gruppierungen, wird Untertan eines Königreichs, macht mit bei Plänen zum Sturz der BRD GmbH und für ein germanisches Siedlungsprojekt in Russland. Er lernt gewaltbereite Neonazis und friedensbewegte Esoteriker kennen, aber auch Biedermänner, von denen manche heute für die AfD im Bundestag sitzen.
“Die Reise ins Reich” ist Reportage, Sachbuch und aberwitzige Abenteuergeschichte zugleich. Sie liefert kuriose, komische und bedrückende Auskünfte über eine Bedrohung, die längst die Mitte der Gesellschaft erreicht hat. Zum Shop

Aus einer Buchbesprechung

“Ein irrwitzig-wahnsinnig-komisches Buch über die weitverzweigte Sumpflandschaft der rechtsradikalen Reichsbürger. Tobias Ginsburg hat sich monatelang in ihrem ‘gemeinsamen Nest aus Menschenverachtung’ aufgehalten und erzählt als Literat und Aufklärer von dieser wahrhaft bedrohlichen Szene.”
Günter Wallraff

Zitat aus: Die Reise ins Reich

“In gewisser Weise ist Reichsideologie nur der gute, alte Nazidreck, der es qua Verschwörungstheorie in andere Milieus geschafft hat. Wen sollte es da verwundern, dass er es auch in die AfD geschafft hat? Er musste sich hier auch gar nicht einschmuggeln. Er konnte mit grossem Trara einfach aufmarschieren.”

Zum Autor Tobias Ginsburg

Tobias Ginsburg, geboren 1986 in Hamburg, studierte Dramaturgie, Literaturwissenschaft und Philosophie an der Bayerischen Theaterakademie August Everding und der Ludwig-Maximilians Universität München. Seit seiner Studienzeit schreibt und inszeniert er Theaterstücke. Im Jahr 2007 debütierte er als Autor und Regisseur mit dem Stück Vergewaltigt. Danach war er als Dramaturg am Akademietheater, der Schauburg und in der freien Szene tätig. 2011 feierte sein Stück Nestbeschmutzung in der Reaktorhalle München Premiere. Den Jugendstückepreis 2015 erhielt das Theaterstück Weltenbrand, das er in Zusammenarbeit mit Daphne Ebner schrieb und an der Schauburg inszenierte. Es folgten weitere Arbeiten: Radikal. Monument der Verwesung im i-camp (2014), Goldland (2015) und im folgenden Jahr das Tanz- und Theaterprojekt Du und ich und das Meer dazwischen. Darüber hinaus war er 2016 Fellow des Hanse-Wissenschaftskollegs und ist Gründungsmitglied der Theatergruppe Fake to Pretend.

Kommentar von Martin Koradi

„Reichsbürger“ bestreiten die Existenz der Bundesrepublik Deutschland als legitimer und souveräner Staat und weigern sich mit dieser Begründung, unter anderem Steuern und Bußgelder zu zahlen oder Gerichtsbeschlüssen und Verwaltungsentscheidungen Folge zu leisten.

Die „Reichsbürgerbewegung“ ist sehr heterogen und umfasst verschiedenste Gruppierungen, aber auch reichlich verwirrte Geister und Verschwörungsmythologen. Teile der „Szene“ sind in den letzten Jahren zunehmend militant geworden. 2016  tötete ein Angehöriger der Szene bei einer durchgeführten Razzia durch Schüsse einen SEK-Polizisten.

Der Undercover-Bericht von Tobias Ginsburg bietet eindrückliche Einblicke in die Reichsbürgerszene und zeigt auch Verbindungen zu rechtsextremen Kreisen im Umfeld von NPD, AfD und Pegida. Auch die absonderliche Faszination für den Autokraten Putin scheint immer wieder mal auf.

Für mich war beim Lesen des Buches interessant zu erfahren, wie stark die Reichsbürgerbewegung mit Esoterik und Alternativmedizin verknüpft ist.

Das Buch ist keine systematische Beschreibung der Reichsbürgerszene. Als Undercover-Reportage zeigt es aber deren Stimmungen und Charakteristiken gut nachvollziehbar auf.

Tobias Ginsburg sagt in einem Interview auf „Zeit online“:

„Relativ naiv reiste ich zunächst in eine kuriose Reichsbürgersekte, das berüchtigte ‚Königreich Deutschland’. Es dauerte aber nicht lange, um zu erkennen, dass hinter dem scheinbaren Irrsinn ein System steckt, das auf rechtsextremen Ideen fußt.“

Er hält die Reichsbürgerbewegung für gefährlich:

„Die unmittelbarste Gefahr geht sicherlich von labilen Menschen aus, die glauben, in Notwehr handeln zu müssen und sich und ihr Umfeld akut gefährden. Aber noch beunruhigender ist es, dass durch neurechte Bewegungen und die AfD derartige Wahnvorstellungen normalisiert werden und immer mehr Einzug ins Bürgertum halten. Das Unheimliche war ja, dass mich meine Reise vom Rand der Gesellschaft immer weiter in ihre Mitte geführt hat.“

Auf die Frage, was dagegen zu tun ist:

„Wir brauchen dringend eine Sensibilisierung für rechtsradikale Verschwörungstheorien. Die Gesellschaft muss lernen, was politische Meinung, rechte Gesinnung und Verschwörungstheorie unterscheidet. Man kann es den Leuten nicht ansehen. Wer einer Verschwörungstheorie anhängt, hat eben nicht immer eine kaputte Biografie und trägt eine komische Mütze. Er kann auch eine Krawatte tragen und erfolgreich sein.“

Quelle: https://www.zeit.de/hamburg/2018-09/elbvertiefung-17-09-2018

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

[Buchtipp] “Schwarzbuch AfD – Fakten, Figuren, Hintergründe”, von Marcus Bensmann

Verlagsbeschreibung

 

Wir erklären in unserem Schwarzbuch AfD die Geschichte der rechten Populisten, erläutern ihre soziale Basis, zeigen ihre Köpfe, und was sie sagen, klären über die Finanziers der Populisten, ihre völkische Ideologie, ihre Unterstützer und die Medien der Neuen Rechten auf. Als Bonus machen wir einen Faktencheck der Themen der AfD.

Autorinnen und Autoren

Marcus Bensmann, Justus von Daniels, Markus Grill, Ariel Hauptmeier, Camilla Kohrs, Marta Orosz, Tania Röttger, Nándor Hulverscheidt, Meret Michel. Zum Shop

 

Kommentar von Martin Koradi

Das „Schwarzbuch AfD“ ist ein kompaktes, informatives Werk, das von der Recherche-Organisation Correctiv publiziert wurde.

Die Autorinnen und Autoren zerpflücken das Programm der Partei in verschiedenen Abschnitten: Arbeitslosenversicherung, Mindestlohn, Steuern, Familienbild, Abtreibung, Alleinerziehende, Asyl und Einwanderung, Islam und Judentum, Direkte Demokratie, Euro, Aussenpolitik (EU, NATO, Russland).

Es ist eindrücklich zu lesen, wie abgehoben, widersprüchlich und weltfremd die Ausführungen im AfD-Programm über weite Strecken sind, zum Beispiel beim Thema Familienbild. Wenn die AfD ausserhalb ihrer Lieblingsthemen Lösungen bieten sollte, hat sie kaum etwas zu bieten. Die Gegner der AfD sollten die Partei an diesen Punkten festnageln und das „Schwarzbuch AfD“ gibt dazu reichlich Material.

Das „Schwarzbuch AfD“ beschreibt auch Positionen und Hintergründe von zentralen Figuren der AfD: Frauke Petri, Björn Höcke, Marcus Pretzell, Jörg Meuthen, Alice Weidel, Alexander Gauland, Beatrix von Storch, André Poggenburg, Josef Dörr, Markus Frohmaier, Hans-Thomas Tillschneider.

Ein wichtiger Abschnitt thematisiert die Förderer und Financiers der AfD. Allerdings weiss auch das Correctiv-Team nicht, wer die anonymen Sponsoren des ominösen „Vereins“ sind, welcher die AfD  mit Millionen unterstützt.

Das Erstarken der rechtsradikalen und völkischen Tendenzen sowie des Antisemitismus in der Partei wird ebenso dargestellt wie die Medien, die mit der AfD verbunden sind.

Für Gegner der AfD ist das Buch eine Fundgrube. Darüber hinaus kann es auch Leserinnen und Lesern in der Schweiz einen Einblick geben in politische Vorgänge und Positionen, die in der einen oder anderen Form auch bei uns zu beobachten sind.

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

 

[Buchtipp] “Faschismus – eine Warnung”, von Madeleine Albright

Verlagsbeschreibung

“Manche mögen dieses Buch und besonders seinen Titel alarmierend finden. Gut!”

MADELEINE ALBRIGHT

Weltweit kommt es zu einem Wiedererstarken anti-demokratischer, repressiver und zerstörerischer Kräfte. Die ehemalige amerikanische Außenministerin Madeleine Albright zeigt, welche großen Ähnlichkeiten diese mit dem Faschismus des 20. Jahrhunderts haben. Die faschistischen Tendenzen treten wieder in Erscheinung und greifen in Europa, Teilen Asiens und den Vereinigten Staaten um sich.
Albrights Familie stammt aus Prag und floh zweimal: zuerst vor den Nationalsozialisten, später vor dem kommunistischen Regime. Auf Grundlage dieser Erlebnisse und der Erfahrungen, die sie im Laufe ihrer diplomatischen Karriere sammelte, zeichnet sie die Gründe für die Rückkehr des Faschismus nach. Sie identifiziert die Faktoren, die zu seinem Aufstieg beitragen und warnt eindringlich vor den Folgen.
Doch Madeleine Albright bietet auch klare Lösungsansätze an, etwa die Veränderung der Arbeitsbedingungen und das Verständnis für die Bedürfnisse der Menschen nach Kontinuität und moralischer Beständigkeit. Sie zeigt, dass allein die Demokratie politische und gesellschaftliche Konflikte mit Rationalität und offenen Diskussionen lösen kann.  Zum Shop

Zur Autorin Madeleine Albright

Madeleine Albright wurde 1937 als Madlenka Korbelová in Prag geboren. Ihre Familie emigrierte 1948 in die USA. Sie war von 1997 bis 2001 unter Präsident Bill Clinton Außenministerin der USA. Seit den Siebzigerjahren prägte Albright die amerikanische Innen- und Außenpolitik als Mitglied der Demokratischen Partei. Von 1978 bis 1981 war sie Mitglied des US-amerikanischen Nationalen Sicherheitsrats und ab 1993 US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen. Seitdem ist sie als Universitätsdozentin tätig und leitet eine Consulting-Firma in Washington. Auch nach dem Ausscheiden aus dem Amt ist Albright weiterhin eine wichtige Stimme der internationalen Politik und gehört zu den beliebtesten Politikern der USA.

Kommentar von Martin Koradi

Madelaine Albright, die mit ihrer Familie vor beiden Totalitarismen des 20. Jahrhundert fliehen musste weiss, wovon sie spricht, wenn sie vor einem neuen Faschismus warnt.

Dies ganz im Gegensatz zu Menschen meiner Generation, die politisch bisher in einer Art Wellness-Zone gelebt haben. Kein Krieg, kein gravierender Wirtschaftszusammenbruch, stabile Verhältnisse. Unverdient Glück gehabt.

Das kann allerdings dazu führen, dass solche Bedingungen als selbstverständlich empfunden und Warnzeichen übersehen werden, wenn Wolken aufziehen. Die kommt die Warnung von Madelaine Albright vielleicht gerade zur rechten Zeit.

Sie beschreibt das Aufkommen Mussolinis in Italien, Hitlers in Deutschland und Francos in Spanien.

Aktuellere Vorgänge wie die nationalistischen Exzesse auf dem Balkan und autoritäre Entwicklungen wie zum Beispiel in Venezuela unter Chávez oder unter Orban in Ungarn schildert Albright auf dem Hintergrund ihrer Erfahrungen als Aussenpolitikerin.

Wer sich schon intensiver mit Nationalsozialismus, Faschismus in Italien und der Zeit seit dem Ende des 2. Weltkriegs bis in die Gegenwart auseinandergesetzt hat, wird in den Schilderungen wohl nicht viel neue Fakten finden. Weniger historisch informierten Personen bieten diese Kapitel aber einen guten Überblick.

Und der anekdotische Charakter, der dabei immer wieder aufkommt, vermittelt interessante Einblicke.

Interessanter als die zeithistorischen Vorgänge sind aber die grundsätzlicheren Gedanken der Autorin zu ihrem Thema, die im Verlaufe des Buches zunehmend eingestreut werden.

Albright verweist auf den italienischen Schriftsteller und Holocaust-Überlebenden Primo Levi, von dem der Satz stammt, jedes Zeitalter habe seinen eigenen Faschismus. Faschistische Tendenzen zeigen sich heute anders als in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Für verschiedene Varianten und Anfänge zu sensibilisieren gelingt dem Buch meines Erachtens.

Am ergiebigsten finde ich das 17. und letzte Kapitel. Hier schildert Albright zum Beispiel, wie Demagogen aufsteigen:

„Der Lauf der Geschichte zeigt, dass Demagogen es oft besser als ihre demokratischen Gegner verstehen, die Massen zu begeistern, und fast immer sind sie erfolgreicher, weil man sie für entscheidungsfreudiger und urteilsstärker hält.

Sind die Zeiten relativ ruhig, fällt es uns nicht schwer, geduldig zu sein und zu akzeptieren, dass komplizierte politische Probleme gründliche Überlegung erfordern. Dementsprechend erwarten wir von unserer politischen Führung, dass sie Fachleute zurate zieht, alle verfügbaren Informationen berücksichtigt, Annahmen kritisch prüft und uns die Möglichkeit gibt, zu den vorgeschlagenen Optionen Stellung zu nehmen. Langfristige Planung und sorgfältiges Abwägen erscheinen uns unerlässlich. Doch sobald wir uns einbilden, es müsse sofort gehandelt werden, ist unsere Geduld mit dem umsichtigen Vorgehen am Ende.

Dann wollen viele von uns nicht mehr nach ihrer Meinung gefragt werden, sondern nur noch gesagt bekommen, wohin sie zu marschieren haben. Genau an diesem Punkt beginnt der Faschismus: wenn alle anderen Optionen unzulänglich erscheinen.“

Albright sieht das “Verlangen nach sofortigen Lösungen“ an Anfang faschistischer Entwicklungen.

Vor allem in Phasen der Angst, Wut oder Ratlosigkeit seien wir „womöglich gerne bereit, als Gegenleistung für Orientierung und Ordnung unsere Freiheit partiell preiszugeben – oder, weniger schmerzhaft, die Freiheit anderer.“

Albright kommt natürlich auch ausführlich auf Donald Trump zu sprechen und macht sich unter anderem Sorgen, dass dieser ein antidemokrtisches Vorbild abgibt für Staatschefs aus aller Welt:

„Die Staatschefs weltweit beobachten und imitieren einander. Sie registrieren genau, in welche Richtung ihre Amtskollegen steuern, womit sie ungestraft davonkommen und wie sie ihre Macht erhalten und ausbauen. Sie folgen einander in den Fussstapfen, so wie Hitler Mussolini gefolgt ist. Und heute bewegt sich die Herde in eine faschistische Richtung.“

Madelaine Albright stellt zum Schluss ihres Buches eine Reihe von Fragen zusammen, mit denen sich prüfen lässt, wie stark demagogische und autoritäre Neigungen angehender Führer sind:

„Bedienen sie unsere Vorurteile, indem sie suggerieren, dass Menschen, die nicht unserer Ethnie, Glaubensgemeinschaft oder Partei angehören, weder Würde noch Respekt verdienen?

Wollen sie uns zur Wut gegen jene anstacheln, die uns vermeintlich Böses zugeführt haben, unseren Missmut schüren und uns zur Vergeltung aufrufen?

Animieren sie uns, die staatlichen Institutionen und das politische Wahlverfahren zu verachten?

Versuchen sie, unser Vertrauen in grundlegende Elemente der Demokratie wie die unabhängige Presse und die unabhängige Rechtssprechung zu zerstören?

Beuten sie die Symbole des Patriotismus aus – die Nationalfahne, den Treuschwur – , um uns gezielt gegeneinander auszuspielen?

Wenn sie Wahlen verlieren – akzeptieren sie dann das Ergebnis, oder beharren sie darauf, gewonnen zu haben, ohne irgendeinen Beweis dafür zu erbringen?

Werben sie nicht nur um Stimmen, sondern brüsten sie sich ihrer angeblichen Befähigung, sämtliche Probleme und Ängste beseitigen und jedes Verlangen erfüllen zu können?

Buhlen sie um unseren Beifall, indem sie wie selbstverständlich und mit Machogehabe zur Anwendung von Gewalt gegen Opponenten aufrufen?

Klingt bei ihnen Mussolinis Parole «Die Masse muss nicht wissen, sondern glauben; sie muss sich unterwerfen und lenken lassen» an?

Oder laden sie uns dazu ein, gemeinsam mit ihnen eine Gesellschaft zu erschaffen, in der Rechte und Pflichten gerecht verteilt sind, der Gesellschaftsvertrag gewürdigt wird und alle Menschen sich entfalten und ihre Träume verwirklichen dürfen?“

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

Aus Buchbesprechungen

“Madeleine Albrights Buch kommt gerade zur richtigen Zeit: Aus der Vergangenheit für die Gegenwart zu lernen, was es für die Zukunft zu verteidigen gilt.”
Marion Ammicht, ARD TTT

“Ein Buch, das zur rechten Zeit kommt und hoffentlich viele Leser findet.”
Joschka Fischer, RADIO EINS

“Diese Frau denkt immer im Maßstab des gesamten Globus”
Christoph Scheuermann, DER SPIEGEL

“Madeleine Albright bringt Licht ins Dunkel rechtspopulistischer Machenschaften.”
Anna Ernst, ZDF LITERARISCHES QUARTETT

“Erst Tschechoslowakin, dann Amerikanerin, erst Katholikin, dann Jüdin, erst Flüchtlingskind, dann Außenministerin: Madeleine Albright führt ein Jahrhundertleben. Nun warnt sie vor der Rückkehr des Faschismus”
Mareike Nieberding, SZ MAGAZIN

“Vor [ihren] persönlichen Erfahrungen, die sie oft einfließen lässt, führt Madeleine Albright auf unterhaltsame und intelligente Weise durch das 20. Jahrhundert.”
Alexander Cammann, DIE ZEIT

“Dass ein Werk mit diesem Titel von Rezensenten als ‘ein Buch, das zur rechten Zeit kommt’ gelobt wird, lässt einen erschaudern.”
STERN

“Madeleine Albright, […] hat sich vom Herzen geschrieben, was ihr mit Blick auf die gegenwärtige Weltlage Sorgen bereitet. Das ist lesenswert.”
Günther Nonnenmacher, FAZ WOCHE

“Wenn man es […] polemisch formulieren will: Madeleine Albright hat ein Buch geschrieben, das vor allem wegen seines Titels und seiner Grundannahme wichtig ist. Das allerdings ist keine geringe Leistung.”
Ulrich Gutmair, TAZ

“Eine aufrüttelnde Warnung, die wichtig ist.”
Franziska Trost, KRONEN ZEITUNG

“eines der wichtigsten Bücher dieser Monate”
Arno Widmann,

BERLINER ZEITUNG, FRANKFURTER RUNDSCHAU

“Die frühere US-Außenministerin [legt] eine lesenswerte Arbeit vor, die die gegenwärtigen Umbrüche gut erklärt.”
Stefan Koch, RND

“Ein beunruhigendes und zugleich ermutigendes Buch.[…] ein Buch frei von plaudernder Nähkästchen-Eitelkeit.”
Marko Martin, DLF KULTUR

“Madeleine Albright lässt nicht locker.”
Eva Marburg, SWR 2

“Dass Albright Wendepunkte der Weltgeschichte persönlich erlebt hat, ist die größte Stärke des Buchs.”
Annett Meiritz, HANDELSBLATT

“Ein aufwühlend geschriebenes Werk”
Urs Gehriger, DIE WELTWOCHE

“Indem sie in der Geschichte faschistischer Systeme und ihrer Führer Muster sucht und aufdeckt, macht [Albright] die Gegenwart lesbar. […].Ein richtiger ‘Seitendreher’, wie die Amerikaner packende Bücher nennen.”
Katharina Bracher, NZZ BÜCHER AM SONNTAG

“Madeleine Albright schrieb ein streitbares Buch. Sie fordert dazu auf, die richtigen Fragen an alle zu stellen, die nach Macht streben. Es geht darum, die Demokratie zu bewahren.”
Steffen Twardowski, SACHENLESEN.DE

“Mit ihrem neuen Buch ‚Faschismus. Eine Warnung’ wirft die ehemalige Aussenministerin Madeleine Albright ein weiteres Schlaglicht darauf, warum der Faschismus heute eine größere Bedrohung darstellt als je zuvor seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges.”
Elisabeth Bronfen, NZZ AM SONNTAG