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Kosmetika können Pubertätsbeginn beim Kind beeinflussen

Die Pubertät setzt bei Jugendlichen seit Jahren  immer früher ein – insbesondere bei Mädchen. Wissenschaftler fanden nun in einer Langzeitstudie Zusammenhänge zwischen der Belastung von Müttern mit Kosmetika- und Körperpflege-Zusatzstoffen und dem Pubertätsbeginn ihrer Töchter.

Stoffe in Körperpflegemitteln, die Frauen während der Schwangerschaft verwenden, können laut dieser Studie den Pubertätsbeginn ihrer Kinder beeinflussen. Die Langzeituntersuchung fand einen solchen Zusammenhang vor allem zwischen den Substanzen Diethylphthalat und Triclosan und einem mehrere Monate früheren Einsetzen der Pubertät bei Mädchen. Das schreibt eine Gruppe um Kim Harley von der University of California in Berkeley in der Fachzeitschrift «Human Reproduction».

Das sei wichtig, weil die Pubertät bei Mädchen seit einigen Jahrzehnten immer früher beginnt, erklärt die Epidemiologin in einer Mitteilung der Fachzeitschrift. Unter Verweis auf frühere Untersuchungen betont die Forscherin, dass ein früheres Einsetzen der Pubertät bei Mädchen nicht nur die Anfälligkeit für psychische Probleme erhöhe, sondern auch das langfristige Risiko für Brustkrebs und Eierstockkrebs.

Die aktuellen Resultate beruhen auf einer Studie, die 1999 begann und die Folgen von Schädlingsbekämpfungsmitteln für Schwangere und ihren Nachwuchs prüfte, hauptsächlich an Arbeiterinnen in der Landwirtschaft. Zudem erforschten die Wissenschaftler die Langzeitwirkung von Phthalaten, Parabenen und Phenolen. Diese Sustanzen stehen im Verdacht, das Hormonsystem insbesondere von Frauen zu beeinflussen.

Die Wissenschaftler nahmen für ihre Studie von jeder schwangeren Frau zwei Urinproben. Von den 338 Kindern wurde im Alter von neun Jahren ebenfalls eine Urinprobe untersucht.

In den daran anschliessenden vier Jahren untersuchten die Wissenschftler alle Kinder mit einem Standardtest auf das Einsetzen der Pubertät. Die Ergebnisse: Enthielten die Proben der Mütter viel Monoethylphthalat, eine Vorläufersubstanz von Diethylphthalat, startete die Schamhaarentwicklung ihrer Töchter rund sechs Monate früher.

Eine hohe Konzentration an Triclosan im Urin der Mutter war den Resultaten zufolge verbunden mit einer knapp fünf Monate früheren ersten Menstruation.

Zusammenhänge fanden die Forscher auch zwischen der Belastung von Kindern und dem Einsetzen der Pubertät: Hohe Konzentrationen von Methylparaben im Urin der Mädchen gingen mit einer früheren Entwicklung der Brustdrüsen und einer frühen ersten Menstruation einher. Einen solchen Zusammenhang fanden die Wissenschaftler auch für Propylparaben und die Entwicklung der Schambehaarung. Bei hohen Werten dieser Substanzen starteten die Entwicklungen rund vier bis sieben Monate früher. Bei Knaben fanden die Wissenschaftler eine deutliche Verbindung nur für Propylparaben: Eine hohe Konzentration an Propylparaben ging mit einer früheren Reifung der Geschlechtsorgane einher.

Professor Dr. Josef Köhrle ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Er sieht in der Studie eine Bestätigung bisheriger Erkenntnisse aus Versuchen an Mäusen und Ratten. Beachtenswert seien die Hinweise auf die mögliche Rolle einzelner Substanzen bereits in niedrigen Konzentrationen bei der Beeinflussung der Pubertät, sagt Köhrle. Denn normalerweise lösen mehrere Stoffe gemeinsam in Gemischen derartige Wirkungen aus. Wichtig ist für Professor Köhrle auch der Hinweis, dass die untersuchten Mütter aus einkommensschwachen Bevölkerungsschichten kamen und daher kaum auf bessere Körperpflegeprodukte ausweichen konnten, die weniger Zusatzstoffe enthielten.

Generell wünscht sich der Endokrinologe auch mehr öffentliche Aufmerksamkeit für Stoffe, die nicht Sexualhormone beeinflussen, sondern etwa auf Schilddrüsenhormone und Stresshormone oder auf den Fettstoffwechsel einwirken.

Die zu den Phenolen gehörende Substanz Triclosan sowie Parabene werden in Kosmetika und Körperpflegeprodukten als Mittel gegen Mikroorganismen und als Konservierungsmittel eingesetzt. Diethylphthalat dagegen dient der Fixierung von Duftstoffen.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/kosmetika-beeinflussen-pubertaetsbeginn-beim-kind/

DOI: 10.1093/humrep/dey337

Kommentar & Ergänzung:

Auch wenn diese Art von epidemiologischen Studien Zusammenhänge nicht einwandfrei belegen kann, verdichten sich doch an vielen Ecken und Enden die Hinweise, dass eine ganze Reihe von Alltagschemikalien hormonelle Effekte mit unübersehbaren Folgen auszulösen im Stande ist.

Möglicherweise machen wir da einen ungeplanten, unfreiwilligen Feldversuch.

Den Kontakt mit solchen Chemikalien wo immer möglich zu vermeiden, ist daher wohl sicherheitshalber eine gute Massnahme.

Zu ergänzen ist an diesem Punkt allerdings noch, dass Naturstoffe nicht zwangsläufig ohne Risiko sind.

So kam beispielsweise eine US-Studie zum Schluss, dass Lavendelöl und Teebaumöl den Hormonhaushalt stören können – sie wirken wie das weibliche Sexualhormon Östrogen.

Total acht hormonell wirksame Bestandteile der beiden ätherischen Öle konnten die Wissenschaftler identifizieren, darunter Eucalyptol und Limonen. Dass Kosmetika sogenannte Endokrine Disruptoren enthalten können, ist schon länger bekannt. Bisher wurden jedoch hauptsächlich synthetisch hergestellte Substanzen untersucht.

Siehe dazu auch:

Stören Lavendelöl und Teebaumöl den Hormonhaushalt?

EU will hormonschädigende Stoffe stärker unter die Lupe nehmen

Bereits 2007 berichtete das England Journal of Medicine von drei Fällen von Gynäkomastie (Brustentwicklung) bei präpubertären Jungen.

Patient 1 verwendete einen „healing balm“ mit Lavendelöl, Patient 2 einen Haargel und ein Shampoo mit Lavendelöl und Teebaumöl, Patient 3 eine Seife mit Lavendelöl.

In allen drei Fällen können andere auslösende Faktioren nicht ausgeschlossen werden. Auch dass sich in allen drei Fällen die Gynäkomastie einige Monate nach dem Absetzen der Produkte zurückbildete, sagt nichts Definitives aus. Das kann auch der natürliche Verlauf gewesen sein und beispielsweise durch eine veränderte Hormonlage bewirkt worden sein.

Quelle:

https://www.aerzteblatt.de/archiv/57051/Gynaekomastie-nach-Lavendel-und-Teebaumoel

Insgesamt sprechen aber starke Indizien dafür, dass unnötige Substanzen in Kosmetika besser gemieden werden – und ich würde sagen, das gilt für synthetische und natürliche Stoffe.

Ab 2019: Iberogast und Sinupret auch in Drogerien erhältlich

In der Schweiz gibt es 2019 Änderungen in den Abgabebestimmungen von Arzneimitteln.

Hunderte bisher rezeptfreier, jedoch apothekenpflichtiger Medikamente werden auch in Drogerien erhältlich sein. Das betrifft auch eine ganze Reihe von Phytopharmaka.

Zugleich sollen Apotheken etwa 100 bisher freiverkäufliche Medikamente nur noch mit einer ärztlichen Verordnung oder nach Prüfung der Personalien abgeben dürfen.

Eine entsprechende Übersicht wurde nun von der Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic in Bern publiziert.

Mehr Heilmittel in die Drogerie

Um die Selbstmedikation zu vereinfachen, beschloss der Bundesrat die Neueinteilung die Arzneimittel in der Schweiz. Dazu soll die bisherige Abgabekategorie C (Verkauf nur in Apotheken, aber ohne Rezept) abgeschafft werden. Im Rahmen der Revision des Heilmittelgesetzes beurteilte Swissmedic unter Einbezug externer Fachleute total zirka 650 Arzneimittel, wovon 22 Tierarzneimittel. Dabei standen auch Aspekte des Medikamentenmissbrauchs sowie mögliche Interaktionen im Vordergrund.

Rund 85 Prozent und 550 Medikamente aus dieser Kategorie werden nun in die Kategorie D herabgestuft (Verkauf in Apotheken und Drogerien ohne Rezept). Darzu zählen etwa Iberogast, Sinupret, Buscopan, Talcid, Loperamid oder Voltaren Dolo forte und pflanzliche Arzneimittel mit Johanniskraut-Extrakt. Für diese Medikamente wird in Zukunft nur eine Fachberatung vorausgesetzt, egal ob durch Drogerie oder Apotheke. Die Patienten sollen zudem mit einem Warnhinweis auf der Verpackung für die nötige Fachberatung sensibilisiert werden.

Etwa 15 Prozent der überprüften Medikamente wurden dagegen heraufgestuft in die Kategorie B Verkauf in Apotheken mit Rezeptpflicht). Zwei Drittel der total etwa 100 Arzneimittel enthalten Opiatderivate als Wirkstoffe (Codein oder Dextromethorphan) und wurden von Swissmedic als Stoffe mit einem erheblichen Missbrauchspotential eingestuft. Codeinhaltige Arzneimittel dürfen zukünftig nur durch Personen mit einer Betäubungsmittelbewilligung abgegeben werden. Ergänzend zum Missbrauchspotential gebe es bei zahlreichen dieser Medikamente zusätzlich ein erhebliches Risiko von schwerwiegenden Wechselwirkungen, begründete Swissmedic diese Entscheidung. Bei den anderen für die Abgabekategorie B vorgesehenen Medikamente seien es vorwiegend schwerwiegende Interaktionen mit anderen verschreibungspflichtigen Arzneimitteln oder eine zwingend notwendige Dokumentation der Abgabe, welche eine Fachberatung durch Ärzte oder Apotheker erfordern.

Betroffen durch diese Neuerungen sind zum Beispiel Medikamente wie etwa Hustensirup mit dem Wirkstoff Codein. Der codeinhaltige Hustensaft Makatussin beispielsweise wird ab dem 1. Januar 2019 nur noch auf Rezept erhältlich sein. Wird das Arzneimittel nicht von einem Arzt verschrieben, muss der Apotheker ein Beratungsgespräch durchführen und die Abgabe entsprechend dokumentieren.

Der Berner Kantonsapotheker Samuel Steiner sagte dem Nachrichtenportal 20min.ch:„Wir gehen davon aus, dass mittlerweile 80 Prozent des Makatussin-Konsums missbräuchlich sind.“

Auf der Plattform Saferparty.ch, die unter anderem von der Stadt Zürich betrieben wird, ist zu lesen, dass ein Codein-Entzug bei längerer Einnahme genau so lang und schmerzhaft sein kann wie bei Heroin. Laut Fachleuten kann der Wirkstoff schnell zu einer Abhängigkeit führen, die Entzugserscheinungen wie Krämpfe und Übelkeit mit sich bringt. Diese sind zudem deutlich stärker als bei anderen Drogen. Deutschland hat Codein im Betäubungsmittelgesetz als verschreibungsfähiges Betäubungsmittel eingestuft, wobei niedrige Dosen beziehungsweise Mengen von betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften ausgenommen sind, solange sie nicht an Betäubungsmittel- oder alkoholabhängige Personen verschrieben werden. Anfang 2017 führte Frankreich bereits eine Rezeptpflicht für codeinhaltige Arzneimittel ein.

Mehr Heilmittel in Supermärkte wie Migros und COOP

Im Rahmen der Revision des Heilmittelgesetztes überprüft Swissmedic gegenwärtig auch 400 Medikamente der Kategorie D, die aktuell nur in Apotheken und Drogerien erhältlich sind. Welche dieser Arzneimittel in Zukunft auch im Supermarkt verkäuflich sein werden, will Swissmedic in den nächsten Wochen bekanntgeben.

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/internationales/ab-2019-iberogast-und-sinupret-in-drogerien-rezeptpflicht-fuer-codein-schweiz/

Kommentar & Ergänzung:

Diese Neuerungen werden den Arzneimittelmarkt in der Schweiz gehörig aufmischen, insbesondere den  Bereich der Selbstmedikation.

Die Drogerien werden davon profitieren, dass sie neu viele umsatzstarke Medikamente verkaufen dürfen, die bisher den Apotheken vorbehalten waren. Bei den pflanzlichen Arzneimitteln (Phytopharmaka) betrifft dies vor allem Sinupret, Iberogast und Johanniskrautextrakt-Präparate. Ich bin gespannt, ob auch Gelomyrtol / Gelodurat in die Drogerie wandert.

Drogerien und Apotheken werden aber beide möglicherweise starke Einbussen erleiden, wenn ab 2019 tatsächlich eine grössere Zahl von Arzneimitteln auch bei Migros und COOP im Regal stehen.

Dem stehe ich eher skeptisch gegenüber. Obwohl mich Drogerien und Apotheken bezüglich Beratung zu Phytopharmaka nur selten überzeugen, ist keine Beratung im Supermarkt noch schlechter.

Wenn Sie sich selber fundiertes Wissen über Naturheimittel und Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

Krankheit und die Gesetze der Natur

«Vielleicht noch etwas ganz Anderes. Ich bin Naturärztin. Ich möchte nur sagen: Die Gesetze der Natur bieten immer eine Lösung.»

Anonyme Naturärztin aus dem Publikum an den Tumortagen Winterthur 2008

 

Ergänzung & Kommentar:

Diese Aussage fiel im Rahmen der öffentlichen Veranstaltung „Alles Liebe….“. Während dem berührenden, interaktiven Theaterstück hatten sich Krebskranke und Theaterleute sehr engagiert und differenziert mit den schwierigen Rollen der Tumorkranken in den Spannungsfeldern von Medizin, Familie und Beruf auseinandergesetzt. Der Satz kam ganz am Ende der dichten zwei Stunden – die Moderatorin hatte schon zum Schlusswort angesetzt.

Warum wohl kam dieser Satz im allerletzten Moment? War es einfach Feigheit? Zu diesem Zeitpunkt hatte jedenfalls niemand mehr die Möglichkeit, auf diese Aussage zu reagieren, weder die Betroffenen, noch die Theaterleute noch das organisierende Team vom Tumorzentrum am Kantonsspital Winterthur. Oder war es eher die missionarisch angehauchte, selbstgerechte Äusserung einer Person, welche sich schon im Besitz der Wahrheit wähnt und daher nicht auf Dialog, Austausch und Auseinandersetzung angewiesen ist?

Eine solche Aussage jedenfalls zeugt meines Erachtens von einer eindrücklichen ideologischen Verblendung und sie reduziert die ausserordentlich komplexe Situation einer Krebserkrankung auf einen simplen Slogan.

Die Gesetze der Natur, das würde für die allermeisten der im Saal anwesenden Tumorkranken bedeuten: Der Krebs wächst, die kranke Person stirbt – und das möglicherweise qualvoll. Jede effektive Bekämpfung des Tumors und jede Linderung der Beschwerden verstösst in diesem Sinne gegen die Natur. Denn der Tumor selbst ist auch Natur. Vor dieser für uns brutalen Seite der Natur verschliessen meiner Erfahrung manche Naturärzte und Naturärztinnen die Augen. Sie sind einer sehr einseitigen Idealisierung der Natur verhaftet (und reden dabei oft von Ganzheitlichkeit….).

Darüber hinaus behauptet die Naturärztin mit ihrer Aussage implizit aber auch: Wer die Gesetze der Natur erkennt und annimmt, wird seinen Krebs los. Die Gesetze der Natur bieten ja immer eine Lösung. Darin enthalten ist umgekehrt die Botschaft, dass alle, die ihren Krebs noch haben, halt einfach noch nicht soweit sind.

Meines Erachtens steckt in solchen Sätzen eine masslose Arroganz – schön versteckt hinter der helfend-heilerischen Pose. Das ist ein Schlag ins Gesicht von Betroffenen, die sich tagtäglich bemühen, ihre schwierige Situation so gut wie möglich zu bewältigen und mit Hoffnung, Resignation, Wut, Angst und Trauer umgehen müssen.

Und es ist auch ein Schlag ins Gesicht von Pflegenden, Ärztinnen und Ärzten, die sich täglich in diesem anspruchsvollen Bereich engagieren. Keine Frage, dass im medizinischen Bereich auch manches schief läuft. Es gibt in Pflege und Medizin aber auch viele Fachleute, die immer wieder versuchen, das beste zu geben im Bewusstsein, dass beim Thema Krebs oft auch das beste nicht gut genug ist – und die immer wieder an Grenzen stossen bei sich selbst, bei den Tumorkranken und mit den medizinischen und pflegerischen Möglichkeiten.

Und da kommt dann so eine Naturärztin und sagt einem ganzen Saal von Betroffenen, Angehörigen und Fachleuten mit einem Satz, was für Idioten sie doch alle sind und wie einfach all die Probleme sich doch lösen liessen, wenn man die Gesetze der Natur erkennen und befolgen würde.

Erschütternd ist dabei für mich, dass auch viele Ausbildungsinstitute für NaturärztInnen, HeilpraktikerInnen etc. solch destruktive Grundhaltungen bei ihren Lernenden fördern.

Ich treffe im Bereich von Naturheilkunde / Komplementärmedizin / Pflanzenheilkunde immer wieder auf Anmassungen dieser Art, wie sie sich in obigem Zitat ausdrückt.

Das ist einer der Gründe dafür, warum ich in den letzten 30 Jahren einen immer kritischeren Blick entwickelt habe, was diese Bereiche betrifft.

Ich bin überzeugt davon, dass im Bereich von Naturheilkunde / Komplementärmedizin / Pflanzenheilkunde tief greifende Veränderungen nötig sind, wenn sie wirklich zum Wohl von Patientinnen und Patienten wirken wollen:

Weniger Heilslehren, weniger fraglose Gläubigkeit gegenüber wunderbaren Heilungsgeschichten, weniger pauschale Feindbild-Produktion gegenüber Medizin und Wissenschaft, weniger Allmachtsphantasien, dafür mehr selbstkritische Auseinandersetzung, überzeugendere Anerkennung eigener Grenzen und zumindestens erste Schritte in Richtung einer Qualitätskontrolle, die bis heute weitestgehend fehlt.

Das wäre jedenfalls ein guter Anfang.

Leider gibt es gerade beim Stichwort „alternative Krebstherapien“ jede Menge an Allmachtsphantasien von „Heilerinnen“ und „Heilern“, die schwer kranke Menschen mit haltlosen Versprechungen in die Irre führen. Unter diesen verantwortungslosen Scharlatanen gibt es aber – das muss festgehalten werden, nicht nur Naturheilpraktikerinnnen und Naturheilpraktiker, sondern nicht selten auch „alternativ“ praktizierende Ärztinnen und Ärzte. Das hat eine Recherche des Magazins „Stern“ eindrücklich gezeigt. Dazu hat sich ein stern-Team von 20 Alternativheilern beraten lassen und kommt zum Schluss: „Achtung, Lebensgefahr!“

Siehe auch:

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Naturheilkunde – warum werden unsere Kranken eigentlich wieder gesund?

Naturheilkunde: Sorgfältig prüfen lernen

Komplementärmedizin: Woran erkennen Sie fragwürdige Aussagen?

Naturheilkunde-Ausbildung: Mehr kritisches Denken – weniger blinden Dogmatismus

 

Komplementärmedizin: Genauer Nachdenken – Differenzierter argumentieren

Mehr Kontroverese in Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde

Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde: Nachfragen stat blind glauben

Wirkt Zink gegen Erkältungen? Das ist sehr fraglich!

Um die Frage, ob Zink gegen Erkältungen helfen kann, gibt es immer wieder Diskussionen.

Auf den ersten Blick scheint die Studienlage darauf hinzuweisen, dass Zink, wenn es in der Dosierung von 75 mg / Tag eingenommen wird, die Erkrankungsdauer verringern kann. Nachweisen lässt sich ein solcher Effekt allerdings nur, wenn die Einnahme innerhalb von 24 Stunden nach Beginn der ersten Symptome geschieht.

Der Effekt ist jedoch bescheiden. Wer Zink-Präparate einnimmt, dürfte seine Erkältung um durchschnittlich einen Tag abkürzen. Eine Erkältung dauert unbehandelt im Durchschnitt etwa eine Woche.

Zur Frage, ob die Erkältung infolge der Zinkeinnahme milder verläuft, fallen die Resultate widersprüchlich aus. Dass die Schwere der Erkältungssymptome durch Zinkeinnahme gemildert wird, lässt sich jedenfalls nicht belegen.

Der Nutzen einer langfristigen Einnahme zur Vorbeugung, das heißt mindestens 75 mg pro Tag über fünf Monate, lässt sich bislang ebenfalls nicht beurteilen. Es existieren dazu schlichtweg zu wenige Daten.

Diese Bewertungen basieren auf einer systematischen Übersichtsarbeit & Meta-Analyse der Cochrane Collaboration von Sinh (2013). Diese Arbeit wiederum basiert auf der Auswertung von insgesamt 18 randomisiert-kontrollierten Studien mit total 1781 Personen.

Aber jetzt kommt der Clou:

 

Diese entscheidende Metaanalyse zu Zink & Erkältungen wurde inzwischen wegen gravierender Mängel zurückgezogen.

Infos dazu hier:

https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD001364.pub5/full

Da frühere Studien keinen Nutzen zeigen konnten, fehlt im Moment eine wissenschafltiche Basis,  um Zinkpräpraten eine Wirksamkeit zuzuschreiben.

Dazu kommt noch:

Zink-Präparate schmecken nicht besonders gut und können manchmal Übelkeit hervorrufen.

Als Sirup oder Tabletten sollen sie gemäss den vorliegenden wissenschaftlichen Studien jedoch besser verträglich sein  als in Form von Lutschpastillen.

Zink soll in der Regel nüchtern eingenommen werden, also eine Stunde vor oder zwei Stunden nach einer Mahlzeit, weil gleichzeitig aufgenommene Nahrungsmittel, Genussmittel und Medikamente die Aufnahme in den Körper verringern können.  Das betrifft beispielsweise Kaffee, Schwarztee oder Getreideflocken.

Hohe Zink-Dosen sollen ohne Indikation nicht über längere Zeit eingenommen werden, weil daraus ein Kupfermangel entstehen kann.

Keinesfalls sollte Zink in den hohen Dosierungen, die gegen Erkältungen empfohlen werden (75mg/Tag), über längere Zeit eingenommen werden. Als Obergrenze für die tägliche Zink-Aufnahme nennt das  Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für Erwachsene 25 mg pro Tag – wobei Zink in Lebensmitteln mit einberechnet ist.

Den normalen Tagesbedarf an Zink kann man zudem gut mit der Ernährung decken.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Männer eine tägliche Zinkzufuhr von zehn Milligramm (mg), für Frauen von sieben mg.

Dieser Bedarf lässt sich beispielsweise über zwei Scheiben Vollkornbrot mit Käse und fünf Esslöffeln Haferflocken decken. Jürgen Thier-Kundke vom BfR.

 sagt: „Deutschland ist kein Zinkmangelgebiet. Ein sich ausgewogen ernährender Mensch braucht keine Nahrungsergänzungsmittel.“

 

Insgesamt lässt sich meines Erachtens der Schluss ziehen: Zinkpräparate sind sowohl hoch dosiet gegen Erkältungen als auch niedriger dosiert als Supplement in Nahrungsergänzungsmitteln von Spezielfällen abgesehen überflüssig. Nutzen daraus ziehen nur die Hersteller und Verkäufer der Präparate.

 

 

 

Quellen:

https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/947057/erkaeltungpraevention-gewappnet-husten-schnupfen-heiserkeit.html

https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Zink

https://www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/Zink-Gut-fuer-die-Gesundheit-aber-kein-Alleskoenner-id40521086.html

Sauna hilft zur Vorbeugung von Erkältungskrankeiten

Regelmässige Wechselduschen oder Saunagänge beugen Erkältungskrankheiten vor durch Aktivierung des Immunsystems..

Regelmäßig durchgeführte Wechselduschen steigern nicht nur die Anzahl peripherer zytotoxischer T-Lymphozyten und der natürlichen Killerzellen (NK-Zellen), sondern auch deren Aktivität.

In einer aktuellen Studie zeigte sich dieser immunaktivierende Effekt durch eine Reduktion der erkältungsbedingten Krankheitstage um 30 Prozent (PLoS One 2016; 11: e0161749).

Ähnliche Effekte wurden festgestellt bei regelmäßigen Saunagängen. Der Wechsel zwischen Heiß und Kalt regt Anpassungsprozesse des neuroendokrinen Systems sowie des Immunsystems an, was eine bessere Stresstoleranz und eine gesteigerte Krankheitsabwehr zur Folge hat (MMW 2017; 159: 42-44).

Quelle:

https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/947057/erkaeltungpraevention-gewappnet-husten-schnupfen-heiserkeit.html

https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0161749

https://www.springermedizin.de/gesund-durch-die-erkaeltungssaison/12003366?searchBackButton=true&fulltextView=true&abEvent=detailLink

Kommentar & Ergänzung:

Wechselduschen und Sauna gehören zu den Methoden der klassischen Naturheilkunde und sind dem Bereich Hydrotherapie zugeordnet.

Bei beginnender Erkältung ist Sauna aber wirkungslos. Siehe dazu:

Bei beginnender Erkältung ist Sauna wirkungslos

Ausserdem:

Sauna & Erkältung – passt das zusammen?

 

Kann Kaffee Alzheimer und Herzkrankheiten vorbeugen?

Je dunkler der Kaffee geröstet wird, desto besser soll er fürs Gehirn sein. Dieses Fazit ziehen Wissenschaftler der University of Toronto in einer Studie.

Kaffee mit dunkler Röstung soll demnach Gehirnkrankheiten wie Parkinson oder Alzheimer vorbeugen.

Ausschlaggebend für diese Wirkung soll eine Gruppe von Inhaltsstoffen sein, die Phenylindane, die im Zuge der Röstung entstehen. Untersucht wurden drei Kaffeesorten – heller Röstung, dunkler Röstung und entkoffeinierter dunkler Röstung. Die Studienautoren Ross Mancini, Yanfei Wang und Donald Weaver schreiben, dass dunkle Röstungen (auch in entkoffiinierter Variante) besonders viele Phenylindane enthalten, die wiederum die Produktion von mit Alzheimer und Parkinson in Verbindung stehenden Proteinen (Beta-Amyloid und Tau) hemmen.

Je länger die Röstung, desto mehr potentiell gesunde Phenylindane im Kaffee

Auf die Frage, welche Menge von Kaffee für eine vorbeugende Wirkung nötig ist, gibt die Untersuchung hingegen keine Antwort.

Ungeklärt bleibt auch, ob Kaffee als therapeutisches Mittel bei bestehenden Erkrankungen eingesetzt werden könnte. Dazu bedürfe es weiterer Forschung, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle:

https://diepresse.com/home/leben/gesundheit/5528069/Studie_Kaffee-wirkt-gegen-Alzheimer-und-Herzkrankheiten

Originalstudie:

Phenylindanes in Brewed Coffee Inhibit Amyloid-Beta and Tau Aggregation

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnins.2018.00735/full

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessant finde ich, dass die Röstung hier eine Rolle zu spielen scheint. Allerdings muss auch gesagt werden, dass wir es hier mit einer reinen Laboruntersuchung zu tun haben. Ob dunkel gerösteter Kaffee bei Menschen tatsächlich vorbeugend gegen Alzheimer und Parkinson wirkt, könnte nur durch eine Langzeitstudie mit einer Kontrollgruppe geklärt werden. Da solche Studien sehr aufwendig und teuer sind, ist es eher unwahrscheinlich, dass sie in Angriff genommen werden. Obwohl die Kaffee-Industrie die finanziellen Ressourcen dazu bestimmt hätte.

Da beim Rösten von Kaffee Stoffe entstehen, die die Ausschüttung von Magensäure verlangsamen können, sollen stark geröstete Bohnen besser magenverträglich sein. Bezüglich Verträglichkeit spielen aber auch wohl individuelle Faktoren und die Kaffeesorte eine Rolle.

Kaffee taucht in der Phytotherapie-Fachliteratur nicht auf, obwohl die Kaffeebohne selbstverständlich aus der Pflanzenwelt stammt. Kaffee gilt heute ganz offensichtlich nicht als Arznei, sondern als Genussmittel. Immerhin wird Kaffee aber hinsichtlich seiner gesundheitlichen Auswirkungen intensiv erforscht und er ist eine bedeutende Quelle für Antioxidantien.

 

 

 

 

 

 

Kaffee trocknet den Körper nicht aus

Immer noch zu hören ist die Ansicht, dass Kaffee, Grüntee und Schwarztee für die Flüssigkeitsbilanz nicht angerechnet werden dürfen, weil sie dem Organismus Wasser entziehen würden.

Dieser Gesundheitstipp ist jedoch schon seit einiger Zeit widerlegt. Zwar insbesondere Kaffee wegen seinem Gehalt an Koffein kurzfristig den Harndrang, über den Tag verteilt scheiden Kaffeetrinker jedoch ähnlich viel Flüssigkeit aus wie Nicht-Kaffeetrinker.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) schreibt:

“Kaffee sowie schwarzer und grüner Tee können in der Flüssigkeitsbilanz wie jedes andere Getränk behandelt werden.”

Etwa 1,5 Liter Flüssigkeit täglich gelten als ideal.

Quelle:

https://www.stern.de/gesundheit/krank-wegen-nasser-haare–zwoelf-gesundheitsmythen–die-sie-vergessen-koennen-7275258.html#ktg-0_slide-7

 

Kommentar & Ergänzung:

Kaffee bewirkt also keine „Austrocknung“.

Nach gegenwärtigem Stand des Wissens ist bei koffeinabstinenten Menschen nach Koffeinzufuhr zwar eine gewisse Reduktion des Gesamtkörperwassers festzustellen, doch tritt erhöhter Flüssigkeitsverlust nur einmalig auf, weil bei fortgesetzter, dauerhafter Koffeinzufuhr Ausgleichsmechanismen greifen.

Auf Wikipedia sind diese physiologischen Vorgänge so beschrieben:

“Eine Studie, in der man zwölf Probanden, die seit fünf Tagen koffeinabstinent gelebt hatten, über mehrere Tage jeweils zweimal drei Tassen Kaffee pro Tag (insgesamt 642 mg Koffein/Tag) zuführte, ergab nach 24 Stunden eine mittlere Abnahme des Körpergewichtes von 0,7 kg und eine Reduktion des Gesamtkörperwassers um 1,1 kg (gemessen mit Bio-Impedanz-Messung). Es kann jedoch nicht allein anhand der Gesamtkörperwassermenge eine Aussage über den Flüssigkeitsversorgungsstatus einer Person getroffen werden, da das Wasser wie in diesem Fall aus dem Extrazellularraum stammen kann. Bei fortgesetztem dauerhaftem Kaffeekonsum werden Kompensationsmechanismen, wie die Erhöhung des Plasmavasopressinspiegels und der Osmolalität des Urins, aktiv. Ein erhöhter Flüssigkeitsverlust infolge von Kaffee tritt demnach nur einmalig in Erscheinung.

Das im Kaffee enthaltene Coffein wirkt diuretisch. Wird Kaffee allerdings regelmäßig und in ähnlichen Mengen konsumiert, so besteht keine erhöhte Diurese oder Natriurese aufgrund des erhöhten Niveaus verschiedener Kompensationsmechanismen (Escape-Phänomen). Kaffee wird deshalb nach aktuellem Forschungsstand als Teil der Wasserzufuhr des Körpers betrachtet und kann in der Flüssigkeitsbilanz wie jedes andere Getränk behandelt werden.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kaffee#Entwässerung)

Diese Ausführungen lassen sich wohl weitgehend auch auf Grünteee und Schwarztee übertragen, die beide dem Organismus in der Regel weniger Koffein zuführen und das zudem auch langsamer tun.

Kaffee hat in der Phytotherapie keine Bedeutung, Schwarztee und Grüntee aber schon, allerdings vor allem wegen dem hohen Gehalt an Gerbstoffen und Antioxidantien (EGCG in Grüntee, Theaflavine im Schwarztee).

Wenn Sie fundiertes Wissen über Wirkstoffe in Heilpflanzen erwerben möchten, dann nhemen Sie am besten an einem meiner Lehrgänge Teil. Das Heilpflanzen-Seminar und vertiefter noch die Phytotherapie-Ausbildung geben einen guten Einblick in dieses faszinierende Thema.

Naturheilkunde: Bewährte Hausmittel für Kinder

Der österreichische „Kurier“ bricht eine Lanze für bewährte Hausmittel. Dabei kommt auch der Kinderarzt Karl Zwiauer zu Wort. Er ist Vorstand der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde im Universitätsklinikum St. Pölten:

„Mit dem Aufkommen der modernen Medizin – Stichwort Antibiotika – sind viele Hausmittel in Vergessenheit geraten. Jetzt gibt es eine gewisse Rückbesinnung.“

Als Beispiel erwähnt er warme Wickel (z. B. gegen Husten oder Halsschmerzen), welche die Durchblutung verbessern, Regenerationsprozesse anregen und die lokale Abwehr stärken. Da gehe es einem schnell besser. Früher hätten die Ärzte viel rascher Antibiotika verschrieben, heute sei man da konservativer. Der Kinderarzt weist aber auch auf die Grenzen der Hausmittel hin: Bessere sich ein schlechter Zustand von Säuglingen und Kleinkindern nicht innert eines Tages wesentlich, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Bei Heilpflanzen rät Zwiauer zu Präparaten in Arzneibuchqualität (erhältlich in Apotheken und Drogerien): „Da weiß man, was drinnen ist und kann sich auf die Wirkung verlassen.“

Quelle:

https://kurier.at/gesund/warum-jetzt-omas-heilwissen-wieder-in-ist/400309764

 

Kommentar & Ergänzung:

Sehr vernünftiges Statement.

Irgendwie scheint heute nämlich über weite Strecken das richtige Mass abhanden gekommen zu sein. Einerseits gibt es Eltern, die schon mit kleineren Beschwerden ihrer Kinder – zum Beispiel einer normalen Erkältung – überfordert sind und mit den Kleinen zum Arzt oder gleich ins Spital rennen. Ihnen würden wohl bessere Kenntnisse bewährter Hausmittel mehr eigenen Handlungsspielraum verschaffen und mehr Gesundheitskompetenz vermitteln. Andererseits gibt es gerade auch in Kreisen der Alternativmedizin Eltern, die den eigenen Methoden zuviel zutrauen und zu spät ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, wodurch immer wieder auch Kinder zu Tode kommen. Darum ist es wichtig, wie Zwiauer auch auf Grenzen der Selbstbehandlung hinzuweisen.

Ich bin auch mit dem Hinweis einverstanden, bei Heilpflanzen-Präparaten Arzneibuchqualität zu bevorzugen, weil damit ein gewisser Qualitätsstandard gewährleistet ist. Vor allem würde ich keine Heilkräuter und auch sonst keine Arzneimittel via Internet beziehen. Dort werden derart viele Fälschungen angeboten, dass die Sicherheit der Produkte nicht gewährleistet ist.

Eine fundierte Phytotherapie eignet sich im übrigen bestens, um verlorengegangenes Wissen über Hausmittel in erneuerter Form wieder aufzubauen.

Wer sich für fundiertes Heilpflanzen-Wissen für die Anwendung bei Kindern und Erwachsenen interessiert, dem empfehle ich meine Lehrgänge – das Heilpflanzen-Seminar und die Phytotherapie-Ausbildung.

 

 

Zuviele ungeeignete Medikamente bei Pflegeheimbewohnern

Senioren in Pflegeeinrichtungen bekommen oft für sie ungeeignete Arzneimittel oder Arzneimittel-Kombinationen. Das haben Rechtsmediziner entdeckt, die verstorbene Bewohner dieser Einrichtungen für eine Studie obduziert haben.

Betagte Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen leiden häufig gleich an mehreren Krankheiten und müssen darum verschiedene Arzneimittel einnehmen. Eine solche Medikation braucht aufmerksame Planung, denn es kann rasch zu Wechselwirkungen der verschiedenen Wirkstoffe kommen. Darüber hinaus sind einige Medikamente generell nicht für sehr alte Menschen geeignet: Sie stehen deshalb auf der sogenannten Priscus-Liste.

Nicht alle Pflegeinstitutionen prüfen aber die Medikation ihrer Bewohner sorgfältig genug. Das konnte eine Wissenschaftlergruppe am Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigen. Die Mediziner obduzierten 100 Bewohner von Altenheimen, die auch dort verstorben waren. Urin, Blut und Haare der Toten wurden in einem forensisch-toxikologischen Labor auf Medikamentenrückstände untersucht.

Sie wollten herausfinden, ob und wie oft die Verstorbenen für sie ungeeignete Medikamente eingenommen hatten, ob Medikamente überdosiert oder als freiheitsentziehende Maßnahme genutzt, also Patienten damit »ruhiggestellt« wurden.

Die Wissenschaftler untersuchten aber auch, ob die Gabe von Medikamenten gar für Todesfälle verantwortlich war.

Die Studie wird erst im Jahr 2019 abgeschlossen, doch die Forscher um Sabine Gleich haben nun schon erste Resultate publiziert. Demnach nahmen die untersuchten 100 Toten durchschnittlich 5 Medikamente ein. Der höchste Wert bei einem Bewohner waren 12 unterschiedliche Präparate.

Beinahe jeder zweite Bewohner (47 Prozent) nahm Antipsychotika, jeder dritte (30 Prozent) Antidepressiva.

Ein Viertel der verstorbenen Bewohnerinnen und Bewohner  (22 Prozent) hatte Hypnotika oder Sedativa eingenommen – eine Arzneimittelgruppe, die genäss Priscus-Liste für dieses Lebensalter kontraindiziert ist.

Die Studienautoren schreiben, dass die Medikamentenkombinationen in mehreren Fällen nicht den Leitlinien der Fachgesellschaften zu entsprechen scheinen. Sie fanden Hinweise auf eine gleichzeitige Verordnung mehrerer Opioidanalgetika sowie mehrerer oder langwirksamer Hypnotika. Auch hatten zahlreiche Bewohner verschiedene zentralnervös wirksame Substanzen eingenommen, was immer mit einem hohen Risiko für Nebenwirkungen und Interaktionen verbunden ist.

Bei den Antipsychotika waren die beiden am häufigsten gefundenen Substanzen Pipamperon und Risperidon, bei den Antidepressiva Mirtazapin und Citalopram, bei den Opioidanalgetika Tilidin und Fentanyl. Hatten die Verstorbenen Hypnotika eingenommen, dann besonders häufig Lorazepam oder Oxazepam. Bei den Antikonvulsiva lagen Pregabalin und Gabapentin an der Spitze.

Die Wissenschaftler werten zurzeit noch zusätzliche Details anhand von weiteren Blut- und Haarproben aus und analysieren die Medikationspläne der obduzierten Patienten. Für das kommende Jahr planen sie eine ausführliche Fachpublikation.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/zu-viele-ungeeignete-medikamente/

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Medikation bei älteren Menschen ist oft anspruchsvoll, insbesondere wenn mehrere Erkrankungen gleichzeitig vorliegen. Je höher dann die Zahl der verordneten Medikamente, desto schwieriger wird es, die potentiellen Wechselwirkungen zu überblicken.

Die Mitteilung der Forscher aus München bestätigt den Eindruck, dass hier nicht immer alles otimal läuft und oft zuviel verordnet wird. Wir können also gespannt sein auf den vollständigen Forschungsbericht.

Zur erwähnten Priscus-Liste:

Die im Herbst 2010 eingeführte Priscus-Liste kann Ärzten und Apothekern bei einer seniorengerechten Auswahl von Medikamenten helfen. Die Priscus-Liste umfasst 83 Wirkstoffe, die als potenziell ungeeignet für geriatrische Patienten gelten.

Alternativ verweist die Priscus-Liste auch auf Phytopahrmaka.

Bei Schlafstörungen schlägt sie alternativ hoch dosierte Baldrianpräparate oder nichtmedikamentöse Therapie (Schlafhygiene) vor.

Siehe dazu:

Schlafstörungen: Senioren profitieren von pflanzlichen Schlafhilfen

Baldrian als verträgliche Schlafhilfe für Senioren bestätigt

Eine Erläuterung zum Sinn und Zweck der Priscus-Liste finden sie hier:

Priscus Erläuterung

Zur Priscus-Liste direkt geht’s hier:

Priscus-Liste

P.S.:

Phytopharmaka bzw. Heilpflanzen-Anwendungen sind im Pflegeheim in gewissen Situationen eine prüfenswerte Option – für Pflegefachleute, aber auch für Personen aus Medizin und Naturheilkunde biete ich mit der Phytotherapie-Ausbildung einen fundierten Lehrgang an, um professionelles Wissen in diesem Bereich zu erwerben.